Abendröte ruht auf alten Wegen.
Stille Mühlen stehn im kahlen Land
wie gebannt;
hohe Bäume glühn der Nacht entgegen.
Wo der dämmergraue Park sich lichtet,
unweit einer Grabkapelle,
gehn zwei Menschen, Hand in Hand.
Und, als sei ein Streit geschlichtet,
weist ein Weib ins Freie, Helle:

Du musst nicht meinen, ich sei so schicksalsblind,
dass ich am Himmel niemals Wolken seh.
Hier birgt noch jeder Strauch mein einsam’ Weh:
hier sahst du kalt auf mein getötetes Kind.
Jetzt aber, wo dein Leben mich durchrinnt,
so warm, als klopfe unter meinem Herzen
Dein Herz mit allen Wonnen, allen Schmerzen,
jetzt will ich kämpfen, bis ich vor dir steh
so lauter wie ein wolkenloser Tag.
Wer sind nun deine dunkeln Freunde? sag!

Abendröte ruht auf alten Wegen;
durch die glühenden Kiefernkronen
graut der Nacht ein fahles Haus entgegen,
hoch mit eisernem Balkone.
Ein Mann sagt willig, sagt mit Hohn:

So lass dir denn erwidern:
schon bist du selbst im Bunde.
Von allen seinen Gliedern
ist keins so reif wie Du zur Stunde.
Denn diesen Bund hat nur die Sehnsucht gestiftet,
nichts wider Willen mehr mitanzusehen.
Man darf sogar Verrat begehen;
das Schlimmste ist, man wird vielleicht vergiftet.
Es folgen Alle nur dem einen Satze:
dort, lieber Freund; scheint Ihre Kraft am Platze.

Abendröte ruht auf alten Wegen;
Wolken glühn zwei Menschen wirr entgegen.