Vermisstrauen

Vertrauen ist ein zart' Empfinden
man kann es schenken, man kann es schinden
man kann's geniessen und es verlieren
und oft kann man nur blind probieren...
Es ist Gefühl, Wunsch oder Ahnung,
obliegt niemals gewollter Planung.
Es hemmt zutiefst, wenn nicht vorhanden,
nagt grausam kalt an zarten Banden.
Wen schmerzt es mehr, s'ist nicht die Frage;
Misstrauen quält, ist allen Plage.
Der eine zweifelt; gibt man mir Wahrheit?
Der and're rätselt; wie schaff ich Klarheit?
Der Zweifler wollt', doch Stück um Stück
hält es ihn fern, von seinem Glück.
Und der, dem man partout nicht traut
verstummt alsbald, wagt keinen Laut.
Das Ende naht, kann man's verhindern?
Was könnt' des Zweiflers Unmut mindern?
Denn wenn Misstrauens Keim gesät
Scheint alle Wahrheit dann verdreht.
So bleibt zum Schluss, als einz'ge Hoffnung
Der, dem misstraut, fleht Herzens Öffnung...

cas