1. #1
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    Betonung und Metrikanalysen

    Guten Tag,

    auf eine in den Bärengedichten entbrannten Diskussion über Betonungen möchte ich gerne noch eingehen.

    Es wäre sehr nett, wenn die Moderation vllt. die dafür relevanten Beiträge von Niwlam und Der Panther hier noch einfügen könnte.

    Zitat Zitat von Niwlam
    PS: man betont MEISTENS auf dem Wortstamm, bei Wörtern wie:

    aufregen
    auflegen
    entleeren
    belehren
    verdichten
    belichten
    verstellen
    bestellen
    wird also im Regelfall: xXx betont
    immer häufiger lese ich folgende Betonung: Xxx, dies ist bei aufregen
    oder auflegen zwar auch möglich, aber wenn doch alles darauf hindeutet
    das xXx im Metrum säße + das vor dem aufregen die letzte Silbe betont war
    dann BITTE, bitte betont es auch so: xXx.
    Ich werd hier mal einsteigen in die Diskussion. Das was vorher geschrieben wurde, dass es XX nicht im Deutschen gibt, stimmt soweit, dass es das nicht geben kann, wenn keine bewusste Zäsur dazwischen gesetzt ist. Allerdings gibt es z.b. die Wörter wie Rinnsäle, dort kann man sich jetzt streiten, ob es XXx, xXx, Xxx betont wird. Letztlich muss man sich hierbei klar werden, dass das Metrikschema Xx einfach Schwächen hat. Zum einen gibt es nun mal nicht nur betont und unbetont, sondern auch akzentuierte Silben, zum anderen lässt man die Silbenlänge völlig außer acht. Kurz gesagt, mit dem Schema einfach nicht allgemeingültig darstellbar.

    Was hat das nun alles mit dem hier angesprochenen "aufregen" zu tun? Nun, einerseits hat Niwlam Recht, man betont meisten nach dem Wortstamm. Jedoch gibt es durchaus einige Präfixe, die die Hauptbetonung für sich beanspruchen, in dem Fall ist das so. Sprich wir betonen "aufregen" Xxx.

    Weshalb es hier diese großen Schwierigkeiten gibt, liegt einfach daran, dass die lateinische bzw. altgriechische in naturlange und positionslange Silben unterscheidet. Dort könnten also durchaus zwei naturlange oder positionslange Silben aufeinanderprallen. Sehen wir uns das Wort "aufregen" so an:

    - = naturlang
    v = positionslang

    aufregen hat dann folgendes Muster: --v

    Setzen wir jetzt unser gewohntes Metrikschema dazu, sollte klar werden, dass wir es hier auf jedenfall mit einer betonten und einer akzentuierten und gleichzeitig naturlangen Silbe haben. Da jeder die Silbenlänge individuell gegenüber den anderen Lesern hat, kann es durchaus sein, dass es rein vom Hören her fast so ist, als wenn beide Silben betont werden.

    Kurzum, richtig bleibt Xxx, herzuleiten nach der Regel, dass das Präfix "auf" betont wird. (Ausnahmen gibt es auch hier, wenn es Wortkomposita, bzw. bzw. zwei Präfixe sind.)

    Ich hoffe mit der kleinen Erklärung konnte ich klar machen, weshalb es hier diese Unklarheiten gab.

    Gruß,
    Flo
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

  2. #2
    zuckerschnäuzchen ist offline DroElfteEdeLyrikProstiStuTante
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    huhu
    ich hoff mal ich sag jetzt nichts falsches, aber mitunter gibt es, soweit ich weiß, abwandlungen der regulären metrikbetonung, sie müssen nur sinngehalt aufweisen und logisch nachvollziehbar sein

    Ensimismado: Ich werd hier mal einsteigen in die Diskussion. Das was vorher geschrieben wurde, dass es XX nicht im Deutschen gibt, stimmt soweit, dass es das nicht geben kann, wenn keine bewusste Zäsur dazwischen gesetzt ist. Allerdings gibt es z.b. die Wörter wie Rinnsäle, dort kann man sich jetzt streiten, ob es XXx, xXx, Xxx betont wird.

    Pringles: Nein, man kann sich nicht darüber streiten, in der deutschen phonetik mag es sprachgebräuchlich sein, bestimmte sachen hervorzuheben, aber metrisch kann niemals etwas gleich gehoben betont gesetzt werden, dies gilt nur für die griechische betonungslehre, in der deutschen betonungslehre gibt es keinen spondäus
    Worte wie Blutrot, Sinnbild, Trugschluss...klingen zwar gleichermaßen betont, allerdings muss eines dieser silben sich der vorangehenden betonungsart aus einem kontext heraus anpassen

    Wenn ich schreibe „die Augen Blutrot unterlaufen“ habe ich eine metrische kette von xXxXxXxXx
    Das „rot“ fügt sich dem phonetisch vorangehenden gebilde und da kann es noch so betont sein
    Man kann eine silbenbetonung die wie ein spondäus XX aussieht nur im trochäus oder jambus wiedergeben, insofern das metrische muster es zulässt, ansonsten klingt es nicht

    Ensimismado: Letztlich muss man sich hierbei klar werden, dass das Metrikschema Xx einfach Schwächen hat. Zum einen gibt es nun mal nicht nur betont und unbetont, sondern auch akzentuierte Silben, zum anderen lässt man die Silbenlänge völlig außer acht. Kurz gesagt, mit dem Schema einfach nicht allgemeingültig darstellbar.

    Pringles: findest du? Die schwäche liegt dann wohl eher nicht am metrikschema, sondern leider am betonenden individuum, denn umgangssprachlich fließen leider viel zu viele einflüsse mit ein, was die metrik eines jeden leicht einmal verfälschen kann, ohne das dieser weiß das es falsch ist, denn schliesslich hat derjenige es nie anders gelehrt bekommen

    Mit den akzentuierten silben gebe ich dir recht, allerdings finde ich sie glaube ich weniger in zweisilbigen wortgebilden

    Champs elysee – X xXx

    Ensimismado: Was hat das nun alles mit dem hier angesprochenen "aufregen" zu tun? Nun, einerseits hat Niwlam Recht, man betont meisten nach dem Wortstamm. Jedoch gibt es durchaus einige Präfixe, die die Hauptbetonung für sich beanspruchen, in dem Fall ist das so. Sprich wir betonen "aufregen" Xxx.

    Weshalb es hier diese großen Schwierigkeiten gibt, liegt einfach daran, dass die lateinische bzw. altgriechische in naturlange und positionslange Silben unterscheidet. Dort könnten also durchaus zwei naturlange oder positionslange Silben aufeinanderprallen. Sehen wir uns das Wort "aufregen" so an:

    - = naturlang
    v = positionslang

    aufregen hat dann folgendes Muster: --v

    Setzen wir jetzt unser gewohntes Metrikschema dazu, sollte klar werden, dass wir es hier auf jedenfall mit einer betonten und einer akzentuierten und gleichzeitig naturlangen Silbe haben. Da jeder die Silbenlänge individuell gegenüber den anderen Lesern hat, kann es durchaus sein, dass es rein vom Hören her fast so ist, als wenn beide Silben betont werden.

    Pringles: gut, damit kann ich mich identifizieren und dem stimme ich vollends zu

    Ensimismado: Kurzum, richtig bleibt Xxx, herzuleiten nach der Regel, dass das Präfix "auf" betont wird. (Ausnahmen gibt es auch hier, wenn es Wortkomposita, bzw. bzw. zwei Präfixe sind.)

    Insofern der kontext eines textes es nicht anders vorsieht und der wortklang, bzw das wortgebilde sich nahtlos anpassen
    Eine metrik im daktylus wäre ganz klar von vorteil für das wort „aufregen“ Xxx
    Allerdings kann es sich auch in einem metrischen jambus oder trochäus gut behaupten, die silbe „gen“ nimmt sich zwar in ihrem wortlaut zurück, kann aber je nach bedarf in ein metrisches muster von XxX umgewandelt werden
    Das haben anapäst und daktylus zu gute, sie sind flexibel und bestehen meißt aus mehr als zwei aufeinanderfolgenden silben

    „Das Aufregen der Anderen“ xXxXxXxX etwas anderes wie zbsp dein muster nach xXxx/xXxx funktioniert hier nicht einmal und schuld ist ein einziges bindewort bzw. ein kleiner artikel „der“
    „Wozu noch Aufregen, wer sind die Anderen?“ XxxXxx, XxxXxx ....das würde gehen
    das ist alles eine frage der lesart denke ich
    glg pringles

    ps: alles in allem hast du nicht viel anderes gesagt als ich, ich wollt nur mal gucken ob ichs revidieren konnte...revidieren macht spaaaaaß ^^
    und ich red doch so gern gegenan ^^
    Oh,was das Verzeichnerisches?

    Für angehende Dichter und Kritiker Erste Schritte von Levampyre

  3. #3
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    Hallo Flo,

    ich kann nicht wirklich etwas "Fachliches" dazu sagen, mache die Metrik nach Gehör, Sprachempfinden und danach,
    was ich hier und aus Wikipedia gelernt habe, nämlich immer dann, wenn ich bei den sachlich fundierten Kritiken
    ein literaturtechnisches Fremdwort gelesen habe.

    Was ich hiermit sagen will:
    Ich finde es bemerkenswert und höchst nützlich, dass du diesen Faden eröffnet hast, wenngleich es einige Fäden
    hier in diesem Forum schon gibt.
    Danke dafür.

    Zu @pringels Beitrag - ist zwar nett aufgemacht, bringt aber demjenigen, der sich über das Threadthema
    informieren will, rein gar nichts.
    Der Beitrag dient lediglich ihm selber - zur Bestätigung, dass er alles richtig macht

    Nix für ungut. Thats all.

    Mit Gruß,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  4. #4
    zuckerschnäuzchen ist offline DroElfteEdeLyrikProstiStuTante
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    das es demjenigen der sich informieren will rein gar nichts sagt wage ich zu bezweifeln, denn schlussendlich weiß ich schon wovon ich rede und manch anderer seltsamerweise auch

    Wenn Lehrer schreiend unterrichten
    dann regen Elten sich empört auf.
    Wenn Schüler sich lauthals aufregen
    missachtet man Beschwerden Lehrerseits.

    xXxXxXxXx
    xXxXxXxXx
    xXxxXxXxx
    xXxXxXxXxX

    nich umschreiben? ich rate dir es wegzuschmeißen
    am meißten stört mich bei der strophe nicht die metrik sondern die phonetik, es klingt nicht und holpert ziemlich malwin, das kannst du sicherlich besser
    glg pringles
    Oh,was das Verzeichnerisches?

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  5. #5
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    Zitat Zitat von pringles
    huhu
    ich hoff mal ich sag jetzt nichts falsches, aber mitunter gibt es, soweit ich weiß, abwandlungen der regulären metrikbetonung, sie müssen nur sinngehalt aufweisen und logisch nachvollziehbar sein.
    Natürlich, es gibt immer wieder Abwandlungen der Metrik. Ein Wort aus dem Kontext zu reißen macht daher nur selten Sinn.

    Pringles: Nein, man kann sich nicht darüber streiten, in der deutschen phonetik mag es sprachgebräuchlich sein, bestimmte sachen hervorzuheben, aber metrisch kann niemals etwas gleich gehoben betont gesetzt werden, dies gilt nur für die griechische betonungslehre, in der deutschen betonungslehre gibt es keinen spondäus
    Worte wie Blutrot, Sinnbild, Trugschluss...klingen zwar gleichermaßen betont, allerdings muss eines dieser silben sich der vorangehenden betonungsart aus einem kontext heraus anpassen
    Nun gut, den reinen Spondäus gibt es nicht, es gibt lediglich einen Hebungsprall mit inbegriffener Zäsur, stimmt soweit. War ungenau von mir dargestellt, ich hätte eins der beiden Xe als Akzentuierung markieren müssen.

    Wenn ich schreibe „die Augen Blutrot unterlaufen“ habe ich eine metrische kette von xXxXxXxXx
    Das „rot“ fügt sich dem phonetisch vorangehenden gebilde und da kann es noch so betont sein
    Man kann eine silbenbetonung die wie ein spondäus XX aussieht nur im trochäus oder jambus wiedergeben, insofern das metrische muster es zulässt, ansonsten klingt es nicht
    Dein Beispiel stimmt, aber die Aussage, dass man einen Hebungsprall nur im Trochäus oder Jambus wiedergeben kann, ohne dass es klingt, die würde ich nicht so direkt unterschreiben. Wie schauts denn hier aus:
    "werden Kirschblüten auch leise als Boten verdingt."
    Ein Anapäst oder Daktylus, ob jetzt ein katalektischer Daktylus oder hyperkatalketischer Anapäst soll dabei mal keine Rolle spielen.

    Pringles: findest du? Die schwäche liegt dann wohl eher nicht am metrikschema, sondern leider am betonenden individuum, denn umgangssprachlich fließen leider viel zu viele einflüsse mit ein, was die metrik eines jeden leicht einmal verfälschen kann, ohne das dieser weiß das es falsch ist, denn schliesslich hat derjenige es nie anders gelehrt bekommen
    Natürlich hat das System Schwächen. Es fehlt die Darstellung für akzentuierte Silben und mittels diesem Schema kann man noch nicht erklären, weshalb z.b. auch ein reiner Jambus nicht klingen kann, obwohl Syntax und Semantik stimmt.

    Mit den akzentuierten silben gebe ich dir recht, allerdings finde ich sie glaube ich weniger in zweisilbigen wortgebilden.
    Fremdwörter sind dann noch mal ein anderes Paar Schuhe. Im Deutschen fällt mir spontan kein Wort ein, welches nicht eine Wortkomposita ist, die eine Akzentuierung benötigt.

    Insofern der kontext eines textes es nicht anders vorsieht und der wortklang, bzw das wortgebilde sich nahtlos anpassen
    Eine metrik im daktylus wäre ganz klar von vorteil für das wort „aufregen“ Xxx
    Allerdings kann es sich auch in einem metrischen jambus oder trochäus gut behaupten, die silbe „gen“ nimmt sich zwar in ihrem wortlaut zurück, kann aber je nach bedarf in ein metrisches muster von XxX umgewandelt werden
    Das haben anapäst und daktylus zu gute, sie sind flexibel und bestehen meißt aus mehr als zwei aufeinanderfolgenden silben
    Stimmt soweit natürlich, wobei ich hier sagen würde, eine Hilfsbetonung ob des Metrikschemas auf das "gen" zu legen ist sehr ungünstig, weil es eine positonslange Silbe ist, diese zu betonen klingt (soweit mir bekannt ist) fast nie.

    „Das Aufregen der Anderen“ xXxXxXxX etwas anderes wie zbsp dein muster nach xXxx/xXxx funktioniert hier nicht einmal und schuld ist ein einziges bindewort bzw. ein kleiner artikel „der“
    „Wozu noch Aufregen, wer sind die Anderen?“ XxxXxx, XxxXxx ....das würde gehen
    das ist alles eine frage der lesart denke ich
    glg pringles
    xXxxxXxx funktioniert schon, da wir genaugenommen ja keine xxx haben, sondern xxx wobei die Akzentuierung damit auch dieses Muster dann möglich macht.



    @Niwlam, ich du kannst auch die akzentuierte Silbe betonen, aber z.b. eine eigentlich unbetonte Silbe, also aufreGEN würde ich nie betonen.


    Letztlich möchte ich nochmal kurz anmerken, dass es durchaus sein kann, dass sich hie und da ein Fehler einschleicht, ich hab mir die Sache nur privat beigebracht und daher kaum Möglichkeiten Lehrer/Professoren zu fragen.

    Gruß,
    Flo
    Neustes Werk aus meiner Feder:
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    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

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