1. #1
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    Der letzte Liebhaber

    Der Donner grollt durch dunkle Nacht,
    ein Blitz zuckt ruhlos über uns.
    Gewitterschwüle drückt den Atem,
    In Deinem Arm ring ich nach Luft.
    Dein Blick wird wirr und Regen kühlt
    die Stirn, die grad wie Feuer brannte.
    Mein Blut stockt kurz, dann fließt es heißer
    aus meinen Adern zu Dir hin.
    Ich spüre Deinen Puls in mir
    und rieche Gras, auch schmeck ich Erde.
    Im Takt mit Donner, Blitz und Stille.
    stößt Du mich fort, ziehst mich zu Dir.
    Der Mund -geöffnet- schreit der Nacht
    entgegen, doch verstummt sein Rufen.
    Und Hände pressen meine Kehle,
    die Stimme bricht, und Licht erlischt.

    In tiefer Nacht hör ich Dich geh'n
    und mit Dir zieht das Hassgewitter.
    Mit letzter Kraft umschließ ich fester
    das kommende Beweisstück A.
    Geändert von Lacrymoso (09.07.2007 um 01:57 Uhr)
    Lacrymoso
    Eine Seele ist keine Festplatte, die man nach Bedarf defragmentieren kann.

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  2. #2
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    Hallo Lacrymoso

    Eine sehr interessante und "ansprechende", dichterische Beschreibung einer Vergewaltigung.

    Nur über eine Zeile bin ich metrisch gestolpert:
    Zitat Zitat von Lacrymoso

    ...
    ringe in Deinem Arm nach Luft.
    ...
    Was würdest du hier von:
    Zitat Zitat von Metrikvorschlag

    ...
    in Deinem Arm ring ich nach Luft.
    ...
    halten ?

    viele Grüße
    thamis
    Do you need to see to believe? Believe and you will see!

  3. #3
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    Hey Lacrymoso,

    ich finde an deinem Gedicht sehr interessant, dass eigentlich nur die äußeren
    Umstände beschrieben werden. Dass es sich um eine Vergewaltigung handelt
    wird nur in einem einzigen Vers angedeutet(V9).
    Toll finde ich auch den letzten Vers, die Andeutung auf ein Gerichtsverfahren
    (was bei solchen Sachen ja sehr wichtig ist, dass es angezeigt wird).
    So, jetzt weiß ich irgendwie nicht mehr, was ich schreiben soll...interessante
    Gestaltung, gefällt mir(wenn einem sowas gefallen kann).

    Liebe Grüße ***sabsi***
    Wenn ein Finger zum Himmel zeigt, schaut nur ein Dummkopf den Finger an. (Die fabelhafte Welt der Amélie)

  4. #4
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    Lieber Thamis,

    sehr viel halte ich davon, Danke! Das war mein erster Versuch, ein solches Thema anzuschneiden. Ich war mir nicht ganz sicher. Gut, dass es nun endlich Leser gefunden hat, die mir ein Feedback gegeben haben.

    Liebe Sabsi,

    es war mir wichtig, mich nicht auf den eigentlichen Akt zu konzentrieren. Ich kann mir vorstellen, dass eine Frau unfähig ist sich ruhig zu sagen:"präg Dir alles genau ein." Es dürfte wohl eher sein, dass durch den Selbstschutzschleier ganz prägnante Reize dringen, die sich festsetzen. So habe ich versucht das Thema anzugehen. Nich so mit dem Holzhammer... Danke, dass es Dir, auf seine eigene Art, "gefallen" hat. Es ist sicher ein Sück schwierige Lyrik.

    Liebe Grüße Euch Beiden
    Lacrymoso
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  5. #5
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    Hallo, Lacrymoso

    das ist ja mal eine ganz andere Art, sich einer Vergewaltigung zu widmen.
    Mir gefällt die eindringliche Art, in der du die äußeren Umstände beschreibst und wie sich
    die Protagonistin das Umfeld merkt, um später zur Bestrafung des Tätes beizutragen.

    Gern gelesen,
    Jaana

  6. #6
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    Hallo lacrymoso,

    ein schaurige Geschichte hast du hier lyr. verarbeitet, eine Geschichte, die offensichtlich nur durch den (herbeigeführten) Tod aufgelöst werden kann. Du spinnst mit der Umgebungsbeschreibung beinahe ein Netz für den Leser und webst die wahre Tragik geschickt dazwischen. So habe ich bei deinem Text nicht das Gefühl, dass die Zeilen aus reinem Mordinteresse geschrieben wurden, sondern einen dichten gedanklichen Hintergrund haben.

    Nachdem der Vers mit dem Arm bereits aufgezeigt wurde, ist hier der zweite, der mich stolpern lösst:

    ein Blitz zuckt ruhelos über uns.

    xXxXxXXxX

    du könntest: ein Blitz zuckt ruhlos über uns

    schreiben, dann hättest du nicht zwei betonte Silben nebeneinander.

    Gut finde ich auch den Schluss, er reißt einen fast aus der blauschwarzen Szenerie in eine knallharte Gegenwart, in der sich auch das Opfer seiner Verantwortung stellen wird müssen.

    Gerne gelesen und nachgedacht.

    Liebe Grüße
    Eva
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


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  7. #7
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    Liebe Lacrymoso,

    ich kann mich dem Lob meiner Vor-Writer nur anschließen: Die inhaltliche und vor allem auch sprachliche Umsetzung dieses diffizilen Themas ist Dir sehr gelungen: interessant und eindringlich, genial der Schluss.

    Bevor Du Dich an die Überarbeitung der beiden metrisch nicht astreinen Verse gibst: Darf ich noch meinem "Ruf" bei Dir gerecht werden und ein paar Korrekturhinweise in Rechtschreibung und Interpunktion anbringen? Verzeih, dass "immer" ich es bin, wenn es Dich nervt, fiele es mir nicht schwer, darauf zu verzichten, musst Du nur sagen...

    Der Donner grollt durch dunkle Nacht,
    ein Blitz zuckt ruhelos über uns.
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    ringe in Deinem Arm nach Luft.
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    die Stirn, die grad wie Feuer brannte.
    Mein Blut stockt kurz, dann fließt es heißer
    aus meinen Adern zu Dir hin.
    Ich spüre Deinen Puls in mir. Wenn Du mit "und" weitermachst, würde ich den Punkt hier weglassen.
    und rieche Gras, auch schmeck ich Erde ?Hier bin ich mir über Deinen Satz nicht im Klaren: Soll "Im Takt..." zu "stößt Du.." gehören, dann würde ich hinter "Erde" einen Punkt setzen
    im Takt mit Donner, Blitz und Stille. und dann natürlich groß beginnen
    stößt Du mich fort, ziehst mich zu Dir.
    Der Mund -geöffnet- schreit der Nacht
    entgegen, doch verstummt sein Rufen.
    Und Hände pressen meine Kehle,
    die Stimme bricht, und Licht erlischt.

    In tiefer Nacht hör ich Dich geh'n
    und mit Dir zieht das Hassgewitter.
    Mit letzter Kraft umschließ ich fester, dieses Komma ist überflüssig
    das kommende Beweisstück A.


    Sehr gerne gelesen und kommentiert. Lieben Gruß

    the witch
    .........................................
    Kindlein, liebt euch, und wenn das nicht gehen will, lasst wenigstens einander gelten. (J.W.Goethe)

  8. #8
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    Liebes Hexlein,

    ich hätte auch gar nichts Anderes von Dir erwartet. Ich bin froh, wenn nochma wer drüberschaut. Danke für die Korrektur. Studierst Du was in die Richtung? Streckenweise machst Du mir echt Angst.

    @all: Danke für Eure Vorschläge. Ich habe sie alle übernommen. Hat zwar etwas gedauert, ich brauchte nen freien Kopf. Darum melde ich mich Heute erst. Ihr seid immer herzlich willkommen in meiner Welt.

    Liebe Grüße
    Lacrymoso
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  9. #9
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    Liebe Nasch-Fee,

    der Titel verwirrt Dich...hm. Na ja, er ist die einzige gedankliche Kontaktaufnahme mit dem Täter. Er erhebt sich in brutalster Weise über das Opfer und in seinem Wahn meint er ihr letzter Liebhaber zu sein. Denn er ist so krank, dass er das, was er tut, für Liebe hält. Es geht ihm nicht um die Befriedigung seiner Lust. Er ist so verschroben und meint, in seinen Armen zu sterben sei eine Ehre für die junge Frau. Um die Ecke gedacht, ich weiß. Was jedoch meine Titel angeht, bin ich mir nur ganz selten unsicher. Dieser stand schon nach den ersten Zeile in meinem Kopf. Mich läßt der Typ einfach nicht mehr los, ich glaube es gibt bald eine Fortsetzung.

    Danke für Deinen Kommi

    Liebe Grüße
    Lacrymoso
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  10. #10
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    Fortsetzung? - Her damit!!
    Siehe hier:

    ich brenne

    Geht noch weiter....*g*
    Lacrymoso
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