Thema: Erleben

  1. #1
    Registriert seit
    Jun 2001
    Beiträge
    21

    Post

    Lange zögerte ich, diese Zeilen hier einzordnen, sind sie
    doch nicht wirklich ein Gedicht. Erzählten sie eine
    Geschichte, würden sie im zugedachten Bereich als Faden
    aufscheinen, doch auch dies tun sie nicht. Sollte denn
    jemand einen Vorschlag zur Verschiebung haben, so bin ich
    gerne gewillt, diesen ins Auge zu fassen. Um zu einem Ende
    zu kommen beginne ich nun:

    Erleben

    Jeden Tag meines Lebens gehe ich in diese Welt hinaus, um
    Neues zu entdecken, zu erforschen, kennenzulernen und
    kennengelernt zu werden. Viele Momente meines Lebens möchte
    ich im Nachhinein keinesfalls missen. Wundervolle
    Ereignisse haben sich in den wenigen bisherigen Jahren
    meines Lebens gesammelt, fest in meinem Kopf verankert um
    niemals vergessen zu werden.

    Doch manchmal sehne ich mich nicht nach der Fremde, der
    Ferne, danach, neue Orte zu entdecken, Menschen
    kennenzulernen. Manchmal suche ich einen Weg, all dem
    Trubel, dem "normalen" Lauf des Lebens, zu entfliehen. In
    diesen Momenten zieht es mich nicht an Orte, die durch ihre
    Exklusivität und Einzigartigkeit glänzen, zu keinen
    besonderen Bau- oder Kunstwerken. Viel mehr finde ich mich
    immer wieder an unscheinbaren Orten ein, an denen scheinbar
    keine neuen Entdeckungen mehr gemacht werden können.

    Es sind die vielen kleinen Selbstverständlichkeiten, deren
    Faszination ich immer wieder aufs Neue zu entdecken vermag.
    In diesen Momenten sehe ich das das Einzigartige des
    Alltäglichen, die Exklusivität des Gemeinen. Es ist ein
    erquickendes, animierendes und belebendes Gefühl, Schönheit
    darin entdecken zu können, auf einer Wiese liegend einfach
    zum Himmel zu starren, um planlos dem Treiben der Wolken zu
    folgen, zu beobachten wie sie sich verformen und zu
    glauben, mit Hilfe der Phantasie alles Mögliche und
    Unmögliche in ihnen erkennen zu können.

    Eine Hand voll Erde erscheint wertvoller, exklusiver und
    ästethischer als Gold und Diamanten. Einfaches, klares,
    frisches Wasser schmeckt besser als Wein und das Gefühl auf
    der Haut auftreffender Regentropfen lässt mich eins werden
    mit der Natur, mich der Verbundenheit zu ihr bewusst
    werden. Nicht versuchend, die Schönheit des Augenblicks
    festzuhalten, sondern ihn als solchen bewusst zu genießen,
    wohl wissend seiner Vergänglichkeit. Mit all meinen Sinnen
    fühle ich die Magie des Augenblicks, kann sie erleben. Luft
    scheint zu duften wie Rosen, das Geräusch des Windes, wie
    er durch die Blätter der Bäume streift, klingt wie eine
    Melodie, ein Lied, eine Lobeshymne der Natur auf sich
    selbst, von sich selbst, nur für sich selbst, sich ihrer
    Perfektion bewusst seiend, ohne sie uns demonstrieren zu
    wollen.

    Ich fühle das Gras auf dem ich liege und spüre Leben. Der
    Wind fährt mir durch die Haare, zerzaust mir die Frisur und
    ich fühle nichts als Zufriedenheit. Glück durchströmt mich
    in diesen einfachen Momenten, belebt mich, lässt mich das
    Schöne am Leben im Alltäglichen entdecken und lehrt mich,
    es nicht festhalten zu wollen, sondern zu akzeptieren,
    geschehen zu lassen. Dieses Gefühl absoluter Glückseligkeit
    nicht aufnehmen zu wollen, sondern es auszuleben, es
    intensiv zu erfahren und zu erleben.

    Sekundenbruchteile erscheinen mir in diesen Momenten wie
    Stunden. Jeder Gedanke wird bewusst erfasst, klar und
    deutlich wie niemals sonst. Gedanken und Ideen fließen
    durch meinen Kopf, mir immer das Bewusstsein bewahrend,
    sie fließen zu lassen, nicht festhalten zu wollen. Keine
    Sorge nimmt sich der scheinbar unendlich entfernt liegenden
    Zukunft an, wunderbare Erinnerungen ziehen wie ein Film an
    meinem inneren Auge vorüber, vor der Leinwand der von der
    untergehenden Sonne blutrot gefärbten Wolkendecke. Ich
    fühle die Natur, meine Verbundenheit zu ihr, ihre Kraft,
    das Leben nicht nur, ich erlebe all diese Dinge an meinem
    Körper, werde mir ihrer bewusst.

    Es ist ein unendlicher Augenblick, der Stunden anzudauern
    scheint. Nichts auf dieser Welt kann mir einen solchen
    Moment nehmen. Niemand kann mir dieses Gefühl nehmen.
    Es ist mein Gefühl.

    _______________________________________________
    Und wenn's denn nicht gefallen hat, hoffe ich, zumindest
    das eine oder andere Mal das Herz mit meinen Worten
    gekitzelt zu haben...

  2. #2
    Registriert seit
    Jun 2001
    Beiträge
    8
    Es ist wundervoll was du geschrieben hast!!! Du denke genau so.
    Mach bitte weiter so.

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Leben erleben
    Von wenigviel im Forum Minimallyrik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 21.10.2015, 19:50
  2. Dein Erleben
    Von Traumweltreisen im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 09.07.2014, 16:13
  3. will es erleben
    Von Leo 2298 im Forum Hoffnung und Fröhliches
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 11.07.2007, 00:01
  4. Erleben
    Von leyai im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 17.02.2006, 15:46
  5. Den Himmel erleben
    Von sweetshy im Forum Erotik
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 25.08.2005, 19:45

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden