Thema: Frühling

  1. #1
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    Dieser Lesepfad wurde zusammengestellt von Monika Spatz

    LESEPFAD FRÜHLING

    Hoffnung

    Und dräut der Winter noch so sehr
    mit trotzigen Gebärden,
    und streut er Eis und Schnee umher,
    es muß doch Frühling werden.

    Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht,
    mir soll darob nicht bangen,
    auf leisen Sohlen über Nacht
    kommt doch der Lenz gegangen.

    Drum still! Und wie es frieren mag,
    o Herz, gib dich zufrieden,
    es ist ein großer Maientag
    der ganzen Welt beschieden.

    Und wenn dir oft auch bangt und graut,
    als sei die Höll' auf Erden,
    nur unverzagt auf Gott vertraut!
    Es muß doch Frühling werden.

    Emanuel Geibel


    Vorfrühling

    Es läuft der Frühlingswind
    Durch kahle Alleen,
    Seltsame Dinge sind
    In seinem Wehn.

    Er hat sich gewiegt,
    Wo Weinen war,
    Und hat sich geschmiegt
    In zerrüttetes Haar.

    Er schüttelte nieder
    Akazienblüten
    Und kühlte die Glieder,
    Die atmend glühten.

    Lippen im Lachen
    Hat er berührt,
    Die weichen und wachen
    Fluren durchspürt.

    Er glitt durch die Flöte,
    Als schluchzender Schrei,
    An dämmernder Röte
    Flog er vorbei.

    Er flog mit Schweigen
    Durch flüsternde Zimmer
    Und löschte im Neigen
    Der Ampel Schimmer.

    Es läuft der Frühlingswind
    Durch kahle Alleen,
    Seltsame Dinge sind
    In seinem Wehn.

    Durch die glatten
    Kahlen Alleen
    Treibt sein Wehn
    Blasse Schatten

    Und den Duft,
    Den er gebracht,
    Von wo er gekommen
    Seit gestern Nacht.

    Hugo von Hoffmannsthal


    Der Frühling kommt bald

    Herr Winter,
    geh hinter
    der Frühling kommt bald!
    Das Eis ist geschwommen,
    die Blümlein sind kommen
    und grün wird der Wald


    Herr Winter,
    geh hinter,
    dein Reich ist vorbei.
    Die Vögelein alle,
    mit jubelndem Schalle,
    verkünden den Mai!

    Christian Morgenstern


    Frühzeitiger Frühling

    Tage der Wonne,
    Kommt ihr so bald?
    Schenkt mir die Sonne,
    Hügel und Wald?
    Reichlicher fließen
    Bächlein zumal.
    Sind es die Wiesen?
    Ist es das Tal?
    Blauliche Frische!
    Himmel und Höh!
    Goldene Fische
    Wimmeln im See.
    Buntes Gefieder
    Rauschet im Hain;
    Himmlische Lieder
    Schallen darein.
    Unter des Grünen
    Blühender Kraft
    Naschen die Bienen
    Summend am Saft.
    Leise Bewegung
    Bebt in der Luft,
    Reizende Regung,
    Schläfernder Duft.
    Mächtiger rühret
    Bald sich ein Hauch,
    Doch er verlieret
    Gleich sich im Strauch.
    Aber zum Busen
    Kehrt er zurück.
    Helfet, ihr Musen,
    Tragen das Glück!
    Saget, seit gestern
    Wie mir geschah?
    Liebliche Schwestern,
    Liebchen ist da!

    Goethe


    Der Lenz

    Da kommt der Lenz, der schöne Junge,
    Den alles lieben muß,
    Herein mit einem Freudensprunge
    Und lächelt seinen Gruß;
    Und schickt sich gleich mit frohem Necken
    Zu all den Streichen an,
    Die er auch sonst dem alten Recken,
    Dem Winter, angetan.
    Er gibt sie frei, die Bächlein alle,
    Wie auch der Alte schilt,
    Die der in seiner Eisesfalle
    So streng gefangen hielt.
    Schon ziehn die Wellen flink von dannen
    Mit Tänzen und Geschwätz
    Und spötteln über des Tyrannen
    Zerronnenes Gesetz.
    Den Jüngling freut es, wie die raschen
    Hinlärmen durchs Gefild,
    Und wie sie scherzend sich enthaschen
    Sein aufgeblühtes Bild.
    Froh lächelt seine Mutter Erde
    Nach ihrem langen Harm;
    Sie schlingt mit jubelnder Gebärde
    Das Söhnlein in den Arm.
    In ihren Busen greift der Lose
    Und zieht ihr schmeichelnd keck
    Das sanfte Veilchen und die Rose
    Hervor aus dem Versteck.
    Und sein geschmeidiges Gesinde
    Schickt er zu Berg und Tal:
    »Sagt, daß ich da bin, meine Winde,
    Den Freunden allzumal!«
    Er zieht das Herz an Liebesketten
    Rasch über manche Kluft
    Und schleudert seine Singraketen,
    Die Lerchen, in die Luft.

    Nikolaus Lenau


    Frühlingsglaube

    Die linden Lüfte sind erwacht,
    Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
    Sie schaffen an allen Enden.
    O frischer Duft, o neuer Klang!
    Nun, armes Herze, sei nicht bang!
    Nun muß sich alles, alles wenden.

    Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
    Man weiß nicht, was noch werden mag,
    Das Blühen will nicht enden.
    Es blüht das fernste, tiefste Tal:
    Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
    Nun muß sich alles, alles wenden.

    Ludwig Uhland


    Frühling

    Nun ist er endlich kommen doch
    In grünem Knospenschuh;
    "Er kam, er kam ja immer noch" -
    Die Bäume nicken sichs zu.

    Sie konnten ihn all erwarten kaum,
    Nun treiben sie Schuß auf Schuß;
    Im Garten der alte Apfelbaum
    Er sträubt sich, aber er muß.

    Wohl zögert auch das alte Herz
    Und atmet noch nicht frei,
    Es bangt und sorgt: "Es ist erst März,
    Und März ist noch nicht Mai."

    O schüttle ab den schweren Traum
    Und die lange Winterruh
    Es wagt es der alte Apfelbaum,
    Herze, wags auch du.

    Theodor Fontane


    Er ist's

    Frühling läßt sein blaues Band
    Wieder flattern durch die Lüfte;
    Süße, wohlbekannte Düfte
    Streifen ahnungsvoll das Land.
    Veilchen träumen schon,
    Wollen balde kommen.
    - Horch, von fern ein leiser Harfenton!
    Frühling, ja du bists!
    Dich hab ich vernommen!

    Eduard Mörike


    Frühlingsbotschaft

    Leise zieht durch mein Gemüt
    Liebliches Geläute.
    Klinge, kleines Frühlingslied,
    Kling hinaus ins Weite.

    Kling hinaus, bis an das Haus,
    Wo die Blumen sprießen.
    Wenn du eine Rose schaust,
    Sag ich laß sie grüßen.

    Heinrich Heine


    Liebesfeier

    An ihren bunten Liedern klettert
    Die Lerche selig in die Luft;
    Ein Jubelchor von Sängern schmettert
    Im Walde, voller Blüt und Duft.

    Da sind, soweit die Blicke gleiten,
    Altäre festlich aufgebaut,
    Und all die tausend Herzen läuten
    Zur Liebesfeier dringend laut.

    Der Lenz hat Rosen angezündet
    An Leuchtern von Smaragd im Dom;
    Und jede Seele schwillt und mündet
    Hinüber in den Opferstrom.

    Nikolaus Lenau


    Frühlingsnacht

    Übern Garten durch die Lüfte
    Hört ich Wandervögel ziehn,
    Das bedeutet Frühlingsdüfte,
    Unten fängts schon an zu blühn.

    Jauchzen möcht ich, möchte weinen,
    Ist mirs doch, als könnts nicht sein!
    Alte Wunder wieder scheinen
    Mit dem Mondesglanz herein.

    Und der Mond, die Sterne sagens,
    Und in Träumen rauschts der Hain,
    Und die Nachtigallen schlagens:
    Sie ist deine, sie ist dein!

    Joseph Freiherr von Eichendorff


    Frühlingslied

    Mit geheimnisvollen Düften
    Grüßt vom Hang der Wald mich schon,
    Über mir in hohen Lüften
    Schwebt der erste Lerchenton.

    In den süßen Laut versunken
    Wall' ich hin durchs Saatgefild,
    Das noch halb vom Schlummer trunken
    Sanft dem Licht entgegenschwillt.

    Welch ein Sehnen! welch ein Träumen!
    Ach, du möchtest vorm Verglühn
    Mit den Blumen, mit den Bäumen,
    Altes Herz, noch einmal blühn

    Emanuel Geibel


    Frische Fahrt

    Laue Luft kommt blau geflossen,
    Frühling, Frühling soll es sein!
    Waldwärts Hörnerklang geschossen,
    Mut'ger Augen lichter Schein;
    Und das Wirren bunt und bunter
    Wird ein magisch wilder Fluß,
    In die schöne Welt hinunter
    Lockt dich dieses Stromes Gruß.

    Und ich mag mich nicht bewahren!
    Weit von euch treibt mich der Wind,
    Auf dem Strome will ich fahren,
    Von dem Glanze selig blind!
    Tausend Stimmen lockend schlagen,
    Hoch Aurora flammend weht,
    Fahre zu! Ich mag nicht fragen,
    Wo die Fahrt zuende geht!

    Eichendorff


    Frühlingslied

    Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
    Die kleinen Maienglocken blühn,
    Und Schlüsselblumen drunter;
    Der Wiesengrund
    Ist schon so bunt,
    Und malt sich täglich bunter.

    Drum komme, wem der Mai gefällt,
    Und schaue froh die schöne Welt
    Und Gottes Vatergüte,
    Die solche Pracht
    Hervorgebracht,
    Den Baum und seine Blüte!

    Ludwig Heinrich Christoph Hölty


    Die Kinder haben die Veilchen gepflückt

    Die Kinder haben die Veilchen gepflückt,
    all, all die da blühten am Mühlengraben.
    Der Lenz ist da; sie wollten ihn fest
    in ihren keinen Fäusten haben.

    Theodor Storm


    Mailied

    Wie herrlich leuchtet
    Mir die Natur!
    Wie glänzt die Sonne!
    Wie lacht die Flur!
    Es dringen Blüten
    Aus jedem Zweig
    Und tausend Stimmen
    Aus dem Gesträuch,
    Und Freud und Wonne
    Aus jeder Brust.
    O Erd, o Sonne!
    O Glück, o Lust!
    O Lieb, o Liebe,
    So golden schön,
    Wie Morgenwolken

    Auf jenen Höhn!
    Du segnest herrlich
    Das frische Feld,
    Im Blütendampfe
    Die volle Welt.
    O Mädchen, Mädchen,
    Wie lieb ich dich!
    Wie blickt dein Auge!
    Wie liebst du mich!
    So liebt die Lerche
    Gesang und Luft,
    Und Morgenblumen
    Den Himmelsduft.
    Wie ich dich liebe
    Mit warmem Blut,
    Die du mir Jugend
    Und Freud und Mut
    Zu neuen Liedern
    Und Tänzen gibst.
    Sei ewig glücklich,
    Wie du mich liebst!

    Goethe


    VOM EISE BEFREIT

    (Faust - erster Teil )

    Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
    Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
    Im Tale grünet Hoffnungsglück;
    Der alte Winter, in seiner Schwäche,
    Zog sich in rauhe Berge zurück.
    Von dorther sendet er, fliehend, nur
    Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
    In Streifen über die grünende Flur;
    Aber die Sonne duldet kein Weißes;
    Überall regt sich Bildung und Streben,
    Alles will sie mit Farben beleben;
    Doch an Blumen fehlt's im Revier,
    Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
    Kehre dich um, von diesen Höhen
    Nach der Stadt zurückzusehen.
    Aus dem hohlen finstern Tor
    Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
    Jeder sonnt sich heute so gern.
    Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
    Denn sie sind selber auferstanden.
    Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
    Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
    Aus Druck von Giebeln und Dächern,
    Aus der Strassen quetschender Enge;
    Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
    Sind sie alle ans Licht gebracht.
    Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
    durch die Gärten und Felder zerschlägt,
    Wie der Fluss, in Breit' und Länge,
    So manchen lustigen Nachen bewegt,
    Und bis zum Sinken überladen
    Entfernt sich dieser letzte Kahn.
    Selbst von des Berges fernen Pfaden
    Blinken uns farbige Kleider an.
    Ich höre schon des Dorfs Gerümmel,
    Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
    Zufrieden jauchzet groß und klein;
    Hier bin ich Mensch hier darf ich sein.

    J.W.v.Goethe

  2. #2
    Registriert seit
    Feb 2003
    Ort
    Leipzig
    Beiträge
    8.658
    Ursprünglich eingetragen von Micha
    Bin nur zufällig auf diesen Faden in der Rubrik Natur gestoßen.
    Da wir ja mittlerweile eine Bibliothek haben verschiebe ich diese recht interessant zusammen gestellten Fäden dorthin.

    Ich hoffe das geht ok, Thies und Moni.

    -verschoben-

    Herzlichen Gruß
    Micha

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