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  1. #1
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    Metrik bei einsilbigen Wörtern

    Hallo!

    Da hier die Kritik zu vielen Gedichten die Metrik impliziert (und irgendwie meist zum größten Teil), habe ich mich damit kurzerhand mal näher beschäftigt. Nachdem ich nun (hier) etwas Grundlagenforschung betrieben habe, bleibt für mich die Frage nach der Metrik in einsilbigen Wörtern: und, ist, oft, Wut, Spalt, Öl, kalt, der/die/das, wird usw.
    Werden diese Wörter wie Endsilben behandelt?

  2. #2
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    Das kommt darauf an. Viele einsilbe Worte können sowohl betont als auch unbetont gebraucht werden und dienen so u.a. auch zur Aufrechterhaltung des Rythmus.

    Bsp:

    Peter und Johannes sassen - XxXxXxXx

    Gebot und Regel seien dir - xXxXxXxX

    LG
    Satchmo



    Ah, nebenbei: Du meinst wohl beinhaltet und nicht impliziert
    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

  3. #3
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    da würde ich jetzt nicht verzweifeln.
    einsilbige wörter können sowohl betont als auch unbetont verwendet werden. ganz nach satz und inhalt. obwohl die "wut" in einer zeile wohl immer so wichtig sein wird, dass sie betont; und ein "und" allermeistens unbetont daher kommen wird. aber durch das (regelmässige) metrum hast du ja die möglichkeit, gewichtungen zu setzen.
    zb. kalt. als adverb, oder als adjektiv verwendet:

    die nacht, sie hüllte kalt mich ein
    die nacht; kalt hüllte sie mich ein
    g.l.

  4. #4
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    Einsilbige Wörter wie er, sie, es, der, die, das... usw können so betont werden, dass sie in das Schema des jeweiligen Metrums passen. Hauptwörter wie Sturm, Hand, Baum etc sollten wenn möglich so ins Schema eingefügt werden, dass sie betont werden.

    Grundsätzlich kann man sagen: einsilbige Wörter dürfen so betont werden wie gewünscht. Sie werden häufig als Füllwörter eingesetzt um ein bestimmtes Metrum zu erzielen.

    Beispiel:

    Es war, als hätt der Himmel
    Die Erde still geküßt,
    Daß sie im Blütenschimmer
    Von ihm nun träumen müßt.

    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es rauschten leis die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.

    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.

    (Eichendorff)

    Dieses Gedicht besteht aus Jamben, wobei die einsilbigen Wörter je nach Lage im Gedicht mal betont oder mal unbetont gesprochen werden. Auffallend ist jedoch, dass die Hauptwörter Luft, Nacht, Haus alle betont gesprochen werden.



    Beispiel für die unschöne Wirkung eines unbetonten Hauptwortes:

    leuchtend strahlt der hohe Berg
    in der roten Abendsonne
    Die Luft wispert durch die Blätter
    und am Bächlein hüpfen Fische


    Es fällt einem geradezu schwer den dritten Vers als Trochäus zu sprechen, da das Sprachgefühl einem sagt: Hauptwörter betonen! Lies die Verse einfach mal laut und beobachte wie du in Vers drei holperst und die Stimmung "zerstört" wird

    Ergänzender Nachtrag: Es ist immer vom Metrum eines Gedichtes die Rede und nicht von der Metrik! Es gibt weder eine Metrik von Wörtern noch eine Metrik von Versen! Metrum und Metrik sind zwei unterschiedliche Begriffe!

    Grüße
    GEO
    Geändert von GEO (16.06.2007 um 16:47 Uhr)
    ich kann mich nicht selbst terminieren, ihr müßt mich in den Stahl hinablassen. [Terminator T-800]

  5. #5
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    Zitat Zitat von leporello
    aber durch das (regelmässige) metrum hast du ja die möglichkeit, gewichtungen zu setzen.
    Wie?
    Zitat Zitat von GEO
    einsilbige Wörter dürfen so betont werden wie gewünscht.
    Ein Beispiel:

    So trug es sich zu

    Das kann ich also

    xXxXx

    und

    XxXxX

    betonen?

    Obwohl ich daraus immer noch nicht schlau werde, tippe ich einfach mal auf den Jambus, der hier das richtige Metrum sein wird. Warum hab ich so ein Gefühl? - wegen dem "trug"?

    Wenn ich aber zum Beispiel Folgendes ausmessen will, wird es schon wieder wacklig:

    So trug es sich einst zu

    xXxXXx

    Schließlich muss nun "einst" betont werden. Da XX irgendwie assi aussieht, wäre hier also der Trochäus besser (XxXxXx) (was wiederum ziemlich ...verzerrt klänge)?
    Es ist immer vom Metrum eines Gedichtes die Rede und nicht von der Metrik! Es gibt weder eine Metrik von Wörtern noch eine Metrik von Versen! Metrum und Metrik sind zwei unterschiedliche Begriffe!
    Sry, die Termini sind mir noch nicht ganz geläufig. ^^" Also ruhig den Threadtitel änder, liebe Modschaft.

    Werden alle Formen der unbestimmten Artikel betont?

  6. #6
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    Zitat Zitat von ferdi
    Warum das?!
    Wegen dem Diphtong. (Deswegen auch die Frage nach der Betonung der unbestimmten Artikel, da ich mir darin nicht sicher bin, aber es hier unter "Hilfen" betont wird)
    Erst etwas hinschreiben und dann schauen, welches Metrum es hat, führt selten zu guten Versen
    Das Metrum in Gedichten interessiert mich eigentlich herzlich wenig, nur will ich es verstehen, d.h. auch anwenden können, und da hapert es bei mir noch an vielen Stellen. ^^
    Wenn du das "natürlich" betonst, das heißt, außerhalb des Rahmens eines vorgegebenen Metrums
    Wie unterscheide ich zwischen natürlich betont und ...anders betont?
    Wird beim natürlichen Betonen vor allem auf die Länge der Vokale geachtet (zumindest ist xXxxX die Betonung der Vokale)?

  7. #7
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    Ein Beispiel:

    So trug es sich zu

    Das kann ich also

    xXxXx

    und

    XxXxX

    betonen?
    Theoretisch kann dir das niemand verbieten. Allerdings ist die Betonungsweise immer auch eine Frage des Sprachgefühls! Mir persönlich gefällt die zweite Variante weit besser als die erste. Die Betonung sollte in diesem Vers auf dem Wort „es“ liegen, da ihm die primäre Bedeutung zukommt. Tipp: Vers laut sprechen, wobei du unbetonte Silben übertrieben laut und unbetonte Silben übertrieben leise aussprichst. Auf diese Weise wird sehr schnell deutlich ob es unnatürlich klingt oder nicht.

    Obwohl ich daraus immer noch nicht schlau werde, tippe ich einfach mal auf den Jambus, der hier das richtige Metrum sein wird. Warum hab ich so ein Gefühl? - wegen dem "trug"?
    Es gibt durchaus Fälle in denen mehrere Metren nebeneinander gültig und plausibel sein können. Das Metrum eines Verses ist nicht immer auf eine richtige Version fixierbar.

    So trug es sich einst zu

    xXxXXx

    Schließlich muss nun "einst" betont werden. Da XX irgendwie assi aussieht, wäre hier also der Trochäus besser (XxXxXx) (was wiederum ziemlich ...verzerrt klänge)?
    Ich würde es so betonen: xXxXxX. Ich würde also entgegen der Variante ohne „einst“ als Jambus betonen. Das die Trochäische Variante „verzerrt“ klingt – dem stimme ich dir zu. Es klingt sehr unnatürlich.

    Sry, die Termini sind mir noch nicht ganz geläufig. ^^" Also ruhig den Threadtitel änder, liebe Modschaft.
    Metrik:
    Allgemein die Wissenschaft vom taktmäßig-rhythmischen Aufbau der gebundenen dichterischen Sprache (auch : Verslehre).

    Metrum:
    Die konkrete Betonungsstruktur eines konkreten Textes.

    Werden alle Formen der unbestimmten Artikel betont?
    Diese Frage leuchtet mir vor dem Hintergrund des schon Erläuterten nicht ein. Wir sagten doch bereits, dass einsilbige Wörter (und insbesondere Artikel) so betont werden dürfen, dass sie ins metrische Schema passen. Bei zweisilbigen Wörtern muss dann immer beachtet werden das eine Silbe(meist die erste) betont werden muss.

    Gruß
    GEO
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  8. #8
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    Zitat Zitat von Special_k
    Wie?
    Wenn du einen Text hast, der durchgehend im Jambus steht, dann wird der Leser bei einsibligen Wörtern, bei denen es unsicher ist, ob sie betont werden oder nicht, diese meist im jambischen Muster lesen, einfach aus Gewohnheit des vorigen Textes.

    Ein Beispiel:

    So trug es sich zu

    Das kann ich also

    xXxXx

    und

    XxXxX

    betonen?

    Obwohl ich daraus immer noch nicht schlau werde, tippe ich einfach mal auf den Jambus, der hier das richtige Metrum sein wird. Warum hab ich so ein Gefühl? - wegen dem "trug"?
    Ja, wegen dem "trug", dieses ist eine naturlange Silbe (algriechische Silbenlehre), wird also als lange Silbe gesprochen. Somit akzentuiert es der Leser eher, als dass er es unbetont lässt.

    Wenn ich aber zum Beispiel Folgendes ausmessen will, wird es schon wieder wacklig:

    So trug es sich einst zu

    xXxXXx

    Schließlich muss nun "einst" betont werden. Da XX irgendwie assi aussieht, wäre hier also der Trochäus besser (XxXxXx) (was wiederum ziemlich ...verzerrt klänge)?
    XX sieht nicht nur "assi" aus, sondern gibt es im deutschen überhaupt nicht.
    "einst" muss ebenfalls nicht betont werden, zwar hat man hier wieder eine naturlange Silbe, es wird jedoch daher lediglich wieder als lange Silbe gelesen, eine Betonung zieht das jedoch nicht zwingend nach sich. In dem Fall hier wird der Leser hier schnell in den Jambus fallen, weil das "trug" den ersten Anhaltspunkt für eine Akzentuierung liefert, der Leser den Rest dahingehend versucht anzupassen und es hier durchaus möglich ist.
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

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  9. #9
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    XX sieht nicht nur "assi" aus, sondern gibt es im deutschen überhaupt nicht.
    Das wäre mir neu. In meinem Buch "Einführung in die Gedichtanalyse" von Burdorf (ein ausgezeichnetes Werk übrigens) wird dieses Phänomen als Hebungsprall bezeichnet. Dieser Hebungsprall wurde gerne in sog. Knittelversen verwendet.
    Aber auch aus völlig einfachen Erwägungen heraus leuchtet mir nicht ein, weshalb es keine zwei betonten Silben nacheinander geben können soll - schliesslich gibt es auch zwei unbetonte Silben nacheinander.

    Dann noch etwas:

    Wenn ich zwei trochäische Verse habe, welche beide mit männlicher Kadenz enden also so:

    lieblich plätschert dieser Bach
    wonniglich ins Tal hinab

    XxXxXxX
    XxXxXxX

    kann mir niemand verbieten, diese beiden Verse hintereinander weg zu schreiben also so:

    lieblich plätschert dieser Bach wonniglich ins Tal hinab.
    XxXxXxXXxXxXxX

    Jetzt erkläre mir mal plausibel, weshalb sich die Betonungsstruktur ändern sollte wenn ich einfach den Zeilenumbruch weglasse
    Ne im Ernst: Das würde mich brennend interessieren.
    Geändert von GEO (17.06.2007 um 12:15 Uhr)
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  10. #10
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    Zitat Zitat von GEO
    Das wäre mir neu. In meinem Buch "Einführung in die Gedichtanalyse" von Burdorf (ein ausgezeichnetes Werk übrigens) wird dieses Phänomen als Hebungsprall bezeichnet. Dieser Hebungsprall wurde gerne in sog. Knittelversen verwendet.
    Aber auch aus völlig einfachen Erwägungen heraus leuchtet mir nicht ein, weshalb es keine zwei betonten Silben nacheinander geben können soll - schliesslich gibt es auch zwei unbetonte Silben nacheinander.
    Den Spondäus kann man im deutschen nicht sprechen. Wir können einen Hebungsprall haben, allerdings ist eine der beiden Silben immer nur akzentuiert, die andere voll betont. Zwei unbetonte Silben können wir sprechen, zwei gleichstark betonte in Folge nicht.

    Woran liegt es also, dass der Spondäus trotz allem im Knittelvers genutzt wurde? Nun, der Spondäus geht eigentlich auch nach der Silbenlehre nach Silbenlänge. Es folgen also zwei naturlange Silben aufeinander, das geht ohne weiteres, aber zwei betonte Silben im Deutschen nicht, wir sind dann gezwungen entweder eine Zäsur einzulegen, oder eben nur zu akzentuieren. Gibt dazu aber komplette wissenschaftliche Abhandlungen.

    Flo

    edit: Bei deinem Beispiel setzt du deshalb eine minimale Zäsur beim Sprechen. Achte mal drauf.
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
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  11. #11
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    Bei deinem Beispiel setzt du deshalb eine minimale Zäsur beim Sprechen. Achte mal drauf.
    --> was ändert die Zäsur an der Existenz der zwei betonten Silben?
    Ich habe bei meinen Überlegungen die Zäsur nicht als trennendes Element mit einbezogen. Aber es ist doch letztlich egal ob zwischen zwei betonten Silben eine Pause eingelegt wird oder nicht --> Es sind und bleiben zwei betonte Silben nacheinander, egal ob ich dazwischen 30millisekunden länger oder kürzer warte bevor ich weiter spreche.

    Wir können einen Hebungsprall haben, allerdings ist eine der beiden Silben immer nur akzentuiert, die andere voll betont
    Das dies so im Lehrbuch steht glaube ich gerne (Ich habe hier auch genug herumliegen), aber wenn ich real spreche stelle ich dies nicht fest. Und physikalisch ist es doch möglich zwei Silben exakt gleich laut zu sprechen. Dann noch etwas: Wir haben in unseren Beispielen ja immer nur „binäre“ Betonungen skizziert. also entweder x oder X. Wenn man die Akzentuierung und die volle Betonung einführt wird dieses Schema ohnehin unvollständig --> mehr noch, rein theoretisch könnte man beliebig viele Abstufungen der Betonung einführen. Wer sollte einem das verbieten? Es käme dann auch zu zweifelhaften Aussagen wie das es keine zwei unbetonte Silben nacheinander geben kann, denn schliesslich werden selbige nie vollkommen gleich stark betont
    Diese Gedankengänge führen ja schon fast ins Philosophische hinein und zeigen nachdrücklich weshalb es über so scheinbar simple Dinge wie die Metrik große wissenschaftliche Abhandlungen gibt. Das es aber wissenschaftliche Abhandlungen sind, zeigt doch deren unfertigen Charakter, denn wo Wissenschaft betrieben wird gibt es noch Neues zu entdecken. Wie auch immer: Das führt nun eindeutig zu weit --> belassen wir es dabei um diesen Faden nicht seinem Zweck zu entheben

    Gruß
    GEO
    Geändert von GEO (17.06.2007 um 13:00 Uhr)
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  12. #12
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    Nun, ich sehe da durchaus einen Unterschied, ob man eine deutlich hörbare Zäsur benötigt, oder nicht. Und auch die Lautstärke alleine macht ja noch keine Betonung aus. Aber du hast natürlich Recht, das Schema etc. sind nicht vollständig. Hab ich hier übrigens schonmal ein wenig näher besprochen:
    http://www.gedichte.com/showthread.php?t=102910

    Aber durchaus ein Thema, das hunderte von Seiten füllt.

    Flo
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  13. #13
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    Zitat Zitat von GEO
    Einsilbige Wörter wie er, sie, es, der, die, das... usw können so betont werden, dass sie in das Schema des jeweiligen Metrums passen. Hauptwörter wie Sturm, Hand, Baum etc sollten wenn möglich so ins Schema eingefügt werden, dass sie betont werden.

    Grundsätzlich kann man sagen: einsilbige Wörter dürfen so betont werden wie gewünscht. Sie werden häufig als Füllwörter eingesetzt um ein bestimmtes Metrum zu erzielen.
    Im Großen und Ganzen stimmt es. Allerdings solte es jedem schwer fallen, Wörter wie "es oder "ab" zu betonen im Vergleich zu "komplexeren" Einsilblern wie "war" (langes 'a') oder "einst" (wobei im Fall von "war" GEOs Argument von den Hauptwörtern hinzugezogen werden kann).
    Es fällt mir schwer zu sagen, dass die Wörter nach der Metrik, äh, dem Metrum betont werden sollen. Diese Aussage stimmt zwar generell, da man Gedichte meist nach einem bestimmten Metrum liest (jambisch, trochäisch usw.) und sich demzufolge auch in der Regel seine Betonungen zurechtstanzen kann. Allerdings kann es man bei unpassender Wortwahl in ein rhythmisches Nadelöhr kommen: "So trug es sich einst zu" als xX|xX|xX zu betonen ist ein arg zäher Lesefluss. Hier müsste man fürs erste pauschal auf das 'Sprachgefühl' verweisen. Wenn's sich unrund anhört, betrachte die Wörter nochmal genauer sowie ihr spezifisches 'Gewicht'.
    Als Anfänger fährt man mir GEOs Zitat aber wohl erstmal richtig.

    Des Weiteren:
    [quoteWir können einen Hebungsprall haben, allerdings ist eine der beiden Silben immer nur akzentuiert, die andere voll betont[/quote]
    Erklärt mir mal eben den Unterschied zwischen 'akzentuiert' und 'voll betont'.
    Irgendwie ist mir das ein bisschen linguistisches Wirrwarr. Metrisch wird zwischen 'betont' und 'unbetont' unterschieden. Das Deutsche ist nämlich eine akzentuierende Sprache (silbenwägend). Soweit okay.
    Akzentuierte Silben sind Vollsilben, die den Wortakzent tragen. Daneben ließe sich noch grob zwischen nicht-akzentuierten Vollsilben (z.B. Forelle, quasi) und Reduktionssilben (z.B. Verkäufer, notgedrungen) unterscheiden.
    Du stellst hier anscheinend die Silben in einem Versfuß gegenüber und spielst sie gegeneinander aus(?). Dabei ließe sich eine zwar betonen, ist jedoch "schwächer" im Vergleich zur anderen und infolgedessen nur 'akzentuiert' und nicht 'betont'?

  14. #14
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    Zitat Zitat von AiAiAwa
    Im Großen und Ganzen stimmt es. Allerdings solte es jedem schwer fallen, Wörter wie "es oder "ab" zu betonen im Vergleich zu "komplexeren" Einsilblern wie "war" (langes 'a') oder "einst" (wobei im Fall von "war" GEOs Argument von den Hauptwörtern hinzugezogen werden kann).
    Es fällt mir schwer zu sagen, dass die Wörter nach der Metrik, äh, dem Metrum betont werden sollen. Diese Aussage stimmt zwar generell, da man Gedichte meist nach einem bestimmten Metrum liest (jambisch, trochäisch usw.) und sich demzufolge auch in der Regel seine Betonungen zurechtstanzen kann. Allerdings kann es man bei unpassender Wortwahl in ein rhythmisches Nadelöhr kommen: "So trug es sich einst zu" als xX|xX|xX zu betonen ist ein arg zäher Lesefluss. Hier müsste man fürs erste pauschal auf das 'Sprachgefühl' verweisen. Wenn's sich unrund anhört, betrachte die Wörter nochmal genauer sowie ihr spezifisches 'Gewicht'.
    Als Anfänger fährt man mir GEOs Zitat aber wohl erstmal richtig.
    Naja, "es" kann man sehr gut dann betonen, wenn es die Semantik an der Stelle unterstützt. Ansonsten hast du natürlich Recht.

    Des Weiteren:
    Erklärt mir mal eben den Unterschied zwischen 'akzentuiert' und 'voll betont'.
    Irgendwie ist mir das ein bisschen linguistisches Wirrwarr. Metrisch wird zwischen 'betont' und 'unbetont' unterschieden. Das Deutsche ist nämlich eine akzentuierende Sprache (silbenwägend). Soweit okay.
    Akzentuierte Silben sind Vollsilben, die den Wortakzent tragen. Daneben ließe sich noch grob zwischen nicht-akzentuierten Vollsilben (z.B. Forelle, quasi) und Reduktionssilben (z.B. Verkäufer, notgedrungen) unterscheiden.
    Du stellst hier anscheinend die Silben in einem Versfuß gegenüber und spielst sie gegeneinander aus(?). Dabei ließe sich eine zwar betonen, ist jedoch "schwächer" im Vergleich zur anderen und infolgedessen nur 'akzentuiert' und nicht 'betont'?
    Ja es wird zwischen betont und unbetont unterschieden. Allerdings ist das ein wenig einfach, wenn man nur so unterscheidet. Ich glaube LeV hatte es auch einmal gesagt, es gibt eine Hauptbetonung und häufig dann noch (eine) Nebenbetonung(en). Diese habe ich hier als lediglich akzentuiert dargestellt.
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  15. #15
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    Ich verstehe Ensimismados Einwände sehr gut. Letztlich kann man als Quintessenz Folgendes festhalten:

    • binäre“ Betonung: Das was im Forum in der Regel mit kleinen und großen X-Zeichen beschrieben wird, kennt nur die Begriffe „betont“ und „unbetont“. Daher ist es mit dieser „Beschreibungssprache“ auch möglich zu sagen, dass es zwei betonte Silben nacheinander gibt.

    • Betonung mit mehr als zwei Abstufungen: Dies entspricht einer präziseren Beschreibung. Hier wird dann zwischen unbetont, vollbetont und Nebenbetonung unterschieden. Im Prinzip kann man sagen das man hier mit einer höheren „Auflösung“ auf die Betonungsstruktur schaut als mit der "binären" Beschreibung. Hier kann man nun nicht mehr sagen das es zwei betonte Silben nacheinander gibt. (wenngleich es mir immer noch schwer fällt zu glauben das es unmöglich sein soll(auch aus akustisch -physikalischen Erwägungen heraus)zwei Silben gleich zu betonen. Aber glauben wir den Wissenschaftlern einfach mal)


    Damit währen auch die Irritationen über richtig und falsch - bezüglich zwei betonter Silben nacheinander - auch aus der Welt geschafft.
    Geändert von GEO (17.06.2007 um 14:21 Uhr)
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