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  1. #16
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    Hallo ihr alle

    Danke für die zahlreichen Antworten, ich finde es bis jetzt sehr interessant, was sich doch alles hinter diesem Kleinen Suffix verbrigt.

    gott: Danke für deine Mühen, Interesse ist immer da; könnte außerdem ja nicht nur für mich interessant sein

    LaVell: Schöne "Neuschöpfungen", die du da gemacht hast. Ich finde sie nicht blödsinnig, sie hören sich für mich sehr echt an

    Also ich habe nichts dagegen wenn ihr eure sprachwissenschaftliche Diskussion noch weiter führt

    Und ja, der Faden sollte allgemein etymologische Fragen behandeln. Meine war die Eröffungsfrage^^


    Dankeschön,
    LG Sturmherz
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  2. #17
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    LaVell: Woher beziehst Du diese Informationen? Quellenangaben wären in so einem Fall vielleicht ganz nützlich. So wie ich das sehe, verwechselst Du hier Kompositionsglied mit eigenständigem Wort. Das Komposistionsglied leitet sich vom Suffix -sal ab, das aber wie oben schon erwähnt und unten noch einmal näher erläutert nichts mit Salz zu tun hat.

    Dazu Grimm:

    SELIG als zweites compositionsglied ist zum theil nicht selig, beatus, felix. armselig, mühselig, saumselig, trübselig sind ableitungen von substantiven auf -sal, -seli. nach solchen vorbildern werden andere wörter auf -selig geschaffen, denen kein substantiv auf -sal, -seli zur seite steht, so feindselig. bildungen mit selig, beatus, felix sind mhd. guotsælec, lobesælec, sigesælec, wîpsælec, wünnesælec, ebenso leutselig, mhd. liutsælec, arbeitselig, mhd. arbeitsælec. jüngere zusammensetzungen derselben art sind gottselig, holdselig, redselig. WILMANNS gramm. 2, 352. glückselig wird durch glücksal BRANT narrenschiff 23, 5 als andersartige bildung gekennzeichnet, aber als zusammensetzung mit selig empfunden. WEIGAND4 1, 712.
    Selig als eigenständiges Wort leitet sich von Seele ab:


    SEELIG, adj. beseelt, vgl. seelich 2 und seelhaft, seelisch. ahd. dafür sêli animatus, in sêlemo dinge; gasêli, kesêliu bilde, vivos vultus; dazu auch unsêli (?), ursêli, exanimis, -us GRAFF 6, 184 f. nhd. seelig, animatus WACHTER 1499. 1508, sehr selten: allen seligen der erde; alle die selig ding der erden. quelle bei SCHERZ - OBERLIN 1479; der mensch ist ein seeliges und körperliches wesen. quelle bei CAMPE. so wol auch in der rheinischen redensart: es ist kein seliger (gar kein) mensch da. KEHREIN nachtr. 50. -- seelig, teigig, von einer ungaren mehlspeise. SCHM. 2, 256, s. seele II, 24, g, th. 9, 2923. über die häufige schreibung seelig für selig s. dieses und ANDRESEN volkset.4 110.

    SELIG, adj. animatus, zu seele gehörig, vom vorigen zu trennen, s. seelig oben sp. 48, vgl. auch I des vorigen. an die unter seelig als rheinisch erwähnte verbindung kein seliger

    Nun aber zum Suffix:

    Alle bisherigen Ausführung sind soweit richtig, ergänzend ist zu erwähnen, dass der entsprechende urindogermanische Instrumentalsuffix, von dem sich -sal über viele Lautveränderungen ableitet je nach Wurzel *tlom/*trom/*thlom/*throm heißt. (für die Linguisten: das h ist dieses kleine hochgestellte, was einen Aspiratae kennzeichnet)

    Zum Rinnsal. Schwierig. Hat mit dem erwähnten Suffix -sal wenig zu tun, sondern mit dem doppelten Suffix -is/-al. Den nachzuverfolgen war mir jetzt allerdings etwas zu mühselig, da ich in unserer Bibliothek auch noch echter Arbeit nachgehen musste.

  3. #18
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    Stimmt. arbeitsælec kenne ich aus dem Mhd. (anbei: Wie machst du dieses æ? Ich kann das nur über Copy&Paste^^)

    Ich find' die Information mit dem aspirativen h auch ziemlich geil. Das * zeigt eigentlich, dass das Wort (bzw. hier: Suffix) nicht gesichert aufgezeichnet ist, sondern nur rekonstruiert werden konnte. Und man vermutet (oder weiß zu einem bestimmten Grade?), dass das t aspiriert wurde. Wie kommt ihr darauf?

    Das Rinnsal ist im Übrigen (für mich zumindest) nicht allzu wichtig. ^^

  4. #19
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    Lach, vom Urindogermanischen wirst Du immer nur gesterntes zu sehen bekommen. Schließlich ist es eine rein hypothetische Ur-Sprache der Indogermanischen Sprachfamilie. Wie wir (*hüstel* ich habe beileibe noch nichts dazu beigetragen) darauf kommen: Rekonstruktion. Allerdings streiten sich die Gelehrten um das Tenus aspiratae. Ob es das wirklich gegeben hat oder nicht, ob nicht nur ein Medium Aspiratae da war, etc. Noch kann ich in der Diskussion nicht wirklich mitmischen.

    Das æ kann ich auch nur Copy and Pasten, aber es gibt entsprechende Fonds, die das können. Hatte nur noch keine Zeit und Lust mir entsprechendes zu besorgen.

  5. #20
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    Ich weiß, warum mir das Indogermanische (erst recht das Ur-Indogermanische 0_o) suspekt sind. Da ist mir das von längst verstorbenen Philologen zurechtgetrimmte (Normal)Mittelhochdeutsche doch lieber. Und wie man im Indogermanischen minimale Unterschiede in der Aussprache "rekonstruieren" will, ist mir sowieso schleierhaft (bei uns heute ist Aspiration ja nicht mal mehr phonologisch distinktiv)...

    Sprachwissenschaft ist komisch.

  6. #21
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    Mal ein interessanter Nachtrag, der auch meinen Irrtum bzgl. -selig erklären könnte:

    In diesem Auszug wird das Wort 'Habseligkeiten' behandelt, das wegen seiner Verbidnung von "geringem Besitz mir Seligkeit", also etwas Spirituellem, auch 2004 zum schönsten Wort des Jahres gekürt wurde. (Afaik wurde es auch mal als Wort bezeichnet, in dem die deutsche "Seele" besonder gut zum Vorschein käme.)
    Bei eben diesem Wort hat nun lau meiner Quelle eine "(assoziative) Anbindung an Seligkeit, das sich aus Seele ableitet stattgefunden". Allerdings gehe dieses Wort aus dem längst verschwundenen Wort *Habsal (= 'Habe') hervor (vgl. 'Trübsal'). Daraus wurde das ebenfalls nicht mehr gebrauchte 'habselig' gebildet, das über das Suffix -keit zu einem Nomen deriviert/abgeleitet wurde, zum Substantiv 'Habseligkeit'. Der Singular ist nicht mehr gebräuchlich, jedioch der Plural: besagtes 'Habseligkeiten', welches mit Seele und Seligkeit aber ungefähr so viel zu tun hat wie Slayer mit dem Weltkirchentag.

    So viel dazu. Für alle Interessierten, meine Quelle: Damaris Nübling, Historische Sprachwissenschaft des Deutschen [...], Tübingen 2006. Typen semantischen Wandels (S.108-115).
    Ich hab's aber eher per Zufall entdeckt. ^^

  7. #22
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    Hallo zusammen

    Ich habe auch einmal eine (wohl mehr oder weniger dämliche ) Frage betreffend Etymologie.
    Das französische Wort für "Regenschirm" ist "parapluie". Hier heisst der Wortteil para also gegen. Wenn man aber den Begriff "paraverbale Kommunikation" betrachtet, bedeutet para neben (es geht um die Lautstärke, etc, welche die verbale Kommunikation begleiten).
    Das griechische pará bedeutet wieder gegen.
    Ich frage mich nun, ob das französische und das deutsche para den gleichen Ursprung haben (also das griechische), und wenn ja, wie sich das deutsche "para" von gegen zu neben etwickeln konnte.
    Vielleicht stehe ich auch einfach auf dem Schlauch, und beide Begriffe haben einen anderen Ursprung....??

    Liebe Grüsse
    Piggy
    Geändert von Piggy Bank (09.07.2007 um 18:51 Uhr)
    Au bout de la patience, il y a le ciel (Proverbe africain)


    Neu: AugenHöhlen

  8. #23
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    Hallo Piggy Bank!

    Nur eine kurze Antwort: Weder das Französische, noch das Deutsche stammen vom Griechischen ab. Französisch ist eine romanische-italische Sprache, hat seine Ursprünge also im Lateinischen, Deutsch ist eine germanische Sprache. Griechisch gehört einem eigenen Sprachzweig des Indogermanischen an. Daher denke ich mal, dass die Differenzen daher stammen, dass para- in beiden Sprachen nur als Lehnwort (bzw. Lehnwortbildungsbestandteil) auftaucht. Da sind Bedeutungsunterschiede keine Seltenheit.

    So long
    gott

  9. #24
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    Hallo gott

    Vielen Dank für deine schnelle Antwort. Und schon wieder etwas gelernt.

    Liebe Grüsse
    Piggy
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    Neu: AugenHöhlen

  10. #25
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    Hallo

    Hmmm, ich verstehe Dein Problem nicht ganz. Meinungstechnische Selbstgenügsamkeit und Arroganz liegen doch dicht genug beieinander?!

    Hier noch zwei radikale Eindeutschungen.

    Muckefuck (mocca faux, also falscher Kaffee)
    blümerant (bleu mourrant, also sterbensblass)

    Gruss

    Jürgen

    ça suffit
    Oh lodernd Feuer! (Nero in Quo vadis)

  11. #26
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    Wer sagt, dass es ausschließlich negativ ist? Wenn ich einen Text als süffisant geschrieben bezeichne, dann meine ich damit auch "unterhaltsam, geistreich, spitz- und scharfzüngig".

  12. #27
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    Hallo auch nochmal

    Ach, der Neger war auch mal nur 'ne Farbe (negro) und keiner fand etwas dabei. Worte entwickeln sich manchmal, denke ich, per Zufall in eine bestimmte Richtung. Nachher kann mans im einen oder anderen Fall hinterher analysieren, oft nur raten und das auch oftmals falsch. Ich möchte nicht wissen, wie viel Unsinn in Entymologie-Wörterbüchern steht.

    Die Sprache lebt, Bedeutungen wandeln sich. Das ist nun mal so und wichtig ist ja auch nicht unbedingt, warum der Ausdruck eine bestimmte Bedeutungs-Nuance erlangt hat, sondern vielmehr, ob er korrekt verwendet wird (wobei hier Kenntnisse der Ethymologie peinliche Pannen vermeiden helfen).

    Gruss

    Jürgen
    Oh lodernd Feuer! (Nero in Quo vadis)

  13. #28
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    @Niwlam: Du machst was falsch. Die Zusammensetzung ist nicht "suffi" und "sant", sondern su/ü -und -ffisant/ffissanz/fficient.

    Letzteres sind alles Formen des lateinischen "-ficere" (ein verformtes "-facere", eigentlich), im weitesten Sinne "machen". (Das gilt für fast alle deutschen Wörter mit -fizient/-fekt/-fit-Endung.)

    su/sü ist ein kontrahiertes "sub" im Sinne von "unter".
    You know, wars aren’t kids - where you don’t have to pay attention to the youngest one because the older two will take care of it.
    - Jon Stewart

    Schwarze Gezeiten: heichaojing
    in Zusammenarbeit mit Lia: All Along the Watchtower
    (work in progress)

  14. #29
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    Hallo Oliver, Niwlam

    Da jat Oliver Recht, das scheint wie bei "intellektuell" zu sein, das kann auch Lob und Beschimpfung sein, je nachdem wer es in welchem Kontext verwendet.

    Aus meiner Sicht ist es jedenfalls offensichtlich, dass süffisant auch einen negativen Unterton haben kann und die Frage nach dem Warum, die Niwlam so gerne beanwortet hätte (ja, raunze mich nur an) habe ich von Anfang an nicht begriffen.

    Von überlegen zu grosskotzig, von grossartig zu Arschloch ist es jeweils nicht weit, wieso kann dann ein (in der Meinung) sich selbst genügen nicht schon nahe an der Arroganz liegen usw. usw.?!

    Gruss

    Jürgen
    Oh lodernd Feuer! (Nero in Quo vadis)

  15. #30
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    Hallo Niwlam

    Nö nö, alles bestens - ich war ja auch nicht über die Massen nett.

    Zu Intellektuell: Hmmm, ich denke mal, dass das sogar für eine Mehrheit in der Bevölkerung eher negativ besetzt ist, aber vielleicht bin ich da zu pessimistisch. Stichwort: Bild Dir Deine Meinung!

    Keine Macht den Doofen!

    Jürgen
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