Thema: Der Lehrer

  1. #1
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    Der Lehrer

    Der Lehrer

    Kannst Du Deine Schüler
    noch erreichen?
    Durcheinander reden sie.
    Deine Stimme wird schwach,
    die Lunge atmet flach,
    noch willst du alles richtig machen,
    doch grausam schallt ihr Lachen
    dir hinterher.

    Voll guter Laune
    betratest du das Klassenzimmer.
    Nun ist sie weg, und leise Trauer
    umlagert dich wie eine Mauer.
    Du bist nicht frei,
    denn diese Angst und Sorgen
    verfolgen dich bis übermorgen,
    und da noch ist dir schwer.

    Die gute Laune wegzunehmen
    ist körperlicher Angriff!
    Zu dumm sind sie, um sich zu schämen –
    drum hüte deine Seele,
    dass sie sich nicht bloß quäle.
    Empfindsam warst du immer schon,
    verwunden kann dich Spott und Hohn,
    dir fehlt die Gegenwehr.

  2. #2
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    Sehr geehrter Herr Hans Werner,

    Bitte die Schrift verkleinern, ich erschrecke mich immer vor übergroßen Buchstaben. Ich finde das Gedicht ansonsten ausgezeichnet.
    Es beschreibt schön die Perspektive eines Lehrers.
    Formal nett anzuschauen, flüssig zu lesen.
    Wunderbar.

    Hab ich auch mal ein Gedichtlein zum Thema Lehrer gemacht.
    Ich wage es einmal drunter zu schreiben, auch wenn es bei Weitem nicht an die Raffinesse und Durchdachtheit Ihres Stückes heranreicht.

    Gruß




    Lehrer

    Du Vasall eines Gewaltsystems,
    Du Kern eines Systemproblems.

    Hast Du erst
    dreizehn Jahre lang geschickt,
    Kindern ins Gehirn gefickt.
    Ist zuletzt dann nicht mehr da,
    was zu Beginn vorhanden war.

    Ist der Schüler
    vom Wissen weit entfernt,
    hat nichts Sinnvolles erlernt.
    Dafür kann er sich bei seinen
    - ewig kranken-
    dummen Lehrern nun bedanken.

    Der einst wache Blick ist müde,
    Die einst klaren Augen trübe.
    Und es taugt ein solch Verdammter
    höchstens noch als ein Beamter.

    Wo andere sich ans Studieren hielten,
    Leerkörper mit Förmchen spielten.
    Lehrer, Lehrer Du bist Dumm,
    hast kein richtiges Studium.

    Traurig ist, wenn sich die Kleinen,
    Abends in den Schlaf reinweinen.
    Weil sie trotz den Blutergüssen,
    am Nächsten Tag zur Schule müssen.

    Mich wunderts nicht
    wenn man dann liest,
    das ein Kind,

    zur Waffe greift und um sich schießt.

    Autor: FJK
    Geändert von HariboHunter (22.06.2007 um 13:33 Uhr)
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  3. #3
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    Lieber Hans Werner,

    du zeichnest ein extremes Bild. Das es gibt und dem nur schwerlich viel entgegen zu halten ist. Dennoch: Menschen aber in besonderem Maße Pubertierende können Verletztbarkeiten häufig sehr genau ausmachen. Es wird ihnen dadurch Macht zu Teil, die sie sonst in vielerlei Situationen nicht haben, in denen sie sich zum Großteil sogar unterlegen und unbeachtet fühlen bzw. sie sehen sich selbst in der Not und entscheiden sich zum Fressen , bevor sie gefressen werden. Zynischer Spott ist nur eine Maske dafür. Der Lehrer tritt ein in ein Universum in der er per Rollendifinition der Wissende, der Mächtige ist, dass aber er genauso wie jeder Schüler mit seinen Fehlbarkeiten, Hintergründen und Stimmungen in diesen Ring eintritt, wird tendenziell als Angriffsläche benutzt. Er ist der Erwachsene, das sollte im Abstand schenken. Tut es aber nicht immer, weil den Schülern zum Teil wenig bis nie Respekt nah war. So fehlt auch der Respekt vor anderen. Und an wen reiben, wenn die Eltern sich dem entziehen, weil sie keine Zeit mit ihren Kindern verbringen, können oder wollen - beides exestiert neben einander. Sich auseinander setzen zu können und zu wollen, dafür auch den Raum zu haben, das ist nicht immer einfach. Aber einfach gibt es nie? Man begegnet sich auch selber in der pädagogischen Arbeit, seinem Selbstwertgefühl und verinnerlichten Mustern. Zu viel Idealismus ist schlecht, zu wenig genauso...

    Also du siehst mich angestoßen zu vielerlei Gedanken, die ich dir dazu mitteilen wollte, leider ohne Lösung?

    Stilistisch und von der Verspieltheit der Umsetzung, ist es aus meiner Sicht einfach gehalten wie beispielsweise die Reime...das wirkt auf mich manchmal zu einfach? Fände es auch besser wenn es "Ein Lehrer" hiesse, sonst kommt es mir zu pauschal rüber? Auch wenn es bestimmt keine ganz einzigartige rein individuelle Problembeschreibung ist, scheint mit "Der Lehrer" eine anklingende Verallgemeinerung etwas schrill in meinen Ohren.

    Lieben Gruß
    sora

  4. #4
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    Danke Sora, Du hast mich ganz tief verstanden!

    Es war heute für mich eine schlimme Stunde voller Enttäuschungen. Sonst bin ich leidenschaftlich gerne Lehrer und verstehe mich mit den Schülern gut, vielleicht besser als mit Kollegen.

    Herzliche Grüße

    Hans Werner

  5. #5
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    Ohweh, ich hatte es fast befürchtet, dass da ein echter Lehrer etwas zu Papier brachte. Gesamtschule? Na herzliches Beileid.

    Sehr gut gefällt mir, wie du (hurra, ich Duze einen Lehrer) die noch frische Wut kanalisierst und in diese verblüffend leichte Sprache umwandelst. Ich saß nur da und hoffte, dass es sich beim Autor um keinen Lehrer handelt und der Schreiber nur eine bunte Phantasie an den Tag legt.

    Was ich ebenfalls nicht so toll finde sind die Reime zwischen drinnen. Das Werk kommt ohne Reime und Rhytmen besser herüber und verfehlte auch dann sein Ziel nicht.

    Ich musste als Zivi nochmal inne Gesamtschule zurückkehren. Ohweh, das hat mich zumindest davon überzeugt, nun doch kein Lehrer zu werden. Naja,...

    Halt die Ohren steiff!
    "Ich lief vom Pontius zum Pilatus. Pontius /
    War weggereist. Pilatus war im Bad."
    Brecht, Ui

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  6. #6
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    Hallo Hans Werner,

    dein Gedicht hat mich angesprochen, da ich selbst auch "Betroffener" bin.
    Ich dachte mir: kennst du; vor allem die Enttäuschung, wenn Schüler nicht so "mitziehen", wie man sich das erhofft hatte, und somit viel Vorbereitung "für die Katz" war.
    Ich selbst hätte aber vielleicht doch noch eine versöhnlichere Zeile eingefügt. Denn wie du selbst schreibst, ist das von dir Dargestellte nicht das ganze Bild des Lehrerberufs. Gott sei Dank nicht.
    Außerdem ist es ganz wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass man solches Schülerverhalten niemals persönlich nehmen darf. Ich denke, erst dann verletzt es einen auch. Alleine schon die Tatsache, dass dieses Schülerverhalten bei JEDEM/R Lehrer/in vorkommt, zeigt doch, dass dieses nicht auf die eigene Person zu beziehen ist. Schüler sind nun mal so.
    Es gehört zum Beruf dazu, darauf gelassen zu reagieren. Man muss sich in dem Beruf eine dicke Haut zulegen, um "die Seele zu hüten".

  7. #7
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    Hallo Arno,

    ich möchte mich für Deine einfühlsame Antwort sehr bedanken. Weißt Du, nun bin ich 36 Jahre lang an unserm Gymnasium Lehrer und bin eigentlich der Meinung, aus den Kinderschuhen längst entwachsen zu sein. Und dennoch kann es mir immer wieder passieren, dass ich mich seelisch zu sehr berühren lasse, von dem Verhalten mancher Schüler.
    Stell Dir vor, ich bin herzkrank, habe nur die Hälfte der üblichen Herzleistung der gesunden Erwachsenen. Die Schüler wissen das. Und dennoch schwätzen und stören sie, dass ich lauter reden muss, als mir selbst zuträglich. Und plötzlich empfinde ich das als boshaft und rücksichtslos. Und dann kommt mir zu Bewusstsein, dass ich mit guter Laune in die Klasse hineingegangen bin und nun mit schlechter Laune hinausgehen werde. Und da wird mir plötzlich so abgrundtief traurig zu Mute, dass ich mit Tränen kämpfen muss. Wenn jemand dem andern die gute Laune raubt, dann ist das ein körperlicher Angriff. Nur können und dürfen wir Lehrer uns dagegen nicht wehren.

    So ist es.

    Sie herzlich gegrüßt von
    Hans Werner

  8. #8
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    Hallo Diechallenger,

    zunächst einen fröhlichen Guten Morgen. Und dann bedanke ich mich für Deine Antworten und Beiträge zu diesem Thema. Ja, ich weiß wohl, dass es meine Schwäche ist, dass ich nicht auf jeden Beitrag gleich antworte. Dafür bitte ich um Entschuldigung. Ich hoffe, dass ich dadurch bei Dir keine bleibenden Unmutsgefühle ausgelöst habe.

    Herzliche Grüße

    Hans Werner

  9. #9
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    Zitat Zitat von Hans Werner
    Stell Dir vor, ich bin herzkrank, habe nur die Hälfte der üblichen Herzleistung der gesunden Erwachsenen.
    Das tut mir leid und lässt deine Situation noch einmal in einem anderen Licht erscheinen. Es hilft vielleicht nur, mit den Schülern ein Gespräch zu führen, am besten auch mit den Eltern. Wenn du störende Schüler unter vier Augen ansprichst und sie auf deine besondere Situation hinweist, könnte ich mir vorstellen, dass sie so noch am ehesten zur Einsicht gebracht werden können.

  10. #10
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    Nun muss ich noch einmal etwas sagen zu meinem Gedicht "Der Lehrer". Es ist ursprünglich aus persönlichem Erleben entstanden. Aber die verschiedenen Reaktionen auf diesen Text zeigen, dass dieses Gedicht ein gesamtgesellschaftliches Phänomen betrifft, nämlich die Einstellung in unserer Gesellschaft dem Lehrerberuf gegenüber.
    Die Grundthese meines Textes ist die, dass eine Zerstörung der guten Laune eines Menschen ein körperlicher Angriff ist. Die Psyche eines Pädagogen ist ein zu schützendes Gut.
    In einem Kommentar lese ich zum Beispiel:
    Selbstmitleid war noch nie ein guter Vorbeter und Lehrer wussten worauf sie sich einlassen als sie sich für diesen Beruf entschieden haben...und es gibt ja auch noch die vorzeitge Pensionierung...wäre nur so ein Vorschlag von mir...
    Lehrer wussten also, worauf sie sich einlassen. Mit anderen Worten, es gehört zum Berufsalltag, dass sie ihre eigene Psyche, das Kapital an guter Laune, über welches sie verfügen und das bei jedem Menschen naturgemäß begrenzt ist, systematisch aufbrauchen lassen müssen.
    Je mehr ich mir diese Ansicht durch den Kopf gehen lasse, umso mehr fühle ich, dass mein Gedicht notwendig ist. Denn es betrifft nicht nur mich selbst, sondern meinen ganzen Berufsstand.

    Herzliche Grüße

    Hans Werner

  11. #11
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    hi hans werner

    ich habe mir den studiengang "lehramt für gymnasien" ausgesucht, weshalb mich dieses thema sehr interessiert. zu form und metrik möchte ich erst mal gar nicht viel sagen, es sei denn, du wünscht das. nur soviel: mir ist das ganze sprachlich zu einfach.

    Und dennoch kann es mir immer wieder passieren, dass ich mich seelisch zu sehr berühren lasse, von dem Verhalten mancher Schüler.
    da sehe ich das problem. ich denke, dass man sich manche dinge einfach nicht so zu herzen nehmen sollte. man darf das verhalten der schüler nicht persönlich nehmen. vielleicht bin ich was das angeht etwas naiv. ich habe den beruf ja selbst noch nicht ausgeübt. aber wenn ich mich so an meine schulzeit zurückerinnere, dann kann ich ganz klar sagen, dass denjenigen lehrern, die respekt verdient haben, dieser auch gezollt wurde. außerdem merken schüler ganz genau, mit welchem lehrer man seine späßchen machen kann und mit welchem nicht.

    Die Grundthese meines Textes ist die, dass eine Zerstörung der guten Laune eines Menschen ein körperlicher Angriff ist. Die Psyche eines Pädagogen ist ein zu schützendes Gut
    man sollte nicht nur sie psyche des pädagogen schützen, sondern die eines jeden menschen. klar, da stimme ich dir zu.
    du schreibst, dass du lehrer an einem gymnasium bist. aber gerade dort gibt es doch genügend maßnahmen, die man ergreifen kann, um sich respekt zu verschaffen. im gegensatz zur hauptschule sind die schüler dort ja freiwillig. und dessen sind sie sich auch bewusst. maßnahmen wie zusatzaufgaben, briefe an die eltern und letztendlich der verweis von der schule sind in einzelfällen ja möglich. natürlich sollte man von vornherein so auftreten, dass man respektiert wird.

    wie gesagt, ich habe keinerlei praxiserfahrung (in einem jahr sprechen wir nochmal ) und kann daher nur auf meine erfahrungen als schüler zurückgreifen. aber ich denke, dass vieles einfach auch am lehrer selbst liegt und wie dieser mit der situation umgeht.

    ich wünsch dir viel erfolg und dass sich das ganze etwas legt,
    lg, panther
    Geändert von Der Panther (04.07.2007 um 20:46 Uhr)

  12. #12
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    Hallo Toffifeeling und Panther,

    es freut mich, wie Ihr beide ausführlich auf meinen Text reagiert. Noch einmal möchte ich klarstellen, dass ich eigentlich immer leidenschaftlich gerne Lehrer war und es auch heute noch bin. Das Gedicht ist der Niederschlag einer einzelnen Stunde, die mich deprimierte. Die Ratschläge, die aus Euren Texten sprechen, sind mir wohl bekannt. Fast möchte ich sagen, sie wiederholen sich gebetsmühlenartig immer dann, wenn ein Lehrer versucht, irgendwo in einem Gremium seine Schwierigkeiten im Umgang mit einer Klasse zu schildern. Es ist dann immer so, dass letzten Endes der Fehler im mangelhaften Auftreten des Lehrers gesucht wird. Auch die Maßnahmen, von denen manchmal die Rede ist und die man ergreifen kann, sind dann auch nur Armutszeichen für einen Lehrer, der sich nicht durchsetzen kann und derlei Maßnahmen braucht. Tatsache ist, dass der Lehrer im Klassenzimmer mit seiner Klasse allein ist. Er muss für Burgfrieden sorgen, soll einen angenehmen Unterricht machen, bei guter Laune, soll vor allem auch die Eltern nicht gegen sich aufbringen und daneben noch dafür sorgen, dass die Schüler etwas lernen. Und das Ganze soll vor allem "Spaß machen". Ich spreche keineswegs in Verbitterung. Ich spreche nur als ein Mann, der jetzt schon mit seinen 61 Jahren einige Erfahrungen gesammelt hat. Ich bin immer noch verliebt in meinen Beruf, vor allem wegen der vielen Schüler, die es ernst meinen und auch mit Eifer bei der Sache sind. Aber ich sehe auch, wie in unserer Zeit vermehrt auch bei jungen Menschen Grobheit und Unverstand sich breit machen. Wenn sich dann in einer Klasse eine Horde von 8 Leuten zusammenfindet, die die andern tyrannisieren, dann steht der Lehrer auf verlorenem Posten. Sogenannte "Maßnahmen" greifen nicht mehr. Man arbeitet nur noch auf Zeit. Trotz allem haben wir Lehrer den unwahrscheinlichen Vorzug, dass wir Tag für Tag von jungen Menschen umgeben sind. Das an sich ist schon ein Wert, ein Punkt Lebensqualität, den man nicht hoch genug einschätzen darf.

    Herzliche Grüße

    Hans Werner

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