Thema: Andacht

  1. #1
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    Andacht



    heilig ist uns nichts

    geblieben nur ein Tuch

    feucht und rot vom Glaubenskrieg

    überdachter Minarette

    bricht was von uns übrig blieb

    auf und in den Knien ein

    versunken bis zum Schluss

    Gebet.


    Geändert von Schattenblume (15.09.2007 um 16:51 Uhr)
    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

  2. #2
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    Liebe Schattenblume,

    "Heilig ist uns nichts geblieben, nur ein Tuch, feucht und rot. Vom Glaubenskrieg überdachter Minarette bricht, was von uns übrig blieb, auf und in den Knien ein - versunken bis zum Schluss. Amen"

    Ich habe mir dein Gedicht zum Verstehen so niedergeschrieben und verstehe darin eine Trauer und einen Kniefall der Verzweiflung. Im Herzen bricht etwas auf, (die Liebe?) das/die nur noch im blutigen Tuch zu finden ist. (Darum die Rubrik?)

    Hilf mir, wenn ich völlig daneben liege. Das Gedicht hat seine Anziehungskraft behalten.

    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  3. #3
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    hallo liebe Dana,

    was freu ich mich grade, dass du dich so schnell auf meine Andacht gestürzt hast ! So, wie du es (für dich) in seiner Betonung noch einmal zitiert hast, entspricht es auch exakt meiner Vorstellung. Der Kniefall zum Gebet - jedoch nicht, um den anderen um Verzeihung zu bitten (auch eine berechtigte Interpretation).
    Ich sehe es eher räumlich, also das ´zu Boden gehen´ - ohne jetzt gleich daran zu denken, dieser Bewegung eine eindeutige Wertung beizumessen. Damit belebt ja nicht zuletzt der Leser das Werk, mit seinen Gedanken. Trauer, damit kann ich etwas anfangen. Sie liegt der Stimmung des Gedichts auch zugrunde + auch Liebe, wenn ich oder du willst.

    kannst du damit was anfangen?

    liebe Grütze

    J.
    Geändert von Schattenblume (15.09.2007 um 21:32 Uhr)
    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

  4. #4
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    Hallo Schattenblume,

    was mir an Deinem Gedicht gefällt, ist der wunderbare Ton; zudem entzieht es sich einer raschen Konsumierung und eindeutigen Festlegung, ohne dabei ins Beliebige abzurutschen. Erschreckend diese Unfähigkeit zu Reflexion und Verständigung, die zum "Glaubenskrieg" führt und dafür sorgt, daß wir "versunken" bleiben "bis zum Schluß", obwohl das "Gebet" längst eine leere Geste geworden ist!

    Liebe Grüße
    mobrio

  5. #5
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    Hallo, Schattenblume,

    vielleicht erkenne ich ja mit etwas Liebe zum Detail, warum ich das hier lese und nicht woanders (Rubrik).
    Vor allem die "Minarette" lenken den Blick (ab?) in Richtung Religion und Politik.

    Geht es um die Liebe zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens? Die Annahme wäre möglich, aber konstruiert, der Text liefert keine diesbezüglichen Anhalte. Mit "heilig ist uns nichts" steht sogar eine Widerlegung zur religiösen Deutung da. ...

    Ein politischer "Kniefall" wäre, wenn ein fundamentalistischer Terrorist vor den Gräbern seiner Opfer um deren Erlösung betete. Mal im Extrem gesponnen.

    Wenn ich das auf eine romantische Beziehung zwischen zwei Personen gleichen Glaubens übertrage, bedeutet dies, dass einer von beiden ganz schön was ausgefressen hat.
    Ist alles aus? Wenn es hieße "alles Übrige bricht ein", könnte man das annehmen. Aber es heißt "alles Übrige bricht auf", und es gibt einen Kniefall. Wird es verziehen? Findet ein Neuanfang auf Trümmern statt? Wieder politisch, am Beispiel Aufbau Ost: Vereinigung trotz gegensätzlicher Weltanschauungen, und Unterwerfung der einen (wie man so sagt)?

    Der Schluss ("Gebet") hinterlässt aber einen trüben Nachgeschmack, es wird schwierig und man muss beten - niemand betet, wenn alles perfekt ist....

    "versunken", das kann ich nicht ganz zuordnen:
    - versunkenes Gebet? - nein;
    - das Tuch, versunken? - zu weit auseinander;
    - versunkene Minarette? - vielleicht; aber wofür stehen die denn eigentlich?


    Mir gefallen besonders diese Zeilenübergänge
    - "heilig ist uns nichts/geblieben"
    - "bis zum Schluss/gebet"
    Die beiden sind sehr gut gelungen, der eine leitet ein, der andere klingt aus

    Bis auf die Lücken, die ich bis jetzt noch nicht füllen konnte, gefällt mir das alles. Aber ich werde es mir weiter vornehmen ...

    Erstmal auf bald,

    Wochenendgruß!
    fatcat's Zahmlose
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  6. #6
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    hallo mobrio,

    mir gefällt sehr, auf welche Weise du dich den Bildern näherst: mit scharfsinnigem Blick, einer gehörigen Portion angewandter Kreativität, und der Fähigkeit zu Reflexion - ich schätze (das sehr!), du kannst sehen, was ich hier skizziert habe.

    vielen Dank fürs aufmerksame Lesen+Schreiben



    die Länge der Antworten in Gedichte-Fäden sollte sich möglichst genau nach der Länge des vorigen Beitrages richten, FC.

    ach nee: Vergiss es ganz schnell wieder

    ich frage mich soeben, wie das Gedicht beim Leser ohne jegliche Rubrik-Angabe ankäme...kein uninteressanter Gedanke...

    den werde ich weiterverfolgen + melde mich, sobald mein Kopf genügend gewässert ist, um auf deine spannenden Ausführungen eingehen zu können.

    bis dahin + weiterhin

    J.
    Geändert von Schattenblume (19.09.2007 um 20:16 Uhr)
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  7. #7
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    Hallo noch kurz!

    Ich bin noch nicht viel weiter gekommen, habe aber noch ein "rotes Tuch" entdeckt: das könnte ich mir als ein ärgerliches, heikles oder Tabuthema denken. Und: "was von uns übrig bleibt" - ist es vielleicht feucht und rot, so wie ein Herz?
    Schöner Facettenreichtum.
    Gibt es das, dass einem das Herz in die Knie sinkt?
    Hey, auf was für sonderbare Gedanken komme ich denn ... vorher war es doch so schön politisch

    Soviel von der aktuellen Lesefront macht immer noch Spaß dort!

    LG
    S.
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  8. #8
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    mach ruhig weiter so, fc - auch mir macht es Spass, zu sehen, wie du dich langsam an die Bilder herantastest. Die Richtung steuert auf jeden Fall schon mal auf meine Vorstellungen zu. Das ´rote Tuch´ ist somit von mir ebenso rundum abgenickt. Es freut mich immer ganz besonders, wenn jemand sich für seine Fähigkeit, selbst zu denken begeistern kann und ich mich durch seine Rückmeldungen wissen lässt, dass meine lyr.Verschlingungen ohne Autoren-Verrat zugänglich sein können.

    Shi-Sha-Shatti-Gruss an die Lesefront
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  9. #9
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    Hallöle Shi-Sha-Shatti,

    hier finde ich einen ungewöhnlichen, da nicht unbedingt rubrikspezifischen Titel, mit sieben kryptischen Versen, die vor allem der scharfsinnige FC schon weitestgehend aufgedröselt hat und die mich schon seit zwei Tagen mehr und mehr beschäftigen, bin hier nämlich schon des öfteren vorbeigekurvt.

    Versuche mal eine etwas andere Annäherung an deinen wie stets geistig sehr anregenden Text, der mit Liebe schon zu tun hat, nichts jedoch mit Romantik, soweit ich ihn verstehe.

    "Andacht" bedeutet ja per Definition zunächst: Einkehr, ein sich Versenken in zumeist transzendente Gefilde und Betrachtungen auf eher geistig-seelischer Ebene. Da dieser Bereich nach meinem Empfinden aber nur wenig mit reiner Logik und messerscharfem Verstand zu tun hat, verlagere ich meinen Interpretationsansatz genau in diese nur scheinbar nebulöse Richtung.

    heilig ist uns nichts
    geblieben nur ein Tuch
    feucht und rot vom Glaubenskrieg
    (nach "rot" sehe ich übrigens einen Punkt, denn sonst stimmte es syntaktisch in der Folge nicht mehr)

    Wenn ich das Wort "heilig" als "Heilsein" auffasse und damit meine, dass der Mensch nur dann GANZ also "heil" ist, wenn alle drei Entitäten, die ihn ausmachen, sprich Körper, Geist und Seele miteinander im harmonische Einklang sind, und das dauerhaft, was man ja nur bei ganz wenigen Personen als gegeben voraussetzen kann, dann ist es hier, so du es denn auch so sehen solltest wie ich, mit einem sehr hohen Anspruch verbunden.

    Gemeint ist aber wahrscheinlich eher, dass den Menschen heutzutage ganz allgemein kaum noch etwas sakrosankt ist, der Werteverfall und die daraus resultierende Orientierungslosigkeit haben dazu geführt, dass alles beliebig geworden ist. Jeder kocht sein egoistisches Süppchen und schert sich (im dekadentenWesten) einen Dreck darum, wie es der Gruppe, dem Ganzen geht, ungleich den Moslems, so sie denn zur Fraktion der Befürworter des "Dschihad" und der angewandten "Scharia" gehören.

    Das feuchtrote blutige Tuch sehe ich daher als Synonym für "Getrenntsein", aus dem die Illusion der Bedürfigkeit erwächst, die wiederum auf Umwegen die Illusion "Die Überlegenheit existiert" gebiert, so dass sich schließlich jeder mit jedem im ständigen Konkurrenzkampf wähnt, dafür sogar bereit ist zu töten, wobei aber nur blanker Wahn hervorbricht, der sich dann in seinen übelsten Ausprägungen als religiöser Fanatismus, Fundamentalismus und schließlich auch als Terrorismus zeigt.

    Mir geht es also mehr um die monokausalen Zusammenhänge des Scheiterns aller Zivilisation als um das Bedauern der Folgen dieses Zusammenbruchs, da letzteres Mangels Erkenntnistiefe keine Antworten zur Verbesserung der Lage zeitigen kann und von daher oft genug nur in reine Larmoyanz mündet, die niemandem hilft.

    ...überdachter Minarette
    bricht was von uns übrig blieb auf...


    Der Glaubenskrieg, übrigens nicht nur unter Religionen, denn alle profanen -Ismen, die sich jemals das Heil der Menschheit auf die Fahnen schrieben, sind ebenso grandios mit ihren verbohrten Glaubenskriegen (dann eben nur Ideologie genannt) gescheitert, bewirkt aber auch zwangsläufig, und das ist gut so, dass sich die Welt heutzutage gezwungen sieht, sich wesentlich intensiver mit dem auseinander zu setzen, was die Religionen vorgeben zu sein, nämlich die Mittler zwischen dem, was sie als getrennt von uns wähnen und uns selbst, den Menschen. Und genau da liegt ihr größter Irrtum, denn solange der Glaube an dieses Getrenntsein weiter existiert und befördert wird, wird es niemals Frieden unter den angeblich Getrennten geben können, zu sehr haben sie sich längst in den zehn Grundillusionen so tief verstrickt und verloren, dass sie aus eigener Kraft dort niemals wieder herausfinden können. Wem es aber gelingt, sie (und viele andere mehr) wieder zu sich selber zu führen, der wird mal der "Neue Messias" genannt werden. Wahrscheinlich dreht sie die entsprechende Prophetie, die es ja gibt, genau um diesen Kern.

    Wie du siehst, hat dein Werk bei mir eine ganze Lawine an Nachdenklichkeit ausgelöst und mich zu Ausführungen veranlasst, die dir wahrscheinlich recht exotisch vorkommen werden.

    und in den Knien ein
    versunken bis zum Schluss
    Gebet.


    Dieser Abschluss sagt mir in Verbindung mit meinen bisherigen Betrachtungen noch dies: Den sog. Religionsgläubigen bleibt ja angesichts der vielen offenen Fragen letztendlich gar nichts anderes übrig als ohnmächtig in die Knie zu sinken und von ihrem jeweiligen Gott die Abwendung aller von ihnen als Bedrohung aufgefassten Entwicklungen und Strömungen, die da von draußen auf sie einwirken, oder einzuwirken drohen, zu erflehen.

    Unsere lieben Chrisaten sind doch so sehr auf Ohnmacht und Gehorsam von Seiten ihrer sog. "geistigen Führer" konditioniert, dass ihnen jeglicher Zugang zu ihrer wahren Natur und Identität völlig versperrt wurde und auch versperrt bleibt. Da gleichen sie nun wieder sehr ihren Brüdern und Schwestern unter dem Halbmond bzw. unter dem Davidsstern, denen ja kaum etwas anderes erzählt wird.

    Ach, wenn sie nur wüssten in welch ungeheurem Ausmaß sie von ihren geistigen Scharlatanen hinters Licht geführt wurden und immer noch werden, von dem sie aber mit wachsender Begeisterung beständig faseln, vom Licht der Liebe, ohne je zu wissen, welch grandiosen Tort sie allen damit antun und welch überdimensionalen Unfug sie damit verbreiten.

    So, genug der Erregung, aber diese Typen gehen mir dermaßen auf den Geist, dass ich ab und zu mal etwas Dampf ablassen muss, um nicht daran zu ersticken.

    Liebe Grüße
    crux

  10. #10
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    Hallo,

    ich finde auch Spukgestalten in Form von Schattis Versen in meinem Kopf vor, aber vor allem möchte ich auf Crux' außergewöhnliche Interpretation eingehen.

    @crux: Ich sehe in dir einen, der die philosophische Vertiefung liebt, was ich sehr hoch schätze. Hier hast du dir die Wurzeln der religiös begründeten Gewalt vorgenommen, nicht ohne auch eine Erklärung für jeglichen Dünkel und jeglichen Zorn zu liefern, was deiner Sichtweise eine gewisse Überzeugungskraft verleiht. Man hat nicht einmal gemerkt, dass du besonders emotional engagiert geschrieben hättest (wofür du dich am Ende entschuldigst). Was mich ein Bissel stört, ist die starke Verallgemeinerung. Es gibt auch traditionelle (böse formuliert: über Jahrhunderte hinweg gesteuerte) Formen der Religiösität, deren Anhänger sich jedoch nicht von ihren geistigen Führern aufhetzen lassen - für sie ist der Kern ihres Glaubens Priorität, und die gesellschaftlichen Einrichtungen (Kirchen, Predigten, Feiertage ...) sind nur Mittel zum Zweck. Allerdings dürfte das mit Blick auf die Welt eher ein verhältnismäßig unauffälliger Teil der Religiösen sein. Daher finde ich deine Gedanken wichtig und sie sollten an den richtigen Stellen, d. h. in den richtigen Köpfen, auch einmal gedacht werden.
    Wenn ich auch nicht immer übereinstimme, lese ich gerne deine theologischen und metaphysischen Ausführungen, sie sind sehr anregend, und stammen offenbar aus einem angeregten Geist.


    Wer Crux' Beitrag noch nicht gelesen hat: nur zu! Zumal der Bezug zum Gedicht offensichtlich ist und es sich bei "Andacht" auch meiner Ansicht nach weniger um Romantik handelt (war von mir in meiner ersten Antwort falsch ausgedrückt), sondern vielmehr um eine generalle Betrachtung eines schwer konkretisierbaren ... tja, Zustands oder Prozesses, je nach Deutung.

    Einzelne Unklarheiten sind leider immer noch nicht beantwortet. Warum z. B. sind die Minarette überdacht? Der Wikipedia-Artikel und die Fotos von Minaretten sagen nichts über Dächer aus. Es handelt sich dabei um Türme, die ursprünglich eine Funktion hatten (Leucht- und Signaltürme, letzteres ähnlich bei Kirch(glocken)türmen), inzwischen aber unter anderem als Dekoration, religiöser Orientierungspunkt, oder auch Statussymbol von Moschee, Stadt oder Regierung gelten können. Was sagen da die Dächer aus???

    Nebenbei fällt mir ein, dass ein Hauptproblem religiöser Zwiste immer in der Verbindung von Religion und Staat (politik) besteht. Zum Glück haben unsere Verfassungsväter das bei uns nicht zugelassen ...

    @Schattenblume: Wie du an meiner Signaturempfehlung siehst, habe ich einige Texte von dir gesichtet, zu denen ich mich noch auslassen möchte, bald. Ich hoffe, du hast nix gegen ältere Texte?

    Liebe Grüße,
    Geändert von fatcat (29.09.2007 um 19:48 Uhr)
    fatcat's Zahmlose
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  11. #11
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    Oh mein Gott! Was hab ich hier nur losgetreten ?

    Ein Nebelpferd legt sich in Kurven und reisst mit seinen Funken-Hufen
    die nicht vorhandenen Kanten mit. Bevor es sich beim wilden Ritt
    auf sakrosanktem Wertverfall das Kreuz noch bricht, will ich mal schnell das Zaumzeug aus der Remise holen...

    lieber crux,
    auch wenn ich das Rollen+Grollen deiner Gedankenlawinen gespannt verfolgt habe, möchte ich doch zunächst einmal die grossen losgelösten Gesteinsbrocken aus dem Weg räumen, bevor sich noch jemand daran stösst (und dir den Zeigefinger nebenbei wieder zurückbiegen).

    Auch wenn ich gedanklich der Richtung deines Interpretationsansatzes folgen kann, habe ich den Eindruck, dir sind dabei irgendwann die Gäule durchgegangen. Mein Gedicht scheint dir genügend Anlass gegeben zu haben, hier über ´irgendwelche Typen, die dir dermaßen auf den Geist gehen, über ´Fanatismus´, ´Fundamentalismus´und ´Terrorismus´ zu schreiben, doch darfst du absolut davon ausgehen, dass ich solche Themen nicht mit dem Mittel der Lyrik bedienen will!

    Mir geht es immer noch in erster Linie um Sprachverdichtung und kraftvolle Metaphern. Natürlich verwende ich keine Begriffe, deren Hintergrund mir nicht bekannt ist - schliesslich ist das Wissen um die Übertragbarkeit der Bilder nötig, um sie textnah und schlüssig einzusetzen. Sobald jedoch ein Leser daraus Rückschlüsse auf eine konkrete gesellschaftliche/religiöse oder politische Haltung bzw. Wertvorstellungen zieht, geht mir das intensionsbezogen wirklich viel zu weit.

    Fern aller theologischen Orientierungen ist ´Andacht´ für mich schlicht und ergreifend ein klangvolles Wort und ein vielschichtiger Begriff, den ich mit ´Insichgehen´ und ´sich geistig sammeln´ verbinde.

    Zitat Zitat von crux
    "Andacht" bedeutet ja per Definition zunächst: Einkehr, ein sich Versenken in zumeist transzendente Gefilde und Betrachtungen auf eher geistig-seelischer Ebene.
    hier liegst du (noch ^^) nahe an meinen Vorstellungen.

    Zitat Zitat von crux
    Wenn ich das Wort "heilig" als "Heilsein" auffasse und damit meine, dass der Mensch nur dann GANZ also "heil" ist, wenn alle drei Entitäten, die ihn ausmachen, sprich Körper, Geist und Seele miteinander im harmonische Einklang sind, und das dauerhaft, was man ja nur bei ganz wenigen Personen als gegeben voraussetzen kann, dann ist es hier, so du es denn auch so sehen solltest wie ich, mit einem sehr hohen Anspruch verbunden.
    sicher ist dieser Anspruch sehr hoch, sobald ich darin ein Ideal sehe, worauf ich meine Zielsetzungen hin orientiere, doch so fundamentalistisch will ich das nicht sehen. Es geht mir vielmehr um klare Orientierungsrichtungen, nicht um kompromisslose Erfüllung. Für mich hat Liebe bzw. lieben können auch sehr viel mit ´glauben wollen´ zu tun, und damit, sich deutlich zu jemandem ´zu bekennen´.


    Zitat Zitat von crux
    Das feuchtrote blutige Tuch sehe ich daher als Synonym für "Getrenntsein", ...
    das (rote) Tuch trägt mehrere Bedeutungen in sich, die sich auf metaphorischer Ebene in meinen Versen wiederspiegeln - zum einen stellt eine Redewendung es als ein Symbol für Provokation dar, für Etwas, das Wut auslösen kann. Ausserdem denke ich noch an die Redensart "Flagge zeigen", was ja soviel wie ´sich öffentlich bekennen´ heisst. Das Tuch ist ´geblieben´. Jedoch in einem Zustand, (feucht und rot), der auch die ´Entheiligung´ der Liebe symbolisiert. Der ´Glaubenskrieg´ hat dieses hochgehaltene Zeichen entehrt und auch getränkt. Von Blut ist nicht die Rede, doch mit dem ´feucht und rot´ wollte ich andeuten, dass hier etwas sehr Lebendiges zerstört worden sein muss.

    Die Minarette lassen sich sowohl aus architektonischer Sicht betrachten, sind also als Turmbauten zu sehen, deren Höhe dazu diente, Licht weithin sichtbar zu machen. Auch wurden sie als ´Tor zwischen Himmel und Erde bezeichnet (Wikipedia lässt grüssen...) - ebenso, oder vor allem, wurden sie gebaut, um zum Gebet auszurufen.

    Zitat Zitat von fatcat
    Einzelne Unklarheiten sind leider immer noch nicht beantwortet. Warum z. B. sind die Minarette überdacht?
    überdacht-Andacht...na, funkt´s jetzt vielleicht (Denkmal darüber nach... )


    Zitat Zitat von fatcat
    @Schattenblume: Wie du an meiner Signaturempfehlung siehst, habe ich einige Texte von dir gesichtet, zu denen ich mich noch auslassen möchte, bald. Ich hoffe, du hast nix gegen ältere Texte?
    fatcat, wie könnte ich da etwas dagegen haben?! hab ich doch längst entdeckt, dass du mich auch mit deiner Signatur beehrt hast - Danke schön !

    mit schauerlichem Gruss aus dem lyr.Spukschloss

    Shi-Sha-Shere
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  12. #12
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    Ach, so war das gemeint, über-angedacht? Zuviel gedacht? Hmm. Let me think over ...

    (Minarette - hauptsächlich zum Gebetsappell, das habe ich unterschlagen, right!)

    Was du da nur angestoßen hast?! Ist doch schön, wenn jemand sich, von deinen Zeilen inspiriert, in solche Tiefen vertieft. Ist doch eher selten, oder? Aber, richtig von dir, klarzustellen, wo deine Absichten aufhören.
    Und der Crux, der macht so 'was ja öfter. *tuschel* Aber es kommt 'was 'bei 'rum, m. b. M. n.

    Du hast ja vorhin ziemlich viel verraten, einiges habe ich so oder ähnlich empfunden. Nur, ich komme irgendwie nicht an das "überdacht" ran. Da muss meine Gesamtsicht (Beziehungskonflikt) noch mal von mir überdacht und evtl. konkreter werden. Bezeichnend ist auch die Kürze der Zeile, die somit zum wildspekulativen Irgendwashineinlesen einlädt.
    Es "versinkt" ein "Minarett" und man sieht nur noch "Dach", das lässt mich entfernt an untergegangene Architektur denken, Ruinen, Atlantissage etc., also *Phoenix-Doku-Kram* - wie wenig das bringt, wollte es aber nicht verheimlichen.
    O, ich glaube, heute annelies-yre ich besser nights Mär.

    Man hört voneinander: Letztens wälzte ich mich schlaflos wegen einer Gefängnisausbruchsdeutung von selbigem Reimgaul zu einem Gedicht von dir, was nicht ohne ist. Man sollte die Begriffe abklopfen, hieß es da, und seitdem suche ich Nägel mit Köpfen.

    pst: Ehre, wem Ehre gebührt, selbstverfreilich!

    Gruß!
    Geändert von fatcat (01.10.2007 um 18:17 Uhr)
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
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  13. #13
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    Zitat Zitat von fatcat
    Es "versinkt" ein "Minarett" und man sieht nur noch "Dach", das lässt mich entfernt an untergegangene Architektur denken, Ruinen, Atlantissage etc., also *Phoenix-Doku-Kram* - wie wenig das bringt, wollte es aber nicht verheimlichen.
    O, ich glaube, heute annelies-yre ich besser nights Mär.
    liebe Annaliese,

    Der faserknorpelige Phönix hat sich natürlich nicht hierher verirrt - schliesslich leidet er mittlerweile ja bereits an lyrischer Lungenembolie, so oft wie ihn die Worte schon aus der Asche flattern musste...
    doch deinen Gedanken an (s.o.) Versunkenheit brauchst gar du zu verwerfen - *hmpf* mehr sag ich jetzt nicht

    p.s: "Gefängnisausbruchsdeutungen" ? Ohweh: mir schwant Übles
    (viel Vergnügen beim Abklopfen!)
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