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  1. #16
    yaira Guest
    Auch wenn meine Antwort vielleicht einfacher ist, als vom fadeneröffner gewünscht: Rap ist für mich ebenso nah an Lyrik wie jeder andere Text, der unabdingbar mit Musikverbunden ist. Über die Qualität der Texte kann man in jedem Musikgenre, von band zu Band oder auch von Lied zu Lied streiten. Wichtig ist aberin meinen Augen, dass rap(texte) keine Lyrik sind, da sie eigentlich unabdingbar mit Musik verbunden sind. Lyrik ist eine Textgattung, die ohne Musik besteht/bestehen kann/muss/will. (Obwol es natürlich immer Grauzonen gibt.)

    Zur Qualität irgendwelcher Raptexte lass ich mich nicht hinreißen, weil dafür das Feld der mir bekannten Texte zu klein ist, da ich mit dieser Art von Musik absolut nichts anfangen kann.

    Grüße
    y

  2. #17
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    Hm, Rap-Texte stehen eher im Vordergrund als Texte in anderen Musikrichtungen (z.B. Metal), da hier die "Hilfsmittel" - sprich: Arbeit an Instrumenten - stark reduziert sind. Ich kann hier yairas Einwand nicht ganz verstehen, dass jene Texte unabdingbar mit der Musik verbunden sind. Imo sind sie das nicht (warum auch?). Man könnte sie schlicht als lyrische Texte sehen, die eine musikalische Umsetzung erhalten; ähnlich wie bei einigen Gedichten von Goethe geschehen. Letztendlich lassen sich auch streng metrische Gedichte wie von Georg Heym hervorragend rappen. Vielleicht verstehe ich aber auch den Einwand nicht richtig.

    Allgemein lässt sich zum Rap sagen, dass er sich sehr wohl durch (traditionelle) lyrische Elemente auszeichnet: Reime und Assonanzen, z.T. deutliche Metrisierung und v.a. bildhafte Vergleiche. Auf den ersten Blick scheinbar näher an Lyrik als das meiste moderne lyrische Gesülze, das sich als Gedicht verkaufen möchte. Ähnlich verhält es sich mit 'typischer' Poetry Slam-Lyrik: Hier sind Lautmalereien, phonetische Spiele und balladeske Anleihen u.a. von Bedeutung, ebenso wie die oben erwähnten Reime und das größtenteils regelmäßige metrische Gerüst.
    Das sind zumindest meine Beobachtungen als Laie. Es scheinen sich lyrische Felder gebildet zu haben mit verschiedenen Schnittpunkten: Rap und die z.T. daran angelehnte Slam-Lyrik sowie die 'moderne Lyrik' in den Gedicht-Bänden. Die Unterschiede hinsichtlich Schriftlichkeit und Mündlichkeit sind offensichtlich.
    Letztendlich wird keine dieser heutigen 'Stile' von mir einen Vorzug erhalten, da man in jedem dieser Bereiche mit einem gewissen Können hervorragende Ergebnisse erzielen kann.

    Soweit meine Meinung. Ich glaube nicht, dass ich alles (definitorisch) sauber erklärt habe, aber als grober Denkanstoß dürfte es reichen. Über Widersprüche wär ich natürlich erfreut. *g*
    Und zum Schluss noch eine eigene Meinung in Sachen Lyrik in der Musik: Nirvana und Blood Brothers. Geht für mich nix drüber. ^^

    Grüße
    Philipp

  3. #18
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    @ Philip:
    keine widersprüche sehe ich, ich stimme zu.
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  4. #19
    yaira Guest
    Hmhm, das ist wahrscheinlich meine Vorstellung von der Welt, ich machs mir gern einfach : Für mich ist ein Musiktext normalerweise mit der Musik verbunden, weiler nur so "vollkommen" ist, Text und Musik eine Einheit bilden, dem einen ohne das andere etwas fehlt. Deshalb fällt es mir schwer, einen Musiktext autonom zu betrachten, wäre er ohne Musik "vollendet" würde das die Musik zum reinen Beiwerk machen, was ich nicht möchte.
    Vertonte, gerappte Gedichte etc. sind für mich eben diese Grauzonen (ich weiß ja, dass meine Weltschemata nur bedingt funktionieren *g*)

  5. #20
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    hehe...

    acapella-rap ist gern gesehen und kommt oft genug vor. funktioniert autonom ohne beat.
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  6. #21
    yaira Guest
    Siehste, schon hat die Frau wieder was dazu gelernt. Trotzdem würde ich das mit in meine Grauzonen einordnen, da es ja auch "vertont" ist.
    Naja, bin gespannt, wieviel ich in diesem Faden noch lernen werde

  7. #22
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    Ich gebe yaira recht, begründe es aber anders. Ich ordne Rap per Definition nicht der Lyrik zu, da diese für mich eben eine andere Gruppe von Textsorte ist;Musik und Lyrik sind meines Erachtens zwei Begriffe die sich in ihrer Art wie folgt unterscheiden: die eine Textsorte hat musikalische Ergänzung, die andere nicht.
    Das heißt wiederum nicht, dass etwa Rap nicht das Attribut "lyrisch" zugesprochen werden kann, nur ist es in meinen Augen keine Lyrik, sondern Musik. Und um der Frage zuvor zu kommen: Ja, Rap, ohne musikalische Intention, kann Lyrik oder eben Prosa sein.

    Was den Tiefgang diverser Sachen angeht: Das muss losgelöst von einem Definitionsversuch betrachtet werden und sollte meine Meinung nach nicht ausschlaggebend sein. Aber ich habe mal in kollegah und Mach One reingehört und kann nicht nachvollziehen, warum Blumentopf dagegen seicht sein soll. Ich hörte nur (aus den beschränkten Vorlagen) das übliche berliner rap Gebrülle. Während ich bei Blumentopf doch viel mehr tiefgängiges und ironisches finde.

  8. #23
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    Zitat Zitat von yaira
    Über die Qualität der Texte kann man in jedem Musikgenre, von band zu Band oder auch von Lied zu Lied streiten.
    Meines Erachtens ist die Qualität eines Raptextes besonders wichtig für dessen Klassifizierung, denn auch im Rap gibt es, wie in der uns bekannten, typischen Lyrik Unterarten, die sich unterscheiden.
    Der Punkt ist aber, dass überwiegend die Qualität des Raps diejenige ist, die gerne in Grund und Boden wegargumentiert und ungültig gemacht wird.
    Rap ist für mich ebenso nah an Lyrik wie jeder andere Text, der unabdingbar mit Musikverbunden ist.[...]Wichtig ist aberin meinen Augen, dass rap(texte) keine Lyrik sind
    Demnach sind alle Texte, die unabdingbar mit Musik verbunden sind, keine Lyrik?
    Gerade die Lyrik impliziert doch das Volks- oder Kunstlied. Was spricht also gegen die prinzipielle Einordnung von Rap in die Lyrik?
    Zitat Zitat von AiAiAwa
    Es scheinen sich lyrische Felder gebildet zu haben mit verschiedenen Schnittpunkten
    Und warum wird dies nicht öffentlich erkannt und (das viel wichtigere) eine Wertung der Qualität vorgenommen? Warum wird Rap so ausgegrenzt?
    Zitat Zitat von Ingo
    Rap, ohne musikalische Intention
    ist per se nicht existent. Auch a cappella ist eine Rhythmik immanent.
    Aber ich habe mal in kollegah und Mach One reingehört und kann nicht nachvollziehen, warum Blumentopf dagegen seicht sein soll.
    Das lässt sich leicht an den Inhalten dingfest machen. Blumentopf hat sich (auch wie der Freundeskreis, Curse und andere Aussterbende) ein Genre zueigen gemacht, das es konträr zum eigentlichen Genre genutzt hat. Der überwiegende Teil des Raps zeichnet sich durch eine vulgäre Sprache aus, über pornographische bis zu perversen Texten und über die typischen lyrischen Elemente, die eher zur Veredelung des Textes und zum Profilieren des Rappers dienen. Blumentopf hat sich durch das Unterlassen all dieser gängigen Methoden eigenhändig aus dem Genre katapuliert, denn schließlich wurden sie schon immer von allen Seiten innerhalb ihrer Musik diffamiert. Musik und Lyrik (um mal eine klare Trennung zur einfacheren Erläuterung zu tätigen) funktionieren - einfach betrachtet - wie ein Sozialdarwinismus. Blumentopf war zu schwach sich innerhalb ihrer Musik zu etablieren und außerstande ihre Art der Textkomposition und Verarbeitung auf andere überzeugend zu übertragen, denn auch heute finden sich eben die Rapper in den Charts, die die genannten Methoden nutzen.
    Kurz gesagt: Großstadtlyrik hat sich schon immer mit Großstädten beschäftigt. Ein Literat, der ein Gedicht über die Natur verfasst, kann dieses nicht als Großstadtgedicht verkaufen, ohne berichtigt, bemitleidet oder gar diffamiert zu werden.
    Geändert von Special_k (08.10.2007 um 16:44 Uhr)

  9. #24
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    Zitat Zitat von Special_k
    Musik und Lyrik (um mal eine klare Trennung zur einfacheren Erläuterung zu tätigen) funktionieren - einfach betrachtet - wie ein Sozialdarwinismus.
    Hmmmmmm....streich mal das Wort "sozial", bitte. Und lies mal, was bei Wiki so über Sozialdarwinismus steht...

    Prinzipiell stimme ich dir zu.
    © grandmaster_flash
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  10. #25
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    "Auch a cappella ist eine Rhythmik immanent.", richtig, ein a cappella Stück hat ja auch eine musikalische Intention, demnach widerspricht mir das nicht.
    Wenn ich dich richtig verstehe: du machst die "Seichtheit" eines Stückes nicht an Geschichts- sondern Vermittlungsebene fest?

  11. #26
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    Zitat Zitat von Special_k
    Und warum wird dies nicht öffentlich erkannt und (das viel wichtigere) eine Wertung der Qualität vorgenommen? Warum wird Rap so ausgegrenzt?
    Bin ich die Öffentlichkeit? Das Bild von Rap wird v.a. durch den Chart-Shit und die Popularität von Aggro Berlin beeinflusst. Ich kenne die 'besseren' Rapper auch nur durch Freunde. Da muss man schon in die Tiefe gehen. Rap wird von "uns" negativ bewertet, da wir nur die teils hirnrissigen Lyrics kennen, die mit durchdachter Lyrik, wie sie die großen Dichter schreiben, nichts zu tun haben. Dabei fällt leider viel Gutes aus dem Underground unter den Tisch. Aber das ist ein altbekanntes Lied.

  12. #27
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    Die Masse des Undergrounds ist aber auch Bullshit und verdientermaßen für immer underground. Leute wie Sido haben es in die Charts geschafft weil sie einen Zeitnerv trafen und verdammt viel Unterhaltungwert haben. Im Underground gibt es sicher einige Talente, aber man sollte nicht so tun als schlummere irgendwo eine geheime Rap-Lyrik-Szene, die sowohl Gedichte zerpflückt und sich rethorisch schult als auch kranke battle-cyphers veranstaltet...
    © grandmaster_flash
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  13. #28
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    Hallo, miteinander.

    Ich hänge mich an Special.Ks Eingangspost auf und muss leider schon darauf hinweisen, dass ich in einigen Punkten widersprechen werde.

    Rap ist, wenn nicht gerade Acapella, immer ein Zwischending: nichts Halbes und nichts Ganzes, ein Bisschen Text, ein Bisschen Musik. Meine Ansicht ist, dass beides deshalb nicht oder nur extrem selten zur Vollendung gebracht werden kann.

    Das benachteiligt ihn, wenn es darum geht, zur Kunst gezählt zu werden. Für mich ist das zwar keine Frage: klar ist Rap/Hiphop allgemein als Kunstform zu sehen. Jedoch geht es den Künstlern nicht in erster Linie um künstlerische Vollendung. Die Rapper sind technisch gesehen Lyriker, wenn sie ihre Einfälle geordnet zu Papier bringen. Doch wollen sie nicht die Perfektion in der Lyrik. Ebensowenig wollen sie die Perfektion in der Musik. Vielleicht fehlt eine Definition dafür, was sie eigentlich erreichen wollen, doch ich bezweifle das.
    Andere Kunstformen sind da weiter bzw. haben eine Vorstellung, dass das, was ausgedrückt werden soll, auch so gut wie möglich und unter Berücksichtigung bestehender Kunstwerke ausgedrückt werden soll.

    [Dieses Problem betrifft nicht nur Rap, ich finde es in der ganzen populären Musik: Pop und Rock, egal ob zweite neue deutsche Welle oder good ol' Metal, sind künstlerisch bei vereinzelten Bands nennenswert, aber gerade die Standardmusik aus diesem unüberschaubar riesigen Bereich ist leider sehr anerkannt und verbreitet, wie Special.K am Anfang festgestellt hat. Das war auch vor ein paar Jahrhunderten schon ansatzweise so. Ein Großteil der Popularmusik von heute unterscheidet sich kaum von früherer Schlagermusik, bzw. das ist ja schließlich nichts anderes als "der Schlager" (--> das Wort "Hit" sagt alles)! Getan hat sich was bei der Instrumentierung, sonst wenig in hundertfünfzig Jahren ...]

    Als erstes Fazit würde ich behaupten, dass es sowohl schwieriger als auch kreativer ist, ein künstlerisch hochwertiges Rap-Stück zu verfassen / zu komponieren, als einfach nur ein hochwertiges Gedicht oder eine hochwertige Arie (wo schon fast alles ausgelotet wurde). Deswegen sehe ich darin großes Potenzial. Aber: Niemand interessiert sich dafür. Geld soll gemacht werden, bei manchen heißt das auch: "Ruhm" oder "Credibility". An sich nichts Schlimmes. Aber es sind die falschen Vorzeichen, heutzutage, wo man mit Publicity reicher wird, als mit Können.

    Meine Favoriten:
    Dem Gute-Laune-Rap kann ich wenig abgewinnen, aber ich lehne ihn auch nicht ab, der gesellschaftskritische hat Einiges zu bieten, die Ansätze psychologischen Raps, die ich bisher kenne, sind extrem gut (Tone, Morlock).

    Einige Aspekte am Rap gefallen mir besonders, nämlich die rhythmische Ausrichtung, die Collage-artige Verwendung von Melodie-Elementen/Musik-Schnippseln (der wohl ursprünglich aus dem Elektrobereich kommt) und der hohe Anteil an gesprochener, nicht gesungener Sprache. Aber gerade wenn ich die Texte betrachte, fällt mir beim Großteil der populären Rapper auf, dass sie nicht viel zu sagen haben. Viel Worte um nichts, sozusagen, und das ist ein schlechtes Kennzeichen. Kunst sollte was zu sagen haben.
    Trotzdem machen einige ihre Sache ganz gut, manche Einzeltalente sind einfach nur großartig (Olli Banjo, Dendemann), und manche Gruppen produzieren dauerhaft gute Werke. Ich kenne auch einige in meinem Umfeld (nicht Berlin!), die viel auf dem Kasten haben.

    Was ich schlecht ausdrücken kann, ist so eine besondere Eigenheit, die mir bei manchen "Rap-Stücken" auffällt, dass sie nämlich Geschichten erzählen können, mithilfe von Sprache, Reim und Metrum, des Witzes und der Wortgewalt, und das alles umrahmt von passender Musik bzw. Klangereignissen, sodass ich insgesamt einfach mitgerissen werde, völlig wehrlos bin.
    Es ist selten, aber manche schaffen das. Dazu muss man was können und was zu sagen haben.

    Jetzt mal was (scheinbar) ganz Anderes: In meiner Heimatstadt wurde letzten Sonntag eine Party gegeben, sie nannte sich "Halle-Sampler Release Party". Auf diesem Sampler konnte man viel von dem hören, was bei uns raptechnisch getan wird. Es war die dritte Scheibe dieser Art und demzufolge die 3. Releaseparty. Ich kenne mich *relativ* gut mit den beteiligten Künstlern und der Szene aus, weil sich wie gesagt in meinem engeren Bekanntenkreis einige Rap-Künstler, "Hiphopper" genannt, tummeln, nicht einfach nur tummeln, sondern regelmäßig auftreten und eigene Scheiben produzieren.
    Allerdings habe ich selbst in letzter Zeit mein Interesse für die Konzerte (nicht für die Musik!) verloren. Zum Punkt: An dem Abend fand ein Blutbad statt, anarchische Zustände, jemand wurde abgestochen. Andernorts am selben Abend Ähnliches.
    Ich lese nicht genug Zeitung, und alle Hintergründe würden hier auch den Raum sprengen. Aber diese Ereignisse haben mich mal wieder zu grundsätzlichen Bedenken am Musikkonsum der Jugend geführt.

    Wer behaupten will, dass die sogenannte "Aggro-Schiene" vollwertige Kunst ist, und sie gar noch höher als den sogenannten "Studenten-Blümchen-Rap" (Hamburger Schule)
    einordnet ...
    (--> @Special.K)
    ... der muss sich schon der Frage stellen, warum bei Hiphopveranstaltungen immer zwei aufeinander losgehen: zwei Rapper, zwei aus dem Publikum, oder auch gleich mal zwei Gangs, "Crews".

    Bei jeder Veranstaltung herrschte bisher immer so eine Anspannung, die Gewissheit, dass gleich was passieren könnte. Alles Betrunkene. Viel zu wenige beteiligen sich an der Musik, viel zu viele steuern achtlos durch die Kante, rempeln bewusst Leute an, haben jemanden hinter sich.
    Den "Musikern" auf einer Rap-Bühne fehlt so vieles, das in anderen Bereichen selbstverständlich ist, grob gesagt: es fehlt an einem kultivierten Publikum!

    Was ist daran gut, sich wie ein Gangster zu fühlen? Natürlich ist das unreflektiert, aber viele Hörer von Aggro-/Dirty-/Gangstermusik verinnerlichen das, was ihnen vorgesagt wird.
    Erst der Stolz, das "ich-bin-wer", dann der Unbesiegbarkeitsglaube "mir-kann-keiner-was", dann die zunehmende Gewaltbereitschaft, ja: die Sehnsucht nach einer Situation, in der man es jemandem beweisen kann, und zuletzt liegt man am Boden, neben dem anderen.

    Nun gut, ich weiß, dass die Gewaltdiskussion sehr heikel ist und man keiner Kunstform an sich die Schuld zuschieben kann.

    Nicht alle Rapper sind so wahnsinnig wie Tupac es war.

    Man sollte sich viel lieber fragen, warum die Gewalt- und Pornorapper so erfolgreich sind - was in ihrem Publikum vorgeht.
    Leider sammelt sich ein gewisser "Bodensatz" sehr bereitwillig im Umfeld von Hiphop ein.

    Ich schneide das hauptsächlich deshalb an, weil hier jemand der Meinung war, dass "Blümchentopf" keine gute Musik ist.
    Gut, aber es ist Musik, bei der man sich nicht wehtut. Und die Jungs sind ziemlich sympathisch, muss ich sagen.

    Und beim Zuhören nachzudenken, das hat noch keinem geschadet.
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

    Tippsen: \_anamolie_/\_Flamme_/\_Anti Chris._/ ~ Bewegungsschule(fit for fun) ~

  14. #29
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    Zitat Zitat von Ingo
    demnach widerspricht mir das nicht.
    Ich habe das auch nur geschrieben, um zu zeigen, dass Rap ohne musikalische Intention nicht existent ist. In keinster Weise. Rap ist immer musikalisch, wesegen mir dieser Satz
    Ja, Rap, ohne musikalische Intention, kann Lyrik oder eben Prosa sein.
    komisch vorkam.
    Zitat Zitat von fatcat
    Jedoch geht es den Künstlern nicht in erster Linie um künstlerische Vollendung.
    Ich bezweifle, dass viele große Künstler ihre Kunst der Künste wegen geschaffen haben, sondern vor allem, um sich selbst oder ihre Meinung auszudrücken. Die Kunst ist schon immer nur Gerüst zur einfacheren Darstellung, oder anders gesagt: ein Konsens der Verständigung.
    Doch wollen sie nicht die Perfektion in der Lyrik.
    Auch hier bezweifle ich, dass das in anderen Kunstbereichen je der Fall war (mit Ausnahme der normativen Poeten), das Ziel war nie eine perfekte Lyrik.
    Aber: Niemand interessiert sich dafür. Geld soll gemacht werden, bei manchen heißt das auch: "Ruhm" oder "Credibility". An sich nichts Schlimmes. Aber es sind die falschen Vorzeichen
    Warum?
    Viel Worte um nichts, sozusagen, und das ist ein schlechtes Kennzeichen.
    Das steht in Relation zur Wertung des Inhaltes. Für mich ist der "Gute-Laune-", Gangsterrap und dergleichen ein perfekter Indikator für die Wünsche und Ziele derjenigen, die sich dieser Musik hingeben. Party, Sex, Drogen, Nutten, Reichtum, Anerkennung, Erfolg und Autonomie sind die Themen und gleichzeitig die Wünsche und Vorstellungen der Rapper und Hörer, Ideale ihrer ganz eigenen Kunst sozusagen.
    Es besteht jedoch ein grundlegender Unterschied zur Darstellung, wie man diese Ideale erreichen kann: Es sind Wut, Arroganz, Gewalt und Provokation, die den Weg für die genannten Ziele ebnen und eben nicht Bildung, Vernunft, Toleranz und Selbstbewusstsein. Rap impliziert wie bereits erwähnt ganz bewusst einen anderen Lifestyle und mündet schließlich in Blütbädern, anarchistischen Zuständen und mörderischer Gewalt.
    Diese Probleme sind bekannt und sollten natürlich nicht auf die leichte Schulter genommen werden, aber genau das tut die Öffentlichkeit, denn sie ignoriert Rapmusik und grenzt somit alle Hörer derselben gänzlich aus, was schließlich in einer Isolation dieser Gesellschaftsschichten führt, die dann ihre ganz eigenen Gesetze, ihre eigene Sprache (der Rapjargon dürfte den meisten geläufig sein) und endlich ihren eigenen Lebensstil schafft. Hinzu kommen die Lebensumstände der Hörer: Rap ist zugleich Ursache und Wirkung für die Entwicklung der Hörerschaft. Migranten oder proletarische Schichten finden persönliche Antworten in der Rapmusik und entdecken in ihr, dass sie mit ihren Problem nicht alleine sind, wodurch Selbstbewusstsein geschaffen wird, was schließlich den Stein ins Rollen bringt und das eine zum anderen kommt.
    Meine ursprüngliche Intention diesen Thread zu erstellen, war die, dass die Anerkennung des Raps vergrößert werden muss, sodass diese Schichten von außen zugänglicher werden und sich diese innere Verkrampfung lösen kann.
    Graffitti wurde bewusst (d.h. explizit) zu einer Kunst erhoben, sodass zumindest zum Teil ihre Anwender aus diesem illegalen Feld herausrücken und ihre Kunst ausleben können. Legaler Graffitti ist - so schimpft es mich meine Lebenserfahrung - in allen Gesellschaftsschichten anerkannt und wird sogar sehr oft gelobt.
    Würde der Rap explizit als Kunst dargestellt, induziert das, so denke ich, eine andere Entwicklung innerhalb der Hörerschaft, da diese sieht bzw. sehen kann, dass Rap lediglich Kunst ist und eben kein Zufluchtsort. Man eröffnet eine Kultur, die jetzt anerkannt werden kann, die Thema ist (!). Alle Hörer werden damit indirekt angesprochen und ihr Selbstbewusstsein, dass sich in der Vergangenheit auf der Musik an sich gefußt hat, fußt nun auf die Anerkennung durch die Gesellschaft, worin sie sich folglich auch umfassend etablieren können. Rap würde dann weniger intensiv mit Gewalt und dergleichen konnotiert sein.
    Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Anerkennung der Graffitti-Szene noch in den Kunderschuhen steckt und dass es ein langer, steiniger Weg bis zur völligen Anerkennung sein wird (und es wohl sogar gänzlich anzweifelbar ist) und dass die eben erörterten Gedanken vor allem Utopie sind, aber ich denke, dass es ein optimistisches Ziel aller sein sollte, dieses Ziel gemeinsam zu erreichen.

  15. #30
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    Hi Special k,

    ich gebe dir grundsätzlich recht, dass es durchaus Rap gibt, dem ich sowohl in seinen Lyrics als auch in der Art der Performance künstlerische Aspekte nicht absprechen würde, auch wenn ich mich nicht dafür begeistern kann.
    Aber selbst wenn Rap so eine Art neuer "Grunge" ist, der als Sprachrohr der "Abgehängten" oder "Ausgegrenzten" (ich hasse diese beiden Wörter für die Bezeichnung von Menschen) Schicht gelten kann, muss man der Art und Weise nicht zujubeln. Denn die von dir genannten Ideale, die von der "Gangster-Ghetto" Gemeinschaft gepredigt werden, möchte ich nicht teilen. Genauso wie ich andere philosophische und künstlerische Richtungen ablehne. Ich möchte hier nicht den alten Karl Popper mit seinem "Keine Toleranz gegenüber den Intoleranten" zitieren, weil ich schon denke, dass sich im Rap die verlorene Hoffnung, die Wut, die Gewalt und auch die Einfalt einer Jugend ausdrückt und wir als Gesellschaft für eben diese Härte- und Auswahlkriterien sorgen, die solche Menschen scheitern lassen. Dieses Verständnis heisst aber in der Umkehr nicht, dass ich den künstlerischen Weg gutheißen muss. Ich darf es von meinen subjektiven Werten aus trotzdem ablehnen und das tue ich auch.

    Ich finde das geheuchelte Entsetzen der Ästheten und so manchen Intelektuellen allerdings ebenso abstoßend, da sie in ihrem anachronistischen Geist die Kunst für die akademischen Bereiche reservieren wollen, um sich schön gegenseitig die Wortperlen um den Hals zu hängen. Das ist in meiner Ansicht nach genauso weit vom Menschen weg, wie seine Bestialisierung.

    Nur ein kleiner Einwurf von mir
    Geändert von Florestan (09.10.2007 um 14:20 Uhr)
    Was nützt es, dass du die Schlacht gewinnst, wenn du tags zuvor den Geschichtsschreiber beleidigt hast.... (W. Brudzinski)

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