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  1. #1
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    Rap als poetischer Trend der Moderne

    Rap ist facettenreich und modern. Außerdem verdrängt er zunehmend alte, abgeschmackte, volkstümliche Musik (, denn dem Musikantenstadl sterben die Quoten weg) und konkurriert mit der deutschen Pop/Rock-Szene (Juli, ärzte, Wir sind Helden usw.), die circa denselben Stellenwert in der (jungen) Gesellschaft bezieht.
    Da komischerweise die Tiefe, Bedeutung, Ernsthaftigkeit, eben die Intention der Musik der Künstler aus der Pop/Rock-Szene von ihren Anhänger (natürlich), aber auch von Gelegenheitshörerns anerkannt und sogar betont wird, ist es bemerkenswert, dass eben jene Anerkennung für den Rap, dem bei objektiver Betrachtung das Lyrische durchaus nicht abhanden gekommen ist, in vielen Schichten der Gesellschaft nicht vorhanden ist oder gar ins Gegenteil verkehrt wird, d.h. massiv verachtet wird.

    Aber es sind doch gerade die sprachlichen Ebenen und die Texte, die Rap nicht nur zu einem Unterhaltungsmedium machen, sondern auch zu einem interessanten Objekt bezüglich der Untersuchung auf ihre Bezüge, ihre Realität und natürlich ihrer Intention.
    Wenn ich KIZ, Kollegah, Mach One, oder Snaga & Pillath und Savas (und nicht weichgespülte Möchtegernrapper wie MC Rene, Blumentopf oder Freundeskreis) höre, dann wird doch erkenntlich, wohin sich die Gesellschaft oder zumindest Teile derselben (und damit meine ich vor allem das heutige Proletariat, das sich meist aus Migranten und anderen (ethnischen oder in sich isolierten) Minderheiten zusammensetzt) bewegen, was für die Zuhörer wichtig ist (denn das wirkt sich auch auf die Verkaufszahlen aus) und schließlich sogar welche moralischen Überzeugungen/Lebensstile damit vertreten werden.
    Rap ist für mich nicht nur mein Musikgeschmack, sondern auch ein Lebensstil, der sich mit der Musik mittransportiert.
    Ähnliches lässt sich das für die Rock/Pop Szene verdeutlichen, doch ist dies, wie oben schon erwähnt, bereits per se geschehen, was vermutlich an den häufigen politischen oder emotional intensiven Themen liegen dürfte, die freilich leichter erkannt und affimiert werden können, als schwere soziale Probleme und alle Aspekte, die diese mit sich bringen.

    Wie poetisch ist Rap für euch und welchen konkreten Bezug zur Lyrik räumt ihr ihm ein?

  2. #2
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    Ich hoffe, dass du dafür auch ein geeignetes Argument parat hast, oder soll ich das tatsächlich als Totschlagargument verstehen?

  3. #3
    Iranoctis Guest
    Wie poetisch ist Rap für euch und welchen konkreten Bezug zur Lyrik räumt ihr ihm ein?
    Ich kenne zugegebenermaßen(zum Glück für mein Seelenheil) nur wenig Rap und ich weiß auch nicht den Unterschied zu "Hip Hop", aber durch Bekannte weiß ich zumindest, dass es Rap mit sinnvollen Texten gibt(nicht NUR bitches, niggas, tight und YO!)
    Nur poetisch oder lyrisch war das alles kein Stück!
    Es passt auch nicht zu einer Musikrichtung, die auf "Street Credibility" setzt.

    Ach ja und: RAP IST KEINE MUSIK!!!

    Liebe Grüße, Iranoctis

  4. #4
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    Hallo Special_k!
    dopamin muss sich in der tat noch rechtfertigen, so kann ich seine meinung auch nicht verstehen.

    eine tolle und interessante frage hast du hier aufgeworfen! besonders die von die erwähnten künstler, die ausser snaga und pillath, von denen ich wenig kenne, die ich aber dennoch schätze, alle zu meinen lieblingsrappern gehören.

    meine kernaussage vorweg: rap ist durchaus eine kunstform, die viele lyrische elemente beinhaltet. vor allem der rap der von dir gennannten künstler - KIZ, Kollegah und Mach One. KIZ sind nicht nur live eine partybombe (wie ich vor 1.5 wochen erfahren durfte), nein, sie überzeugen vor allem durch ihre texte, die doch immer mehr in der rapmusik an bedeutung gewinnen, da der technische aspekt der rapmusik meines erachtens heute (im deutschsprachigen rap) höher ist denn je.

    KIZ haben durch und durch intelligente, ironische, satirische lyrics mit bisher ungehörten metaphern, vergleichen, wortspielen. ihre kreativität ist bewundernswert und hat bis jetzt jedes album für mich in einen genuss verwandelt. sie nehmen diese ganze battle-rap sache gekonnt aufs korn, ohne sie wirklich zu verachten oder auf sie herabzuschauen, sondern immer noch als teil der bewegung. die jungs bewundere ich als autoren zutiefst und ich frage mich regelmässig wie sie auf diese texte kommen, was wohl ihre arbeitsweise ist. der gekonnte einsatz rhetorischer mittel ist keinem der drei fremd.

    genauso bei kollegah. obwohl sein zuhälter-getue ziemlich lächerlich ist und er in der szene fast so sehr polarisiert wie taktloss, kann man ihm sein können nicht absprechen. er hat teilweise unheimlich lange, gekonnte reimketten, mit denen er immer noch schafft, das auf den punkt zu bringen, was er sagen (bzw. beleidigen) will. das gefällt mir total, denn wenn jemand einfach so 5 oder 6-silbige reime aus dem arm schüttelt als hätte er sich bei der reimfindung kein stück angestrengt, dann verdient das meinen respekt und meine aufmerksamkeit.

    mach one gehört zu den besten storytellern der zeitgenössischen szene. sein "meisterwerk" habe ich bis zum erbrechen gehört - jeder text wirkt durchdacht, gewitzt und fesselnd. auch wenn er geschichten aus seinem alltag erzählt, dann das nie so, dass es den hörer langweilt. er hat nicht so ungewöhnliche punchlines wie KIZ oder kollegah, doch darauf liegt ja gar nicht sein fokus. seine narrative erzählweise ist einmalig und darf auch als kunstvoll bezeichnet werden, auch wenn sie sich meines erachtens eher an den grenzen guter prosa bewegt, nicht so sehr an den lyrischen. KIZ und er sind auf jeden fall die leute, die ich als schreiber sehr bewundere und auch weiterhin bewundern werde.

    so gesehen haben alle drei künstler einen lyrischen bezug, die einen mehr, die anderen weniger. aber ich möchte mich dagegen verweigern rapmusik als die "lyrik der moderne" zu bezeichnen, wie manche es gerne mal tuen. für mich ist lyrik immer noch die lyrik der moderne. auch wenn lyrik in der heutigen gesellschaft ein randphänomen, rap ein massenphänomen ist. rap ist eine mal mehr, mal weniger lyrische kunstform - in meinen augen gewinnt die musik an wert und der künstler an respekt desto gekonnter und außergewöhnlicher seine texte sind. dabei muss es nicht immer sehr lyrisch sein, wie mach beweist.

    es gibt eindeutig verbindungen zwischen "richtiger" lyrik und raplyrics, daher muss ich dopamin entschieden widersprechen.

    Grüße!
    grandmaster

    ps: ist dieser thread hier richtig aufgehoben? wäre das die "allgemeine diskussion" oder das sprechzimmer nich vielleicht besser?

    @ iranoctis: du bist ein ignorant, mindestens. rap ist nicht nur musik, sie ist auch musik mit poetischen elementen, auch die formen, in denen es um beleidigungen und bitches geht, denn das sind KIZ, Mach One oder Kollegah. du hast keine ahnung und deine meinung ist wohl so wertvoll wie meine meinung über metal. (pseudo-)intelligente rapmusik (wie die oben genannten blumentopf-leute etc.) ist oft gähnend langweilig und von den texten her nicht annähernd so interessant wie die z.B. KIZ. KIZ sind wirklich schlau, auch beim schreiben, blumentopf sind wirklich langweilig, auch beim schreiben.
    Geändert von grandmaster_flash (05.10.2007 um 18:04 Uhr)
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  5. #5
    Iranoctis Guest
    @grandmaster flash

    Da ich versuche nicht ignorant gegenüber irgendetwas oder irgendjemanden zu sein, versuche ich einfach mal dir meine Sicht der Dinge zu erklären.

    1.Warum Rap meiner Meinung nach keine Musik ist:
    Zur Musik gehört meiner Meinung nach ein gewisser Einsatz von Instrumenten und ein Verständnis für Melodien etc. Dieses kann ich Rap nicht attestieren.
    Aufgrund meinem Verständnis von Musik, zähle ich Techno(mit all seinen Unterarten) oder auch a capella nicht zu eben dieser.

    2.Von den obengenannten Rappern kannte ich nur Blumentopf, Savas und Freundeskreis... Keiner dieser Bands kann ich eine besondere lyrische Fähigkeit zusprechen.

    Da du dich offensichtlich persönlich angegriffen gefühlt hast, möchte ich mich desweiteren bei dir entschuldigen, obwohl ich nicht genau weiß welche Formulierung du als Beleidigung aufgefasst hast.

    Liebe Grüße, Iranoctis(der Ignorant)

  6. #6
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    @ iranoctis (schöne name, nebenbei):

    "rap ist keine musik" ist einfach nur eine provokante aussage, der ich nicht zustimmen kann. auch techno ist musik, auch wenn es musik ist, die uns vielleicht nicht gefällt. ein verständnis von melodien und rhytmen kannst du weder rap noch techno absprechen, bei beidem gibt es den bewussten, melodischen einsatz von samples etc. dass die musik nicht live eingespielt wird wie bei rock oder metal, heisst nicht, dass es keine musik ist, oder? ausserdem rappen die oben genannten rapper im takt - allein deshalb kannst du taktgefühl etc. nicht absprechen.

    wenn du savas kennst, reicht das eigentlich. der hat natürlich auch sehr obszöne lyrics, doch diese sind immer gekonnt vorgetragen. vergleiche, metaphern und wortspiele sind schon rethorische figuren, die genügen müssen, um wenigstens einen minimalen lyrischen bezug oder lyrische fähgikeiten einzugestehen.

    ich habe mich persönlich angegriffen gefühlt, da du eine kunstform beleidigst, der is sehr zugetan bin, und das ohne stichhaltige argumente oder sonstwas. dass du bestimmte kriterien an musik hast (die ich nicht teile), konnte ich ja nicht riechen. ich dachte, "rap ist keine musik" soll nur alle menschen, die diese musik mögen, provozieren und die von Special_k interessant und intelligent gestellte frage als unfug abstempeln.

    Gruß!
    der rapfan

    ps: entschuldigung angenommen!
    Geändert von grandmaster_flash (05.10.2007 um 18:28 Uhr)
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  7. #7
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    Zitat Zitat von Iranoctis
    aber durch Bekannte weiß ich zumindest, dass es Rap mit sinnvollen Texten gibt(nicht NUR bitches, niggas, tight und YO!)
    Was sind denn sinnvolle Texte? Ist nicht sinnvoll, was man als sinnvoll empfindet?
    Nur poetisch oder lyrisch war das alles kein Stück!
    Auch das bleibt hoffentlich (oder gerechterweise) nicht unbegündet.
    Es passt auch nicht zu einer Musikrichtung, die auf "Street Credibility" setzt.
    Ebenfalls eine These, die für mich besonders interessant ist. Warum wird Rap so massiv abgelehnt oder - auf der anderen Seite - so extrem vergöttert. Wie schafft es Rap so extrem zu polarisieren? Überträgt man dieselben Fragen auf Gruppen wie Cannibal Corpse oder zumindest Rammstein (die meiner Meinung nach äußerst heftige Texte (Halleluja) formuliert haben), scheinen sie fast unbedeutend, uninteressant.
    Aber dennoch führen diese Fragen von der anfänglichen Frage weg.
    Zitat Zitat von grandmaster_flash
    rap ist eine mal mehr, mal weniger lyrische kunstform
    Folgerst du also, dass Rap prinzipiell, wenn auch in seinem Umfang variierend, der Lyrik zuzuordnen ist?
    Wenn nicht: Welche Kunstform meinst du explizit?

  8. #8
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    Zitat Zitat von Special_k
    Folgerst du also, dass Rap prinzipiell, wenn auch in seinem Umfang variierend, der Lyrik zuzuordnen ist?
    ich behaupte, dass rap, von künstler zu künstler und lied zu lied verschieden, mal mehr mal weniger lyrische elemente beinhaltet. wieviele und was für elemente das sind, hängt vom können und von der absicht des rappers ab.
    © grandmaster_flash
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  9. #9
    Iranoctis Guest
    @grandmaster flash
    Keineswegs...
    Nur weil meine Lieblingsmusik rein zufällig jene von dir verpönte Gitarrenmusik ist, habe ich nichts gegen Rap allgemein, doch sehe ich ihn als recht einfache und nicht unbedingt anspruchsvolle Musik.
    Aus diesen Gründen hört es sich in meinen Ohren auch sehr komisch an, wenn jemand anfängt ihn als Lyrik zu bezeichnen(was ich übrigens auch nur von SEHR wenigen Metalbands behaupten würde). Mit dem Begriff Minimallyrik kann ich allerdings leben.
    Einen Takt hat Rap logischwerweise, sonst würde er ja einfach nur dissonant klingen.
    Das Gefühl für Melodien beschränkt sich aber doch meistens auf eine, zumindest mir, extrem anmutende Eintönigkeit.

    PS: habe glatt sogar Menschen in meinem Freundeskreis, die "DIESEN SCHRECKLICHEN BITCHES NIGGA SCHROTT" hören

    @special k
    Sinnvolle Texte sind meiner Meinung nach zum Beispiel politische, gesellschaftskritische Texte auf einem Niveau, dass mehr als nur oberflächlich ist.
    Irgendwelche Texte in denen man andere Musiker verunglimpft oder von Drogen, Party, Sex und Chaos textet sind für mich keine sinnvollen Texte(ähnlich dem Drache, Schwert und Heldengeblubbe in meiner Lieblingsmusik)!


    Liebe Grüße, Iranoctis
    Geändert von Iranoctis (05.10.2007 um 18:41 Uhr)

  10. #10
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    hey iranoctis!
    dann zeig mir bitte mal die stelle, an der ich deine giterrenmusik verpönt habe, dann entschuldige ich mich meinerseits. ich höre selbst gerne gelegentlich punk(rock), ska und manchmal sogar metal, nur aufsätze könnte ich darüber nicht schreiben.

    minimallyrik ist in erster linie (wie bei unserer rubrik hier) sehr kurze, eben minimalistische lyrik. bleiben wir doch einfach bei kunstform mit lyrischen elementen.

    ich würde auch bei nicht allen rapmusikern behaupten, dass sie viele lyrische elemente haben. die drei oben zuerst genannten sind aber definitiv dabei.

    und ich habe rap nicht als lyrik bezeichnet, wenn du genau liest .

    Grüße!
    gf

    ps: lyrik oder literatur muss nicht immer einen todernsten, sinnschwangeren anspruch haben - es gibt genug lyrik und prosa übers ficken, über drogen und dergleichen. und nicht erst seit gestern...! also sollte das nicht der maßstab für lyrik sein. dann würdest du ja die experimentallyrik in unserer rubrik hier auch nicht als lyrik bezeichnen, da sie keine "sinnvollen" themen behandelt.
    © grandmaster_flash
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  11. #11
    Iranoctis Guest
    Stimmt! Ich und meine eigenen Definitionen!

    Unsere Experimentallyrikecke schätze ich auch nicht besonders und meide sie weitestgehend!
    Naja verpönt war nicht als beleidigend gemeint
    wohl so wertvoll wie meine meinung über metal
    und ich habe das schlicht falsch verstanden!
    Ich dachte deine Meinung sei nicht wertvoll, da so abwertend, dabei meintest du, weil du keine Ahnung davon hast, richtig?

    Alles klar, Schluss mit der Wortklauberei!
    Rap ist also eine teilweise lyrische Kunstform!
    Wieder was gelernt!


    Liebe Grüße, Iranoctis

  12. #12
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    Also, ohne mich im Rap-bereich auszukennen und ihn besonders zu mögen, muss ich doch sagen, dass es sich um eine Kunstform handelt, die zu den Ursprüngen der Lyrik zurückkehrt ist, ohne sich dessen vielleicht bewusst zu sein. Ursprünglich bildeten Musik, rhythmisch gesprochene Sprache und auch Tanz eine Einheit.

    Liebe Grüße Carlino

  13. #13
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    Zitat Zitat von Iranoctis
    Sinnvolle Texte sind meiner Meinung nach zum Beispiel politische, gesellschaftskritische Texte auf einem Niveau, dass mehr als nur oberflächlich ist.
    Objektiv betrachtet, sind alle Texte sinnvoll (d.h. zweckorientiert), da sie beim Hörer/Rezipienten schließlich die intendierten Gefühle, Gedanken, Assoziationen wecken sollen. Wie die Texte nun geartet sind, ist Geschmack. Und Oberflächlichkeit ist in der Lyrik Gang und Gäbe, denn trotz der Textkomprimierung ist Prosa weitaus exzessiver (teilweise sogar redundant)und somit verständlicher.
    Aber faszinierend ist, warum - ich behaupte das mal salopp - sich die gebildete Schicht der Gesellschaft vom Rap derart abkehrt. Rap ist ebenfalls sehr gesellschaftskritisch oder politisch nur eben auf eine äußerst radikale und teilweise unseren Grundwerten widersprechende Weise. Wenn Sido Fuffies im Club schmeißt, muss doch jedem, der das hört, bewusst werden, wie die Zuhörerschaft lebt, denkt, fühlt. Rap ist ein soziologisch gesehen äußerst interessantes Gebiet, weswegen sich für mich eben die Frage nach dem Poetischen, Lyrischen in der Musik stellt, denn auch im Sturm und Drang (klopstock), in der Klassik (Schiller) und im Vormärz (hier v.a. Heine) tauchte Lyrik auf, die sehr stark polarisierte und meinungsbildend war. Natürlich ist Rap nicht mit diesen oder anderen Epochen vergleichbar und auch nicht auf dieselbe Stufe zu stellen, aber ich denke, dass die Ansätze bzw. ihre Wirkungen auf die Gesellschaft ähnlich sind und zumindest überdenkbar.
    Irgendwelche Texte in denen man andere Musiker verunglimpft oder von Drogen, Party, Sex und Chaos textet sind für mich keine sinnvollen Texte
    Es sind aber ideale Indikatoren für die Wünsche und Vorstellungen derjenigen, die diese Texte beherzigen, weswegen, wie ich finde, ein Ressentiment demgegenüber Ausgrenzung und Unverständnis verdeutlicht.
    Und verglichen zu anderen Lyrikern, ist das nichteinmal etwas erstaunlich Neues (Heine - Viele Weiber, viele Flöhe z.B.).

  14. #14
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    ...der grund für die wenig vorhandene akzeptanz in bildungsschichten ist wohl unter anderem die vulgarität, obszonität, profanität der rapmusik. wer probleme mit harter sprache und pornographie hat (was ja viele bildungsbürger haben), fühlt sich von rap nicht angesprochen oder angewidert. doch die pornographischen und erotischen und vulgären fundstücke der geschichte und literatur können von ihnen ohne bedenken genossen werden, handelt es sich doch um kultur, kunst .
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  15. #15
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    okay, dopa, immerhin das

    nebenbei möchte ich noch einmal erwähnen, dass ich hier im forum mal die meinung gelesen habe, dass Bastian Böttcher (ein [Slam-]Lyriker, der seine Texte auch vertont) der beste rapper sei. da habe ich wirklich herzhaft gelacht und entschlossen, mich nicht an jener (alten) diskussion zu beteiligen.
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