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  1. #1
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    Schüttelreime, Reime schütteln

    Liebe Com.dot Runde,

    Nachdem ich mich mit meinem Schneewittchen schüttelmäßig ganz schön blamiert habe, möchte ich doch das Schütteln sehr gerne erlernen. Lachmalwieders Steffen hat mir netterweise einen Leitfaden fürs Schütteln zukommen lassen, vielleicht stellt er den auch hier herein, sonst findet man ihn bei Schneewittchen unter Humor usw.

    Am gestrigen Abend habe ich so lange rumprobiert, aber es wollte nicht klappen. Heute Morgen gings schon besser. Also, wer hat Lust mitzumachen ?
    Es geht, wenn auch nicht auf Anhieb. Wenn auch ein normales Gedicht mir so einfach in die Tastatur fließt, so muss ich beim Schütteln doch ganz schön rumprobieren und üben.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn ich nicht die Einzige wäre, die Spaß an der Sache findet.

    Will gern wer, die Reime schütteln,
    sollt er sich beim Schleimen rütteln.

    Also :
    ©Klatschmohn
    Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus. Alexander v. Humboldt

  2. #2
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    Erste Schüttelübungen

    Intelligenz
    Ist mein Mops ein großer Held,
    wenn er, hops, mal an dich mailt?

    Pech
    Als den armen Mops ich fand,
    wars nen Flops, da er ent-mannt

    Geschäft
    Will ich morgen heiter wandeln
    Muß ich heute weiterhandeln

    Damals
    Wo nun Schlösser restauriert,
    wurden Rösser schikaniert

    Lebens-und Jahreszyklus

    Ich glaub schon,dass Träume bleiben
    da die Bäume jährlich treiben,
    und auf schönen Sonnenwegen
    man kriegt aller Wonnen Segen.
    Doch wenn alle Katzen maulen,
    weil die Matzen alle faulen
    und es zwacken alle Zecken
    dann im Nacken um zu necken,
    kann man herbstlich schmerzhaft lesen,
    herzhaft, scherzhaft: DA GEWESEN.

    So das war mal meine angestrengte Vorleistung. Ist sicher noch nicht alles perfekt, aber ich denke ich bekomme Korrektur und weitere Ermutigung. Die ich hier auch allen anderen zusprechen möchte.

    Klatschmohn
    Geändert von Klatschmohn (08.10.2007 um 20:01 Uhr)
    ©Klatschmohn
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  3. #3
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    Hallo Klatschmohn und eventuell interessiert Lesende, die sich an diesem Faden beteiligen wollen,

    ich habe mal vor einiger Zeit eine kleine Schüttelanleitung bzw. Erklärung geschrieben, wie man zu Schüttelreimen kommt bzw. wie man diese finden kann und was man dabei beachten muss. Diese möchte ich mal hier einbringen. Ich hoffe, es ist nicht zu umständlich geschrieben...

    Also dann:

    Der Schüttelreim

    Gewöhnlich reimt sich in Gedichten, wenn diese sich überhaupt reimen, der Wortstamm des letzten Wortes. Der Schüttelreimer stellt sich größeren Herausforderungen. Beim Schüttelreim müssen sich zwei Wortstämme am Ende reimen. Aber ein Schüttelreim entsteht erst dann daraus, wenn die Konsonanten vor den beiden Wortstämmen wechselseitig vertauscht werden. Entscheidend ist der Wortklang. Abweichungen in der Schreibweise dürfen auftreten.
    Man benötigt also für die Erstellung eines Schüttelreimes mit zwei Zeilen 4 Worte. Am besten lässt sich dies an einem Beispiel erläutern. Einer der beliebtesten deutschen Humordichter und auch Schüttelreimer war Heinz Erhardt. Von ihm stammt folgender Schüttelreim:

    Es klapperte die Klapperschlang,
    bis ihre Klapper schlapper klang.


    Wie ist dieser Schüttelreim entstanden?

    Wortpaar 1: Klapper - schlapper
    Konsonanten: kl- schl- Reimsilbe: apper

    Wortpaar 2: klang - schlang
    Konsonanten: kl- schl- Reimsilbe: ang

    Dann erfolgte das "Schütteln" der Worte, indem die Worte mit unterschiedlichem Wortstamm und Konsonanten kombiniert und anschließend wechselseitig getauscht wurden.

    Klapperschlang
    schlapper klang

    Gleiches funktioniert auch, wenn keine Konsonanten vor der Reimsilbe stehen. Als Beispiel sei hier die Wortgruppe:
    „Eis schlecken“ genannt. Schüttelt man nur das „sch“ und setzt es vor „Eis“, kommt ein ziemlich anderer Sinn heraus. Der Interessierte möge es selbst herausfinden… 

    Doppelt Geschütteltes


    Deutlich komplizierter sind die „Quadrupel-Schüttelreime“. Hier werden nicht nur die Konsonanten getauscht sondern im Anschluss auch noch die Vokale. Damit dies möglich ist, dürfen sich die Reimsilben nur durch den Vokal unterscheiden, sonst müssen sie identisch sein. Hier wird es schon schwierig, noch Wortpaare zu finden, die einen Sinn ergeben. Das Beispiel vom „Braven Schäferhund“ habe ich hier zur Verdeutlichung einmal „auseinander genommen“.

    So lasse dein Gestammel, Hund!"
    Der Schäfer hob die Stummelhand."
    Nie schlug die letzte Hammelstund,
    nur weil er auf 'ner Hummel stand!"

    Die Reimworte sind:
    Hund Stund Hummel Stummel
    Hand stand Hammel (Ge)stammel

    Dreifach Geschütteltes

    Der Schwierigkeitsgrad lässt sich weiter erhöhen, indem man alle 3 Konsonanten vor den Silben der letzten Worte komplett durchschüttelt. Auch hierfür möchte ich ich ein Beispiel, einen dreifach geschüttelten Klapphornvers zeigen. In den beiden ersten Zeilen habe ich die Konsonanten farbig markiert, um zu zeigen, wie sie gewandert sind. Die Zeile 3 und 4 kann ja jeder, der mag, selber nachschauen :

    Strandurlaub

    Zwei Knaben band ein Märchenband noch sehr.
    Sie mampften Gummibärchen, Sand noch mehr.
    Bald schien der erste Sagen mehr zu lieben,
    der andere den Magen lehr zu sieben.


    Limericks

    Limericks sind eine besondere Herausforderung für den Schüttelreimer, da normalerweise immer Reimpaare entstehen und der Limerick aber in Zeile 1+3+5 reimen muss, zudem am Ende der ersten Zeile ein Ortsname gefragt ist. Man muss also dreifach schütteln können (s.o.) oder es gibt in einem Reimpaar gleich zwei Schüttelmöglichkeiten wie bei „Kalte Küsse“

    Kalte Küsse

    Einst küsste Herr Franke in Island
    ein Mädchen wie Anke in Friesland.
    Er kusselte feuchte,
    sie fusselte, keuchte:
    „Du schleckst am Pullover mit Fleecerand!“ …

    Die Reimworte sind:
    Franke Island
    Anke Friesland
    Fries land
    Fleece rand

    Neugierig geworden? Wäre prima! Probiert es doch auch mal und postet eure Schüttler hier

    VG
    Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  4. #4
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    Hallo Klatschmohn!

    Selbst der schöne Klatschmohn
    ist im Herbst ein Matsch-Klon

    LG
    (Du wärest nicht der Strassenreimer,
    wenn am Ende noch ein Vogelzwitschern zu hören gewesen wäre,
    eher hätte dir der fliegende Freund auf den Kopf gemacht.) Tessa

    Stolpersteine (alles aus Reimerhand)

  5. #5
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    Für den Straßenreimer

    Gespensterliche Straßenleimer
    kamen nachts und fraßen Reimer

    Hab trotzdem keine Angst,
    Gruß Klatschmohn
    ©Klatschmohn
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  6. #6
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    Hallo nochmal!

    Hört, ihr ollen, dreisten Geister,
    meine Reime geisten dreister!

    LG vom Strassenreimer
    (Du wärest nicht der Strassenreimer,
    wenn am Ende noch ein Vogelzwitschern zu hören gewesen wäre,
    eher hätte dir der fliegende Freund auf den Kopf gemacht.) Tessa

    Stolpersteine (alles aus Reimerhand)

  7. #7
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    Hallo Ihr Schüttelfans,

    Nur zur Probe, ob ich das Prinzip verstanden habe:

    Nach dem Rezept von Lachmalwieder
    dichten wir "Werd-wach-mal-Lieder".

    hier werde ich mich öfter einfinden, glaube ich. LG

    the witch
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  8. #8
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    Hallo Hexlein,
    das ist ein perfekter Schüttler Offensichtlich hast du das Schema verstanden, allerdings auch schon vorher gewusst, da du mir auch schon geschüttelte Kommentare geschrieben hast Übrigens ginge es auch dreifach geschüttelt; wenn auch nicht 100% astrein; wegen der Betonung

    Aber ich denke, wir sollten dem Faden etwas Struktur geben. Ich fange einfach mal an und gebe ein Wort vor. Die Aufgabe besteht darin, ein Reimwort zu finden und danach noch ein Reimpaar mit gleichen Konsonanten, um damit einen hübschen Zweizeiler-Schüttelreim zu erzeugen. OK, ich beginne ganz einfach. Mein Wort lautet:


    "Schlange"

    Ich bin gespannt

    LG
    Steffen
    Geändert von Lachmalwieder (08.10.2007 um 23:58 Uhr)
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  9. #9
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    Super-Idee! Wird wohl leider heute nichts mehr. Muss dringend meinen Arm schlafen legen, sonst wird der nie heile. Eine Frage hätt ich noch:

    Nur so - ich meine im Singular und ohne Elision, oder sind auch andere Formen erlaubt?

    LG - the witch
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  10. #10
    ferdi Guest
    Streicheltag

    Vorm Zoo steht's Volk in langen Schlangen:
    Heut darf man dort nach Schlangen langen!
    Mist Das ging daneben... Tja, ich habe das Schema wohl noch nicht so ganz verstanden

  11. #11
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    Nee, ferdi, das passt perfekt, da sowohl die Schlage, wie auch "langen" doppeldeutig sind - das ist ein perfekter und äußerst witziger Schüttelreim
    Ob Schlange oder Schlangen ist egal, Hauptsache, das "n", wenn es fehlt in Z1, ist dann auch nicht in Z2 drin. Bei dir passt das.
    Hexlein, du kannst das Wort nutzen, wie du willst. Wichtig ist nur, dass die Schüttelwörter, bis auf den Tausch der Silben, gleich klingen

    OK, ferdi hat einen tollen Schüttler, aber da geht sicher noch was mit unterschiedlichen Wortstämmen

    LG
    Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  12. #12
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    @ ferdi

    Jetzt hast Du mich gepackt, Herr Wortverdreher, hatte gerade noch 'ne Eingebung:

    Erst hielt ich sie umschlungen zag.
    Dann tauschten wir den Zungenschlag,
    bis sie mich - welch ein Schlangenzug! -
    in Bann mit ihren Zangen schlug!

    Macht Spaß! - LG - the witch
    .........................................
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  13. #13
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    Wahnsinn, du gehst ja gleich den Quadrupel an - der Hammer!!! Jetzt musst du mir nur noch sagen, was "zag" ist - zaghaft etwa? Aber egal, das Ding ist klasse!!!

    Bewundernde Grüße
    Steffen

    P.S. Wir müssten regeln, wie ein neues Wort ins Spiel kommt. Ich denke, dass könnte der entscheiden, der das vorherige Wort vorgab. Oder?
    Wenn du "zag" auflösen kannst, dann würde ich dich sofort ein neues Wort vorschlagen lassen. Auf der anderen Seite ist der Faden auch noch jung, vielleicht warten wir auch noch auf paar witzige Ideen, aber der Vierzeiler ist echt super!
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  14. #14
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    Klar, "zag" heißt so etwas wie "scheu", es steckt in "zaghaft" drin, existiert aber als eigenständiges Wort. Hab ich gerade noch nachgeguckt, weil ich mir doch unsicher wurde, wenn es Dir so unbekannt ist.

    Sowas nennt man Quadrupel? Das war purer Zufall. Ich experimentierte mit Schlangen/Zangen, kam auf schlug/Zug und wollte schon aufgeben, weil gar nichts passen wollte, als mir auffiel, dass der Vokaltausch ebenfalls funktioniert. Wird so schnell nicht wieder vorkommen. Deshalb ganz herzlichen Dank für Dein Lob. Ich bin ein Stück gewachsen und sonn mich noch eine Weile darin...

    Lass noch ein wenig mit Schlange experimentieren. Mach mir bis morgen aber gern Gedanken über ein neues Wort. LG

    the witch
    .........................................
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  15. #15
    ferdi Guest
    @ lachmalwieder: "zag" = zaghaft. Steht sogar im Wörterbuch

    Offengestanden bin ich ja nicht so der Schüttelfan... Zum Zeitvertreib kann man es natürlich nebenbei betreiben. Am besten mit einem Partner zu einem festen Thema. Ich kann mich erinnern, an anderem Ort vor kurzem mit Oswald einen kleinen Austausch zum Thema Musik gehabt zu haben. Vielleicht als Beispiel interessant?!

    Aus einer Wagneroper
    Herrn Tristans Augen an Isolde hingen -
    wie innig rührte ihn das holde Singen!
    (Oswald)

    Als der Applaus schwächer wurde
    Ich habe euch ein Lied gesungen:
    Es ist mir, wie man sieht, gelungen.
    (Ferdi)

    Grundregel
    Der Beifall ist der Sänger Lohn.
    Drum klatsch noch etwas länger, Sohn.
    (Oswald)

    Das Liebesduett
    Sie schmachten Wang' an Wange Lieder;
    Der Beifall hallt noch lange wider.
    (Ferdi)

    Ergreifendes Konzert der 3
    Mir netzten Tränen sehr die Wangen,
    als die Tenöre Verdi sangen.
    (Oswald)

    Na ja, dass Oswald schütteln kann, weißt du (wisst ihr) ja. Wenn du ihn auf diesen Faden per PN hinweist, schaut er bestimmt gern vorbei (er ist nicht regelmäßig hier).

    Ferdigruß!

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