1. #1
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    aftershow party


    aftershow party

    was sich bestens eignet
    ist deftiger Käse,
    der die weinige Note
    im bitteren Abgang
    sanft zu untermalen weiss

    im Traum an die Südsee
    platzt du in mein Zimmer:
    Du sagst, es kann nur besser,
    also stiller, werden.
    Um uns, um dich, um mich

    nachts glimmen die Zeiger
    an meiner Taschenuhr
    wie warmes Blut, dunkelrot -
    bis ich es verstehe,
    dass ich hier bleiben werde




  2. #2
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    Lieber Metapher,
    wahrlich bitter was du hier beschreibst. Träume und Illusionen gehen, es wird tatsächlich ruhiger aber auf eine kranke Weise. Nur zögernd sieht das LI die Falle in die es gegangen ist. Sei es um den Ansprüchen der Umwelt, des Partners oder seiner Arbeit gerecht zu werden. Der "eigentlich wollte ich doch mal" Gedanke schlät sich in der Nacht nieder, wenn das Ticken der Uhr daran erinnert wie schnell die Zeit vergeht und wieder ein Tag...eine Woche...ein Monat oder ein Jahr vergangen ist, ohne das man das gemacht hat was man sich doch so erträumt hatte. Aber nächstes Jahr.... werden wohl die Worte sein die in diesem Zusammenhang am meisten gebraucht werden.
    Das Paradoxe an deinem Text gefällt mir...einerseits die quälend langsam umgehenden Nachtstunden, wo der Kopf nur bei vertanen Chancen ist...andererseits die davon laufende Zeit, wenn es darum geht einmal einen Moment (und sei es nur einen Tagtraummoment) für sich selbst zu haben.

    Für mich ein sehr interessanter Text in dem ich viel von mir gefunden habe.

    liebe Grüße

    BAbsi

  3. #3
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    Metapher,
    ich liebe dieses Gedicht. Du arbeitest mit tollen Bildern und ach, wie wehmütig es ist. PHÄNOMENAL!Ich schließe mich Badico an in der Intention. Wie schade, dass vieles so ist, wie es ist.
    al cori



    geh, ich kann das nicht mit den "links" setzen.


    also, werbung, hier und so... schaut euch meine werke der letzten monate, nicht jahre an. besser. glaubt mir. thanx!


  4. #4
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    Hallo und gleich danke für Eure Feedback. Toll zu lesen, dass Euch mein Text gefällt.

    @Babsi: Bitter soll es sein, dass ich richtig. Jedoch habe ich eigentlich versucht durch die erste Strophe, auch wenn sie auf den zweiten Blick eine wehmütige Stimmung verbreitet, einen positiv-sinnlichen Aspekt erzeugen sollte. Sozusagen einen rausragender Punkt, etwas was man mag, etwas was die Sinne berührt.

    Seid herzlich gegrüßt.
    Metapher

  5. #5
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    Lieber Metapher,
    dann hat das "bitter " für dich vielleicht eine andere Bedeutung, als für mich....Wenn ich eine bittere Medizin nehmen muß...soll sie mir helfen...das Schlimme dahinter ist aber doch die tatsächliche Krankheit und nicht die Bitternis der Medizin.(Bitte nicht im wörtlichen Sinne verstehen)
    Dein ganzes Gedicht trägt Melancholie in sich... Worte wie bitter...stiller.... Und ist das Übertünschen eines bitteren Nachgeschmacks mit etwas anderem aber trotz allem eben nur eine Übertünschung?
    Lieber, das ist keine Kritik im eigentlichen Sinne, du weckst hier einfach nur Assozationen in mir...

    Babsi

  6. #6
    yaira Guest
    Hallo Metapher,

    ich überlege gerade, ob ich in dem Jahr, das ich jetzt schon hier verweile, überhaupt schonmal etwas zu einem deiner Texte geschrieben habe, sie sind, wenn mich nicht alles täuscht, ja eher eine Seltenheit. Grund genug, sich auf diesen zu stürzen, der auch mir gefällt.

    Interessant ist, dass jede Strophe auch als einzelnes Bild funktionieren würde, sie sich aber auch gemeinsam zu einem Bild fügen. Im Einzelnen:

    was sich bestens eignet
    ist deftiger Käse,
    der die weinige Note
    im bitteren Abgang
    sanft zu untermalen weiss
    Ich mag Satzaufbau und -melodie der ersten Strophe, vor allem, weil der Einstieg sehr unvermittelt ist. Was mich stört ist "sanft". Erstens, weil mir deftiger Käse und sanft untermalen zu gegensätzlich ist (allerdings werde ich gerade erst zum Weintrinker und da ich heute noch zu einer kleinen Weinprobe gehen werde, weiß ich vll. morgen, dass es genau so, wie von dir beschrieben, ist). Zweitens habe ich allgemein eine Aversion gegen das Wörtchen "sanft" entwickelt, da es mir zu vielseitig einsetzbar ist.
    Ich lese hier zum einen den Einstieg in den Südseetraum, der durch die sinnliche Erfahrung Schmecken eingeleitet wird, zum anderen aber auch das traurige Element, das im Weiteren das Gdicht bestimmt und hier schon durch den "bitteren Abgang" angedeutet wird.

    im Traum an die Südsee
    platzt du in mein Zimmer:
    Du sagst, es kann nur besser,
    also stiller, werden.
    Um uns, um dich, um mich
    Hier hatte ich anfang etwas Leseschwierigkeiten, weil mich die Traumebene verwirrt hat. Ich wollte es so lesen: Während ich von der Südsee träume, platzt du in mein Zimmer", aber das Hereinplatzen spielt sich wohl auf der Ebene des Traums ab... Das LD ist also teil des Traums, es wird das Versprechen gegeben, dass alles besser wird.

    Doch wird es das nicht, was S3 beweist, denn der Traum geht nicht in Erfüllung. Für das LI geht es nicht Richtung Südsee...

    S3 hat einen surrealen Hauch an sich. Bei den glimmenden Zeigern dachte ich zuest an eine moderne Armbanduhr mit im Dunkeln leuchtenden Zeigern, doch dazu passt die altmodische Art der Taschenuhr nicht. Ach der Blutvergleich macht mir vom verständnis her Schwierigkeiten.

    Insgesamt sehe ich aber ein trauriges Bild, das aus unerfüllten Träumen entsteht und ein traurig-resigniertes LI zurücklässt.
    Seltsam ist, dass ich manches, wenn ich die Strophen losgelöst voneinander betrachte, anders interpretiere, beispielsweise das LD in S2...

    Noch ne Kleinigkeit: Ich würde das "es" im vorletzten Vers streichen, kann das aber nur mit meinem Klngempfinden begründen *g*

    Liebe Grüße
    yaira

  7. #7
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    @Babsi:
    Nein nein, Dein Weg ist vollkommen richtig. Du sollst hier beides sehen. Den bitteren Abgang, die Besänftigung dessen. Umgemünzt ist hier die Überschattung von Frust mit minimal erfreulichen Dingen, so wie es auch zu oft real passiert.

    @yaira:
    Huhu! Ich danke Dir für die ausführliche Kritik!
    Im Einzelnen: Tatsächlich ist es so, dass junger Käse herben Wein etwas mildern kann. Sanft schien mir in der Verbindung mit untermalen die bessere Wahl (als mild untermalen ). Hinzu kommt auch der oben genannte Aspekt der Besänftigung von Frust, einer Angst oder Wut.

    Die Sache mit dem Traum hast Du richtig gedeutet. Es spielt die wirkliche Szene das das LI in seinem Zimmer sitzt und vom Weltfrieden träumt und im Hereinplatzen des LD dieser Traum wie eine Blase zerplatzt. Warum das dadurch Deinen Leserhythmus durchwürfelt erschließt sich mir nicht so ganz.

    Das "es" im letzten Vers empfinde ich als bedeutend, es unterstreicht den Aspekt des Verstehens. Abgesehen von der leichten schematischen Abweichung bei einer Streichung.

    Vielen Dank und schönen Freitag.
    Metapher

  8. #8
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    Hallo Metapher!
    Ein wirklich feines Gedicht hast du hier geschrieben....überzeugt mit seiner Bildsprache!

    Prinzipiell hätte ich mich yaira in ihrer Kritik angeschlossen - man hätte das "sanft" gut streichen können. Doch deine Erläuterung gibt dem auch meines Erachtens übersptrapazierten Wort eine Daseinsberechtigung .

    Das "es" zu streichen wäre auch meines Erachtens prinzipiell möglich, auch semantisch würde sich da nicht so viel tun, allerdings akzentuiert es das Verstehen in der Tat, denn "es" ist ja das Objekt des Verstehens...

    Außer den beiden Stellen gibt es für mich nicht viel zu diskutieren. Besonders das Taschenuhren-Bild ist gelungen!

    Grüße!
    gf
    © grandmaster_flash
    Es geht ein kleines Sterben / umher, umher
    (aus einem Gedicht von Paul Celan)

  9. #9
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    Lieber Metapher,
    dein Name passt - gut erarbeitete Gedanken in Sprache und Metaphern.
    Ich hatte sofort ein Gefühl für eine Interpretation. Dann las ich die Kommentare und las erneut, immer wieder, weil ich die Melancholie und "Trauer" eher abseits des lyr.Ich oder gar der Beziehung sehe.
    Party, Partygeschwätz, Müdigkeit.
    Danach der Traum, der schöne Traum und das Hereinplatzen des lyr. Du. Wahrscheinlich ist es länger auf der Pary geblieben und stört das lyr. Ich mit seinem Hereinplatzen. Das lyr. Du spricht, verspricht und es wird stille.
    Nun resümiert das lyr.Ich weiter und wirkt auf mich eher zufrieden.
    Es wird/will bleiben. Ich sehe eher eine "philosophische Liebeserklärung"
    Geht das auch?
    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  10. #10
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    Hallo grandmaster, hallo Dana!

    Bitte entschuldigt, dass ich mich jetzt erst auf Eure Kommentare zurückmelde. Eine Grippe hatte mich gut 2 Wochen ausser Kraft gesetzt.

    @grandmaster: Es freut mich sehr, dass Dir meine Zeilen gefallen und das ich Dich in den beiden Punkten "sanft" und "es" überzeugen konnte. Nach wie vor halte ich ja die Beiden für notwendig, auch wenn sie natürlich etwas überstrapazieren.

    @Dana: Danke auch für Deine Interpretation, jedoch kann ich den Weg den Du siehst um zu einer philosophischen Liebeserklärung zu gelangen nicht erkennen. Mit Mühe und Not lässt sich das hineinprojezieren, aber stimmig wird es in meinem Kopf nicht. Sicherlich spielt Liebe auch mit ein, jedoch nicht in dem Maß einer Liebeserklärung. Hauptpunkte hier sind für mich Sehnsucht, Alltag, Vernunft und Genuss (i.S.v. das genießen was man hat).

    Herzlichen Gruß
    Metapher

  11. #11
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    @methapher

    Wie du schon in deiner ersten Strophe so schön schreibst: „deftiger Käse“ so scheint dein Gedicht zu „locken“.
    Und ich mag ihn so, diesen deftigen Käse: Hier, wie zu Hause bei Tisch, jenen organischen .

    Also ich beziehe mich hier nur auf den Inhalt, das andere kannst du besser wie ich.
    Deine aufgestellten Bilder konnte ich gut erkennen, nicht gleich aber dennoch dann gut.
    Übrings sind mir Gedichte die „verschlungen“ sind lieber wie die schönsten strahlendsten geradeaus führenden Gedicht - Chausseen. Nur manchmal grübele ich etwas, aber das liegt an der Zeit, ich frage was ist : aftershow party?
    Abend Show Party.
    (Brauch man da Frauen dazu, grins?)
    Das war nur mal kurz mein Senf zum „deftigen Käse“.
    Bis später.

  12. #12
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    Hallo Horst,

    danke für das Feedback! Deftigen Käse mag ich auch, zum Wein am liebsten.
    Aftershow Party ist, wie soll es auch anders sein, metaphorisch zu sehen. Erst das "Rampenlicht", dann unter Ausschluß der Öffentlichkeit das wahre Ich, dann der Boden der Realität.

    Sei herzlich gegrüßt!

  13. #13
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    Lieber Metapher,

    dein Gedicht Löwenzahn, das du vor sehr langer Zeit verfasst hast, hat mich in jungen Jahren unglaublich bewegt. Nun scheint der neue Text um einiges abgeklärter?! Ich bin auf deine Antwort gespannt. Und wie brenend interessiert mich der Hintergrund, wie du dich wohl nach der Zeit verändert hast. aber ... der Autor ist ja schließlich tot...

    Viele Grüße,
    Agnieszka

    sehr gerne gelesen.

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