Sieg?

Zielstrebig tritt der Politiker ans Podium,
schmückt mit Worten das Zukunftskrematorium,
spricht euphorisiert, die Masse motivierend,
dank Propagandaabteil sehr manipulierend,
für die Medien geballte Faust so siegessicher,
Panzer und Granaten, des Friedens Richter,
„Ich versichere Ihnen, wir werden gewinnen“,
Sodom und Gomorrha, in friedlichen Sinnen,
Elf Uhr fünfzehn, die Rede ist getan,
der Gefeierte wird in sein Büro gefahren,
lockert den Schlips, lehnt sich im Leder zurück,
gerauchte Zigarre, Familie und Glück.

Eine Woche später, in der Wüste Staub,
jungenhafte Kämpfer, von Granaten schon taub,
Tod und Verwesung, Blut und Schmerz,
des Soldaten Leid, des Soldaten Herz,
Splitter und Urin, im Graben er wankt,
Heimweh, Tränen, Beten und Angst,
zerfetzte Kumpanen, entstellte Leichen,
Freund und Feind, unwissend die Gleichen,
während der Kämpfer verreckt, für des Vaterlands Lohn,
sitzt der Redenschwinger bequem auf seinem Thron,
die Schlacht ist vorbei, er zieht Resumee,
summiert die Toten, schlürft seinen Tee,
ein drittel weniger, als der grausame Feind, Sieg
der Frieden gerettet, die Welt vereint,
er hat sein Wort gehalten, Löwe mit der blutroten Mähne,
Kollateralschaden des Krieges, des Hobels Spähne.