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  1. #1
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    Als der Anruf kam

    Als der Anruf kam

    Es gab Stadtregen
    im gewöhnlichen November
    als der Anruf kam.
    Und Straßen, die still
    wurden unter mir.
    Gedanken, die nun
    wie ins Leere
    nach den letzten
    Erinnerungen griffen.
    Fragen, die keine mehr waren
    und leise Tropfen
    auf den Scheiben.
    Ein Lied von der
    Macht der Liebe.
    Und ein Radio.
    Und nichts wusste ich
    zu sagen zu mir.
    Nichts für
    und gar nichts
    gegen die Welt,
    die nicht hielt,
    nicht wartete
    auf irgendein Wort.
    Da ist dieser Tag,
    das Ende, das Leben
    und Du gingst.

    Für meine Omi - die Liebe bleibt!
    Geändert von Kerlchen40 (21.11.2007 um 00:59 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Kerlchen34...
    Echt putziger Name, wenn ich das mal so sagen darf...aber mit 34 ist man doch kein KerlCHEN mehr? oder hat die 34 eine ganz andere Bedeutung?

    Naja und jetzt zum Gedicht...Also das gefällt mir echt gut. Auf eine überhaupt nicht wertende Weise wird das Geschehen rund um den Anruf beschrieben, was alles nur Alltag ist. Man kann sich richtig vorstellen, wie die Welt für das LI stehen bleibt, auch wegen der Zeilenumbrüche. Am Ende hatte ich etwas ganz anderes erwartet, auch wenn ein Beziehungsende viel klassischer ist natürlich...Ich dachte das LI kriegt bestimmt einen Anruf das er unheilbar Krebs hat oder so etwas...etwas lebensbedrohliches...oder ein tödlicher Unfall eines Freundes...So ist es zum Glück etwas weniger dramatisch . Schon hart, ne Beziehung übers Telefon zu beenden...vllt hatte ich es grade deswegen nicht erwartet.

    lg, alpha
    Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden.
    (Marlon Brando)

  3. #3
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    Hallo alpha,

    Dein erstes Gefühl war wohl schon ganz richtig....hier geht es nicht um eine Beziehung ...zumindest nicht um eine Liebesbeziehung. Hier geht es tatsächlich um den Tod eines von mir sehr geliebten Menschen. Es beschreibt den ersten Moment und das Gefühl der Sprachlosigkeit und der Stille der Gedanken.

    Danke dennoch für Deine Worte.

    Gruß vom Bauchpoeten
    Geändert von Kerlchen40 (06.11.2007 um 22:21 Uhr)

  4. #4
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    Lieber Stefan,

    ich traue mich eigentlich fast nicht zu kommentieren, da dieses Stück doch einen so ernsten Hintergrund hat. Hierzu mein Beileid - egal wie lang es her sein mag. Zum Gedicht muss ich sagen, dass es mir leider zu prosaisch ist. Da fehlt mir die Verdichtung...trotzdem beschreibt es diesen schrecklichen Zustand ziemlich gut, wie ich finde.

    Gruß
    gf
    © grandmaster_flash
    Es geht ein kleines Sterben / umher, umher
    (aus einem Gedicht von Paul Celan)

  5. #5
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    Hi gf,

    dieses Werk soll nichts eng in Metaphern verdichten - es soll nur eine Situation lyrisch beschreiben. Danke Dir. Ich wusste, ahnte es lange - doch es war erst heute.

    Wir lesen uns die Tage

    Stefan

  6. #6
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    Hallo kerlchen! Der Titel hat mich neugierig gemacht und das gedicht hat mich nicht enttäuscht! Ein sehr gut formulierter, langer, schmerzhaftzer ductus und ein gefühl, dass wir alle, oder fast alle, kennen. was etwas untergeht: der umstand, dass das ende offenbar durch einen anruf eingeleitet wurde. das findet sich nur in der überschrift. jedenfalls verstehe ich es so, dass es keine todesnachricht ist, sondern das ende einer beziehung und da bedeutet das telephon ja auch immer...feigheit des anderen? der gedanken taucht aber nicht auf.
    gutes gedicht!
    lg LordJim
    Wie eine Klippe sollst du unbekannte und ungewöhnliche Wörter meiden (Julius Caesar de analogia)

    Neu: Drum halte still
    Die volle Schale (Werkverzeichnis)

  7. #7
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    hallo LordJim,

    es freut mich, dass es dich bewegt. aber es war tatsächlich der anruf, dass meine oma uns verlassen hat. das lied "power of love" von jennifer rush lief tatsächlich im radio und .... ich verlor jemanden den ich ganz besonders liebte. in diesen zeilen schrieb ich einfach aus mir heraus wie dieser momant war, da ich ihn festhalten wollte.

    danke und gruß


    kerlchen

  8. #8
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    Ok, dann nehme ich meine - ohnenhin nur kleine - kritik zurück und meditiere darüber, wie ähnlich todesnachrichten und das ende von beziehungen klingen können....
    lg LordJim
    Wie eine Klippe sollst du unbekannte und ungewöhnliche Wörter meiden (Julius Caesar de analogia)

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  9. #9
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    fühl dich in einem guten kreis. die obigen leser haben es teilweise ähnlich wie du gelesen... thanks für's nochmal kommen!

    Gruß vom Kerlchen

  10. #10
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    Hallo Kerlchen34,
    ja, es zieht einem den Boden unter den Füßen weg.
    Doch Menschen, die wir lieben, leben in uns (unseren Gedanken) weiter.
    Du hast diese Hilflosigkeit sehr schön und gefühlvoll ausgedrückt. Und ich bin sicher - SIE wird bei Dir sein !

    lg Manakel
    Alle Wünsche werden wahr, wenn sie aus tiefstem Herzen kommen !

  11. #11
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    Hallo Manakel,

    Danke für die netten Worte zum Text. Mir sagt Dein User Name gar nichts - ich muss mal nachsehen, wer da dahinter steckt.

    Es grüßt

    der Bauchpoet

    PS: ah ...jetzt erinnere ich mich

  12. #12
    Condor Guest

    Hi Stephan,

    atmet sehr viel Gefühl, und darauf kommt's schlussendlich an.

    LG Peter

  13. #13
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    Hallo Condor,

    freut mich, dass ich Dich wieder lese bei mir. Ich werde demnächst mal wieder bei Dir vorbeisegeln.

    Hallo toffifeeling,

    Du hast Recht. Dieses Werk atmet etwas anderes und lebt nicht von der puren Verdichtung. Unverschnörkelt - ja genau das sollte es sein!
    Ach vielleicht ist es schon angebracht darüber zu reden. Für mich ist leider noch nie ein Licht aufgegangen, das mir den Tod versöhnlich macht. Man ist einfach weg - andere sind einfach weg. Mir haben die ganzen Brücken da bisher nie geholfen versöhnt hinüberzulaufen. Zumindest nicht in dem Sinne zu glauben auf der anderen Seite würde etwas warten.

    Gruß Stefan

  14. #14
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    Hallo Stefan

    Ich denke, das ist ein Text, den ich als genau das stehen lassen will, was er ist:
    Seelenkotze.

    Auf hohem sprachlichem Niveau, eingefangen das Schockgefrostete der Welt, wenn es dann eintrifft u.s.w. Grossartig finde ich ihn nicht, ähnlich wie LordJim gesagt hat ist er mir zu wenig verdichtet, auch anderes würde ich je nachdem verändern. Aber nicht hier. Nicht in diesem Text.
    Es ist gut gelungene Seelenkotze und als dies genauso aufs Blatt gekommen, wie es sein muss.

    Du verstehst

    LG
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  15. #15
    Registriert seit
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    Hi yarasa,

    zur Zeit kann Dich ja kaum was aus meiner Feder so wirklich begeistern, dass Du das Klo Prädikat verleihen könntest.
    In dem Fall finde ich das Wort Seelenkotze nicht ganz passend. Ich wollte einfach diesen Moment festhalten wie er war. Vielleicht hätte ich das Gedicht daher auch nicht unbedingt veröffentlichen müssen. Aber ich wollte es aus Ehre und als eine Art Zeitzeuge dennoch tun.

    Wir sehen uns in Aesch - sorry, dass ich es heute nicht geschafft habe. Wir hatten echt zu tun!

    Gruss aus der Schweiz zu Dir rüber

    Stefan

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