Seite 1 von 2 12 Letzte
  1. #1
    Registriert seit
    Aug 2006
    Ort
    Auckland/Neuseeland
    Beiträge
    867

    Schlaf, Kindlein schlaf...

    In ihrem Innern hat sich dumpfe Leere ausgebreitet,
    die klammen Finger zerren hart an schweissverklebten Haaren,
    von ihrer Stirn läuft grelles Scharlachrot in dünnen Schlieren.
    Sie starrt auf die bizarren Muster auf den weissen Kissen.
    der Vater hüt' die Schaf...

    Sie hadert mit dem Gott der längst vergang'nen Kindertage,
    versucht in Vollmondnächten die Dämonen zu beschwören
    und lauscht dem hohlen Raunen aus den nahen Schattenwelten.
    Der alte Spielmann mit der bleichen Fratze schlägt die Laute.
    die Mutter schüttelt's Bäumelein...

    Die helle, so vertraute Stimme wispert ihren Namen,
    sie folgt dem Ruf, so schnell sie ihre schwachen Beine tragen,
    im Morgengrau erreicht sie seine nasse Ruhestätte.
    Der Kahn des greisen Fährmanns liegt am Ufer schon vor Anker.
    da fällt herab ein Träumelein...

    Bereit, die Seele für die Fahrt mit Charon zu verkaufen,
    speist sie die Opferschale mit den glänzenden Rubinen,
    die träge, warm aus ihren ausgestreckten Armen fallen -
    der Fahrpreis für die Reise in das Reich der Namenlosen.
    Schlaf, Kindlein schlaf...
    Geändert von Lailany (08.03.2008 um 14:08 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
    Nov 2006
    Ort
    mecklenburg
    Beiträge
    196
    Um Himmels Willen, in welchen Abgründen schlafwandelst du denn da, das ist ja grausig. Da will ich diese Kategorie mal nutzen, um Kummer ganz anderer Art loszuwerden, und stolpere gleich im Eingang über deine dunklen Gedanken! Ich kann mich mich mit solcherart Erlkönigversen nicht anfreunden und wüßte dich viel lieber mal wieder in der Spaßkategorie, auch wenn ich dort selbst auch nur sporadisch auftauche.
    LG, Kleo.

  3. #3
    Registriert seit
    Aug 2006
    Ort
    Auckland/Neuseeland
    Beiträge
    867
    Lieber kleo!

    Welch freudige Überraschung, Dich wieder einmal zu lesen!

    Ich nehm dafür gern in Kauf, daß Dir mein grausiger Erguß hier net gefällt.
    Kann nur vermuten und hab's auch versucht, Dir an anderer Stelle eine mögliche Erklärung für meine morbiden Gedankengänge zu geben.
    Wie Du weißt: manchmal müssen sie eben raus und das ist das Ergebnis.

    In der humorigen Sparte war ich nie mit einem Werk vertreten, das kann ich nicht. Bin dort nur ein eifriger Leser und erfreue mich an Euren lustigen Dingsern.

    Ich bedanke mich für Deinen Besuch hier und hoffe Doch, daß Du Dich net ganz zurückziehst vom Forum. Das wär wirklich schade!

    Liebe Grüße von
    Lailany

  4. #4
    Registriert seit
    Feb 2005
    Beiträge
    545
    Hallo Lailany!

    Ich kann mich der Meinung kleo's nicht wirklich anschliessen, denn ich finde dein Werk grossartig!
    Natürlich habe ich nach dem Lesen auch erst einmal schlucken müssen, aber genau das zeichnet ja düstere Werke aus!
    Würde man nicht nachdenklich, melancholisch oder sonst was werden, hätte das Werk sein Ziel verfehlt. Es kann nicht alles im Leben immer schön sein, umso erquickender ist es jedoch, wenn es Menschen gibt, die auch diese Dinge schaurig, aber schön in ihren Gedichten zu verpacken wissen!

    Was mir wahnsinnig gut gefällt, ist dieser kleine Kinderreim den du an jede deiner Strophen hängst! Erstens, weil es dann doch sich reimende Elemente gibt, die zudem die einzelnen Strophen wunderbar zusammenhängen lassen, und zweitens, weil dieser kleine Kinderreim wunderbar mit deinen Gedanken und Worten sich mengt, und ihnen die letzte Würze verpasst.
    Denn es ist diese Leichtigkeit, mit der du dem Kinderreim (der ja eigentlich fröhlich ist) einen morbiden Anzug verleihst, die mich so fasziniert!

    Zum Inhalt deines Werkes kann ich nicht viel sagen, bin noch zu sehr von den Bildern überwältigt
    Eines kann ich dir jedoch sagen:
    Schöner, und vorallem trauriger, habe ich noch keinen Suizid in Worte gefasst lesen dürfen!
    Du verwendest sehr schöne Bilder, die zum Träumen, aber umso mehr zum Gruseln einladen, danke!

    Ich habe dein Werk sehr sehr gerne gelesen, und ebenso gerne kommentiert!
    Ich ziehe meinen imaginären Hut!

    Liebe Grüße
    Ashi
    Ganz neu und
    noch zu kritisieren:

    Am Totenbett
    Die Vogelscheuche

  5. #5
    Schwirl Guest

    Hallo Lailany :)

    Ich lese Dein...

    Mich faszieniert die Kombination " Schlaf Kindlein Schlaf, ein Kindereinschlaflied, das harmlos ist und dazu dient das Kinder seelig, wunderbare träume träumen, und das Gegenüber: dein Gedicht.
    Deine Worte zeigen eine andere Realität auf, die es auch gibt, meist im Schlaf, beim Träumen. Doch einige Menschen " sehen", "erleben" diese Bilder auch beim Wachsein.

    Du beschreibst einen Alptraum, im Hintergrund höre ich das Kinderlied. Du hast die Begabung als Dichterin einem Gänsehaut auf die Haut zu zaubern.

    Metrik möchte ich jetzt gar nicht schauen.... Ich möchte den Eindruck behalten, den Dein Gedicht mit den Worten hinterlässt.

    Schlaf, Kindlein schlaf...<<<--- Lied

    In ihrem Innern hat sich dumpfe Leere ausgebreitet,<<<--- Traum
    die klammen Finger zerren hart an schweissgetränkten Haaren,
    von ihrer Stirn läuft grelles Scharlachrot in dünnen Schlieren.
    Sie starrt auf die bizarren Muster auf den weissen Kissen.
    der Vater hüt' die Schaf...


    Sie hadert mit dem Gott der längst vergang'nen Kindertage,
    versucht in Vollmondnächten die Dämonen zu beschwören
    und lauscht dem hohlen Raunen aus den nahen Schattenwelten.
    Der alte Spielmann mit der bleichen Fratze schlägt die Laute.
    die Mutter schüttelt's Bäumelein...

    Die helle, so vertraute Stimme wispert ihren Namen,
    sie folgt dem Ruf, so schnell sie ihre schwachen Beine tragen,
    im Morgengrau erreicht sie seine nasse Ruhestätte.
    Der Kahn des greisen Fährmanns liegt am Ufer fest verankert.
    da fällt herab ein Träumelein...

    Bereit, die Seele für die Fahrt mit Charon zu verkaufen,
    speist sie die Opferschale mit den glänzenden Rubinen,
    die träge, warm aus ihren ausgestreckten Armen fallen -
    ihr Fahrpreis für die Reise in das Reich der Namenlosen.
    Schlaf, Kindlein schlaf...

    wie auch immer Deine Gedanken waren, Ich kann nur loben, weil es mir gefällt

    ... mir ist aufgefallen deine Endungen reimen sich nicht, dadurch wirkt es noch düsterer, uneinheitlich, jedoch sprachlich trotzdem stimmig.

    nördliche Grüße von sy.

    sehr gerne gelesen
    Geändert von Schwirl (10.11.2007 um 15:00 Uhr)

  6. #6
    Registriert seit
    Aug 2006
    Ort
    Auckland/Neuseeland
    Beiträge
    867
    Hallo Ashitaka!

    Wow...diesen schönen Kommentar muß ich erstmal setzen lassen.
    Danke fein.

    Ich freu mich echt, daß das Dingens die Stimmung überträgt, die mich zum Schreiben veranlaßt hat.
    Erstmal geb ich zu, grad bei diesem hatte ich echt große Bedenken vorm Einstellen, ich hatte glatten und niederschmetternden Verriss erwartet.

    Eine Interpretation ist korrekt...es soll einen Selbstmord beschreiben und den psychischen Zustand, der dem vorangeht.

    Gleich vorwegnehmen möchte ich...diesmal ist mein lyrIch nicht authentisch mit meinem persönlichen Geisteszustand.
    Auf die Idee für dieses Gedicht bin ich gekommen, als ich vor kurzem im TV eine Vorschau für einen Film gesehen hab...da hat eine Kinderstimme dieses uralte Kinderlied gesungen und es klang so durchdringend, ist mir echt eingefahren. Da haben sich dann meine Gedanken schon selbständig gemacht und sind ziemlich eigenmächtig auf lyrische Reise gegangen.


    Liebes nordisches Grippevirus!

    Auch Dein tolles Kompliment macht mich sehr glücklich. Danke Dir!

    Ich habe mich diesmal für Ungereimtes entschieden, damit bin ich grad in dieser Rubrik schon einige Male gut gefahren.
    Manchmal gehen wichtige ausdruckstarke Passagen bei der Einengung in einen Reim verloren oder werden abgeschwächt.

    Daß Du wegen der Metrik net nachkontrolliert hast:
    meine Liebe, das brauchst Du gar nimmer, denn mittlerweile haste schon das Gespür dafür. (Und mich freut das immer wieder ganz ganz dolle! )

    xXxXxXxXxXxXxXx <<< nach dieser Vorgabe ist jede Zeile gestrickt.

    Euch beiden nochmals ganz lieben Dank für Eure lobenden Worte.
    Ein angenehmes WE und liebe Grüße von
    Lailany

  7. #7
    Registriert seit
    Oct 2005
    Beiträge
    6.325
    Liebe Lailany,

    schön, mal wieder etwas Neues von dir zu lesen!
    Und das Anklicken hat sich wie immer gelohnt; einen wahren Alptraum eines
    zerstörten, verwirrten und lebensmüden Menschen hast du uns offenbart.

    Man schaut in eine kranke Seele, die sich nicht mehr anders zu helfen weiß, als einen Selbstmord zu verüben, weil es sich sicher ist,
    nur so allen Widrigkeiten des Lebens aus dem Weg zu gehen....

    Deine ungereimten Zeilen lesen sich dramatisch, gänsehauterzeugend.
    Was den Kinderreim angeht, hast du ja grad eine Begründung geliefert.
    Ich glaub schon, dass diesen Suizid-Kandidaten manchmal die seltsamsten Dinge durch den Kopf gehen,
    was sie nicht mehr kontrollieren können.

    Nun bleibt mir nur noch übrig, dir ein großes Kompliment dazulassen
    Sehr gut gelungen!

    Lieben Gruß,
    katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  8. #8
    Registriert seit
    Aug 2006
    Ort
    Auckland/Neuseeland
    Beiträge
    867
    Liebe Katzi!

    Ich bin in den letzten Monaten nicht besonders kreativ...Schreibfaulheit trifft es noch besser.
    Und dann hab ich noch dazu bei diesem Dingens echte Selbstzweifel und bescheuertes Postingfieber gehabt - mit allen Symptomen...lol...Du erinnerst Dich sicher..

    Da ist dann die Freude über solch positive Reaktionen umso größer.

    Ich hoffe, daß es mir auch weiterhin gelingt, meine treuen Leser zu unterhalten, wenn schon nicht mit Quantität, dann zumindest mit Qualität.

    Ganz lieben Dank für Deinen lobenden, tollen Kommentar!

    Ein angenehmes WE und liebe Grüße von
    Lailany

  9. #9
    Registriert seit
    Aug 2006
    Ort
    Auckland/Neuseeland
    Beiträge
    867
    Liebe die!

    Ich bedanke mich ganz herzlich für Deinen Kommentar.

    Meine Intention hat sich bis jetzt noch niemandem zur Gänze erschlüsselt, am Nähesten dran war Ashitaka, der in jedem Fall schon den Selbstmord herauslesen konnte.

    Der Grund dafür wird jedoch im Gedicht erzählt, und auch, wo und wie er verübt wird.

    Vllt möchte sich ja noch jemand daran versuchen, darum werde ich noch nicht alles verraten (Du hattest dazu ja schon eine PN ).

    Danke Dir für den Besuch!

    Ganz liebe Grüße in den Ruhrpott von
    Lailany

  10. #10
    Registriert seit
    Jun 2006
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    2.716
    Hallo Laylani,

    ganz kurz:

    Jedes Mal, wenn ich dein Gedicht lese, überzeugt es mich komplett von neuem.
    Ich wusste nicht exakt, worum es geht, und das war auch nicht nötig.
    Die Atmosphäre hat mich gepackt.

    Nun, da ein Interpretationsansatz gefunden ist, denke ich, weiß ich auch, worum es genau geht:

    Es wird sehr klar, bei den Rubinen, die aus den ausgestreckten Armen fallen:
    Das LE ritzt sich und verblutet, würde ich sagen.

    Deshalb entfällt jetzt gleichzeitig mein Kritikpunkt, doch bitte Arme in Hände zu ändern, weil es so keinen Sinn ergäbe.


    Trotz...naja, sag ich mal, vermeindlicher Auflösung gefällt mir dein Gedicht und seine Atmosphäre immer noch


    Gerne gelesen,
    LG Sturmherz
    Sturmherz ist jetzt Anti Chris.

    Aktuelles: Zeit ist Honig
    Hilfreiches: Lyrisches Lexikon | Kommentar gefällig? | Nutzungsbedingungen
    Eigenes: Meine Werke | Meine Favoriten (aktualisiert: 16.01.13)
    © Christian Glade

  11. #11
    Registriert seit
    Nov 2005
    Ort
    Basel CH
    Beiträge
    5.015
    Hallo Lailany

    Mir gefallen deine Zeilen nicht ganz so gut wie anderes von dir, das ist aber auch mein ganz persönliches Dilemma mit den metrisch gebunden, ungereimten Versen. Die können es mir einfach nicht wirklich.

    Du schreibst in deiner Antwort, dass sowohl Grund und Tat im Gedicht enthalten sind, und so bin ich suchen gegangen. Auf Indizien gestossen, die ich nicht schlüssig fügen kann.

    Die blutigen Striemen - sprechen die von früher, von Misshandlung oder von einem Kopfschuss? Diese sich ausbreitende Leere und die Kinderliedzeile darunter - in mir gurgelt der Missbrauch, und doch scheint das auch eine modische Assoziation, als ob es nichts anderes gäbe...

    Und doch: Das Lauschen auf die Schattenwelten, der alte Spielmann und seine betörende Stimme, der 'Sie' einfach folgen muss - das spricht doch durch irgendeine unschöne Manipulation von Seiten eines Erwachsenen oder zumindest eines Stärkeren. Oder sind es die Stimmen, die ein Kranker hört, je nach dem???
    Die auseinandergerissene Liedstrophe unterstützt die Assoziation von Kindsmissbrauch (resp Inzest) - warum das Schafehüten da passt, mag an meiner komischen Phantasie liegen.
    Dass die Mutter das Bäumchen schüttelt, wenn da nicht mal Äpfel dran sind, empfand ich schon als Kind als furchtbar sinnlos: Einfach etwas tun, um nichts anderes machen zu müssen (hinschauen?)
    Das Träumelein erweckt, eingebetet in (mein) Gesamtbild die Idee von Dissozalisation, von Persönlichkeitsspaltung - wo die eine Hälfte dem Spielmann lauscht und die zweite die Muster auf dem Kissen studiert - und die Dritte mit Charon verhandelt...

    Und geht sie ins Wasser - oder nur zu Charon?

    Blitzartiger Einfall beim Nachlesen, Hineinkorrigieren in meine Antwort:
    Die Rubine, die sie aus leichter Hand zahlt - Pulsadern-Tropfen?


    Für mich sind die Bilder zwar gewaltig und schauerlich, wie nicht anderes gewohnt, aber 'kognitiv auswertbar' sind sie auch nach mehrmaligem Lesen nur bedingt.
    Und was mir in den Sinn kommt, ist Gruselkitsch - und da traue ich dir doch etwas anderes zu. Obwohl, mein geschnitzter Schmerz ist auch Leidenskitsch, und das muss manchmal sein...

    Nachdenklich geworden, aber nicht wirklich schlauer

    grüsst dich
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  12. #12
    Registriert seit
    Aug 2006
    Ort
    Auckland/Neuseeland
    Beiträge
    867
    Hallo Sturmherz!

    Danke Dir für das tolle Kompliment, daß Dich die Atmosphäre einfangen konnte.
    Genau das war beabsichtigt und ich freue mich ganz doll, dass es mir gelungen ist.
    Darum musste ich es 'verkrypten'...ich möchte es als ein Experiment bezeichnen. Ich wollte einfach mal versuchen, nur die Gefühlsebene des Lesers anzusprechen und ihn in diese düstere Stimmung hineinzuziehen.

    Mir ist das auch schon bei manchen Werken so ergangen, wo ich erstmal inhaltsmäßig nicht durchgeblickt hab, aber absolut fasziniert war und einfach dachte: 'das hat was'.

    Mir war auch durchaus klar, dass ich mit diesem Werk nicht so viele Leser ansprechen werde und ich hab deswegen auch mit vorwiegend negativen bis gar keinen Kritiken gerechnet.

    Doch jetzt freuts mich umso mehr!

    Du hast auch richtig erkannt, warum es nicht 'die Hände' sein durften.

    Ich bedanke mich nochmals für Deinen Besuch und fürs 'Nochimmergefallen'.


    Liebe yarasa!

    Auch Dir herzlichen Dank für Deinen Besuch und Dein Suchen nach Indizien.
    Nicht jeder nimmt sich bei solchen Werken die Zeit dafür.

    Meine treuen Stammleser wissen jedoch, dass ich mich bemühe, den Aufbau stringent zu gestalten.
    Das hat bei diesem Dings den Ausschlag für 'Ungereimtes' gegeben.
    Reime hätten mich hier zu sehr eingeengt.

    Einiges ist ja nun aufgeschlüsselt worden, Deine Überlegungen haben mir eine weitere Interpretationsmöglichkeit aufgezeigt, was ich auch sehr interessant fand.

    Meine Intention:
    S1
    Eine Frau, die dem Wahnsinn verfallen ist.
    Sie registriert gar nicht mehr, dass sie sich selbst verletzt...(scharlachrote Schlieren)...
    Ich sah hier eine psychisch Kranke, die, sich hin- und herwiegend, im Bett sitzt und sich schon den Kopf an der Wand blutigschlägt, um mit körperlichem Schmerz den seelischen zu übertünchen.
    Sie registriert daher auch nicht, wie die Muster auf die Kissen kommen...'starrt' sie (verwundert) an.

    S2
    Sie führt lautstarke Selbstgespräche...das Unterbewußtsein bringt Erinnerungen an die eigene Kinderzeit (u.a. den Glauben an Gott) hoch.
    Zwischendurch hält sie inne, um den verschiedenen (imaginären) Stimmen zu lauschen.

    S3
    Dann hört sie plötzlich die 'helle, vertraute' Stimme ihres Sohnes...sie folgt seinem Ruf zum nassen Grab des Kindes.
    Dort wartet Charon schon mit seinem Boot.
    Z1-3 beziehen sich ausschließlich auf die Kinderstimme...
    darum ist für Charon die Z4 eigenständig und durch die Satzzeichen abgetrennt.

    S4
    Freudig bezahlt sie den Fahrpreis mit ihrem Blut (Rubine)...
    Sie begeht Selbstmord an der Stelle, wo ihr Junge ertrunken ist.

    Der Kinderreim:
    sie hört ihn immer wieder...hat sie ihn doch zusammen mit ihrem Söhnchen so oft zum Einschlafen gesungen.

    Daher schien es mir eine gute Idee, das Kinderlied als Zusammenhalt durch das ganze Gedicht zu ziehen.

    Ich hoffe, ich konnte nun alle Unklarheiten ausräumen.
    Vermutlich ist dieses Szenario auch schwer und nur bedingt nachzuvollziehen.
    Keine Ahnung, ob ich diesmal in den Gruselkitsch abgeglitten bin...hm...ich finde es nach wie vor durchaus realistisch.
    Das nennt man wohl dann Betriebsblindheit.

    Als typisches Ritzgedicht wollte ich es eigentlich nicht verstanden wissen.
    Ob mir das auch gelungen ist...???
    Penibel hab ich daher auch die abgekauten Wörter, bes. das 'Blut' gemieden.

    Wofür ich (vergeblich) eine Alternative gesucht habe, ist das Wort 'glänzend'.
    Das ist auch schon so abgegriffen...
    Einen Änderungsvorschlag würde ich daher höchlichst begrüßen und dankbar annehmen.

    Nochmals herzlichen Dank Euch beiden für die Zeit, Euch mit meinem Schauderdings auseinanderzusetzen!

    Liebe Grüße von
    Lailany

  13. #13
    Registriert seit
    Nov 2005
    Ort
    Basel CH
    Beiträge
    5.015
    Hallo Lailany

    Noch mal ich...

    Mit dem 'Gruselkitsch' meinte ich weniger deinen konkreten Text als das, was mir in den Sinn gekommen ist an 'zeitbedingter' Erklärung. Wenn es Missbrauch und Selbstmord wäre, dann, ja dann wäre es Gruselkitsch...

    Ein Ritzgedicht ist es mitnichten - das war nur als untersteichung dieser eher halbseidenen Einschätzung angefügt.

    Das ertrunkene Kind kann ich aus den Zeilen nicht herauslesen ohne Erklärung. Daher fehlt ein Hauptindiz für mein Verständnis. Das noch als Rückmeldung zu deiner Antwort.

    LG
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  14. #14
    Registriert seit
    Aug 2006
    Ort
    Auckland/Neuseeland
    Beiträge
    867
    Hallöchen yarasa!

    Danke für Deinen nochmaligen Besuch und die wertvolle Erkenntnis, die ich Deinen Ausführungen entnehme.

    Ich bin wirklich froh, daß Du es mir nochmals verdeutlicht hast, dass der Grund für das Handeln meines lyrIchs schwer bis gar net erkennbar ist.

    Beim Schreiben ist immer alles so klar...und obwohl ich bewusst verschlüsselt habe, dachte ich, S3 und vor allem Z3 ('seine nasse Ruhestätte') gäben genug Anhaltspunkte für die Lösung.

    So sehe ich das Ganze als Fingerübung an und werde definitiv meine Lehre daraus ziehen.

    Liebe Grüße und ein angenehmes WE
    wünscht
    Lailany

  15. #15
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    4.379
    Liebe Lailany,
    die düster traurige Stimmung packt den Leser schon beim ersten Lesen, ohne sich an eine Interpretation zu wagen. Die Verbindung zum Kinderschlaflied setzt der Stimmung das I-Tüpfelchen und ich bezeichne dein Gedicht in dieser Kategorie als besonders wertvoll.
    Man wünscht sich solches in der Realität nicht und doch lässt man sich von solchen traurigen Gedichten verführen - warum?
    Ich denke, weil es alles gibt, auch das Unvorstellbare.
    Du hast uns gekonnt in die dunkelsten und traurigsten Kanäle der Menschenseele geführt.
    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

Seite 1 von 2 12 Letzte

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Schlaf mit mir
    Von Murmeli im Forum Erotik
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 29.05.2009, 11:00
  2. Schlaf ein
    Von Elfennebel im Forum Mythisches, Religiöses und Spirituelles
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 27.12.2008, 23:05
  3. Im Schlaf, da
    Von Siulas im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 09.12.2008, 20:01
  4. Im Schlaf
    Von olaja im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 11.07.2006, 12:29
  5. Schlaf Satyr schlaf
    Von Anatols Erbe im Forum Archiv
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 19.11.2004, 10:05

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden