Thema: Reiche Ernte

  1. #1
    Registriert seit
    Nov 2006
    Ort
    bei Würzburg
    Beiträge
    1.211

    Reiche Ernte

    Reiche Ernte


    Die Leiber sanft in Kurven hingeschwungen,
    den Glanz der Sonne auf der nackten Haut,
    in einem Keim vereint als Mann und Braut,
    so liegen sie gebettet, krautumschlungen.

    Sie streben, ganz dem Einen ausbedungen,
    mit sicherem Gespür und ohne Laut,
    unendlich langsam in den Tod. Die Maut
    zu zahlen habe ich sie doch gezwungen!

    Von Salz mit Qualen ausgedörrt, zerrissen.
    Weil sie, in ihrer Gier, dem Blau vertraut,
    gelang es mir, in abgrundtiefem Zorn,

    sie radikal und gründlich anzupissen!
    Da liegt die Strecke, schleimbedeckt. Versaut
    ist meine Ernte; Dank dem Schneckenkorn!



    © Erebus 30.07.07
    .....
    D i e.....v e r s u c h t e.....W e l t ............
    ......a u s g e w ä h l t e .....T e x t e ......
    Alles ist Lüge an mir; aber dass ich zerbreche - diess mein Zerbrechen ist ächt! (Friedrich Wilhelm Nietzsche: Also sprach Zarathustra - Der Zauberer)

  2. #2
    Registriert seit
    Aug 2007
    Ort
    Saarpfalz
    Beiträge
    2.916
    Aber, Erebus!

    Bin ich gar nicht gewöhnt von dir, Wut auf Kreatur. Du scheinst da Unterschiede zu machen. Sollte man an Deinen "kahlen Fleck", sprich Garten denken, den Du zerfressen siehst? Mit Salz gar gegen die Eindringlinge vorgehst? Das Wort "anzup......" aus Deinem wohlgeformten Dichterwortfundus erschreckt mich.
    Statt "Mann" hätte ich lieber "Bräutigam" gelesen, dem Schwung geschähe kein Abbruch. Sie streben natürlich nicht in den Tod (den Du ihnen zugedacht hast), sondern von Natur aus in den Salat. Oder in die Blumen. Leider nicht zum Löwenzahn.
    Blausüchtig sind sie auch nicht, sie folgen Duftlockstoffen.
    Das läßt mich an die Gebrüder Strugatzki denken, denen eine große Fliegenklatsche (Außerirdischer) zu Einfall kam, die von Mal zu Mal blitzschnell auf uns niedersaust - wobei die Tempi sich natürlich unterscheiden, aber nicht die Intentionen.

    Vergiß dabei nicht, daß die schleimigen auch reinigen! Woo, denkst du, bleiben die Hundehäufchen auf reinigungsmaschinenlosen Wegen?
    Und wovon ernähren sich Igel? Jedem seine Nische!

    Also: Inhalt: grausig
    Form: prima

    Lieben Gruß von Cyparis (ebenfalls gärtlich schneckengeschädigt, aber fallbeilig arbeitend )
    Quos Ego! Omnia vincit Amor

  3. #3
    Registriert seit
    Sep 2006
    Ort
    Guayaquil
    Beiträge
    685
    Hi Erebus,

    hihi

    ich geh jetzt schlafen, daher nur eine kurze Bemerkung:
    Ich finds sehr lustig, musste lachen und finde, es wäre in Humor auch gut aufgehoben gewesen, dein Gedicht.

    gerne gelesen,
    Panther

  4. #4
    Registriert seit
    Nov 2006
    Ort
    bei Würzburg
    Beiträge
    1.211
    Ha nü - Cyparis !

    so ernst ist das gar nicht gemeint.
    Auch wenn Du mir, mit der Beschreibung merkwürdiger Essgewohnheiten, diese Kreaturen keineswegs näherbringen kannst, schrieb ich das "Poem" aus einer Laune heraus.
    Ich selber hatte lange Jahre einen absolut schneckenfreien Garten, inmitten der Stadt ohne die geringste Verbindung zur Natur. Auch die von dir beschriebenen Räumtrupps für Schappi in anderen Aggregatzuständen hatten hier keine Chance...bis meine Kinder den mitgekauften Salatschnecken die Freiheit in einem Paradies boten.
    Aber das ist alles vertretbar. Nicht zu vergleichen mit den Kellerasseln, die ich Kiloweise anbieten könnte.

    Nein, ich besah mir an einem Löschteich diese großen Wegschnecken, und mir fiel zum erstenmal die Schönheit ihrer Muster und des Glanzes auf. Gleichzeitig wurde ich auch an ein Erlebnis erinnert, als eine derartige Radikalkur eines Nachbarn dessen Zwiebelplantagen in ein einziges Armageddon verwandelte..
    Deshalb also: bloße Projektion

    Liebe Grüße
    Ulrich


    __________________

    Hallo Panther,

    wenn ich Deinen Namen lese denke ich immer rilke.
    Ja, Humor hätte auch gepaßt, aber dann hätte ich zusätzlich zum Inhalt auch noch die Form durch den Kakao gezogen. Obwohl: form follows function..

    na, wie dem auch sei. Danke für's Vorbeischauen

    LG
    Ulrich
    Geändert von Erebus (16.12.2007 um 12:01 Uhr)
    .....
    D i e.....v e r s u c h t e.....W e l t ............
    ......a u s g e w ä h l t e .....T e x t e ......
    Alles ist Lüge an mir; aber dass ich zerbreche - diess mein Zerbrechen ist ächt! (Friedrich Wilhelm Nietzsche: Also sprach Zarathustra - Der Zauberer)

  5. #5
    Registriert seit
    Jan 2006
    Ort
    Mainz
    Beiträge
    5.245

    Grüß dich Uli,

    Erebus führt uns Mittels Reim
    wie auch mit dem Sonett,
    sogar mit Tücke auf den (Sch)Leim,
    das nenne ich kokett.

    Mit Gift und List befreit er sich
    von ordinären Schnecken,
    die sind zuweilen ärgerlich,
    zumal sie Ekel wecken.

    So streut er ihnen blaues Korn,
    die Schleimer, sie verenden,
    sind für den Nachwuchs nun verlor'n,
    man sollte Spenden senden.

    Des Werkes Dichte, sie gefällt
    wie auch das rein Formale,
    ich tauchte in die Schneckenwelt,
    sah Schreckensweltportale.

    Ach, bin ich froh, ein Mensch zu sein,
    kein Nackthäuter im Garten,
    bei Uli, das erspart mir Pein,
    Gevatter Hein muss warten.

    Liebe Grüße
    crux

  6. #6
    Registriert seit
    Nov 2006
    Ort
    bei Würzburg
    Beiträge
    1.211
    Lieber crux,

    wie machst Du das bloß?
    Ich wollte mich ja an einer gereimten Replik versuchen, aber ach, das reichte grad drei Zeilen weit, dann verlor sich meine Inspiration in der unendlichen Weite des Universums.
    Immer wieder staune ich, wie es Dir gelingt, Deine gereimten Kommentare zu setzen. Die mitunter das Original gar nicht mehr so gut aussehen lassen.
    Ich bedanke mich für Deine Verse, denen ich dichterisches Lob und gärtnerische Bedenken entnehme.

    Zugegeben, Schnecken gehören nicht zu meinen Lieblingen, aber ein genauer Blick läßt und doch ganz frappierende Schönheit entdecken.
    Eigentlich würden sich diese Tiere nach Art und Genügsamkeit auf's Beste für Kinder eignen. Die Ernährung mit Salatresten oder entsprechend den cyparischen Auslassungen wäre problemlos möglich. Wie ich hörte, werden in China auch Grillen in kleinen gepflegt, warum nicht Nacktschnecken? Da bräuchte man sich nicht einmal um ein flinkes Entkommen hinter Schrankwände zu sorgen, die sind ja relativ ortsstabil. Ich werde diesen Gedanken weiter verfolgen..

    Liebe Grüße
    Ulrich
    .....
    D i e.....v e r s u c h t e.....W e l t ............
    ......a u s g e w ä h l t e .....T e x t e ......
    Alles ist Lüge an mir; aber dass ich zerbreche - diess mein Zerbrechen ist ächt! (Friedrich Wilhelm Nietzsche: Also sprach Zarathustra - Der Zauberer)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. zwei Reiche
    Von Richmodis im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 11.10.2018, 08:11
  2. Der Reiche
    Von Hans Plonka im Forum Gesellschaft
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 14.09.2018, 17:46
  3. Reiche Zeit
    Von Chrissi86 im Forum Hoffnung und Fröhliches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 24.04.2006, 22:59
  4. Der Reiche
    Von Saber im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 31.07.2005, 14:11
  5. Ferne Reiche!
    Von BetrayerOfHope im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 24.07.2003, 19:44

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden