1. #1
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    Pausen und ihre Wirkung(en) auf das Metrum

    Wie wirken sich Pausen auf das Metrum aus?

    Von der kürzesten zur längsten Pause lässt sich, so denke ich, Folgendes aufstellen: , -> ; -> . -> : -> - (wobei es durchaus Fälle gibt, in denen das Komma länger betont wird)

    Klammern sowie Ausrufe- und Fragezeichen lassen sich vermutlich in die Wertigkeit der "Punkte und Striche" ähnlich einordnen, oder?

    Angenommen eine Pause wirkt sich auf das Metrum aus: Nimmt dann die Pause die Stelle der Betonung ein, die laut dem entsprechendem Metrum an dieser Stelle erfolgen müsste? D.h.: Kann eine Pause betont und unbetont sein? Wenn ja: Ab wann wirkt sich eine Pause auf das Metrum aus (bei deutlicher Spürbarkeit)?
    Geändert von Special_k (26.12.2007 um 11:35 Uhr)
    One pill makes you larger and one pill makes you small.

  2. #2
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    Pausen sind m.E. dem Text immanent. Ein "Dichter" baut sie zusammen mit Metrum, Reim etc. zu einem Ganzen.
    So sind z.B. nach "Oh, Du!" und "ja, Dich!" Pausen im Verstehen des Lesers eingebaut.
    Hmmmm - gleichwertige Gleichwertigkeit - was mag das sein?
    Im Übrigen: hat der Dichter Pausen eingebaut, die nicht verstanden oder aufgenommen werden, liegt es entweder am Dichter oder am Leser.
    So simpel ist das - lächel!

    LG von Cyparis
    Quos Ego! Omnia vincit Amor

  3. #3
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    N'Abend,

    Pausen sind parasprachliche Mittel und können nur als nichtbetonte Silbe gezählt werden. Allerdings muss man dabei natürlich beachten, dass dies letztlich nur für jegliche nichtquantierende Gewichtssprache gilt, also dem Neuhochdeutschen zum Beispiel.

    Das liegt daran, dass die nichtquantierenden Gewichtssprachen die schweren und leichten Silben lediglich durch akzentuiert und nicht akzentuiert unterscheiden. Die zwar durchaus vorhandene Länge ist für die prosodische Eigenschaft nicht bestimmend.

    Kurz gesagt, du kannst eine Pause als unbetonte Silbe nutzen, ob sich die Pause allerdings ins Metrum fügt hängt auch immer von der Länge der Zäsur ab.

    Gruß,
    Flo
    Geändert von Ensimismado (09.03.2008 um 15:26 Uhr)
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  4. #4
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    Hei, Flo!

    Jessas, man lernt wirklich nicht aus! Deinen Beitrag finde ich profund.

    Lieben Gruß vom staunenden Cyparis!
    Quos Ego! Omnia vincit Amor

  5. #5
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    Zitat Zitat von Cyparis
    Hmmmm - gleichwertige Gleichwertigkeit - was mag das sein?
    Ähnlich soll dort natürlich stehen.
    Zitat Zitat von Ensimismado
    Kurz gesagt, du kannst eine Pause als unbetonte Silbe nutzen, ob sich die Pause allerdings ins Metrum fügt hängt auch immer von der Länge der Zäsur ab.
    Ich vermute, dass es eine Faustregel dazu nicht gibt. Oder?
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  6. #6
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    Moin,

    eine Zäsur kann unterschiedliche Wirkungen hervorrufen, je nachdem wo & wie eingesetzt wird, d.h. Zäsuren können den Inhalt nachträglich charakterisieren. Gutes Beispiel hierfür wäre wohl "Es ist alles eitel" von A.Gryphius, dessen Zäsuren zwar dem klassischen Beispiel eines Alexandriners folgen, aber den Versen einen gewissen Nachdruck verleiten. Einfach mal lesen und die Zäsuren auf sich wirken lassen.
    Ob es eine Faustregel gibt? Ich bezweifle - hierfür ist die Spannbreite der Wirkung der Zäsuren zu weit ausgefechert.

    Liebe Grüße
    "Kunst ohne Ethik ist Kosmetik"
    (Marina Abramovic)

  7. #7
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    Ich möchte für mein kleines Problem nicht extra einen neuen Thread eröffnen, Da es auch etwas mit einer Pause zu tun haben könnte, die durch ein Enjambement ensteht stelle ich meine Frage hier.

    Das Gedicht soll im Jambus gehalten werden. Ich habe mit folgender Zeile Schwierigkeiten:

    Die Menschen schickt er in die Dunkelheit
    des Hades. Einsamkeit hat ihn geprägt


    Es hakt bei Einsamkeit entweder wird Einsamkeit nicht XxX betont, oder es liegt an der Pause durch den Satzanfang. Kann mir da jemand weiter helfen?

    Lg

    demon17
    O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt, und wenn die Begeisterung hin ist, steht er da wie ein missratener Sohn, den der Vater aus dem Hause stieß, und betrachtet die ärmlichen Pfennige, die ihm das Mitleid auf den Weg gab.
    Friedrich Hölderlin

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  8. #8
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    Da bin ich ja erleichtert. Ich war mir jetzt echt nicht sicher.
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  9. #9
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    Wobei in meinen Ohren die Zäsur hier schon ziemlich stark ist und dem oben erwähnten Fall der Zählung einer nichtbetonten Silbe zugeordnet werden könnte. Zumindest geht es mir ähnlich wie demon. Für diesen Fall könnte man es als bewussten und 'sanften' Bruch setzen.

    Allerdings sind meine Pausenkenntnisse im Vergleich zu Ensi eher rudimentär :P

  10. #10
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    Vielleicht liegt es auch mit daran, das die Silbe -keit nicht besonders stark betont wird und bei "hat ihn" das ihn auch bewußt betont gelesen werden muß um im Takt zu bleiben.
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  11. #11
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    Das stimmt...aber wenn ich es besonders stark betont wirke, ist die Zäsur schon relativ deutlich und lang auch wenn man den Takt hält. Btw: spannende Frage

  12. #12
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    Falls noch von Interesse, meine bescheidene Meinung dazu:

    Das Wort "Hades" wird Xx betont, zudem ist die erste Silbe soweit ich weiß zweimorig, die zweite Silbe nur einmorig. (Hierbei bin ich mir ein wenig unsicher, aber zumindest sollte die erste Silbe naturlang, die zweite positionslang sein). Da danach noch eine Zäsur, folgend mit der sehr starken Hebung des "Ein" auftritt, wirkt die Zäsur stärker als nur wie eine übliche Senkung. So zumindest würde ich es mit meinem Laienwissen erklären.

    Flo
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  13. #13
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    Hallo Flo,

    was heißt denn -morig? Das würde mich sehr interessieren.Ja die Zäsur durch den Satzanfang und das Ein von Einsamkeit wird es wohl sein. Ich werde das Ding ein paar mal lesen wenn es fertig ist und dann mal weiter sehen...

    bis dann

    demon17
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  14. #14
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    Die Mora ist eine Maßeinheit für das Silbengewicht. Wenn du dran Interesse hast, wirst du ein wenig googlen, bzw. Bücher ausleihen müssen. Ist nicht mit einem Satz erklärt. Aber ich hoffe soweit hilft das schonmal.

    Flo
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