1. #1
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    Strophenformen zur Darstellung von Charakteren

    Hallo zusammen


    Ich habe vor, einmal ein etwas längeres Gedicht zu beginnen. Ich werde mir sehr viel Zeit dafür lassen und es ist auch möglich, dass ich das Unternehmen irgendwann aufgebe.
    In diesem Gedicht/Drama möchte ich mehrere Personen mit unterschiedlichen Charakterzügen sprechen lassen.
    Diese Charakterzüge möchte ich sowohl durch die verwendete Sprache als auch durch Versmaß und Reimschema voneinander abgrenzen.

    Ich würde gerne von euch wissen, was die verschiedenen Versmaße (Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst) in ihren unterschiedlichen Varianten (unterschiedliche Hebungszahlen, unterschiedliche Reimschemata) für Stimmungen (bei euch) hervorrufen und was sie für Gefühle erzeugen.

    Verbindet ihr bestimmte Versformen mit besonderen Emotionen?
    (Hass, Wut, Eifersucht, Freude, Spannung, Überschwänglichkeit....)

    Gibt es Strophenformen, die als besonders SCHÖN angesehen werden?

    ein kleines Beispiel:

    Eine lustige, humorvolle Person möchte ich in einem 4-hebigen Jambus mit Paarreim sprechen lassen.

    Für einen erhabenen, prächtigen Charakter werde ich evlt. ein Distichon nehmen oder nen reinen Hexameter, ohne Reim.

    usw.


    Habt ihr irgendwelche Ideen? Ich bin auch für Links sehr dankbar, wenn ihr was wisst.

    Ich bin auf eure Antworten gespannt.


    Liebe Grüße,
    der Panther

  2. #2
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    Moinsen Panther

    Mit dem Jambus stimme ich mit dir überein.
    Den Trochäus würde ich an Leute verleihen, die aufbrausendes Temperament, schnell die Hand am Degen und eine scharfe Zunge haben.
    Anapäst: ein gediegener, ruhiger und besonnenener mit Weisheit belegter Mensch.
    Daktylus: Aufbruch, ihr Freunde, wir schaffen das Werk. - eine Führungsperson, autoritär und bedacht.

    Kadenzen:
    männliche für Tatendrang
    weibliche für Metakommunikation und Gesetztes

    Dann das Schema. Bedenke die Stellung deines Protagonisten. Spaßkopp oder Philosöpheken. Kann man vielleicht am Schema erkennen.

    Spontane Ideen meinerseits.
    Beste lyr. Grüße und gutes Gelingen
    mechellion

  3. #3
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    Hi Ferdi,

    ich danke dir für deinen Kommentar.
    Leider habe ich den Faust in der Schule nicht gelesen und habe es bis jetzt auch nicht in Angriff genommen. Aber ich werde es allein schon aus Interesse irgendwann tun. In der nächsten Zeit werde ich aber einfach nicht dazu kommen. Daher lasse ich den entsprechenden Teil, in dem viele verschiedene Personen sprechen, auch erst mal beiseite.


    Servus Mechellion,

    auch dir danke ich für deine "spontanen Ideen"

    Beim Daktylus bin ich noch etwas unschlüssig. Für mich klingt der zwar nach Tatendrang, aber nicht besonders bedacht, eher nach Action und Bewegung.

    Viele Grüße an euch beide,
    Panther


    PS: Für weitere Ideen bin ich natürlich immer zu haben

  4. #4
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    Tach noch msl
    Was ist mit dem freien Rhythmus für den Luftikus, den Lebemann und Hans Tanz in allen Gassen.
    Dann denk an die Länge der Verse, weil die ja auch noch eine ganze Menge Charakter geben. Kurze Verse eher einfacher Sinn (ich weiß, das gilt nicht immer) und lange Verse getragene Stimmung, tieferer Sinn.
    Gruß
    mechellion

  5. #5
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    Das mit dem freien Rhythmus habe ich auch schon überlegt. Ich geh sogar noch einen Schritt weiter und lasse den Protagonisten komplett in Prosa sprechen.
    Die Länge der Verse wird berücksichtigt.
    Danke, Mechellion.

    Gruß,
    Panther

  6. #6
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    Also, mein persönliches Empfinden ist:

    - kurze Verse: humoriger, fröhlicher und leichter Inhalt
    Dem würde ich also einem kindlichen, verspielten aber auch eher einfach gestrickten Charakter zuordnen

    - lange Verse:
    schwerer, trauriger, melancholischer Inhalt
    Passt meiner Meinung nach zu einem würdevollen, vielleicht älterem Charakter. Solche Verse vermitteln Schwere, deshalb vielleicht auch ein Charakter, der viel (schreckliches) erfahren hat.

    - Paarreime:
    kindlich, naiv, verspielt, aber auch rasant, voller Tatendrang.
    Geeignet für junge, aktive Charaktere.

    - Kreuzreime: abgesehen von der symbolischen Bedeutung (Kreuz, als heiliges Symbol, für einen gläubigen Charakter?) wirkt dieser auf mich wechselseitig, wellenhaft. Vielleicht für einen vielschichtigen oder ausgeglichenen Charakter?

    - umarmende Reime:
    Die Symbolik der Umarmung, also ein warmer, mütterlicher Charakter, oder aber ein zwiegespaltener (ein Reimpaar wird durch das andere getrennt).

    Generell sind Reime Zierde, also würde reimlos für mich bedeuten:
    ein ernster, unverfälschter Charakter, vielleicht mit schwerem Schicksal. Er sieht das Leben nicht durch eine rosarote Brille, er sieht die harte, unverschönte Realität. Auch die bereits genannte Interpretation finde ich passend.

    - Jambus:
    bis 4 Hebungen beschwingt und Freude ausstrahlend, darüber hinaus wird auch der Jambus eher schwer. Da lassen sich also je nach Hebung viele Charaktere verwenden.

    - Trochäus:
    Ob der betonten Silbe am Anfang ein sehr dramatischer Einstieg, mit steigender Hebungszahl wird er schwerer, melancholischer.
    Für dramatische Charaktere geeignet, in Situationen mit denen man negative Emotionen verbindet.

    - Daktylus: Ein eher ruhiger, gemächlicher Versfuß. Für betagte, würdevolle Charaktere geeignet?

    - Anapäst: Sehr vorantreibend, also denke ich, für ein hitziges Gemüt geeignet^^


    So, das wars erstmal, wenn mir noch irgendwas einfällt, melde ich mich^^



    LG Sturmherz
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  7. #7
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    Also grundsätzlich müssen solche Assoziationen wie Paarreim-fröhlich, etc ja nicht unbedingt stimmen, selbst wenn sie naheliegend sind. Also man kann auch im Paarreim ernste und düstere Gedichte schreiben (z.B. Heym-Der Krieg) - und da liegen auch noch viele Möglichkeiten, zum Beispiel könnte man ein auf dem ersten Blick unpassendes Reimschema bei einer Person benutzen, um etwas bestimmtes zu verdeutlichen (zum Beispiel eine Widersprüchlichkeit oder so, kommt dann auf den Inhalt und den Kontext an). Das wollte ich nur gesagt haben , Sturmherz' Eindrücke von Daktylus und Anapäst würde ich übrigens eins zu eins übernehmen, nur vertauscht, da Daktylus mit der betonten Silbe gleich am anfang für mich viel ungestümer erscheint.


    Sag nichts dagegen, gewiß, Du kannst alles widerlegen, aber zum Schluß ist garnichts widerlegt. (F. Kafka - Das Schloß)

  8. #8
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    Hallo Flamme,

    ja, das Heym-Gedicht kenne ich. Natürlich kann man nicht sagen, dass der Paarreim immer soundso wirkt, aber vor allem kurze Versen (was ja die aus "Der Krieg" nicht sind) lesen sich in Verbindung mit dem Paarreim sehr rasch und leicht von den Lippen^^.

    Ich sehe den Daktylus im Gegensatz zum Anapäst eher ruhig, weil es eine Art ausklingen ist: Ganz zu Anfang hat der Versfuß eine betonte Silbe aber dieser starke "Auftrieb wird durch die zwei folgenden unbetonten Silben gemindert;
    während ich es beim Anapäst so sehe, dass die beiden unbetonten ein "Aufsteigen" bis hin zur betonten Silbe darstellen, oder auch: Die Ruhe (zwei unbetonte Silben) vor dem Sturm (der betonten Silbe)^^


    LG Sturmherz
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  9. #9
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    Tipp:
    Versmaß auf die jeweilige Situation ausrichten (z.B. Bewegungen oder Assoziationen dieser)
    Ein rein durchgezimmertes Versmaß erkennt man daran, dass es durchgezimmert ist...

  10. #10
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    Sturmherz' Eindrücke von Daktylus und Anapäst würde ich übrigens eins zu eins übernehmen, nur vertauscht, da Daktylus mit der betonten Silbe gleich am anfang für mich viel ungestümer erscheint.
    Hm, ich habe auch eigtl. den Daktylus für bewegter gehalten, weil ich den Rhythmus XxxXxxXxx z.B mit Pferdegetrampel in Verbindung bringen kann.

    Wikipedia hingegen gibt Sturmherz recht:
    [...]
    anapaiein = „zurückschlagen/-prallen“.
    Der Anapäst wurde in der antiken Dichtung für Marsch- und Schlachtenlieder genutzt, da die Silbenabfolge (kurz – kurz – lang) einen vorwärtsdrängenden Charakter verlieh. [...]

    [Beispiel:] Vegetarisch lebt selten die Löwin im Busch.
    @Zebulon:
    Ein rein durchgezimmertes Versmaß erkennt man daran, dass es durchgezimmert ist...
    Was genau meinst du? Sorry, will nur sicher gehen, dass ich dich richtig verstehe.

    Gruß,
    Panther

  11. #11
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    Wobei ich das Beispiel nicht wirklich als reinen Anapäst lesen würde. Ich denke man muss auch immer schauen, der Klang wird schließlich nicht nur durch den Rhythmus/Metrik vorgegeben, sondern auch durch andere Stilmittel.
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

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