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    Verrauchte Haut / Dämmerung

    Verrauchte Haut/Dämmerung

    Ich bin die Schuldige, ich habe aufgehört zu lieben. Langsam zerbröselte ich die Liebe, langsam zog ich mich zurück. Schrecklich, mich jemals von dir trennen zu müssen, noch schrecklicher die Vorstellung, mein Leben mit dir zu verbringen. Es ist wie in den Frauenzeitschriften. Ich kann noch so sehr wollen, dass es anders ist, es ist so.
    I don't feel so well. I thought that you should know, i can't love you there, i thought that you should know. Du solltest das wissen, singt Vienna Teng und meint dabei dich, sie meint mich, sie meint uns.
    Gemeinsam lernten wir eine Möglichkeit des glücklichen Lebens kennen, ich wollte andere ausprobieren, schauen, ob auch diese Wege funktionieren. Ohne mich zu fragen, verkraften wir das? Vielleicht war es falsch, niemand weiß so etwas vorher.

    Du sprichst:

    "Deine Haut, verraucht, genährt
    von Blicken wilder Männer.
    Fremde Häuter schwärmten um
    begehrlich kühlen Nachtschweiß."

    Lass mich kurz Ruhen, einen Schluck Wasser trinken, Luft holen. Oberflächenstrukturen sind aufgerauht. Die Sonne scheint schwebende Flecken, asphaltierte Schablonenbäume zeichnen sanfte Linien auf dem Boden, der mich sicher trägt. Trägt mich nicht mehr lange.

    Denn du sagst:

    „Deine klaren Finger schmiegten
    sich sanft an' s blanke Elfenbein.
    Wer belehrte dich im Liebesspiel?
    Verborgen blieben mir die Künste"

    Wie erklär ich dir das Loch in mir? Wir reden übers Nichtexistente und auch die letzte Nacht lösch ich aus meinen Erinnerungen. Wenn sich niemand an die Vergangenheit erinnert, dann gibt es sie nicht mehr.

    Du erkennst, was ich meine:

    „Beißende Lippen sprechen von
    Dämonen, von Zweiflern bei Nacht.
    Du pflückst demütig Momente,
    ziehst sie Perlengleich auf Schnüre.“

    Ja, sag ich, Ja. Schuld. Wir sind sprachlos. Hört auf. Flüstert mein Herz.
    Denn: Ich verlor den Glauben. Nenn mich Schuldig, nenn mich Streitsüchtig, sag, dass ich nur Drama will. Aber eigentlich möchte ich nur nicht mehr, möchte nicht mehr mit dir zusammen sein.
    Sich nähern, dem Bruch. Oder dem Anfang, wie war es am Anfang. Es war schön. Wir sponnen zuerst ganz feine, zierliche Muster die sich zu robusten, warmen Decken verbanden. Viele Fäden verwoben sich, verschlangen sich, ergaben ein Strickmuster, welches da bedeutete: Liebe. Nun ziehen wir diese Fäden langsam ein, Stück für Stück rollen wir auf, was früher so einfach sich weben ließ. Vermischtes wird getrennt, einzelne Fäden finden wir zerrissen vor. Nicht nachvollziehbar, wer zuerst zog, was zuerst riss. Wer hat nur die Liebe genommen, wo ist sie nur hin? Konsequenzen ziehen wir später, müssen erst verstehen und akzeptieren, dass das, was uns wärmte, nun nicht mehr gegeben ist.


    Dieser Text ist schon ein Jahr alt. Das Gedicht noch etwas älter
    Geändert von SchattenMorelle (13.02.2008 um 21:41 Uhr)



    Ein Gemisch aus Alkohol und Medikamenten:
    mit ein wenig Zigarettenrauch.

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