Thema: als

  1. #1
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    als

    Hallo!

    Meine Freundin kommt aus Hessen und ich aus Norddeutschland. Ich spreche Hochdeutsch, wenn auch weich, sie spricht leichten Dialekt.

    Dabei sagt sie Sachen wie:

    Ich muss als wandern weil die Sonne das ebenfalls tut

    Sie sagt, sie verwendet das "als" wie "ständig" und "dauernd".

    Ich verstehe ihre Satzkonstruktionen teilweise aber überhaupt nicht und kann das eingesetzte "als" oft nicht verstehen, auch im Kontext nicht. Kann mir jemand sagen, warum? Das ist doch eindeutig falsch, diese Verwendung oder?

    Grüße, Schatten



    Ein Gemisch aus Alkohol und Medikamenten:
    mit ein wenig Zigarettenrauch.

  2. #2
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    Hallo Ellerom der Schatten!

    Eine sehr tiefgründige Frage, die du der Runde stellst, die förmlich nach einer ihr würdigen Antwort schreit.
    Ich fühle mich gezwungen dir bei diesem doch ernsteren Konflikt, der diese Verfälschung der richtigen Grammatik in dir auslöst, beizustehen.
    Doch dafür müssen wir wohl das Problem bei der Wurzel suchen, um kleingeistige Aussprüche wie "weil sie dieses "als" halt im Laufe der Zeit sich in den lokalen Wortschatz und -gebrauch in einer fremden Funktion eingeschlichen hat und sie damit aufgewachsen ist" zu vermeiden...
    Also, wie du es schon kurz und explizit ausgesprochen hast, ist dieser Wortgebrauch des "als" eindeutig falsch und wird folgerichtig bei den korrekt bzw. richtig sprechenden Artgenossen nicht verstanden.
    So rate ich dir als einer der weisesten Menschen, die diesen Planeten schon seit längerem mit ihrer blossen Anwesenheit beglücken, deine Freundin konsequent zu ignorieren, solange sie nicht gelernt hat, wie eine richtige Deutsche zu sprechen. Auf keinen Fall solltest du dich an dieses der Richtigkeit entfremdete "als" gewöhnen, denn du würdest Gefahr laufen, es schlussendlich in gleicher Weise wie deine Freundin zu verstehn, was sehr tragisch wär, da du diesem falschen Gebrauch mehr Richtigkeit eingestehen müsstest, als dein hochdeutschen Herz vertragen könnte!

    Wahre deinen Sinn für Richtigkeit!^^

    Liebe Grüsse

    omEn
    Geändert von fragend (17.03.2008 um 19:06 Uhr)
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  3. #3
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    Aloha Morelle

    Ich bin gebürtige Hessin und kenne dieses "als" sehr gut, auch wenn ich es selbst nicht verwende. Ich würde es auch eher "alls" schreiben und finde ferdis Erklärung einleuchtend. Deine Freundin hat schon treffend gesagt, wann dieses Dialektwort benutzt wird. Es ist ein wenig wie beim Fluchen, denn es dient der Bekräftigung einer Sachlage. Beispielsweise: Der klaut mir alls den Radiergummi! Im hessischen Dialekt ist das "alls" aber eindeutig richtig. Sofern, und auch hier gebe ich ferdi Recht, man bei Dialekten bzw. Sprache im Allgemeinen von richtig und falsch sprechen kann. Besonders schön finde ich es zwar nicht, abä was will mer mache...

    Liebe Grüße
    Wolle
    Now, for the Poet, he nothing affirmeth, and therefore never lieth:
    for as I take it, to lie, is to affirm that to be true, which is false.

    An Apology for Poetry - Sir Philip Sidney


  4. #4
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    Genau. Das kenne ich hier aus dem Saarland auch.
    Ist fast in jedem zweiten Satz drin.

    Anfangs hab ich mich immer gewundert, was das bedeutet und dann nachgefragt,
    wobei ich eine ähnlich gelagerte Antwort bekam, wie ferdi sie gegben hat

    LG katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  5. #5
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    okay, dann kann mal wohl zusammend fassen: Mein Sprachgefühl hat mich nicht getäuscht, es ist falsch, aber eine örtliche Gegebenheit, der man mit viel Mitleid ( ) und ein wenig Toleranz entgegegen kommen sollte.

    Auch wenn es früher, im 17 Jh, anscheinenf wirklich wie "alles" benutz wurde...

    Danke für eure Antworten bzw Komplimente (Nemo), ich fügle mich jetzt ein wenig besser.



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  6. #6
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    Zitat Zitat von SchattenMorelle
    ich fügle mich jetzt ein wenig besser.
    Hallo, Schattenmorelle,

    im obenstehenden Zitat hast du ja dezent gleich die nächste Linguistik-Frage ins Forum geworfen.

    "fügle" ist ein von schwäbischen Einwanderern im 3. oder 4. vorchristlichen Jahrhundert bis weit in den Südosten Deutschlands hereingetragener Begriff, der natürlich für das heute dem Wortschatz schon lange beigetretene "fühle" steht. Entdeckt wurde es im Rahmen archäologischer Untersuchungen, bei denen ein weit über 2000 Jahre altes Kehrblech in einem Megalithgrab gefunden wurde. Mit spitzem Gegenstand ist in die Unterseite des Bleches der heutigentags epochemachende Ausspruch „fügle mär usgnutzt“ eingeritzt worden. In diesem „fühle mich ausgenutzt“ sehen Wissenschaftler den ersten Beleg für die Existenz einer sich der Drangsal täglicher Hausarbeit widersetzenden Schwäbin enthalten, wobei noch nicht eindeutig geklärt worden ist, ob es sich um einen stummen Protest oder gar um ein als Wurfgeschoß dienendes Haushaltsgerät handelt.

    Liebe Grüße aus dem Spracherforschungshauptquartier in Lummerland
    Geändert von Jimknopf (22.03.2008 um 09:31 Uhr)
    Abends sieht man ihn wandern, als wäre Gehen ein Ruhn im Licht, das die Schätze der Welt unberührbar ins Offene hält. Erika Burkart

  7. #7
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    im obenstehenden Zitat hast du ja dezent gleich die nächste Linguistik-Frage ins Forum geworfen.
    ja warte, ich habe hier tausenden von sachen, die ich einfach nicht nachvollziehen kann...


    vielen dank für deine überaus einleuchtende und fundierte erklärung zum worte "fügle". wollt ich schon immer wissen.

    grüße, schatten



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