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Thema: Kamen sie

  1. #1
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    Kamen sie

    In halber Nacht kamen sie zu uns
    auf Wolkenschwarz geheftet und
    zeigten sich (lindengleich kehlenweich)
    jung im Abglanz einstiger tagheller
    Vergänglichkeit – sie kamen und tanzten.

    Mit wehem Sang kamen sie zu uns
    in immergleicher Vielsamkeit und
    banden sich (schaumgeborn zeitverlorn)
    fest an unsre Lenden in quälender
    Ehrlichkeit – sie kamen und mahnten.

    Im Feuerhauch kamen sie zu uns
    als Nachtmahr welker Tage, doch sie
    schienen uns (goldbedacht schlummersacht)
    groß wie Engelsboten in dämmernder
    Gläubigkeit – sie kamen und gingen.
    ...und ein junger Blitz schwamm heran.

    Tonlos...
    Was bleibt
    Kamen sie

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  2. #2
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    Hallo Calyptra,

    Du verwendest eine elgante Sprache und schöne Neologismen in diesem Text. Ich grüble gerade, ob Du das Thema Ängste hier versucht hast umzusetzten. Allerdings irretiert mich dann die Gläubigkeit, die mir nicht so reinpassen würde.
    Lass mich noch ne Weile grübeln.

    Es grüßt Dich Kerlchen34

  3. #3
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    Hallo kerlchen,

    schön, dich hier nun als meinen Gast zu finden . Aber ja, grüble weiter, ich bin neugierig, was du aus meinen Zeilen noch lesen wirst!

    Liebe Grüße, Calyptra
    ...und ein junger Blitz schwamm heran.

    Tonlos...
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    Kamen sie

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  4. #4
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    Hello again,

    wenn ich nur an Strophe 2 denke, fällt mir immer nur Sex ein . Leider komme ich nicht so richtig weiter mit meinen möglichen Interpretationen, obwohl mir Dein Gedicht so mundet. Vielleicht knackt es ein anderer?

    Gruß Stefan

  5. #5
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    Hallo,Calyptra,

    auch von mir ein Kompliment, du wirfst sehr souverän sehr ungewöhnliche Wortgebilde in den Text, und siehe: der Text ward gelungen
    Ähnlich wie kerlchen bin ich noch im Grübelmodus, aber alles will ich auch gar nicht verstehen, wozu ? "lindengleich kehlenweich" trifft etwas in mir, keine Ahnung, was, aber das ist egal. Bei homöopathischen Kügelchen weiß man auch nie, weshalb die Dinger wirken, aber sie tun es und man fühlt sich besser, so ging es mir auch bei deinem Gedicht.

    Liebe Grüße aus Lummerland.

    P.S.: "goldbedacht schlummersacht" paßt genauso, obwohl man denken könnte, was soll dieser Binnenreim (heißt das so,keine Ahnung) da plötzlich. Aber das innere Kind in mir mag diese Worte sehr, auch wenn ich mich jetzt wie ein verzauselter Soz-Päd anhöre
    Geändert von Jimknopf (05.04.2008 um 11:15 Uhr)
    Abends sieht man ihn wandern, als wäre Gehen ein Ruhn im Licht, das die Schätze der Welt unberührbar ins Offene hält. Erika Burkart

  6. #6
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    Hallo Calyptra

    Wirklich schlüssig bin ich mir bei diesem kleinen Wunderwerk auch nicht - die Assoziation fliessen sehr farbig, bunt, schwer - das innere Kind (das Bild ist im Zusammenhang mit den Worten klasse, Jim) spielt mit schwerem, golddurchwirkten Brokat und freut sich kindlich über das Schimmern und Glänzen...

    Bei mir tauchen Bilder von Fahrenden auf, die kommen und gehen, von einer Lebensweise künden, die uns fremd ist; Zauber der Exotik, Ruch des Verfehmten haften ihr in gleichen Teilen an. Wir möchten mit und wollen doch nicht...
    Aber doch ist es wieder etwas oberflächlich - aber vielleicht haben wir doch alle ein wenig Zigeunerblut in uns, das manchmal an die Oberfläche quillt und fragt und mahnt und drängt - und wieder abtaucht, ungelebt und bloss gelitten in uns selber.

    Da passt auch kerlchens Sex-Assoziation dazu (die ich übrigens auch hatte), und der verzauselte Soz-Päd wäre glücklich über die inneren Roma, nicht wahr?

    LG
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
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    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  7. #7
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    Hallo Calyptra,

    ich bin begeistert von diesem ungewöhnlichen Gedicht. Auf den ersten Blick scheinbar (fast) reim- und formlos zieht es gleichwohl schon durch die interessanten Wortschöpfungen und Bilder in seinen Bann. Meine Assoziationen kamen ohne langes Grübeln: Für mich ist hier die Rede von Träumen, die uns in der zweiten Nachthälfte heimsuchen, scheinbar aus dem Nichts und ungebeten zu uns kommen und doch von unserem Tagerleben und unseren Sehnsüchten gespeist werden. Sie bleiben unerbittlich, lassen sich weder von unserer Angst, noch von irgendeinem Realismus in die Schranken weisen und erscheinen uns im Zeitpunkt des Träumens wahrhaft (wir glauben im Dämmern an sie). Alle Assoziationen, sowohl Kerlchens Angst oder Sex, oder das innere Kind JimKnopfs, als auch yarasas Exotik und Verruchtheit der Zigeuner, lassen sich stringent in dieses Gesamtbild integrieren. Egal, was Du Dir gedacht haben magst, mir gefällt dieses Bild ausgesprochen gut und die Sprache, in der Du es malst, noch mehr.

    Beim wiederholten Lesen offenbaren sich dann mehrere poetische Elemente, die allen Strophen sogar eine recht strenge Form verleihen, die leider aber in der ersten Strophe nicht konsequent eingehalten ist. "Leider" empfinde ich deshalb, weil die Abweichungen in gerade der ersten Strophe verhindern, dass man sich in den (zumindest meinem Eindruck nach) beabsichtigten Rhythmus hineinschwingt, was wegen der wechselnden Versfüße der einzelnen Verse ohnehin nicht leicht gelingen will. Zur Verdeutlichung Xe ich mal die zweite Strophe:

    xXxX|XxxXx (alternativ xXxX|XxXxX, was mir allerdings zu leierig erschiene)
    xXxXxXxXx
    Xxx(XxbXxb) (alternativ XxB|XxB, was mir persönlich nicht flüssig genug lesbar ist, klasse finde ich die Binnenreime in diesen dritten Versen)
    XxXxXxxXxx
    XxKeit | xXxxXx

    Dieses Schema wiederholt sich genauso in der dritten Strophe, allerdings weicht eben die erste Strophe an zwei Stellen hiervon ab, weshalb ich persönlich trotz aller Begeisterung eine Angleichung empfehlen würde. Meine Ideen hierzu können Dir vielleicht hilfreich sein, weshalb ich mir erlaube, sie einfach kundzutun:

    In halber Nacht kamen sie zu uns
    auf Wolkenschwarz geheftet und (xXxXxXxX)
    zeigten sich (lindengleich kehlenweich)
    jung im Abglanz einstiger tagheller
    Vergänglichkeit – sie kamen und tanzten.

    In Z2 fehlt eine Silbe vor dem "und", damit dieses unbetont gelesen werden kann. Was hieltest Du von "dem Wolkenschwarz hinzugesellt und" oder so ähnlich.

    In der letzten Zeile würde ich "Vergänglichkeit durch ein dreisilbiges Wort ersetzen, das auf der Anfangssilbe betont wird wie "Endlichkeit", "Zeitlichkeit", "Sterblichkeit" oder so.

    Wirklich sehr gern gelesen und mich in die Atmosphäre schemenhafter (gerade sehe ich eine sinnige Verknüpfung zwischen dem "Schema" Deines Gedichtes und der "Schemenhaftigkeit" Deiner Bilder... ) Träume fallen lassen. Liebe Grüße

    the witch
    Geändert von the witch (05.04.2008 um 14:12 Uhr)
    .........................................
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  8. #8
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    Hallo ihr alle,

    na, das ist aber interessant. Kennt ihr das - man stellt ein Gedicht ein, bei dem man sich so gut wie sicher ist, keine Rückmeldung zu erhalten? Um ein solches handelt es sich hier; da habe ich mich wohl getäuscht .

    Vielen Dank also zunächst für eure Gedanken und Kommentare, nun der Reihe nach.

    Kerlchen, du muss dir keine Gedanken um deinen Zustand machen, das mit dem Sex liegt nicht an dir . Schau dir als Erklärung einfach the witch’s Kommentar an, da brauche ich kaum mehr zu sagen.

    Hallo JimKnopf,
    ach, immer mehr alte Bekannte trudeln ein, wie schön. Es freut mich sehr, dass dir der Text auch ohne „konkretes“ Verstehen (ist das überhaupt nötig?) zu gefallen vermag, wir brauchen doch alle manchmal dieses Kind in uns (den Soz-Päd lieber nicht – da habe ich in letzter Zeit schlechte Erfahrungen).
    Der Binnenreim ist da übrigens schon die ganze Zeit…
    Danke für dein Lob, es wärmte mir das Herz.

    Liebe yarasa,
    auch du herzlich Willkommen. Wunderwerk, das ist was – vielen Dank. Dabei erscheint mir dein Kommentar fast mehr Sprachkunstwerk als die Ausgangsverse .
    Auch bei dir: deine Interpretation findet hier genauso ihren Platz wie vorangegangene, die Vorstellung von etwas Zigeunerblut in uns allen gefällt mir schon lange.

    Hallo witch,
    wir kennen uns glaube ich noch nicht – also hallo erstmal und vielen Dank für deine ausführliche Kritik. Begeistert höre ich schon mal gerne, noch besser gefällt mir aber deine mühelose Interpretation, die der meinen sehr nahe kommt – sehr nahe, aber noch nicht ganz alles erschöpft... Nur kurz eingeflochten ein Tipp: „Halbe Nacht“ ist leider nicht auf meinem Mist gewachsen *Zaunpfahl wieder einsteck*.
    Lass mich dir mein Metrikschema zeigen, ich vergleiche dann mit dem von dir gelesenen:

    S1:
    xXxXXxxXx
    xXxXxXxX
    XxxXxxXxx
    XxXxXxxXxx
    xXxXxXxxXx


    S2&S3:
    xXxXXxxXx
    xXxXxXxXx
    XxxXxxXxx
    XxXxXxxXxx
    XxXxXxxXx

    Ja, es deckt sich. Nun. Die Unregelmäßigkeiten. Schade, dass sie dich stören – anhand des strengen Schemas dachtest du dir wohl schon, dass sie beabsichtigt waren, ebenso wie das nicht ganz eingängige Metrum. Zunächst überlegte ich sogar, völlig auf ein durchgängiges Metrum zu verzichten, doch das liegt mir einfach nicht.
    Zurück zum eigentlichen Thema: S1 unterscheidet sich von den beiden anderen, deshalb hier die Abweichungen… Ich mag darauf eigentlich nicht verzichten; metrisch Inhaltliches zu unterstützen könnte man als kleinen Spleen meinerseits bezeichnen.
    Ich werde aber noch einmal darüber nachdenken. Vielen Dank nochmals für deine Hinweise und Interpretation,

    liebe Grüße an alle, Calyptra
    ...und ein junger Blitz schwamm heran.

    Tonlos...
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  9. #9
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    Liebe Calyptra,
    als ich das erste Mal las, war mein erster Gedanke "Ziegeunerromantik", die ich noch als echte Erlebnisse in meinem Erinnerungspäckchen als etwas Märchenhaftes trage. Das jedoch nur in der ersten Strophe.
    Vom ersten Lesen an imponierte die etwas andere Sprache mit ihren Binnenreimen. Bilder kamen erst nach und nach, jedoch nicht ganz klar.
    Heute Nacht, schon im Bett, traf es mich wie ein Blitz:
    Gedanken, Gefühle, Träume, Ängste - diese und solche kommen zu uns, egal ob wir schlafen oder nicht. Sie können tanzen (uns umtanzen), sie können singen und uns entweder beflügeln oder deprimieren. Sie können uns verunsichern, quälen und wir schleppen sie durch den helligsten Tag durch.
    Sie kommen und gehen - und ich würde nicht behaupten, dass wir sie lenken können. Meist kommen sie ungebeten.
    Ein ernstes und sehr gutes Gedicht.
    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  10. #10
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    Hallo Calyptra,

    nun hast Du meine Neugier geweckt sowohl mit Deinem Zaunpfahl als auch mit dem Hinweis über das "Anderssein" der ersten Strophe. Gibt mir allerdings schon ziemlich zu knacken.

    Das einzige, das mir im Zusammenhang mit der "halben Nacht" einfällt, ist das Weihnachtslied "Es ist ein Ros entsprungen." Eine Verknüpfung mit der christlichen "Mythologie" wäre mir von selbst nicht eingefallen, wäre aber durchaus integrierbar: Denn mit dem "wohl zu der halben Nacht" in das Denken der westlichen Welt eintretenden christlichen Lehre traten auch jene priesterlichen Mahner, Verteidiger der Prüderie (festes Binden an die Lenden) und höllischer Unheilsverkünder (das "Wolkenschwarz", der "wehe Sang" und der "Feuerhauch" von Inquisition und Fegefeuer passten hierzu ausgezeichnet!) auf den Plan, auf die Du hier zusätzlich anspielen könntest. Auch ihr jahrhundertelanges Wirken beeinflusst unser Bangen um das Seelenheil und dringt bis in unsere Träume. (Das "quälende" bekomme ich auch gut unter in dieser Interpretation, die "Ehrlichkeit" der Träume dann aber doch weniger.) Den "Abglanz einst taghellen Vergänglichkeit" verstünde ich dann als Symol für die früher vielleicht unverkrampftere Einstellung zum Tod, die erst mit der Furcht vor den Höllenqualen zum Albtraum wurde. Die dämmernde Gläubigkeit könnte auf den dankbaren Verzicht von Reflexion bei vielen Gläubigen anspielen und das "gingen" auf die zunehmende Kirchenflucht der Mitbürger in Westeuropa. Ach herrje, ich glaube allmählich interpretiere ich zu viel hinein in Dein Gedicht.

    Die erste Strophe soll anders sein als die anderen - hmm - klar, inhaltlich unterscheiden sich alle drei Strophen, aber einen Unterschied im "Wesenszug" kann ich nicht ausmachen. Formal habe ich sie ja schon aufgezeigt, die Unterschiede und ich könnte mir denken, dass sie evtl. mit dem "Jungsein" des Christentums einhergehen könnten, dass sie als "Stolpersteine" auf die Lücken hinweisen sollen, die die Kontinuität auf dem Weg in die Weltreligion aufweist. Oder so???

    Würd mich schon interessieren, was Du Dir hier genau gedacht hast. Wenn Du es hier nicht "laut" erklären magst, freue ich mich auch über eine PN. Bin gerne zurückgekehrt zum Grübeln. Liebe Grüße

    the witch
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  11. #11
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    Eine kleine Querbemerkung zu the Witch:

    Ich bin froh, dass du auch nur auf "es ist ein Ros entsprungen" gestossen bist - ich kam mir schon fürchterlich ungebildet vor, als würde allen anderen die offensichtlichen Zusammenhang nach dem Fingerzeig sofort ins Auge fallen.
    Schön hast du diesen (möglichen) Hintergrund eingebaut und dargelegt. Du bist wirklich eine herausragende Interpretatorin hier im Forum. Was du in den Texten erkennst, ist erstaunlich...

    @Calyptra:
    Wenn nicht eben jenes Lied gemeint war, dann wäre ein zusätzlicher Hinweis von Vorteil. 'Halbe Nacht' zu googlen bringt nur Tausende von Foreneinträgen überforderter Menschen, die 'halbe Nächte' nicht zur Ruhe kommen

    LG
    yarasa
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  12. #12
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    Hallo ihr Lieben,

    habe im Moment leider nicht viel Zeit, da ich packen muss (die Uni beginnt erneut...), deshalb nur ganz kurz: witch, man kann nicht zuviel hineininterpretieren - ich bin begeistert. Parallelen oder Bezüge zum Christentum waren von mir bis auf in den letzten Versen zwar nicht im geringsten beabsichtigt, aber deine Interpretation ist durchaus möglich, im Großen und Ganzen, und wirklich sehr gekonnt - dass sie von mir so nicht geplant war, kann dem keinerlei Abbruch tun .
    Hut ab dafür, wie yarasa meinte, im Interpretieren bist du wirklich groß!

    In Ordnung, dann ein deutlicher Hinweis, aber nur einer, den Rest wird the witch dann sowieso hinbekommen : Paul Celan - Halbe Nacht.


    Oh, Dana, dich habe ich schier übersehen - das darf nicht sein. Vielen herzlichen Dank für deinen Besuch hier und deine treffenden Worte; du bist mir immer gern gesehener Gast und kluger Beobachter.

    Liebe Grüße, Calyptra
    ...und ein junger Blitz schwamm heran.

    Tonlos...
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  13. #13
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    hallo Calyptra,

    im Moment bewegt sich das, was vom Gedicht bei mir angekommen ist, noch auf einer Ebene, die mehr Erlebnis, denn klares Verständnis berührt. Doch ich geniesse diesen Zustand, und glaube, deine Zaunpfahl-Aktionen absichtlich ignorieren zu wollen. Bei so unverschämt bildgewaltiger Wortwahl verliere ich gerne den Kopf nebst sämtlicher Interpretationsambitionen! Diesen hirnlosen Genuss will ich mir durch intensives Grübeln nicht nehmen lassen

    Da schwebt etwas um mich, irgendetwas Traumgefiltertes, dessen Bewegung mich mit einem Gefühl von Zeitlosigkeit verbindet. Es erscheint mir wie ein nicht messbarer Raum zwischen Bedrohlichkeit und Trost zu sein; ein Bereich, der mir von Tiefe, Vergessen, und entblößtem Schmerz erzählt.
    Umschreibungen wie

    ´auf Wolkenschwarz geheftet´,
    oder ´Nachtmahr welker Tage´ tragen Gedanken zu mir, die mich an etwas Sterbendes erinnern. Dabei begeistert mich besonders die ´morbide Schönheit´ deiner Sprache, die das ganze Szenario wie einen schwarzglänzenden Samtvorhang umgibt. Dieses tröstendweiche Dunkel kann ich auch in den Klammern wiederfinden

    (lindengleich kehlenweich)
    (schaumgeborn zeitverlorn)
    (goldbedacht schlummersacht)



    ...ooh, so langsam dämmert´s mir (glaube ich)...oder doch nicht?
    Egal. Mir genügt dieses intensive Leseerlebnis voll und ganz + ich bin froh darüber, dass es da für mich noch viel Geheimnisvolles zu ertasten gibt.

    ich danke, gehe, und komme sicher wieder

    liebe Grüsse

    J.
    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

  14. #14
    Registriert seit
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    Liebe Schattenblume,

    entschuldige, dass ich erst jetzt antworte, wie schon erwähnt: das Studium geht weiter. Immerhin habe ich nun nach 6 Monaten tatsächlich auch hier Internet, oh Wunder, und kann wenigstens theoretisch dot.com heimsuchen.
    Vielen Dank für deinen wundervollen Kommentar, auch dieser ein Kunstwerk an sich . Ich sehe das genauso, es gibt einerseits das pure Erleben, Genießen bei Gedichten und andererseits das vollkommen-durchdringen-Wollen - beide habe ihre vollste Berechtigung, beide können verflochten sein oder auch nicht. Manchmal ist Hirnlosigkeit doch gar nicht so schlimm .

    Es freut mich also, wenn dir meine Zeilen etwas geben konnten, ignoriere den Zaunpfahl ruhig - ich hege selbst einen Widerwillen dagegen.
    Viele liebe Grüße, Calyptra
    ...und ein junger Blitz schwamm heran.

    Tonlos...
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  15. #15
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    im schönen bayrischen ...........
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    Kamen sie

    Hallo Calyptra,

    manchmal geht es einem doch so, man versteht den Sinn des Gedichtes nicht, aber man ist trotztdem ganz hin und hergerissen von den Zeilen. So geht es mit bei diesen. Mir gefallen sie ausserordentlich gut. Allein diese Wortwahl (Schaumgeboren, zeitverloren) ist ganz grosse Klasse.

    Viele Grüße vom Panzerknacker
    Ich bin ein Niemand. Niemand ist perfekt.
    Also bin ich perfekt!

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