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  1. #1
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    Moldaubeziehung

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    Moldaubeziehung
    In Erinnerung

    Der Abend wacht und deine Wimpern fangen Tau,
    als quellend dort und hier das Wasser gegen Steine
    und weiter unter Gräsern fließt und Tropfen Rau-
    reif noch von letzter Kälte künden, wie alleine

    wir die Tage waren. Unten in der Ferne
    brennen kleine Lichterflecken sich wie Sehnsucht
    in die Augen, und als unsrer beider Zuflucht
    vor der Nacht lockt mit Musik uns die Taverne.

    Dann früh am nächsten Morgen tauchen helle Lieder
    altbekannte Rituale in den Glanz
    der Sommersonnenwende, und so flecht ich Flieder
    in dein Haar und bitte dich zum ersten Tanz,

    der rauschend uns die Sinne raubt. Denn erst der fahle Mond
    verwischt die regen Tänzer in der klaren Nacht und spielt
    den Wölfen Dirigent. Als sich der letzte Ton verliert,
    erheben sich nur Nebelschwaden, wo die Stille thront.

    Und als die Traumgebilde uns umrunden,
    da erheben sich die kühnen Reiter,
    sie fechten uns im Traum die Tage weiter;
    Ach, blieben uns doch mehr als achtundvierzig Stunden!










    Weil es bei meinem Hauptwerk seit längerem nicht so Recht weitergehen wollte und grade passend letztens ein kleiner Wettbewerb kam: in Anlehnung an Smetanas "Die Moldau" geschrieben.
    Geändert von Ensimismado (22.06.2008 um 15:20 Uhr)
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
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  2. #2
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    Moldaubeziehung

    Hallo Ensi,

    also, da haut es mich ja fast aus den Latschen, einfach schön sind deine Zeilen. Man muss aber erst mal den Leserhythmus finden. Ein bisschen ungewöhnlich ist er schon, finde ich. Aber wenn man ihn mal hat dann siehe weiter oben. Da habe ichs schon geschrieben.

    Viele Grüße - der Panzerknacker
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    Also bin ich perfekt!

  3. #3
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    Lieber Flo,
    dein Gedicht steht unter Liebe und Romantik, doch mich macht es traurig auf eine unbestimmbare Weise. Es zieht mit...! Wie unser Knacki musste auch ich erst meinen Rythmus finden, aber es berührt Punkte ganz tief in mir, so das man sich wünschte selber einmal so im Mittelpunkt einer Erinnerung zu stehen.
    gibt es so etwas wie eine heiter Melancholie mit einem traurigen Grinsen...?

    Egal---ich finde dein Gedicht sehr gelungen und habe es sehr gerne gelesen.
    Leider bin ich nicht jemand der hier jetzt spezielle technische Tips und Tricks aufzeigen könnte, da fehlt mir einfach das Wissen... von daher einfach nur mein Kompliment...

    Liebe Grüße

    Babsi

  4. #4
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    Guten Morgen, Ensimismado!

    Das erinnert mich an... an... an.. an Dich wahrscheinlich.
    Selten habe ich Gedichte gelesen mit solch vielen Enjambements, die sich so delikat einfügen und solchen Genuß bereiten. Es ist wirklich eine fast physische Wonne, das Gedicht wieder und wieder zu lesen.
    Ich bin wahrlich hingerissen und finde sonst keine Worte, adäquat zu loben.

    Submissest: Cyparis

  5. #5
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    N'Abend,

    es freut mich ungemein, dass das Werk insgesamt auf sehr positive Resonanz trifft. Es ist mir ein wenig unangenehm euch mit so wenig Worten abzuspeisen, aber mir fällt es immer ein wenig schwer auf reines Lob zu reagieren ohne dass es floskelhaft wirkt.

    Kleiner Einwurf noch an badico: Technisch könnte ich, wenn es irgendwen interessiert, natürlich an dem Werk ein wenig was aufzeigen, da ich hier mit der Metrik gespielt habe.

    Achso und an Cyparis: Wenn man den Stil mir zuordnen kann, ist das wohl mit das größte Lob, welches ich bekommen konnte, freut mich.

    Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und danke noch einmal für die Kommentare.

    Gruß,
    Flo
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  6. #6
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    Hallo Ensimismado,

    Auch mit der Gefahr dass du meinen Kommentar überlesen wirst, kann ich einfach nicht anders und dir zu diesem wirklich wunderschönen Werke gratulieren.
    Moldaubeziehung.. alleine der Titel ist schon einmalig und was ich danach lesen durfte und ich muss gestehen ich habe es mehr als einmal gelesen, gebührt einfach ein dickes Lob, auch wenn es von mir kommt, aber es ist ehrlich geschrieben.


    Behutsame Grüße
    Behutsalem
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  7. #7
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    Hi Ensi,

    Moldaubeziehung - ein schöner Titel. Auch ich hatte wie die anderen erhebliche Schwierigkeiten mich durch den ungewöhnlichen Reim zu stolpern.
    Auch waren für mich die Strophen nicht durchgängig gelungen. Vor allem Strophe 4, hat mich aus der Bahn geworfen.
    Auch fand ich etwas schade, dass Du wieder mal zu düstere Worte gefunden hast. Nebenschwaden z.B. - das klingt wie aus nem Mordthriller.

    Ich würde mich mal wieder über ein richtig helles und strahlendes Werk von Dir freuen. Lass die Sonne in Dein Herz - am Wochenende ist ne gute Gelegenheit. (sorry for Spam).

    Grüßle Stefan

  8. #8
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    N'abend,

    @Behutsalem, natürlich lese ich deinen Kommentar und freue mich auch darüber. Ich nehme Lob wie Kritik von jedem an, sofern ich es nachvollziehen kann. Selbst mag ich nicht ganz zufrieden sein mit dem Werk, aber nichtsdestotrotz bin ich erfreut, dass es dir sehr zusagt.

    Gruß,
    Flo


    @kerlchen, mich würde interessieren, wo du in Strophe 4 gestolpert bist, da es eigentlich in allen Strophen durchgehend metrisch so zugeht, dass es gut lesbar ist. Natürlich spiele ich hie und da mit dem Metrum, aber es soll nicht zum Stolpern führen. Ich gehe sonst gerne nochmal drüber.
    Zu düstere Worte? Vielleicht an einigen Stellen, der Situation angepasst, aber eigentlich mehr wehmütig denn düster. Und Nebel mag ich einfach.

    Ich werds versuchen mal wieder was fröhlicheres zu schreiben, vielleicht die Tage, vielleicht in den nächsten Wochen. Im Sommer dann, gen Ende hin, dann bestimmt.

    Gruß,
    Flo
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  9. #9
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    Heute Morgen stand ich an der Bushaltestelle und hatte dieses „und deine Wimpern fangen Tau“ im Kopf. Es gibt Texte, die hallen über viele Jahre hinweg nach – dieser nun bereits seit acht solcher Jahre, wie ich erschrocken feststellen musste. Und ich bin sicher, er wird, solange mir mein Geist gehört, dort bleiben, in meinem Kopf und meinem Herzen, wie man so schön sagt.
    Vielleicht, hab ich gedacht, vielleicht wäre es gut, hier noch einmal zu schreiben. Vielleicht trägt es wohin?

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    Bezüglich der Metrik sagte Florian seinerzeit, er habe schon ein wenig getrickst. Das ist auch gut zu erkennen, wenn man sich das Muster ansieht.

    Die erste Strophe teilt sich in zwei durchgängige Jamben auf, die jeweils über zwei zusammenhängende Zeilen fließen. Zwischen diesen Zeilen ändert sich auch inhaltlich die Stimmung: Vom bisher oberflächlicher (sicherlich sehr poetischer) Betrachtung wechselt es in das Untergründige. Die Wehmut ist spür-, ist fühl- und hörbar: „wie alleine wir die Tage waren“. Und doch, dank des Vergehens des Raureifes, schwingt ein wenig schon die Wärme in dem Text; wie Liebe, als er sie betrachtet. Allein der Bruch zwischen den beiden Strophenteilen unterstreicht die Einsamkeit, aus dem Verwelkten wachsen Tränen. Das Wasserbild vermittelt dabei aber schon, dass diese Traurigkeit sich wandelt, wie auch der Bach sich einen neuen Weg zu bahnen scheint ins Ungesehene (nicht versiegt).

    Das Enjambement führt zur zweiten Strophe über; der zweiten Strophe, die sich dann in der Verixung trochäisch darstellt, was sich aber eigentlich aufgrund eben des inhaltlichen Enjambements meiner Ansicht nach erst ab Mitte der ersten Zeile lesend bemerkbar macht. Ab da allerdings treibt es voran, ganz im Sinne des Trochäus, bekommt etwas Rauschhaftes, Belebtes. Das spiegelt gut den Inhalt, weil auch die Melancholie, die im jambischen Anbeginn vorherrschte, dem Wollen, dem Liebe- Lebenwollen weicht. Sehnsucht bildet ein zentrales Element, ist in allen Zeilen verwoben. Eine Sehnsucht, die sich in die Augen und ganz sicherlich als Bild in die Erinnerung brennt. Es lockt die Taverne: Es wird Fröhlichkeit bei Wein und Tanz von diesem Bild versprochen; das Weichen der Einsamkeit, das Eintreten ins lichte Helle.
    Der Trochäus zieht sich über die gesamte Strophe durch, keine Zäsur, wie in der ersten Strophe, die sich zweigliedrig teilte. So wie der Inhalt in dieser Strophe auch durchgängig auf das eine Ziel hinsteuert. Aber noch ist es Ziel, nicht erreicht.

    Das Reimschema wechselt auch beim Übergang dieser Strophen vom ABAB Kreuzreim in den umarmenden ABBA Reim. Auch das passt in meinen Augen gut zur Stimmung, da der Kreuzreim eher das brüchige nachdenkliche Klingen der ersten Strophe trug, der umarmende Reim hingen schon aus seinem Klang heraus freundlicher, oder zumindest wärmer schwingt. (Das Empfinden solcher Transportmittel ergibt sich aber immer aus dem Zusammenspiel von Rhythmus, Inhalt und Reim, so dass meine Auslegung hier nicht heißt, ein Kreuzreim könne nicht auch fröhlich, knackig daherkommen; natürlich stehen vielfach die Gedichte der Humorrubrik im Kreuzreim, da dies einfach eine recht gängige (und auch recht leicht zu erstellende) Reimform ist.)

    Die dritte Strophe überrascht mit einem erneuten Rhythmus-Wechsel: Man könnte sagen, dass sich jambische und trochäische Verse abwechseln, wobei ich aber eher einen durchgängigen jambischen Strom lese und höre – natürlich auch den inhaltlichen Enjambements geschuldet. Dies ist der positive Höhepunkt des Gedichtes; die Protagonisten lassen sich von der Fröhlichkeit treiben, sinnen nicht über das Gestern, das Morgen, sondern leben, tanzen rein in und für diesem Moment. Es herrschen vorwiegend helle Vokale in der Strophe vor, was eben auch die Leichtigkeit des Momentes untermalen kann.
    Die Strophe steht wieder im Kreuzreim, der dann hier aber durchaus ausgelassen klingt. Ich glaube allerdings, dass diese Wahl auch als Überleitung zum inhaltlichen Umschwung der nachfolgenden Strophen getroffen wurde: Der ständige Wechsel des Reim- und Metrikschemas unterstreicht natürlich auch die schwankende Stimmungslage. Und so verwundert es auch nicht, dass die folgende vierte Strophe erneut im umarmenden Reim daher kommt.

    Das überleitende inhaltliche Enjambement finde ich hier außerordentlich gut gelungen, der inhaltliche Bruch entsteht wieder erst in der Mitte des ersten Verses, wie es bereits beim Übergang von erster zu zweiter Strophe angelegt wurde.
    Inhaltlich ist klar: Mit dem Aufgang des Mondes verfliegt dieser Rausch, die Musik ersetzt das Heulen der Wölfe. Dies Wolfsgeheul wird oft als Synonym für Einsamkeit, gebraucht - wie auch hier. Das Gedicht, merkt man spätestens in diesen Versen, wendet viele mystische Elemente auf, um das Stimmungsbild zu zeichnen. Der Nebel, der die Welt verschleiert geht einher mit neuer Stille; nun schweigen auch die Wölfe. Und ich, ich kann das sehr gut nachspüren, weil Nebel doch tatsächlich nicht nur die Sicht verstellt, sondern sich gleichzeitig wie ein Stimmbetäuber auf die Landschaft legt; fast so wie Schnee es tut.
    (In dieser Strophe finde ich die einzige Sprachungeschicklichkeit, die hier vermutlich dem Reim/Versmaß geschuldet ist, oder halt auch mir nur nicht gefällt: wo die Stille trohnt“. Das Wo, das mag ich nicht. Freilich könnte man sicherlich umbauen, z.B. „da nun Stille trohnt“ oder so etwas. Aber ich glaube nicht, dass man das dem Gedicht nach acht Jahren noch antun sollte – letztendlich lebe ich zu lange schon in dieser Form damit, lächel)
    Die Strophe arbeitet mit dem einzigen unreinen Reim, der sich auch noch in der Mitte des umarmenden Reimes befindet. Ein Schelm, wer sich nichts dabei denkt Ich denke schon, dass das absichtlich gemacht wurde, und dass hier in der Tat eine Umarmung des Zerbrechlichen gemeint war.

    Die letzte Strophe ist die unruhigste des gesamten Gedichtes. Das spiegelt sich im Rhythmus, und auch inhaltlich, da keine Enjambements mehr folgen, sondern vielmehr jede Zeile in sich selbst abgeschlossen ist. Die Protagonisten sind noch gefangen in den Bildern einer Traumwelt, doch die „kühnen Reiter“ erheben sich: Die Zeit bleibt nicht stehen, verrinnt unter den Händen, unter den Schwertern dieser Reiter. Das Bild ist ambivalent in meinen Augen; ich denke/hoffe, dass das Absicht war. Wer wird schon gern aus einem schönen Traum vertrieben? Und doch: Wer wollte niemals wieder aufwachen? „Kühn“ wohnt nach meinem Empfinden etwas Ehrenhaftes inne, das macht mich auch ein wenig zögern. Wenn ich es hinterfrage, komme ich schnell ins Wanken, weil Formulierungen wie „und er überfiel kühn eine Bank“ ja gehen und darin eben dieses Ehrenmotiv nun gänzlich fehlt. Ich weiß gerade nicht… Ich denke aber, die Ambivalenz wie gesagt, die ist durchaus gewollt. Und so klingt dann auch die letzte Zeile aus (die längste und zugleich klanglich weichste dieser Strophe), und wünscht die Zeit zu dehnen.

    Das ist sicherlich eines der besten Werke, die ich jemals hier gefunden habe; ich habe mich zurecht heute Morgen an den ersten Vers erinnert. Es gibt noch viele Feinsinnigkeiten, die man herausstreichen könnte, weil sie so überraschen und dabei so stimmig sind: „Der Abend wacht“ und ganz besonders “die regen Tänzer“, der Mond als Dirigent. Und dann natürlich die zweite Strophe, die auf den Menschen überträgt, wofür einst Bildschirmschoner mal erfunden wurden.

    Das Gedicht, das drückt nicht nur die Liebe, Ängste und Zweifel der Protagonisten aus, es ist an und für sich auch eine Liebesbekundung an die Lyrik. Und wenngleich ich von einer inhaltlichen Interpretation absehen muss, da ich zu viel um die Entstehung dieser Zeilen weiß (oder vielmehr seinerzeit erahnte), so wollte ich zumindest das handwerkliche Können in diesen Zeilen aufzuzeigen versuchen.

    Und manchmal, da wünschte ich mir, es tauchte hier im Blauen mal wieder ein Geist auf, der nicht in dieser schnelllebigen Zeit genauso schnelllebige Gebrauchslyrik raushaut, sondern der sich Zeit nimmt, alle Möglichkeiten zu erkunden, auslotet, abwägt und liebend Zeilen schwarz schuftet. Aber es ist wohl so: Zeiten ändern sich und ändern damit alles; und Wiederholung gibt es nicht.

    Lieber Florian, vielleicht bekommst Du noch an einen verstaubten Email-Account eine Nachricht von dotcom. Und dann weißt Du, dass ich treulich an Euch denke.


    Umärmelnde Grüße
    Nina

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  10. #10
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    Hallo Wilma,

    ich bin ja ganz froh, dass der Text Dich nicht anspricht; das unterstreicht hübsch, wie unterschiedlich wir empfinden - und mir zeigt es auf, ein wenig dankbarer zu sein, dass ich Anderes mitbekommen habe, als Du offensichtlich. Aber zumindest solltest Du Dich bemühen, nicht zu spammen, wenn Du Deiner Abwertung Ausdruck verleihen möchtest. (Und Du willst doch bestimmt nicht, dass ich denke, Du übertrügest Deine Abneigung mir gegenüber nun auf Ensis Text. Oder doch so primitiv?)

    Nina
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  11. #11
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    Wilma, es geht, es ging in erster Linie ums Spammen. Eine Kritik sollte konstruktiv sein, sollte belegt werden und sollte in der Lage sein, Stärken und Schwächen eines Textes aufzuzeigen. Davon sehe ich bei Dir nichts, sondern nur ein hastig ausgesprochenes Kitsch, Bilder langweilig (und das zu belgen wäre aus meiner Sicht schon schwer, da es eben keine abgedroschene, sondern neu geschaffene Metaphernwelt darstellt), fertig. Das ist mager, viel zu mager. Das ist genau das, was ich mit mangelndem Einlassen auf Lyrik und den schnell-schnell-Konsum oben ansprach.

    Ich habe aufgezeigt, woran der Autor gearbeitet haben wird, so wie ich es verstehe; ob diese Arbeit gefällt, das kann ja jeder für sich selbst entscheiden. Aber einen solchen arbeitsaufwändigen Text mit drei 0815-stereotypen Beschimpfungen abzuhandeln, das steht in keinem Verhältnis. Dann nehm ich lieber die Beschimpfungen auf meine Kappe, als dass ich sie für den Text gelten lasse.

    Wenn Du mir helfen könntest, tätest Du es? Fein, dann schreibe eine angemessene Kritik Das hülfe sicher.
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  12. #12
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    Hallo Wilma,

    ich weiß zwar nicht, was dich reitet, hier derartige Aggression walten zu lassen, aber ich würde mich freuen, Mitglied in einem Forum zu sein, in dem ein angemessener Umgangston gepflegt wird.

    Im Gegensatz zu dir sehe ich keine Notwendigkeit, sich gegen missfallende Werke "mit oft fragwürdigen zynischen Beiträgen" schützen zu müssen. Ich schließe mich eher deiner Meinung an, dass "generell trotzdem anzustreben [wäre], auch solchen Infiltrationen von Versen, welche mögliche Terrorakte an der deutschen Sprache und Lyrik bedeuten, mit Gelassenheit und Coolness zu begegnen. [...] Nur bringt ein solch allgemeines Statement [...] rein gar nichts." Ich folge also deiner Empfehlung, dir "oder andern dort, wo wir uns daneben benehmen, entgegen[zu]treten". (Alle Zitate aus dem Faden zu Dr. Kars "Forenredlichkeit")

    Ist hiermit geschehen!

    Gruß vom Reimling
    Geändert von Reimling (06.07.2016 um 09:34 Uhr) Grund: Erweitert um den zweiten Absatz

  13. #13
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    Ich habe den gröbsten Spam aus diesem Faden entfernt. Bitte beachtet die Spamregel.

  14. #14
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    Hallo,
    Der Vers, vielmehr das poetische Bild, daß sich bei linespur anscheinend über Jahre ins Gedächtnis eingeprägt hat, ist ein schönes Beispiel zur Wirkung und Nachwirkung von Lyrik...

    Lyrische Prosaverse so aufzuschreiben, dass im Binnenraum fast ohne Gliederungshilfen dastehen ist nicht neu und eine inzwischen doch recht weitverbreitete Erscheinung. Keiner der AutorInnen konnt mir bisher eine schlüssige Antwort gebe, weshalb diese Art der Textpräsentation nötig wäre. Weil sie anders ist?....weil sie damit eine neue ART repräsentiert?...Nach mM eher selten, denn oft finden sich alter Wein in neuen Schläuchen. Und wie Panzerknacker schon 2008 anmerkte, ist der Text eher schweiriger als denn leichter aufnehmbar (lesbar) . Ob die AutorInnen damit Leser zwingen wollen sich intensiver mit einer sinnhaften Lesbarkeit und Rezeption des Textes auseinanderzusetzen...bleibt ebenfalls nur zu vermuten, da ich bisher von keinem Autor dazu Infos bekam.

    Für Poesie gibt es sicher keine absolute Referenz etc. pp. Es gibt aber Erfahrungen...Und als erfahrener Leser habe ich in sehr vielen anderen Texten poetische Bilder zum Thema "Liebe" gelesen in denen z.B.
    Ferne, tau, Abend, Dunkelheit, Mond, usw. vorkommen und nicht immer neue Aspekte auf das Empfinden und Deuten setzen...
    Dies wird dann tatsächlich irgendwann wie ein zu häufig im Radio gespielter Schlager...

    Trotzdem empfinde ich diesen Text aber nicht als "schlecht" etc. Eine eigene Sicht einer Situation und vor allem ein Empfinden wird in die Zeilen gegeben. Dafür empfinde ich auch Respekt. Das Bemühen um eine Form ist ebenfalls deutlich erkennbar....und dies ist auch wirklich nötig, damit der Inhalt nicht doch zum "zu oft gespielten Schlager" gerät. Reimschema & Enjambements empfinde ich auch als "Werkzeuge" um den Text nicht monoton in Jamben leiernd erscheinen zu lassen.

    Die Notwendigkeit der oben stehenden strophischen Unterteilung (im Klassischen wenn eine neuer Gedanke in den Text eingebracht wird bzw. eine inhaltliche Wendung) erkenne ich nicht. Vielleicht ist sie eher dem Reimschema geschuldet und einer Zeilenanzahl.

    Zweifelos ein poetischer Text, der eine Liebesbegegnung aufleben läßt....mit einem deutlich auffälligen Vers. Viele andere der poetischen Bilder habe ich in geringer Abweichung schon oft gelesen. Formal erscheint mir (mMn) viel auf Effekt hin angelegt worden zu sein. Text und Inhalt zeigen mir keine Notwendigkeit oder Bereicherungsmöglichkeit auf (mMn) derart verkomplizierend diese Zeilen aufzusetzen.

    Metrik ist mMn nur eine Krücke, ein Mittel zum Zweck....längst kein Kriterium dafür ob ein Text qualitativ gut ist. Eine regelmäßig aufgesetzte Musterschar von Silben zeigt nur an, ob man einer völlig unbegründeten Erwartung - eine bestimmte Anzahl in einem bestimmten Muster aufzusetzen- entsprechen , also Nachbilden kann. Was jeglichem Sinn entbehrt...

    Was in diesem Text oben - und auch in der Kritik, viel zu kurz gekommen ist, sind außerhalb der Reime stehende, klangliche Aspekte. Für Lyrik nicht unwesentlich: leider finde ich im Text keine "Leckerbissen"...auch keine derben Mißtöne...alles erscheint (mMn) wohltemperiert eingeglättet...ohne Highlights.
    Bei Sprechrhythmus wird es schon anders...

    Kolongliederung

    Der Abend wacht
    und deine Wimpern fangen Tau,
    als quellend dort
    und hier
    das Wasser gegen Steine
    und weiter
    unter Gräsern fließt
    und Tropfen Raureif noch
    von letzter Kälte künden,
    wie alleine

    deutlich zu erkennen, dass der Text ion Abschnitt 1 eigentlich eine Aufzählung ist,deren Glieder durch die verhältnismäßig häufigen "unds" gekoppelt sind und nur durch die formal andere Setzung des Textes wird dies etwas überdeckt...um es freundlich zu formulieren...

    Für mich ist dieser Text ein poetischer Text, aber er kann mich nicht begeistern.
    Ein hervordrängendes poetisches Bild ist manchmal Grund, weshalb wir uns etwas merken und es lieben - ähnlich wie wir uns eine CD kaufen wegen einem wunderbarem Lied.

    Mir persönlich ist in diesem Text zu offensichtlich vieles auf Effekt angelegt, die poetischen Bilder nehmen mich (bei meiner Texterfahrung9 für diesen Text ein. Mir fehlen insbesondere bei einem Liebesgesicht, klangliche Highlights. Eine Ananeinderreihung von örtlichen Beschreibungen mag mich nicht für diesen Text einnehmen. DAS EMPFINDEN in dieser Situation hätte mich mehr interessiert...und wahrscheinlich als Text auch überzeugt.

    gitano
    "Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit in der Kritik."
    feiner Satz von M. Reich-Ranicki

  15. #15
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    So flecht ich Flieder in dein Haar und bitte dich zum ersten Tanz, der rauschend uns die Sinne raubt. Denn erst der fahle Mond verwischt die regen Tänzer in der klaren Nacht und spielt den Wölfen Dirigent.

    Also wie kannst du, gitano, an dieser Stelle den "Klang" vermissen?
    Wenn man diese Stelle positiv sieht, muss man sagen, dass hier der Klang absolut im Vordergrund steht.
    (Sieht man sie negativ, was ich nicht tun sollte, findet sich hier absolut nichts ausser Klang. Und ein bisschen Metrik mit Füllwörtern wie "klare Nacht mit fahlem Mond für rege Tänzer.).

    Der Spammer
    w27

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