Thema: Hadephobie

  1. #1
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    Hadephobie

    Ist mein Körper rein gewaschen?
    Fragt sich der verarmte Zaus.
    Von den Schuh, bis zu Gamaschen,
    seh ich doch gestriegelt aus.

    Hab im Leben schlechte Taten,
    durch Gebete gut gemacht.
    Zahlte immer meine Raten,
    lebte leise, still und sacht.

    Und trotz allem seh ich Flammen.
    Lodern um mein Seelentuch.
    Muss mein böses Ich verdammen!
    Denn das Mensch sein ist ein Fluch!

  2. #2
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    Hallo wer

    Ich dachte beim Lesen des Titels u.a. auch an einen (LyrIch), der immer mit allem hadert und nicht zufrieden ist. Auch das kann die Hölle sein, wegen mangelnder Zufriedenheit!
    Aus dem Text geht Ähnliches hervor, der Protagonist wähnt sich voller Sünden, Unwürdigkeit und verteufelt, obwohl er äusserlich ja auf Sauberkeit bedacht ist; wobei ich auch das Schuldgefühl als in gewisser Weise "äusserlich" definieren möchte, ist es doch psychologisch eine Art von Denkmuster, Teil der Gedanken und des Glaubens. Dieses wiederum Inhalt des Egos und somit nicht einem heilen, "reinen" Geist zugehörig!
    Insofern bestätigst du dies in der vorletzte Zeile (Muss mein böses Ich verdammen!).
    Allerdings nützt es nicht, das Ich zu verdammen, denn Richter und Verurteilter (das ICH) sind ein und dasselbe!

    Mensch sein ist für LI ein Fluch, weil es nicht erkennt, dass diese Wertung aus dem widersprüchlichem Ich kommt, und dies die erzeugte Hölle selbst ist!

    Gläubige hoffen darauf, dass sich die von ihren eigenen Erwartungen "erdachte" Erlösung ihrer erbarmt und füllen das selbe Denken mit Schuld und Hoffnung auf Sühne gleichermaßen, anstatt dieses Denken im Keim, an der Wurzel, "aufzulösen".

    Ein sehr tiefgründiges Gedicht, das mir Interpretationsfreiraum, aber nicht unbedingt -freiheit gibt.

    Grüßle
    Rolf

  3. #3
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    Soo, es wird wohl entlich zeit, dass ich ein Kommentar abgebe.

    Aaalso:

    Zitat Zitat von syranie
    Von dem Schuh, bis zu Gamaschen,
    Von den Schuh`n, bis zu Gamaschen da fehlt ein ' den' (den Gamaschen)*
    seh ich doch gestriegelt aus.

    * vielleicht bekommst du das noch geglättet.
    Ich muss ehrlich sein. Ich verstehe nicht ganz, worauf du hinaus möchtest.
    Erstens: "Von den Schuh" ist an sich ok. Die Zusammensetzug an sich ist schon eine Mehrzahl und muss nicht durch ein "Schuh'n" ersetzt werden. Weiterhin würde ich aus dieser Mehrzahl durch ein "dem" eine einzahl machen, was nicht der Sinn ist. genauso das "den" vor Gamaschen würde erstens mich vollkommen aus der Metrik hauen und ist auch unnötig, da der Zusammenhang sowieso auf eine Mehrzahl deutet.

    Trotzallem danke ich natürlich für das Kommentar ich freu mich immer, wenn ich welche bekomme.

    Weiter im Programm:

    @goldlaub.

    Auch hier danke ich für diese Interpretation, hat mich sehr gefreut.

    Ich hoffe natürlich auf weitere Kommentare, denn momentan fehlt mir noch etwas Feedback.

    Schönen Gruß
    Benny

  4. #4
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    hallo wer.
    da hab ich wieder mal was gelernt. die hadephobie. eine ganz natürliche sache, sollte man meinen, denn wer hat schon lust, dass ihm das fett vom leibe tropft, wie bei einem grillhänhchen.
    die letzten beiden zeilen bringen die tragik oder das problem wohl gut zum ausdruck; wenn man sich die hälle schon mal im jetzt vorheizt.
    inhaltlich weiss ich nicht ganz genau, was du mit dem "seelentuch" meinst, und konnte mir auch kein passendes bild machen. wenn dann die wäsche brennt, hat das nichts mit der seele zu tun. wenn die seele schmort, was wär sie dann eingehüllt...?
    wegen der angesprochenen schuhe, sehe ich wier syranie. entweder von den schuhen (oder schuhn/schuh`n), plural oder von dem schuh, (sing.) im sinne von "von kopf bis fuss" oder so.
    das bringt mich dann zum 2. fragezeichen. wenn du sagst "von-bis" da beinhaltet das je eine distanz. die ist aber von schuh bis gamasche nicht sehr weit. ich vermute, du wolltest etwas umfassenderes, das die ganze figur beinhaltet. eben von kopf bis fuss; scheitel zur sohle oder so.
    du könntest zb. die schuhe gegen einen hut eintauschen.
    sonst ein hübscher kurzer text, sauber gearbeitet und stimmig.
    gruass, lepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  5. #5
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    Hey Benny,

    nachdem ich dein neustes Werk nun mehrere male gelesen und darüber nach gedacht habe, wage ich mich jetzt mal an einer Interpretation- die bestimmt nach hinter los gehen wird. Dennoch ist es ein Versuch wert.

    Mir kommt es vor als hätte das LI angst vor etwas bestimmten, was aber ned so sofort zu sehen ist. Das LI schien die ganze Zeit nur im Dunkeln gelebt zu haben, ohne jemanden an sich ranzulassen.

    da "Von den Schuh, bis zu Gamaschen" eine Mehrzahl ist, denke ich das es eigentlich um die Lebensjahre des LI geht. Da LI war von der Erscheinung her vllt immer so wie andere es wollten. Ohne wirklich selber so zu sein, wie es das LI wollte.


    „Hab im Leben schlechte Taten,
    durch Gebete gut gemacht.
    Zahlte immer meine Raten,
    lebte leise, still und sacht.“


    In all den Jahren hat das LI für seine Fehler , die es vllt im Leben gemacht hat und die es vllt nur in den Augen der anderen waren, gebüßt. Es lebte innerlich zurückgezogen, was ich mit „lebte leise, still und sacht.“ in Verbindung bringe. Sprich es zeiget nicht das was wirklich in sich vorging.


    „Und trotz allem seh ich Flammen.
    Lodern um mein Seelentuch.
    Muss mein böses Ich verdammen!
    Denn das Mensch sein ist ein Fluch!“


    Doch trotz der Busse, sieht das LI so etwas wie eine Gefahr, was ich mit „ Flammen“ in Verbindung bringe, da „Flammen“ mehrere Bedeutungen haben können.
    Seelentuch.....damit könnte mach auch eine Schutz meine, den man aufgebaut hat und der jetzt droht zu zerbrechen.




    Das „böses Ich“.. hm hier könnte es sein, das dass LI sein Trauer, Wut etc, verbannt, also es nicht zulässt, aus der Gefahr hin, das die Menschheit es ned verstehen würde, es ned akzeptiert.
    Aus dem Grunde ist es für das LI ein Fluch ein Mensch zu sein, da es seine Trauen aus Angst ned zulassen darf/ kann.


    Und genau das ist für das LI dei Hölle, weil es vieles verbergen muss und es vllt auch tut.
    Denn wenn ich mich ned ganz irre heißt „Hadephobie“ Angst vor der Hölle.
    Das waren jetzt so ansatzweise meine Gedanken zu deinem Werk. Ich könnte zwar noch etwas weiter ausholen , was mir so durch den Kopf geht bei deinen Zeilen aber momentan fehler mir dafür die passenden Worte um es auszudrücken.
    Dein Werk regt auf jeden Fall sehr zum nachdenken an und das finde ich sehr gut.


    Nun ja, soviel erstmal dazu. Ich hoffe ich habe ned zu verworren geschrieben, das man mir auch noch folgen kann. Vllt schreibe ich später nochmehr dazu, wenn mein Kopf ned so raucht

    Liebe Grüße, wenn auch etwas nachdenklich
    Blue Angel

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