Thema: Weltenchaos

  1. #1
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    Weltenchaos

    Weltenchaos


    Verblassende Träume vergehen in Trauer,
    die Hoffnung verliert sich in tiefschwarzer Nacht.
    Die zeitlose Gottheit, der Weltenerbauer
    beweist seine unüberwindliche Macht.


    Der Nebel verschluckt auch die letzten Gebete,
    die Seelen der Menschen vergehen im Nichts.
    Die Erblast, die einst ihre Hüllen umwehte,
    steht nun an der Pforte des jüngsten Gerichts.


    Im Wandel der Zeiten verlöschen die Sterne,
    am Ende dem göttlichen Willen gebeugt.
    Allein jene Dunkelheit starrt aus der Ferne,
    die ewig das Schicksal der Menschheit bezeugt.


    (c) LyrischesIch182


    Der ein oder andere Kommentar wäre natürlich super!
    Geändert von LyrischesIch182 (31.08.2008 um 00:41 Uhr)

  2. #2
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    Hallo LI!

    So..jetzt kriegst Du Dein Lob und das hast Du Dir redlich verdient.

    Boah...ich bin geplättet. Im Ernst und ohne (Weana) Schmäh.
    Hey, bei Dir werd ich bald nix mehr zu Mosern haben und über kurz oder lang werd ich mir bei Dir Rat holen.

    Ich finds sehr gut, habs gestern schon entdeckt und konnte es kaum glauben.
    Der Vergleich zu Deinen anderen beiden Texten ist wie Schwarz und Weiss.
    Lupenreine Metrik...da bin ich pingelig.
    Angenehm weiche Phonetik...das mag ich besonders.
    Du baust eine beklemmend/drohende apokalyptische Stimmung auf...super hingekriegt.
    Dein Sprach- und Rhythmusgefühl, das mir schon bei Deinen anderen Texten aufgefallen ist, hat sich hier toll entfaltet.
    (Gleich noch mal nachfrag: wie alt ist der 'Wolf und Mörder' schon?)

    Gelungen! Daumen hoch!

    Das Strickmuster
    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX
    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX
    konsequent durchgezogen. Bravo!

    So bleibt mir nur eins, ein wenig zu Polieren.

    S1 Z1
    vergehen: 'gehen' ist ein so banaler Allerweltsausdruck. In diesem sprachlich schönen Text fällt er daher als besonders unlyrisch auf.
    Ich hab mal so spontan an 'versinken' gedacht...da gibts viele Möglichkeiten.
    Auch 'ertrinken' würd sich gut machen.

    Ausserdem hast Du das 'vergehen' in S2 Z2.

    Solche Verdoppelungen sind tunlichst zu vermeiden, ausser sie werden als Stilmittel verwendet, was sich aber bei diesem Text nicht erkennen lässt.
    Ich verweise ungern auf meinen Werke, aber mir fällt im Mom kein Fremdwerk ein, das ich Dir nennen kann.
    Meine 'Legende vom grossen Schamanen' kann für den Anfang als Beispiel für ein 'mehrfach verwendetes Wort, gezielt gesetzt als Stilmittel' herhalten.


    Verblassende Träume versinken in Trauer,
    die Hoffnung verliert sich in tiefschwarzer Nacht.
    Die zeitlose Gottheit, der Weltenerbauer
    beweist seine unüberwindliche Macht.

    Der Nebel verschluckt auch die letzten Gebete,
    die Seelen der Menschen zerfallen zu Nichts.
    Die Erblast, die einst ihre Hüllen umwehte,
    steht nun an der Pforte des Jüngsten Gerichts.
    Gehört gross geschrieben, da es, so to speak, ein Eigenname ist.

    verschwinden im Nichts...hm..da gibts auch viele Möglichkeiten.
    Bloss dass das dröge 'gehen' weg ist..

    'Die Erblast' gefällt mir sehr gut.

    Das hier schon weniger, das ist die ins Auge springende Schwachstelle im Text: die einst ihre Hüllen 'umwehte'

    An dieser Stelle gleich ein Tip, besonders für den Anfang:
    Dein Reimschema ist ABAB.

    Ich verwende vorzugsweise ABCB. Es reimen sich nur Z2 und Z4. Somit hast Du wesentlich mehr Freiheit und brauchst die Aussage in Zeile 3 nicht dem Reimzwang unterordnen.

    Ein weiterer Grund, warum ich dieses Reimschema bevorzuge ist, dass ich gern nach originellen, in jedem Fall aber nach reinen Reimen suche, was manchmal eine ziemliche Herausforderung darstellen kann.
    Also geb ich gerne zu, ein wenig Bequemlichkeit ist auch dabei.

    So könnte z.B. Deine S2 aussehen im ABCB-Schema:
    Der Nebel verschluckt auch die letzten Gebete,
    die Seelen der Menschen zerfallen zu Nichts.
    Die Erblast, die einst ihre Hüllen bewohnte,
    steht nun an der Pforte des Jüngsten Gerichts.

    'Bewohnte' ist nicht das Gelbe vom Ei, soll Dir nur veranschaulichen, um wie vieles es leichter fällt, eine passendere Aussage zu finden, wenn man sich nicht zusätzlich um den Reim kümmern muss.


    Im Wandel der Zeiten verlöschen die Sterne,
    am Ende dem göttlichen Willen gebeugt.
    Allein tiefe Dunkelheit starrt aus der Ferne,
    die ewig das Schicksal der Menschheit bezeugt.

    Hier verändert mein Vorschlag etwas den Sinn der letzten 2 Zeilen.
    Das hab ich hauptsächlich deswegen gemacht, weil ich sonst in dieser Strophe den Rotstift gar net ansetzen hätte können.. ...ein bissl Farbe muss schon sein..

    Nö..das 'jene' klingt mir zu hart in der so weichfliessenden Sprachmelodie.
    Es eignet es sich somit sehr gut als Beispiel, was mit Phonetik in einem Gedicht gemeint ist.

    Hey...es hat echt Spass gemacht, an diesem feinen Text ein wenig rumzuwerkeln.

    LG
    Lailany

  3. #3
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    Woah, so viel Lob aus Deinem Munde freu mich riesig, dass es Dir gefällt!

    Zitat Zitat von Lailany
    Hallo LI!

    So..jetzt kriegst Du Dein Lob und das hast Du Dir redlich verdient.

    Boah...ich bin geplättet. Im Ernst und ohne (Weana) Schmäh.
    Hey, bei Dir werd ich bald nix mehr zu Mosern haben und über kurz oder lang werd ich mir bei Dir Rat holen.

    Ich finds sehr gut, habs gestern schon entdeckt und konnte es kaum glauben.
    Der Vergleich zu Deinen anderen beiden Texten ist wie Schwarz und Weiss.
    Lupenreine Metrik...da bin ich pingelig.
    Angenehm weiche Phonetik...das mag ich besonders.
    Du baust eine beklemmend/drohende apokalyptische Stimmung auf...super hingekriegt.
    Dein Sprach- und Rhythmusgefühl, das mir schon bei Deinen anderen Texten aufgefallen ist, hat sich hier toll entfaltet.
    (Gleich noch mal nachfrag: wie alt ist der 'Wolf und Mörder' schon?)

    Wenn ich mich recht erinner, nur ein paar Monate älter als mein 'Hexenmeister', allerdings muss ich hinzufügen, dass ich das Gedicht in windeseile geschrieben hatte, ohne groß drüber nachzudenken, welcher Reim eventuell besser passen würde etc... es war glaube in einer viertel Stunde schon fertig

    Gelungen! Daumen hoch!

    Das Strickmuster
    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX
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    konsequent durchgezogen. Bravo!

    So bleibt mir nur eins, ein wenig zu Polieren.

    S1 Z1
    vergehen: 'gehen' ist ein so banaler Allerweltsausdruck. In diesem sprachlich schönen Text fällt er daher als besonders unlyrisch auf.
    Ich hab mal so spontan an 'versinken' gedacht...da gibts viele Möglichkeiten.
    Auch 'ertrinken' würd sich gut machen.

    Ausserdem hast Du das 'vergehen' in S2 Z2.

    Och nööööööö, ich wusste, dass ich wieder irgendwas übersehe. Kommt ganz einfach daher, dass ich jede Zeile ungefähr 5mal neugeschrieben und immer wieder Wörter ausgetauscht habe, bis ich zufrieden war. Den Begriff 'vergehen' finde ich eigentlich schon oki für jene Stellen, doch werde ich einen auf jeden Fall austauschen, mal schaun an welcher Stelle es besser passt.

    Solche Verdoppelungen sind tunlichst zu vermeiden, ausser sie werden als Stilmittel verwendet, was sich aber bei diesem Text nicht erkennen lässt.
    Ich verweise ungern auf meinen Werke, aber mir fällt im Mom kein Fremdwerk ein, das ich Dir nennen kann.
    Meine 'Legende vom grossen Schamanen' kann für den Anfang als Beispiel für ein 'mehrfach verwendetes Wort, gezielt gesetzt als Stilmittel' herhalten.


    Verblassende Träume versinken in Trauer,
    die Hoffnung verliert sich in tiefschwarzer Nacht.
    Die zeitlose Gottheit, der Weltenerbauer
    beweist seine unüberwindliche Macht.

    wäre eine Überlegung wert =) ich lasse´s mir mal durch den Kopf gehen, evtl verwende ich tatsächlich Deinen Vorschlag.


    Der Nebel verschluckt auch die letzten Gebete,
    die Seelen der Menschen zerfallen zu Nichts.
    Dachte grad zunächst an 'zerbrechen', doch passt das nicht so wirklich zu einer Seele... Deine Variante klingt auch jeden Fall auch hübsch.
    Die Erblast, die einst ihre Hüllen umwehte,
    steht nun an der Pforte des Jüngsten Gerichts.
    Gehört gross geschrieben, da es, so to speak, ein Eigenname ist.

    Wieder was gelernt

    verschwinden im Nichts...hm..da gibts auch viele Möglichkeiten.
    Bloss dass das dröge 'gehen' weg ist..

    'Die Erblast' gefällt mir sehr gut.

    Das hier schon weniger, das ist die ins Auge springende Schwachstelle im Text: die einst ihre Hüllen 'umwehte'

    Ich war im vollsten Eifer dabei das Gedicht zu schreiben und ZACK, schoss mir dieses Bild durch den Kopf, also schnell aufgeschrieben und war danach ziemlich zufrieden mit dieser Zeile. Umwehen hat so was von... ständig präsent sein und doch so schwer auszumachen, weiß auch nicht, liegt bestimmt wieder nur an meiner verrückten Fantasie :P

    An dieser Stelle gleich ein Tip, besonders für den Anfang:
    Dein Reimschema ist ABAB.

    Ich verwende vorzugsweise ABCB. Es reimen sich nur Z2 und Z4. Somit hast Du wesentlich mehr Freiheit und brauchst die Aussage in Zeile 3 nicht dem Reimzwang unterordnen.

    Hatte auch zunächst überlegt das Reimschema ABCB zu verwenden, da es dem Schreiber tatsächlich viel mehr Freiraum lässt, doch finde ich, dass sich das Gedicht weitaus schöner lesen lässt, wenn sich auch Z1 auf Z3 reimt.

    Ein weiterer Grund, warum ich dieses Reimschema bevorzuge ist, dass ich gern nach originellen, in jedem Fall aber nach reinen Reimen suche, was manchmal eine ziemliche Herausforderung darstellen kann.
    In der Tat! ^^ Zu Beginn lautete das letzte Wort in S1 Z1 'Ufer'... nun, was reimt sich schon großartig auf 'Ufer' und lässt sich sinnvoll in den Kontext einbauen? Rufer? Alleine daran hab ich ewig gesessen, bis ich zum Schluss kam, die Zeile nochmal komplett zu überarbeiten *g*
    Also geb ich gerne zu, ein wenig Bequemlichkeit ist auch dabei.

    So könnte z.B. Deine S2 aussehen im ABCB-Schema:
    Der Nebel verschluckt auch die letzten Gebete,
    die Seelen der Menschen zerfallen zu Nichts.
    Die Erblast, die einst ihre Hüllen bewohnte,
    steht nun an der Pforte des Jüngsten Gerichts.

    'Bewohnte' ist nicht das Gelbe vom Ei, soll Dir nur veranschaulichen, um wie vieles es leichter fällt, eine passendere Aussage zu finden, wenn man sich nicht zusätzlich um den Reim kümmern muss.


    Im Wandel der Zeiten verlöschen die Sterne,
    am Ende dem göttlichen Willen gebeugt.
    Allein tiefe Dunkelheit starrt aus der Ferne,
    die ewig das Schicksal der Menschheit bezeugt.

    Hier verändert mein Vorschlag etwas den Sinn der letzten 2 Zeilen.
    Das hab ich hauptsächlich deswegen gemacht, weil ich sonst in dieser Strophe den Rotstift gar net ansetzen hätte können.. ...ein bissl Farbe muss schon sein..

    iwooooo ich wär mit einem "an der Strophe hab ich nichts auszusetzen" völlig d'accord gewesen

    Nö..das 'jene' klingt mir zu hart in der so weichfliessenden Sprachmelodie.
    Es eignet es sich somit sehr gut als Beispiel, was mit Phonetik in einem Gedicht gemeint ist.

    Hey...es hat echt Spass gemacht, an diesem feinen Text ein wenig rumzuwerkeln.

    [COLOR="SeaGreen]Das freut mich zu hören =)[/COLOR]

    LG
    Lailany
    Wie immer, vielen lieben Dank für Deine Mühen!
    Liebe Grüße wünscht
    Fabi aka LI182 =)
    Geändert von LyrischesIch182 (31.08.2008 um 21:04 Uhr)

  4. #4
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    Hallo LI!

    Ich hatte tatsächlich nix auszusetzen, es war nur ein dezentes Nachwürzen.
    Meine Überlegungen und Anregungen sind als reine Geschmackssache anzusehen und nicht als Korrektur.

    Und da ich vergessen hab, explizit zu erwähnen, dass Du diesmal sämtliche Grammatikverdreher vermieden hast, sei es hiermit nachgeholt. Denn dafür gibts ein extra Lob.


    Ach, ich kanns net lassen, heut bin ich net ernst zu nehmen...rofl.
    Gedankenversponnen, am sandigen Ufer,
    vernahm ich die Stimme - ein einsamer Rufer.

    "Gestatten? Klaus Müller - Beamter der Schufa".

    Hat sich doch noch ein Reim am und auf Ufer gefunden... ...bissl dreckverschmiert zwar, aber dafür sehr poesievoll.

    Nix zu danken. Gern geschehen.

    Lg
    Lailany

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