1. #1
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    Die Gunst des Lebens-Einführung

    Des Lebens Gunst entzieht sich allen Sinnen.
    Von einem Berg, weit oben, neben Wolken,
    Ruft leis´ein Mann mit zausem Haar,
    -Die Farb´gleicht dem Gerüst der Spinnen-,
    Und Augen hehr, so weisheitsklar,
    So tief wie eines Meeres Grunde.
    Es dringen Worte, wunderbar,
    Mit engumschlungner Reinheitskunde,
    Gar himmelssüß aus seinem Munde.

    Doch stirbt der Laut auf seinem Gang ins Tale.
    Und wie des Ew´gen altes Haar,
    Ist auch der Sinn im Tal vergraut,
    Veränderbar, so ist der Laut.
    Auf weißen, weisen Bergen gut,
    So misst die Phras´auf Erden Gut.

    Wer mag versteh´n, das Ruß´zu färben?
    Mag einer jene Gunst erwerben?
    Geändert von Eric16 (07.09.2008 um 16:06 Uhr)
    Der Schall meiner Träume durchbricht Diamant.
    Dort wo das Laub tanzt, wird auch immer ein Feuer brennen.
    Mein neustes Werk: Sie waren Brüder...

    Andere Gedichte:
    Erebos zeigt sich...der schwarze Mantel
    Mit den Gezeiten leben, Du trauerschwang´res Stroh
    Was ihr unbedingt lesen müsst:
    Adieu, leichter Tod von Stimulanzia

  2. #2
    Total Blackout Guest
    Hi Ho,

    mich erinnert dieses Gedicht an eine Buch, das ich sehr mag, leider nur schleppend lesen kann, aufgrund der sprachlichen Dichte. Gemeint ist "Also sprach Zarathustra" von Friedrich Nietzsche. Auch in diesem Werk beginnen die ersten Zeilen mit der Beschreibung eines Mannes, der vom Berg hinab ins Tal, also in die Stadt schreitet, mit einer Botschaft, die so recht keiner vernehmen will. Hast du dich daran orientiert?
    Auf jeden Fall gefällt mir deine Idee sehr gut.

    Sprachlich sind sehr schöne Formulierungen innerhalb deiner Verse zu finden, die mir Lesefreude bereitet haben. ich erkenne beim Lesen eine gesunde Mischung von lyrischer Dichte, aber auch Klarheit innerhalb der Aussagen.

    Was noch nicht ganz ausgereift ist, ist der Lesefluss deines Werkes. Hin und wieder gibt es Holperer, manchmal wechselst du das Metrum. Daran sollte noch geschliffen werden, um den ganzen einen I-Tüpfel aufzusetzen.

    Gern gelesen und kommentiert!
    LG TBO

  3. #3
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    hiho tbo,
    nein, kenne dieses werk von nietzsche nicht. Ich hab das "Bild" des alten mannes auf einem berg aus dem- so skurril es klingen mag- zeichentrickfilm asterix erobert rom. Mir gefiel die Idee, die dahinter steckte, und ich wollte sie zum grundgedanken einer werkreihe machen. Ist ja lediglich die Einführung hier.

    Die Wechsel des rhythmus´sind beabsichtigt, ich plädiere ja dafür, noch mehr freiheit in die dichtkunst zu bringen. An dieser gedichtsform arbeite ich noch, so sag mir, lieber tbo, was stört dich beim lesen? Würde ich gerne wissen, um die mutmaßlichen schnitzer aus dem werk zu entfernen.
    Ich danke dir, dass du die zeit gefunden hast, bei mir vorbeizuschauen.

    Gruß aus der mehr oder weniger schönen pfalz,
    eric
    Geändert von Eric16 (05.09.2008 um 20:55 Uhr)
    Der Schall meiner Träume durchbricht Diamant.
    Dort wo das Laub tanzt, wird auch immer ein Feuer brennen.
    Mein neustes Werk: Sie waren Brüder...

    Andere Gedichte:
    Erebos zeigt sich...der schwarze Mantel
    Mit den Gezeiten leben, Du trauerschwang´res Stroh
    Was ihr unbedingt lesen müsst:
    Adieu, leichter Tod von Stimulanzia

  4. #4
    Total Blackout Guest
    Hi Ho Eric,

    ich werde dein Werk zunächst metrisch darstellen:

    Des Lebens Gunst liegt fernab aller Sinne.
    Von einem Berg, weit oben, neben Wolken,
    Ruft leis´ein Mann mit zausem Haar,
    -Die Farb´gleicht dem Gerüst der Spinne-,
    Und Augen hehr, so weisheitsklar,
    So tief wie eines Meeres Grunde.
    Es dringen Worte, wunderbar,
    Mit engumschlungner Reinheitskunde,
    Himmelssüß aus seinem Munde.

    xXxXxxXXxXx (hier schon ein Problem: fernab wird xX betont, danach alle Xx, so muss der Leser das erste Wort zwingend falsch betonen, um einen Hebungsprall also XX zu vermeiden)
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx (passt ja alles bis auf Vers 1 bis hierhin)
    XxXxXxXx (hier wird aus Jambus ein Trochäus)

    Doch stirbt der Laut auf seinem Gang ins Tale.
    Und wie des Ew´gen altes Haar,
    Ist auch der Sinn im Tal vergraut,
    Veränderbar, so ist der Laut.
    Auf weißen, weisen Bergen gut,
    So misst die Phras´auf Erden Gut.

    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX

    Wer mag versteh´n, das Ruß´zu färben?
    Mag einer jene Gunst erwerben?

    xXxXxXxXx
    xXxXxXxXx

    Ok, hab doch zu viel gesehen. Also es sind eben nur die zwei Stellen, die nicht stimmig sind. Grundsätzlich bin ich kein Gegner, in einer Strophe das Metrum zu wechseln, aber die sich reimenden Verse sollten im gleichen Metrum stehen, sonst ist der Lesefluß eben weg. Klar man kann auch mit Metren seine Verse frei gestalten, aber es darf eben nicht willkürlich anmuten, sondern sollte System haben. So sind auch metrische Schnitzer als Stilelemente nutzbar, aber eben nur, wenn sie wahrlich angebracht sind. Wichtig ist auch, je mehr man mit Reimen arbeitet und eben auch mit Reimschemen, desto genauer sollte auf das Versmaß geachtet werden, da sonst das Reimschema seine Wirkung verliert.

    Ich finde es schön, dass du deine Idee aus Asterix genommen hast. Das zeugt von Auffassung und den Drang zu schreiben, weil einem etwas zusagt, es neu darstellen will, oder vielleicht hinterfragen will.

    LG von TBO aus dem fernen Sachsenlande

  5. #5
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    @Eric16: Du wirst lachen, genau wie ich, denn als ich dein Gedicht las, musste ich an den Film denken den du eben erwähnt hast.

    Zu dem Gedicht:
    Echt schön zu lesen!
    Es kommt bei Gedichten nicht auf die lyrische Perfektheit an, sondern sagt einfach ob es euch gefällt oder nicht.
    Wenn ich Wolken sehe ; Für dich Regen ; Das traurige Mädchen ; Der echte Liebe

  6. #6
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    hi tbo ,
    habe die beiden schnitzer korrigiert. Danke dir , dass du mich darauf hingewiesen hast.

    @ sellusionstar,
    hiho, und danke für deinen besuch.

    gruß eric
    Der Schall meiner Träume durchbricht Diamant.
    Dort wo das Laub tanzt, wird auch immer ein Feuer brennen.
    Mein neustes Werk: Sie waren Brüder...

    Andere Gedichte:
    Erebos zeigt sich...der schwarze Mantel
    Mit den Gezeiten leben, Du trauerschwang´res Stroh
    Was ihr unbedingt lesen müsst:
    Adieu, leichter Tod von Stimulanzia

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