Gedankengänge

Hier sitz ich nun, im Trübsal versunken!
Vom Tatendurst noch völlig trunken.
Doch scheint mein Geist ein schwaches Licht,
denn viel ersonnen hab ich nicht.
Und wo nur schwaches Lichtlein schwelt,
die Idee zu frischen Taten fehlt.
Es fehlt der Mut mich aufzuraffen,
anzupacken um zu erschaffen.
Hab das Bequeme stets geschätzt
und nie auf Risiko gesetzt.
Zu oft hab ich hin und her gewogen
und mich letztlich damit selbst betrogen.
Jetzt ernt` ich, was ich einst gesät,
doch ist`s für Einsicht reichlich spät.
Denn aus der Frucht wird keine Blüte,
auch wenn ich noch so drüber brüte.
Träumen lässt`s sich freilich leicht,
nur ist mit Träumen nichts erreicht.
Möcht manchmal was ich bin verfluchen,
neue, bessre Wege suchen.
Doch ist mein Pfad von Wasser umsäumt,
das wütend wogt und rasend schäumt.
Und schwämm ich hinaus auf den tosenden See,
wär nichts, das mich hielte wenn ich drinn vergeh`.
Wer bin ich schon? Was kann ich schon?
Mir bliebe doch nur Spott und Hohn.
Oh, wie mein Untalent mich reut.
Ich bin ein Nichts, hab kein Bedeut.
Und wüsst ich, was das allen nützt,
hätt` keinen Titel, der es stützt.
So bin ich gefangen an des Schicksals Geflecht
und bin meinem eigenen Leben der Knecht.
Mir scheint, wenn einst meine Seele entschwebt,
wird es so sein, als hätt` ich niemals gelebt.

2005