1. #1
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    JamZee’s RapsODe in blue-white

    In einer informellen Umfrage habe ich herausfinden können, dass ich vielleicht doch nicht ganz allein mit meinem Musikgeschmack hier bin. Deswegen habe ich mir gedacht zunächst mit einem Sammelfaden zu starten für Diskussionen über rap classics. Es liegt mir am Herzen tatsächlich 2x über die Qualität des Textes nachzudenken bevor man sie zur Diskussion vorschlägt, nicht dass wir am Ende beim club-mainstream landen .

    Als Einstieg fällt mir kein besser geeigneter Titel als ‚Respiration’ von Black Star (Mos Def, Talib Kweli) und Common ein. Die Lyrics sind zu finden bei ohhla.com -> favorite artist -> Talib Kweli (w/ Mos Def), den Track findet man u.a. bei youtube (das Linkverbot und copyright lässen grüßen ). Jedem Neueinstieger empfehle ich den Track öfter als 1x zu hören – allein durch den Text sollte es sich lohnen.

    Ich möchte den Testballon einfach einmal starten. Wer interessiert an der Diskussion ist, der kann sich im Laufe der Woche ja näher mit dem Track beschäftigen und erste Gedanken dazu machen. Mit der Diskussion können wir ja dann nach und nach einsteigen.

    Gruß, JamZee

  2. #2
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    hi

    auch ich habe Interesse an anspruchsvollem Rap, bei dem mich Text+Beat faszinieren (Dre Beats ). Der von dir vorgeschlagene Song schien mir auf den ersten Blick/auf's erste Ohr nicht zu gefallen, aber du sagtest man muss ihn mehrmals hören - DAS WERDE ICH TUN. Der Part von Common gefiel mir, als ich mir die Lyrics anschaute, der gefiel mir wirklich. Es scheint dort um seine Vergangenheit und seine alte Gegend zu gehen.

    Diesen Part würde ich auf jeden Fall sehr gerne interpretieren, du könntest ja einen anderen Part des von dir vorgeschlagenen Songs interpretieren, und wir könnten uns so die "Arbeit teilen".

    Zum Schluss möchte ich sagen, dass ich Talib Kweli zwar kenne und auch schon Songs von ihm hörte, aber in diesem Feld nicht sonderlich bewandert bin. Einer meiner Favoriten mit sinnvollen Texten ist Nas. Bei ihm gefällt mir besonders das Album "The Lost Tapes".
    Es hört doch jeder nur, was er versteht. ~~ Goethe

  3. #3
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    Hallo Peter,

    freut mich . Allerdings fallen mir bei dem Stichwort 'Dre Beats' nur weniger tief-schürfende Tracks ein. Oder war der Fuck the Police-Beat auch schon von ihm .

    Wenn du Common intepretierst, schnappe ich mir gern die Black Stars. Talib Kweli und Mos Def kann ich jedem empfehlen, der sich für ATCQ, De La Soul und Common begeistern kann. 'Aktuell' ein absoluter Kracher: Perfect Beat von Talib Kweli und 'the one and only' KRS-One.

    Zu Nas habe ich nie den Zugang gefunden - wahrscheinlich ist das schwieriger als alter 2Pacianer (man denke an die Zeilen "brothas that don't rhyme right, seen to many movies"). Viele schwören auf Nas, gerade auch in Sachen lyricism. Aber umgehauen haben sich seines Tracks bisher eher selten. Ich lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen.

    Gruß, JamZee
    Geändert von Jamzee (09.09.2008 um 17:52 Uhr)

  4. #4
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    Ähm, mit Verlaub Erich - eine eigenwillige Form der Abwerbung die du hier betreibst ohne, ja ich betone, ohne mit einem Wort auf den Faden eingegangen zu sein in dem du eigentlich postest. Irgendwie verlangt es mich jetzt in einigen deiner Fäden Werbung für unsere RapsODe zu machen, aber von Auge um Auge bin ich eher abgekommen.

    Kopfschüttelnd, JamZee

    PS: Vielleicht löschen wir dann einfach die Kommentare in einigen Tagen (sonst werde ich das förmlich beantragen). PN wäre hier das geeignetere Medium gewesen, nein - ist es nach wie vor noch.

  5. #5
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    Moinsen Jamzee,

    es wird Dich jetzt wahrscheinlich entsetzen, dass ich den Text zwischenzeitlich sehr oft gelesen habe, ohne ein einziges Mal den Track zu hören Trotzdem lasse ich ein paar Eindrücke dar:
    Die Sprache hat sehr viel Dynamik (welch Wunder bei dem Genre...) und es lohnt sich eigentlich gar nicht, hier Übersetzungsversuche anzustellen - da geht zu viel verloren; Kleinigkeiten habe ich dann einfach für mich aus dem Zusammenhangverständnis gezogen, womit ich natürlich nicht unbedingt im Ursprungssinn liege - das nehm ich in Kauf.
    Interessant finde ich den Wechsel zwischen Arbeiten mit Bildern, schlichten Alltagsbeschreibungen und teils recht religiös hergebracht scheinenden Passagen; ich meine, da lässt sich eine Entwicklung ablesen, die den geschichtlichem Fortgang unterstreicht. Die Bilder sind dabei teils so gewählt, dass man sie durchaus in klassischer Lyrik vermuten könnte (Beispiel "Sigh before we die like the last train leaving"), teils dort weniger, wenngleich ebenfalls ausdrucksstark (Beispiel "It's a dog-eat-dog world"). Teils kommt der Text dann wieder recht einfach daher (Beispiel "For trees to grow in Brooklyn, seeds need to be planted", oder "This ain't no time where the usual is suitable"). Das alles trägt zu einer sehr spannungsgeladenen Athmosphäre bei. Sprachlich sehr hohes Niveau vermischt sich mit Slang, was zu den jeweiligen Situationen farblich viel beiträgt.

    Nunja, ich hab mir versprochen, heute abend mir endlich mal die Muße zu nehmen, akkustisch zu vervollständigen...

    Lieben Gruß an Dich
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  6. #6
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    Nun die Interpretation des Parts von Common

    Commons Part - ich interpretiere mal frei drauf los, nicht böse sein, wenns "falsch" ist :

    Hier steht Common an einer Ecke seines früheren "Hoods". Er fühlt den Geist (entweder den seines Freundes, oder die ihm gut bekannte Atmosphäre des Hoods) im Winde wehen und weiß, dass sein Freund, der gestorben, oder vermutlich umgebracht wurde, "was gone for good", d.h. dass dieser vermutlich im Himmel gelandet ist.

    Er sagt, dass er den Schmerz nicht vergebergen konnte, als er Erde auf seines Freundes Sarg spatete - kurz und gut - vermutlich liefen ihm die Tränen dabei herunter. Er weiß, dass er dabei Emotionen vermischte und altes hochkam, alte Probleme, die er nicht (ausreichend) bearbeitet hatte.

    Bis hierhin NICHT VIEL zu interpretieren. Nun weiter:

    "I coreograph seven steps to heaven/ and hell, waiting to exhale and make the bread leavened"

    er choreographiert (gibt sie vor?!) die 7 Schritte zum Himmel, als auch zur hölle. damit ist meiner meinung nach gemeint, dass er bestimmt, wie man in den himmel kommt und wie in die hölle - wenigstens IN SEINEN GEDANKEN. so kann er auch vorgeben zu wissen, dass sein freund in den himmel kommt (siehe oben), denn er weiß, dass er die richtigen schritte machte.

    während er das vorgibt/choreographiert in seinen gedanken, wartet er bis er ausatmen, ja aufatmen darf (wenn er selbst im himmel ist) und wie die juden gesäuertes brot bäckt (auch ein zeichen für seine dann vorhandene himmelsverbundenheit).

    nun kommt ein einschnitt - dieser kommt krass, da nun nicht mehr indirekt die rede von gott ist. vielmehr von der illusionslosen realität, die nicht(s) mit gott zu tun hat. im vergleich zu seinem gedanklichen trugbild von sich selbst, ist common nämlich nicht der, der den weg zum himmel coreographiert, sondern kalte-krieg-veteran, der auf chickas, also frauen "abfährt".

    die nächste zeile spare ich mir, da könnte man auch gottweißwas reininterpretieren.

    dann: hier wird wieder bezug zur ersten zeile genommen. wie kam er überhaupt an eine straßenecke seines hoods? nun, manchmal nimmt er den bus und fährt dorthin. er nennt das "home". sein neues zuhause, dass vermutlich im reichen viertel liegt, scheint ihm dagegen fremd zu sein. anschließend erinnert sich common hier zurück an früher. damals, als jung war und sich für junge mädels interessierte, solche mit schwachem geiste und starkem hintern

    => allerdings sah er durchaus die probleme dabei, soolche mädchen auszunutzen. er wollte mit gott reden, oder ihn wenigstens anpiepen, aber...


    NÄCHSTES MAL GEHTS WEITER

    und ja, man kann das alles ganz anders sehen, aber ich habs so gesehen. viel spaß damit
    Es hört doch jeder nur, was er versteht. ~~ Goethe

  7. #7
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    Fahren wir fort – leider dürfen wir nicht den kompletten Text zitieren, deswegen überspringen wir das Intro, in dem das vorherrschende Thema ‚Stadtleben’ in spanischen Worten (eigene Übersetzung: Hört, (wie) die Stadt atmet) und mit einer Anspielung auf die Kriminalität eingeleitet wird.

    Bereits der Einstieg ist mAn als historisch-spirituelle Anspielung zu sehen. Der Neumond ‚thront’ über der Krone der Metropolis, scheint ‚like who on top of this’. Im Zusammenhang mit der späteren Entwicklung der Geschichte kann man hier durchaus davon ausgehen, dass eine Referenz auf den ‚alten’ Konflikt zwischen Natur/Gottheit und Mensch um die Bestimmung des Lebens gesetzt wurde. Ihr baut die Türme in den Himmel, aber wer steht weiterhin darüber – bleibt unerreicht?

    Danach beginnt Mos Def mit einer wortversierten Beschreibung der Gegensätze des Lebens in NYC – in einer metaphorischen Tiefe die leider viel zu selten erreicht wird. Zitieren möchte ich hier eine besonders relevante Stelle imA.

    Zitat Zitat von Mos Def – 1st verse Respiration
    where mercenaries is paid to trade hot stock tips
    for profits, thirsty criminals take pockets
    Hard knuckles on the second hands of workin class watches
    Skyscrapers is collosus, the cost of living
    is preposterous, stay alive, you play or die, no options
    No Batman and Robin [Anm.: Bezug zu ‘Gangstas of Gotham’], can't tell between
    the cops and the robbers, they both partners, they all heartless
    […]
    Nightly news repeat, who got shot down and locked down
    Spotlight to savages, NASDAQ averages
    My narrative, rose to explain this existance
    Amidst the harbor lights which remain in the distance
    Besonders die ersten beiden Zeilen sind beispiellos in ihrer Ausdruckskraft, mit der Mos Def die offensichtliche ‚Perversität’ von NYC auf den Punkt bringt. Überall springen ‚Außenstehende’ (man beachte die historische Konnotation) herum die sich an der Börse eine goldene Nase verdienen, während kaum 20 Minuten weiter die Leute sehen müssen wie sie irgendwie über die Runden kommen (und schröpfen dabei den ‚produktiven Teil’ der Gesellschaft mit ihrem bescheidenen Wohlstand). Sie haben nichts davon, dass der Rubel rollt, weil sich die ‚Auswärtigen’ für die Chance auf schnelles Geld verdingen, nein – sie leiden sogar noch unter dem Quadratmeter-Preis-pull durch den entstehenden Flächendruck im innerstädtischen Bereich (vgl. Zeile 4)
    Wie Nina bereits angedeutet hat, finden sich zahlreiche Verweise in spirituelle, historische und mythologische Inhalte. Ein Beispiel ist der Vergleich Skyscraper – Collosus, bedenkt man, dass [quote = wikipedia, 11.09.2008] (d)er Koloss von Rhodos in der antiken Literatur häufig erwähnt (wird), gerne als Beispiel für übertriebene Größe und Größenwahn.[/quote]
    ‚Can’t tell between the cops and the robbers’ ist mehr als ein Seitenhieb auf die teilweise ähnlichen Praktiken (und vergleichbaren Sanktionswerte) der verschiedenen Seiten. Dass organisiertes Verbrechen und Staatsgewalt sich teilweise im Waffenstillstand befinden können und nur an den Ränder und Schnittflächen aufeinander prallen, ist auch keine Einmaligkeit von NYC, aber relativ elegant und eingehend formuliert.
    Was zu dieser Unwirklichkeit der Situation passt (auf die TK später auch zurückkommt), ist die Charakterisierung der abendlichen Nachrichten: Wer wurde niedergeschossen, wer wurde eingesperrt - Schweinwerfer auf die Wilden – und Börsenindizes.

    Zitat Zitat von Mos Def - Chorus
    So much on my mind that I can’t recline
    Blasting holes in the night till she bled sunshine
    Breathe in, inhale vapors from bright stars that shine
    Breathe out, weed smoke retrace the skyline
    Heard the bass ride out like an ancient mating call
    I can’t take it y’all, I can feel the city breathin
    Chest heavin, against the flesh of the evening
    Sigh before we die like the last train leaving
    Auch der Chorus fällt durch subtile Kontraste auf: Einerseits spielt Mos Def mit sprachlichen Bildern (Zeile 2-4), inkorporiert Vergleiche (Zeile 5, 8). Andererseits ist Zeile 6 wieder schlicht in der Wortwahl und Ausdruck. Inhaltlich wird in einem Chorus selten so viel zu vermitteln versucht. Besonders gelungen ist das Bild des letzten fahrenden Zuges und Z2, die in ihrer metaphorischen Tiefe mehrere Ebenen bedient. Zum einen die unmittelbare Deutung: Nachts gehört die Stadt den Banden, sie verwalten sie nach ‚ihren’ Regeln bis es wieder hell wird. Zum anderen schwingen natürlich Assoziationen und Konnotationen reichlich mit: Die Hoffnung es auch am Tag zu etwas bringen zu können, das amerikanische Ideal ‚from rags to riches’. Die Sonne als ein Symbol der Hoffnung – und das Eingeständnis manchmal das ferne Glück auch mit widrigen Methoden zwingen zu müssen.
    Eine treffende Beschreibung ist ebenfalls Z5 – es ist nicht nur natürliche, sondern auch sexuelle Selektion, die die Leute umtreibt . Ebenfalls gelungen ist die fortschreitende Personalisierung der Stadt.
    Diese führt Talib Kweli in seinen ersten beiden Zeilen ebenfalls weiter. Danach fährt er mit einer Umschreibung fort, die ich jedem Newbie in Sachen konsistenter Metaphorik ans Herz legen möchte:
    Zitat Zitat von Talib Kweli - 2nd verse Respiration
    The beast crept through concrete jungles
    communicatin with one another
    And ghetto birds where waters fall
    from the hydrants to the gutters
    Zitat Zitat von Talib Kweli - 2nd verse Respiration
    Gettin knowledge in jail like a blessing in disguise
    Look in the skies for God, what you see besides the smog
    is broken dreams flying away on the wings of the obscene
    Thoughts that people put in the air
    Places where you could get murdered over a glare
    But everything is fair
    It's a paradox we call reality
    So keepin it real will make you casualty of abnormal normality
    […]
    Hard to be a spiritual being when shit is shakin what you believe in
    In diesem Abschnitt konzentriert sich Talib Kweli auf die offensichtlichen Diskrepanzen zwischen dem Leben in NYC und dem religiös-spirutellem Ideal sowieso den Träumen der Menschen. Z2 kann als Anspielung auf die Bedrohung der Schöpfung durch den Menschen verstanden werden, Z34 zeigt wie sich die Träume und Visionen der Leute in dieser Unwirklichkeit von NYC förmlich in Luft auflösen; Z9 wie dies auch an den Grundfesten des Glaubens rütteln kann. Z56 setzt auch voll auf den Kontrast zwischen Wirklichkeit und televisioniertem Ideal, sowie dem damit verbundenen ‚Kopfschütteln’ der Betroffenen. Zentral sind aber besonders Z78 – ‚to keep it real’ ist die klassische Maxime des Rap und wurde spätestens seit dem Konflikt zwischen East- und Westcoast von 2Pac offensiv propagiert. Aber wie soll man das ‚game’ ‚reel keepen’ (yeah, denglisch ) wenn die Realität unwirklich ist – das würde das Paradoxe zur Normalität erheben und wäre dann doch wieder unwirklich an sich?! Eine viel beachtete Zeile in einschlägigen Rap-Kreisen .

    Talib Kweli schließt seine verses mit einem beachtenswerten Satz und einer klaren historischen Referenz, die ich zumindest verstehe als Hinweis wie schnell man mit dieser Art und Weise zu Leben auch das gleiche Schicksal Roms erleiden kann:
    New York life type trife the Roman Empire state
    Die Grundlage dürfte damit geschaffen sein. Ich hoffe wir können jetzt auf dieser Basis über sprachliche Finessen und inhaltliche Facetten sinnieren. Meine antizipierte Freude darüber schicke ich voraus .

    LG, JamZee
    Geändert von Jamzee (17.12.2008 um 09:26 Uhr)

  8. #8
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    habe grade keine zeit zu schreiben, oder auch nur alles zu lesen, was du schriebst, aber du hast oben von "fuck the police" geredet. wenn wir schon bei nwa sind, möchte ich gleich mal vorschlagen, von ihnen den song "express yourself" (den ich sehr mag) zu interpretieren. aber ich möchte nicht den flow hier stören - natürlich machen wir erstmal fertig, was bisher angefangen.
    Es hört doch jeder nur, was er versteht. ~~ Goethe

  9. #9
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    Der Faden kann etwas neues Leben gebrauchen. Ein genialer Track (danke Immortal Technique) hat mich dazu inspiriert hier etwas Zug hinein zubringen .

    Die Frage ist natürlich: Was bringt es in einem Gedichteforum einen Rap-Text zu besprechen? Natürlich - sprachliche Bilder brauchen wir alle und an denen mangelt es hier nicht. Interessant ist aber auch sich mal die Betonung anzusehen:

    where mercenaries is paid to trade hot stock tips
    xXxXx'X xX x X x 15
    for profits, thirsty criminals take pockets
    xXx, XxXxX x X x 15
    Hard knuckles on the second hands of workin class watches
    xXxXxXxXxXxX()Xx 15
    Skyscrapers is collosus, the cost of living is
    X()XxXxXx, xXxXxX 15
    preposterous, stay alive, you play or die, no options
    xXxX, XxXxXxXxXx 15

    Wie man hier sehr schön erkennen kann, werden die Betonungen sehr rhythmisch gesetzt. Es wird nahezu auf Lautverschiebungen verzichtet (außer z.B. bei stock tips - profits um den Reim herzustellen), dahingegen werden Pausen sehr gezielt eingesetzt, um nicht den natürlichen Fluss der Sprache an einem Hebungsprall zu brechen [markiert als ()].

    Was lässt sich daraus schließen? Rap und Lyrik stehen vor der gleichen Herausforderung: Wie konstruiere ich Sprache zu einem ästhetischen Muster? Für Rap ist der Reim als Mittel der Phonetik praktisch unverzichtbar, zumal die Beats praktisch auf diese Betonung zugeschnitten sind. Unterschiede bestehen darin, dass man bei einer Vertonung natürlich ebenso Lautverschiebungen als Stilmittel gezielt einsetzen kann, welche bei klassischer geschriebener Lyrik oft so störend sind, dass sie bestenfalls punktuell geeignet sind.

    Fest steht: Guter Rap ist sicher genauso schwierig wie gute Gedichte zu schreiben. Nein, es kann nicht jeder - auch wenn es viele einfach tun. Ebenso hat man eine gewisse Zeit pro Zeile Text zur Verfügung. Wo man weniger Hebungen setzt, muss man die Pausen ausdehnen (visualisiert durch Leerzeichen) - und man kommt somit auf eine Gesamtzeit von 15 Silbeneinheiten pro Zeile. Entmystifiziert man damit die 'Kunst'? Ich glaube nicht zu ihrem Nachteil.

    JamZee

  10. #10
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    Hallo hier ^

    ich persönlich finde Rap aggresives Zeug..
    Habs selbst mal gehört, gibt aber viel besseres .
    Find die Deutschrapper wie Samy Deluxe noch ganz oke, bushido is aber wieder dreck .. xD
    Was mir aber recht gut gefällt is Brokencyde -> wegen den Screamo einlagen ^


    Ansonsten hör ich unter anderem Three Days Grace, Scary KIds Scaring Kids,usw . .

    mfg

  11. #11
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    Hallo blackangel,

    hast Du einen meiner Beiträge hier gelesen? Das ist nicht das Wohnzimmer, sondern ein Diskussionsfaden für anspruchsvolle Texte. Und wenn ich in diesem Zusammenhang Bushido lese, dann wird mir schon ganz anders.

    Nichts für ungut...

    Jamzee

    PS: Der Beitrag wird demnächst auch verschoben.

  12. #12
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    Hallo Jamzee,

    Zunächst möchte ich dir einmal für deine Erklärungen zu Respiration danken. Es ist sehr interessant, diese zu lesen. Von den Vergleichen kann man durchaus noch einiges lernen. Was mich besonders beeindruckt, ist, wie unterschiedliche Ebenen vermischt werden. Einerseits findet man eine sehr lyrische Sprache, andererseits auch - wie linespur schon sagte - Slang. Ebenso gefällt mir, wie Erscheinungen der modernen Großstadt mit dem Römischen Reich in Verbindung gebracht werden.

    Außerdem möchte ich noch einmal auf den deutschen Rap zurückkommen. Bushido, Sido und Co können mich da nicht wirklich überzeugen. Doch es gibt mE auch einige deutsche Rapper, die beeindrucken. Besonders Fiva MC und vielleicht auch Peter Fox fallen mir da ein. Fiva MC spielt eindrucksvoll mit Assonanzen und ihre Texte weisen Züge des Poetry Slam auf. Zunächst würde ich einmal "Rauschgift" und "Zeichen setzen" empfehlen (findet man auf youtube).

    LG,
    anti-maXces
    Geändert von MisterNightFury (04.12.2009 um 20:19 Uhr)

  13. #13
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    Huhu
    Eigentlich bin ich ja überhaupt nicht im Rap zu Hause, aber wo maxces gerade Fiva nennt: Die find ich wirklich genial. Ich habe einen ihrer Texte auch zum ersten mal auf einem poetry slam (leider nur im Fernsehen) gesehen. Mir hat besonders gut "Zeit die mir bleibt" gefallen, aber das nur wegen der persönlichen Gefühle. Ansonsten würd ich maxces mit "Zeichen setzen" zustimmen. Manche Texte von Curse fand ich auch noch relativ poetisch und sinnvoll, weiß jetzt allerdings nicht mehr die genauen Titel.

    Wenn noch Interesse besteht würde ich auch mit jemandem zusammen einen solchen Text interpretieren.

    lg kirbi
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