Seite 1 von 2 12 Letzte

Thema: Fingerspur

  1. #1
    Registriert seit
    Sep 2008
    Beiträge
    797

    Fingerspur

    .
    .

    Wie blaue Trauben,
    die sich nach Ernte sehnen,
    durchflutet mich die reife Süsse,
    wenn lippensinnlich mich
    Dein Mund berührt.

    So banne Deine Fingerspur
    auf meine Haut.
    Wie roter Weinmost
    gärend überschäumt,
    will ich mich treiben lassen.
    .
    .
    Geändert von linespur (11.09.2008 um 13:04 Uhr)
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  2. #2
    Registriert seit
    Sep 2008
    Beiträge
    797
    Grüß Dich Erich,

    ich danke für Deine Rückmeldung. Bezüglich der Kritik muss ich allerdings Ferdis Erwiderung beipflichten: Mir ist es an dieser Stelle wichtig, den metaphorischen Vergleich beizubehalten und eben nicht mit Metaphern zu arbeiten. Das Gedicht kratzt für meinen Geschmack bereits in der jetzigen Ausführung schon fast zu sehr am Kitschigen... *zwinker* (Da wäre zum Beispiel dies "lippensinnlich" aufzuführen, mit dem ich persönlich viel eher hardere.)

    Dass es trotz Deines Einwandes bei Dir aber nicht durchfällt, freut mich sehr.
    Lieben Gruß
    Nina


    Hallo ferdi,

    bezüglich des Kommas hast Du strenggenommen sicherlich Recht, wenn ich es überdenke; es finden sich hier eigentlich zwei aneinandergereihte abgeschlossene Hauptsätze. Aber irgendwie widerstrebt es mir, den Lesefluss an dieser Stelle zu unterbrechen, eine Trennlinie quasi einzuziehen... Ich überlege noch - bin ich doch eher ein Verfechter der korrekten Zeichensetzung in Gedichten


    Auch Dir Dank und einen lieben Gruß
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  3. #3
    Registriert seit
    Apr 2004
    Beiträge
    176
    "Lippensinnlich" gefällt mir außerordentlich gut. Es erzeugt mir nicht nur das Bild eines erotischen Kusses sondern bringt auch gleich noch dieses zum Augenschließen zwingende brachiale Gefühl herüber, das einen Kuss wie den, an den ich denke, begleitet.

    "Banne"... Sollte das nicht "bahne" heißen? Oder soll der hier erwähnte Impuls des Bannens die große Ambivalenz deutlich machen, die ja bei diesen ganz großen Gefühlen oft, vielleicht immer mit von der Partie ist? Dann wäre die Wortähnlichkeit zu "bahne" für mein Empfinden ein "besonderer Gimmik" des Gedichts.

    Ich mag es gern, wenig lesen zu müssen und in diesem Wenigen viel geboten zu bekommen. Das sehe ich in deinem wirklich superschönen Gedicht sehr befriedigend (!) erfüllt, weshalb es mich sehr freut, es gelesen zu haben.

    Der Titel "Fingerspur" deutet für mich auf große Sinnlichkeit hin. Bei DIESEM Gedicht hätte kein anderer Titel besser passen können. "Fingerspur", das ist die zarte Berührung langsam streichender, vielleicht auch etwas auf der haut kraulender Finger, die in dem Moment, in dem sie stattfindet den ganzen Körper des Gestreichelten mit dem schönsten Gefühl flutet, das ich kenne. Es ist, als würde sofort nach Beginn der Berührung eine innere Rakete hoch gehen, die als ständiges Feuerwerk keine Leuchtkugeln sondern Glück verschiesst, das sich sofort in alle Richtungen, in alle Körperregionen hinein bemerkbar macht, so dass alles ausgefüllt ist und die Seele dem Körper und dem Geist vollkommene Glückseligkeit sendet. Heroin könnte bestimmt nicht besser sein. Manchmal denke ich, dass Drogen im Gehirn eine Art Simulation dessen veranstalten, was auf natürlichem Wege nur die "Fingerspur" auszulösen vermag und dies nur sofern man zum Genießen bereit ist und sich fallen lässt, so dass man in diesem gigantischen Moment alles vergisst. Ohne diese Bereitschaft ergießen sich keine großen Gefühle und bestenfalls muss dann der Gestreichelte lachen und sagt: "He, das kitzelt!".

    Wirklich, große Klasse, Nina!

    Viele Grüße, Henk
    Geändert von Survivor (10.09.2008 um 18:42 Uhr)
    Ich glaube, die meisten Menschen suchen nichts Außergewöhnliches, sondern ganz im Gegenteil: Sie sind süchtig nach allem, was gewöhnlich ist, um sich nicht umgewöhnen zu müssen.

  4. #4
    Registriert seit
    Dec 2006
    Ort
    Nähe Gießen
    Beiträge
    1.252
    Hey linespur,

    *lächel* jetzt kenne ich also auch deine Fingerspur...schön
    auch mir gefällt mir "lippensinnlich" sehr gut
    Hachja, schön, wenn man das durchleben kann
    Auch das Bild der bannenden Fingerspur finde ich sehr passend. Hat man doch zunächst das Gefühl, sie wäre auf ewig dort spürbar. Und jede Erinnerung holt sie zurück *lächel*
    Falls du das Komma noch setzen magst, müsste es direkt hinter "überschäumt"
    Gerne damit beschäftigt

    Liebe Grüße
    Sabsi
    Wenn ein Finger zum Himmel zeigt, schaut nur ein Dummkopf den Finger an. (Die fabelhafte Welt der Amélie)

  5. #5
    Registriert seit
    May 2008
    Beiträge
    4.447
    Liebe Nina,

    Na dann, wollen wir mal.

    1. Mein Eindruck (vorsicht subjektiv)

    Zitat Zitat von Linespur
    Wie blaue Trauben, --> blaue Trauben, was für eine herrliche Assonanz! Ich persönlich verbinde das Blau mit der blauen Blume (Sehnsucht). Was auch passen würde, da sich die Trauben nach der Ernte sehnen. (hey, da hast du ja noch eine Assonanz )
    die sich nach Ernte sehnen,
    durchflutet mich die reife Süsse,
    wenn lippensinnlich mich
    Dein Mund berührt.
    --> der Klang dieser Strophe ist für mich wunderbar. es gefällt mir sehr gut

    So banne Deine Fingerspur
    auf meine Haut.
    Wie roter Weinmost --> zuerst blau, dann rot. Sehr schön. Aus der Sehnsucht wird Liebe.
    gärend überschäumt
    will ich mich treiben lassen.
    --> auch diese Strophe finde ich schön
    Metrik

    Wie blaue Trauben,
    xXxXx
    die sich nach Ernte sehnen,
    xXxXxXx
    durchflutet mich die reife Süsse,
    xXxXxXxXx
    wenn lippensinnlich mich
    xXxXxX
    Dein Mund berührt.
    xXxX

    So banne Deine Fingerspur
    xXxXxXxX
    auf meine Haut.
    xXxX
    Wie roter Weinmost
    xXxXx (Weinmost. [eigentlich gehört das ins Sprechzimmer] ist das ein schwerer Trochäus? [eigentlich gehört das ins Sprechzimmer])
    gärend überschäumt
    XxXxX
    will ich mich treiben lassen.
    xXxXxXx

    Worte, Klang, Ausdruck


    Der Klang ist für mich sehr gut gelungen.
    Die Wortwahl und der Ausdruck können mich überzeugen. Auch z.B. lippensinnlich passt ins Bild.


    Einzig in einer Sache muss ich dich ausbessern:
    Zitat Zitat von Linespur
    Hallo ferdi,

    bezüglich des Kommas hast Du strenggenommen sicherlich Recht, wenn ich es überdenke; es finden sich hier eigentlich zwei aneinandergereihte abgeschlossene Hauptsätze. Aber irgendwie widerstrebt es mir, den Lesefluss an dieser Stelle zu unterbrechen, eine Trennlinie quasi einzuziehen... Ich überlege noch - bin ich doch eher ein Verfechter der korrekten Zeichensetzung in Gedichten
    Okay, ob du Beistriche setzt, ist ja dir als Autor überlassen. Doch mit den beiden Hauptsätzen hast du nicht Recht.

    Wie roter Weinmost
    gärend überschäumt
    will ich mich treiben lassen.


    Okay, Hauptsatz ist "will ich mich treiben lassen." Stellt man sich die Frage, wie will ich mich treiben lassen, so antwortet man "Wie roter Weinmost gärend überschäumt, ". Es handelt sich hier nicht um eine Hauptsatzreihe, sondern um ein Satzgefäge, bestehend aus Hauptsatz und Gliedsatz (in diesem Fall ein Vergleichsatz (=Komparativsatz)).

    Ich persönlich würde hier ein Komma setzen, da es - wie ferdi in seinem Pausenbrot (z.B. in meiner Signatur) erläutert - auch auf das Metrum eine Auswirkung haben, und ich hier eine kurze Pause sehr schön finden würde.

    Gern gelesen,
    Liebste Grüße,
    maXces

  6. #6
    Registriert seit
    May 2007
    Ort
    Oberösterreich / südl. von Linz
    Beiträge
    1.999
    Liebe Nina,
    auch mir gefällt dein kleines sanft prickelndes bis überschäumendes Erotik-Gedicht. Und das nicht nur deshalb, weil ich aus einer Weingegend stamme. Es fließt wie der Saft der reifen Trauben und hinterlässt eine zauberhafte Klangspur, die nachklingt und nachklingt...

    An zwei Stellen bin ich ein wenig ins Grübeln geraten:

    "Trauben, die sich nach Ernte sehnen" - ist das nicht, als ob sie den Tod ersehnen, oder soll das so sein?

    "roter Weinmost" - das dürfte vielleicht nur mein Empfinden sein, mir würde "junger" noch besser gefallen. "ROT" erscheint mir einerseits schon etwas abgegriffen, andererseits weckt es (wahrscheinlich nur bei mir) "Blutassoziationen"

    "Fingerspur auf Haut bannen" finde ich sehr schön, wie auch "überschäumend treiben lassen" und "lippensinnlich" (weil es auch so einen interessanten Klang hat)

    Insgesamt ein absolutes Highlight unter den erotischen Gedichten! Gern gelesen!

    Liebe Grüße,
    monalisa

  7. #7
    Registriert seit
    Feb 2006
    Ort
    Im Herzen des Vogtlandes
    Beiträge
    5.077
    @linspur


    Ich leiste mir heute mal einen positiven Spam. Das Teil ist echt abgefahren. Beifall. Wollt mich eben an eine dritte Strophe heranwagen, hab sie halbfertig gelöscht. Sie kam auf Anhieb nicht an dieses Niveau, was du hier bietest, heran. Sehr gute Arbeit und das nach 14 Beiträgen, grins. Nein wirklich, sehr gut gelungen. Bis später.

  8. #8
    Registriert seit
    Sep 2008
    Ort
    Mannheim
    Beiträge
    27
    in deinem werk spiegelt sich meine momentane emotionale situation perfekt wieder...
    What good is Life, when Justice fails and Dishonesty is glossed over and the ones who keep Faith suffer?

  9. #9
    Registriert seit
    Sep 2008
    Beiträge
    797
    Hallo Henk,

    es sollte sicherlich nicht „bahne“ heißen Man bahnt sich einen Weg durch unwirtliches Gelände; bei Übertragung auf das Streichen über Haut käme mir lediglich ein Faltengebirge in diesem Zusammenhang in den Sinn, *lach*. Nein, banne ist schon richtig und ich denke, warum es so ist, hast Du in dem nachfolgenden Absatz sehr schön erklärt. Da muss ich gar nicht mehr viel zu sagen. Es hat mich gefreut, dies aus Deinem Munde zu hören.

    Herzlich
    Nina


    Hey sabsi,

    als Erklärung für einen gewissen Fehltritt musste ich den Titel hier ja noch einmal unterbringen *zwinker*. Klar, das Komma setze ich noch; „ewig dort spürbar“ hat mir als Assoziation sehr gefallen.

    *bussie*
    Nina


    maXces

    Ich denke, Du weißt wie sehr mir Dein genaues Durchsehen des Textes Freude macht; zumal er auch mir einen neuen Blickwinkel zeigt: Ich muss zu meiner Schande zugeben, dass die Assonanzen nicht von mir bewusst gesetzt worden sind – ich arbeite damit eigentlich eher aufgrund Empfindung. Umso schöner, dass sie gefielen. Beim Übergang vom Blau zu Rot war ich etwas unsicher, ob es nicht überläd – ich habe mich dann dafür entschieden, weil die Farben der Wirklichkeit des genutzten Vergleiches entsprechen und es scheint, als wäre es Dir nicht unschön aufgefallen.
    Weinmost: In jedem Falle zwei lange Silben, wobei die erstere überwiegt. Ob man den Begriff „schweren Trochäus“ dafür verwendet, weiß ich nun nicht; kann es sein, dass Du aufgrund ferdis Ausführungen zu Klopstock gedacht? Wie auch immer, mir gefällt das Wort.

    Danke auch für die grammatikalische Aufklärung – was mich bezüglich der Hauptsätze geritten hat, weiß ich ehrlich auch nicht Aber immerhin hast Du mir wieder einmal den Begriff „Komperativsatz“ nahe gebracht. Solcherlei Auffrischung scheine ich bitter nötig zu haben - merci

    Liebsten Gruß auch an Dich
    Nina


    Grüß Dich monalisa,

    für mein Empfinden sind Trauben, die am Rebstock verdorren, dem Tode wesentlich näher als solche, die für köstliches Nass gesammelt werden; denk mal daran, wie alt mancher Wein wird *zwinker*. An der Stelle kann ich zwar Dein Empfinden zwar nachvollziehen, aber nicht mitempfinden… „Rot“ ist natürlich eine der abgegriffensten Farben überhaupt, aber schamolgrün hätte nun wahrlich nicht gepasst maXcess hat es zur Liebe geführt, Dich zum Blut und mir steht es einfach schlicht für die Farbe des Weines hier; sei mir nicht gram, aber auch das möchte ich stehen lassen.
    Nichts desto Trotz beziehungsweise vor allem deswegen bin ich Dir für Deine Anmerkungen dankbar; Du setzt damit wieder einmal mehr ein Zeichen, wie unterschiedlich man seine Texte vor der Veröffentlichung beleuchten sollte. Und dass er Dir dann doch trotz dieser Gedanken gefällt, freut mich immens.

    Liebe Grüße
    Nina


    Liebe challenger, lieber horstgrosse und Diva Satanica,

    bei Euch mach ich es jetzt ganz kurz: Ich freue mich über das positive feedback – es macht ein wenig atemlos

    Herzliche Grüße
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  10. #10
    Registriert seit
    Mar 2007
    Ort
    Laberweinting in Niederbayern
    Beiträge
    2.430
    Hallo Linespur,
    da ich nach so vielen Komms nichts Neues mehr beitragen kann, versuche ich es mal mit einer kleinen Satzumstellung im ersten Vers, weil mir die "Wie-So-Folge der Versbeginne nicht so gut gefällt.

    Wenn lippensinnlich mich
    dein Mund berührt,
    durchflutet mich die reife Süße.
    Wie blaue Trauben,
    die sich nach Ernte sehnen.

    Ansonsten gern gelesen!
    LG
    Perry

  11. #11
    Registriert seit
    Sep 2008
    Beiträge
    797
    Hallo Perry,

    mit dem Vergleich gleich quasi in's Haus zu fallen, ist sicherlich Geschmackssache; Deine Vorbehalte kann ich verstehen, aber nicht mittragen... *smile*

    Zu Deinem Vorschlag: Mir macht er ein wenig den Lesefluss kaputt; ich mag dies zögerliche Einsteigen mit einer kurzzeile, die sich quasi herantastet an das, was wirklich ausgesagt werden soll. Als suchte das lyr. ich bemüht einen Vergleich, um nicht gleich das lippensinnlich beim Namen nennen zu müssen; ich weiß nicht, ob man das verstehen kann...
    Aber auch rhythmisch macht es mir in diesem Aufbau - erst Kurzzeile, dann Lanzeile - mehr Sinn.

    Auf jeden Fall danke ich Dir für den Denkanstoss und Deine nette Rückmeldung.

    Lieben Gruß
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  12. #12
    Registriert seit
    Jul 2008
    Ort
    Im Herzen wahrer Poesie
    Beiträge
    168
    Hi linespur,

    Dein Gedicht ist wirklich wunderbar verdichtet. Damit kein Zweifel aufkommt, will ich Dir sagen, dass Du diese Gefühle und Vergleiche dermaßen auf den Punkt bringst, dass Dein Gedicht keiner Ergänzung bedarf.
    Dein Werk beinhaltet die Zeitspanne vor der Kelter bis zur Gärung und lässt schon auf ein langes Liebespiel schließen.
    Der Kuss und die Berührung stellen inmitten deiner poetischen Ausdruckweise eine Intensität dar, die man für sich alleine gestellt gar nicht erwarten würde.
    Die Sinnlichkeit der Lippen und das Bannen der Fingerspur stellen zwar auch schon einen poetischen Anspruch dar, aber erst im Zusammenhang wird die Fülle dieser zwei einzigen Berührungen dargestellt.
    Die emotionale Beschreibung des sich Treiben lassen, krönt in Zusammenhang mit dem Schäumen der Gärung den wundervollen und intensiven Schluß.
    Doch wie gesagt, mich überzeugt das Zusammenspiel der Zeiträume und die damit gefundene Kompression eines lyrisch wirklich schönem poetischen Gesamtbildes, das zudem noch mitfühlen lässt.

    Mit liebem Gruss,
    Jiva

  13. #13
    Registriert seit
    Aug 2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.932

    lippensinnlich

    Nur auf dieses Wort , liebe Nina linespur, das ja auch Dich hat zögern lassen, will ich mich beziehen. Es ist, denke ich (anderen gefällt es ja) , an dieser Stelle zu stark. Nach dem sehr kräftigen (und nicht ganz unproblematischem) "sehnen", klingt es gewollt zusammengesetzt und prätentiös. Ich wünschte mir stattdessen einfachere Begriffe wie "rot und sinnlich" (wobei "rot" vielleicht mit der 2. Strophe konfligiert) oder "warm und innig"; es kommt mir nicht auf die einzelnen Wörter an - die wirst Du besser zu finden wissen als ich - sondern auf die Richtung.

    Zwar ist die Diskussion über Dein schönes Gedicht schon 2008 ausgelaufen, aber es freut mich doch, es wieder an die Oberfläche zu hieven. Und ist mir natürlich willkommenes Beispiel für unsere Diskussion über das Prätentiöse, das hochmögende Gedichtschöne.

    Michael
    .................................................................................................... ...............................................................
    Am Do., 28.3., ist bei "poetry trifft Poesie" die Slammerin Elena Nern mein Gast, U20-NRW-Meisterin im Poetry-Slam 2018
    Köln, Zum Goldenen Bock, 19.30 Uhr.

  14. #14
    Registriert seit
    Sep 2008
    Beiträge
    797
    Hallo Michael,

    ja, ich harderte damals und hardere noch heute - allerdings zwischenzeitlich wohl mit mehr, als dieser einen Stelle. Gäbe mir einer die Worte, die in der Lage wären, das Gefühl zu beschreiben, das einen durchströmt, wenn die richtigen Lippen zur richtigen Zeit die eigenen finden, ich würde niederknien. *zwinker*

    Ich habe den Versuch weitestgehend aufgegeben - die Dichtung, die mir vorschwebt, werde ich nie schreiben; nicht umsonst schreibe ich so gut wie gar nicht mehr.

    "Prätentiös" ist ein treffender Ausdruck dafür, was den obigen Text leider Gottes zu einem Fehlversuch machte. Danke dafür!

    Herzlich
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  15. #15
    Registriert seit
    Jun 2008
    Ort
    Im wilden Süden
    Beiträge
    4.115
    Lb. linespur,

    nicht ändern, denn dann ist der Dampf draußen. Diese eine Wort macht nämlich hier den bewußten Unterschied.

    Und dieser Text ist eine Menge, aber jedenfalls kein Fehlversuch. Wenigstens, wenn man den Rest der hiesigen Einträge an seinem inneren Auge vorbeiziehen läßt. Aber auch sonst nicht.

    Also:

    Schreib und wage. *)

    Der nicht wagt, schreibt nicht. Der nicht schreibt, bleibt nicht. Der nicht bleibt, kann nichts mehr wagen.

    LG W.

    *) 1. lyrisches Gesetz.
    Keine Signatur ist auch eine. Die andere wurde gelöscht.

Seite 1 von 2 12 Letzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden