1. #1
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    Sehnen und Sehen

    Sehnen und Sehen


    Nicht nur ein einziger Fehler
    Diktiert mir den Namen Christiane
    Unter die Zeile „gewidmet“.



    Sehnte ich mich nach den Sternen,
    Die in Einfachheit entzücken,
    Eleganz im Schlichten zeigen
    – Nächte läg ich auf dem Rücken,
    Zum ersehnten, doch so fernen
    Funkeln auf im Traum zu steigen.

    Würde ich mich nach den Strahlen
    Süßer Sommersonne sehnen,
    Nach dem Spiel der hellsten Lichter
    – Nirgendwo würd ich mich lehnen
    An die Wand, als wo sie malen
    Leises Lächeln auf Gesichter.

    Sehnte ich mich nach dem warmen
    Griff der Sonne, nach den Küssen
    Sanfter Glut und mattem Brennen
    – Nichts würd ich entbehren müssen,
    Fänd ich Halt in ihren Armen,
    Mich von dieser Welt zu trennen.

    Wär des Goldes Glanz mein Sehnen,
    Edler Farbe sanfte Schimmer,
    Die den kühlsten Geist beleben
    – Täglich würd ich – stündlich – immer,
    Mich in dem Genuss zu wähnen,
    Alles tun und alles geben.

    Sehnte ich mich nach dem Zauber
    Tausend bunter Blumenblüten,
    Pittoresker Pracht im Freien,
    Dürfte ich ein Beet behüten
    – Keine Ohren wären tauber
    Jedem Rufen, allem Schreien.

    Hielt ich mich an diese Dinge,
    Die die größten Freuden schenken,
    Doch bedingt von andern Mächten
    – An welch dünnem Faden hinge
    Die Entscheidung, ob zum Schlechten
    Oder Guten mein Glück schwenken

    Machtlos ich zu sehen hätte.
    Winz'ge Sterne: was sie gelten,
    Sind sie doch nur wert in Stunden,
    Da sich jegliche Facette
    Zum Gesamtbild eingefunden,
    Panorama ferner Welten.

    Jeden Tag mag sie zwar scheinen
    – Ob durch trübe Wolkendecken
    Auch der Glanz erscheint gemindert –,
    Aber erst, wenn grell in meinen
    Blick die Strahlen ungehindert,
    Gleißend mich zu blenden, blecken,

    Kann ich den Genuss erfahren,
    Den die Sonne wirklich spendet.
    Auch nicht nur von meinen Mühen
    Hängt es ab, in welchen Jahren
    Meine Blumen herrlich blühen,
    Wann ich scheinbar Zeit verschwendet.

    Wie viel schöner ist das Leben,
    Kann man seine besten Seiten
    Nicht allein durch Zufall finden,
    Sondern förmlich an sich binden,
    Dass sie einen stets begleiten,
    Kraft und Freude fein verweben!

    Ich hab dieses Glück gefunden:
    Seit der flüchtigen Minute,
    Die Ananke mir gesendet,
    Bin ich innerlich geblendet;
    Seit mein Blick in deinem ruhte,
    Ist ihm viel der Welt entschwunden.

    Denn allein in deinen Zügen
    Findet er die Schönheit dessen,
    Was wir Lebensfreude heißen;
    Denn allein in deinen fügen
    Sich die Dinge unvergessen
    Wie das bunte Licht zum weißen.

    Weite ferner Sternenbahnen
    Wie der Himmelslichter Blitze
    Lassen sich in deinen Augen
    Auch im Streifen schon erahnen;
    Doch je länger ich nur sitze,
    Was sie sagen, aufzusaugen,

    Desto stärker spür das Feuer
    Ich in ihnen überwiegen,
    Das sublim, statt wild zu tanzen,
    Wie der Efeu am Gemäuer,
    Es umarmend aufgestiegen,
    Seinen Anteil hat am Ganzen.

    Wenn du lächelst, stumme Stimmen
    Warmer Worte, dein Entzücken
    Auszudrücken, auf der zarten
    Lippen sanfter Welle schwimmen
    – Welcher Schmuck soll dich noch schmücken,
    Welchen Anblick ich erwarten,

    Da ich mich auf nichts so freue,
    Wie dich wieder zu gewahren
    Nach auch noch so kurzem Fehlen,
    Das mich jeden Tag auf’s Neue
    Glücklich deinen goldnen Haaren
    Lässt die blaue Blume stehlen.

    (vollendet 4.3.2008)

  2. #2
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    Hallo Budina,

    das ist mal ein Kommentar... danke
    Aber was darf ich damit anfangen, was darin sehen?
    Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
    Sie zu halten, wäre das Problem.

  3. #3
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    Hallo Moet!

    Dein Gedicht ist rhythmisch, gut zu lesen, macht mir Freude, glänzt überreich an Bildern, verliert stellenweise deswegen an Klarheit, es ist enthusiastisch, manchmal auch überschäumend, doch immer poetisch.

    Mir gefällt es!

    Mit freundlichen Grüßen
    Raphael

  4. #4
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    ..
    Geändert von le_MoeT (14.03.2009 um 22:06 Uhr)
    Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
    Sie zu halten, wäre das Problem.

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