Thema: Nachtwache

  1. #1
    Jazemel Guest

    Nachtwache

    Ich vertausche die Türwache mit dem Ahornbaum
    und setze mich wie Moos auf der Schwelle fest.
    Messe den Puls des Holzes
    und lausche dem Traumseufzen der Sonne.

    Fordere die Zikaden heraus,
    indem ich höher und falsch einsetze
    und pfeife zwischen den Dächern
    sitzend, die Sterne aus.

    Verlasse meinen rotgelben Vasallen,
    beim ersten Lichtpfeil in die Rinde,
    um dir die erste Bekleidung
    deines Tages zu sein.





    ~*~
    Geändert von Jazemel (08.07.2009 um 14:58 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
    Jan 2007
    Beiträge
    581
    Hallo Jazemel,

    beim ersten Lesen Deiner Zeilen war ich schon ein wenig überrascht, denn ich konnte ehrlich gesagt wenig mit den Worten anfangen.

    Beim zweiten durchlesen aber merkte ich wohl, welch zauberhafte Bilder du doch mit deinen Versen hervorrufst.

    Es sind die Worte die nicht alltäglich sind die mich festhielten und zum Nachdenken anregten.
    Es kommen dabei viele Erinenrungen hoch wie z.B. sitzend unter den Sternen ..oder auch unter dem Ahornbaum...
    lach und den Morgen habe ich sehr oft gesehen ...lach manchmal nicht ganz freiwillig....
    Lieben Dank für zauberhafte Minuten, war gerne dein Gast...
    Jo
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  3. #3
    Jazemel Guest
    Guten Morgen Jo,

    freut mich sehr, dass du nach dem ersten Lesen nicht gleich weiter geklickt hast, so dass das Verständnis nach dem zweiten Lesen folgen und sogar dazu anregen konnte, in Vergangenes einzutauchen. Schön wenn es mir gelang, dich für ein paar Minuten zu verzaubern.

    Am meisten freuen mich die ' Worte die nicht alltäglich sind '.

    Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren.

    Liebe Grüße

    Jazemel

  4. #4
    ReinART Guest
    Hallo Jazemel
    ein wunderbares Gedicht, dass ich auch nach 3 maligem Lesen nicht in irgendwelche gewohnte Bezüge setzen konnte.
    Es ist für mich im Moment ein Gedicht, das mir dazu verhilft, die gewohnten Assoziationen aufzubrechen und mich zu fühlen wie etwa das Moos, das spürt, ob es auf dem Holz seinen Platz finden kann, oder wie eine Zikade, die noch zikadischer sein möchte und es sogar mit den Sterne aufnehmen möchte.
    Es ist fantastisch fantastisch!!
    Versuche nun wieder Mensch zu werden und Dich zu bitten: was hast Du Dir dabei gedacht oder besser: was ging in Dir vor um das schreiben zu können
    Liebe Grüße
    Reinhard

  5. #5
    Jazemel Guest
    Guten Morgen Reinhard,

    ich muss sagen, ich bin überrascht und etwas geplättet ... fantastisch... das ist ein großes Wort, welches sich nur schwer bis gar nicht überstreifen lässt.

    Was ist in mir vorgegangen? Schwer zu beschreiben, darum habe ich ein Gedicht daraus gemacht.
    Es ist eine dieser vielen schlaflosen Nächte, in der Gedanken und Gefühle erst treiben, sich verdichten, immer mehr Raum im Raum und einem selbst einnehmen, so dass man irgendwan einfach raus aus dem Bett muss, die Tür öffnen und durchatmen. Das Erleben in der Nacht ist anders (für mich), die Konturen der Dinge sind schärfer, die Töne deutlicher und oftmals melodiöser. Lebendiges (Baum, Moos) gewinnen an... Persönlichkeit, sie kommunizieren, zeigen Präsenz und es fällt nicht schwer Moos zu werden, ein Stück des Ganzen. Dann dauert es auch nicht mehr lange, bis man sich mit Sternen anlegt. Vielleicht ist es auch einfach nur aufkeimender Größenwahn alá ich bin die Welt.
    Dieser 'Größenwahn' mildert sich dann wieder, wenn die Sonne aufgeht, man gedanklich und emotional nicht mehr am implodieren ist und dann die Welt, deren Rotation man kurz zuvor noch eigenhändig angetrieben hat, in einer Person sieht, mit der man dann ebenfalls auf schönste Weise eins werden kann.
    Letztendlich ist es ein Gedicht über Liebe, Sinne und sinnliches Erleben.

    Ich hoffe, mein Erklärungsversuch war nicht zu kryptisch und ich danke dir sehr für deinen Kommentar... hat mich rotglühend vor Freude werden lassen. Vor allem, dass es dich dazu verführt hat Moos und Zikade 'zu werden'.

    Liebe Grüße

    Jazemel

  6. #6
    ReinART Guest
    Hallo liebe Jazemel

    so lag ich doch einiger maßen richtig mit meiner Interpretation, da ich mich durch Deine Zeilen in Deine Gefühlslage hineinversetzt sah. Es ist nicht immer leicht den überdrehten Gedanken von Poeten zu folgen und läuft oft "Gefahr", etwas ganz anderes zu empfinden als der Poet- aber liegt es denn immer an dem Leser...?
    Kann man denn nicht einfach schreiben:
    ich wär so gerne Moos, der Baum und auch Zikade
    doch steh ich hier als Mensch und das ist schade

    Hab es ernst gemeint: es ist ein fantastisch schönes Gedicht
    Lieb Grüße
    reinhard

  7. #7
    Jazemel Guest
    Hallo Reinhard,

    im Grunde empfinde ich es nicht als störend, oder gar enttäuschend, wenn der Leser etwas ganz anderes herausliest oder empfindet als die - und da hast du mit der Wortwahl vollkommen recht - überdrehte Intention des Dichters. Und sicher kann man einfacher schreiben, wenn man denn will.

    Ich hätte allerdings geschrieben:

    Bin auch das Moos, Baum und Zikade,
    einfach nur Mensch ist mir zu fade.

    Nochmal Danke für dein wunderbares Lob.

    Liebe Grüße

    jazemel

  8. #8
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    12
    Hallo Jazemel,

    noch so ein Nachtgedicht von dir, das mich sehr anspricht (und zu dem ich leichter Zugang finde). Besonders schön und mit einem Lächeln gelesen, die zweite Strophe und mein persönliches Highlight in dem Gedicht, die letzten beiden Zeilen.

    Herzliche sternepfeifende Grüße

    Nafra-té
    Den wahren Geschmack des Wassers erkennt man in der Wüste.

  9. #9
    Jazemel Guest
    Hallo Nafra-té,

    und ich pfeif dir ein Danke fürs Lesen, Kommentieren und Lob zurück und bin froh, dass du ein Gedicht ausgegraben hast, dass ich noch mag.

    Gruß

    Jaz

  10. #10
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    @Jazemel

    Hmm, rotgelbe Zikaden? Rotschwarze Zikaden, oder?
    Zitat: „Verlasse meinen rotgelben Vasallen,“
    Bezieht sich doch auf die Zikaden, oder?

    Ansonsten mein Bester, auch hier fettes Plus für deine Metapher. Bis später.

  11. #11
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    Jul 2009
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    169
    Hallo jazemel,

    habe heut dieses Gedicht von dir entdeckt und es hat mich beeindruckt.
    In den Bildern steckt Größenwahn gepaart mit Demut, wie man es vielleicht einmal beim bewußten Erleben des Tagesanbruchs oder in einem Moment erleben kann, in welchem man meditativ mit der Welt und all ihren Widersprüchen im Reinen ist und glaubt, über sich selbst hinauswachsen zu können. Und darüberhinaus bezieht sich das Gedicht dann auf ein Du, das wohl mit einen Grund für diese Euphorie liefert.

    Schöne Bilder,

    Gruß,

    sendezeit
    Geändert von sendezeit (13.08.2009 um 08:08 Uhr)

  12. #12
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    Hallo und guten Morgen Jazemel,

    angesichts dieser "Nachtwache" überrascht es mich nicht, dass du so bereitwillig den Bilder ins "Abseits" gefolgt bist.
    Doch tritt dein LI aus dem Schatten der Nachtwache und nimmt nicht nur die Herausforderungen des Tages an, nein es wird selbst zum Herausforderer - ein klein wenig übermütig vielleicht, selbstbewusst vom Überfluss überfließend - zärtlich...

    Gefällt mir sehr, diese Nachtwache - noch mehr aber das Erwachen (nicht im Sinne von Aufwachen) des Tages, des Ich und das Hinwenden zum Du..

    Liebe Grüße,
    mona

  13. #13
    Jazemel Guest
    Hallo Großer Horst,

    mit dem rotgelben Vasallen ist der Ahornbaum gemeint. Hier steht ein Fächerahorn, der gelbe Blätter mit orangen oder roten Rand treibt. Sieht wunderschön aus, vor allem wenn die Morgensonne ihn ins rechte Licht rückt.

    Ich danke dir für dein fettes Plus.

    Jazemel

    P.S. Ich glaube wir hatten das schonmal, aber dat Jazemel ist weiblich. Also klaue ich das r und verbleibe als deine Beste.


    Hallo Sendezeit,

    Größenwahn mit Sicherheit, aber weniger Demut (die liegt mir nicht sonderlich) sondern eher Liebe zum Leben, oder besser, überbordende Lebenslust. Ansonsten kann ich deiner Betrachtung nur zustimmen und bedanke mich für dein mit eintauchen in einen dieser selten, perfekten Augenblicke. Hat mich gefreut dich hier zu lesen.

    Gruß

    Jaz


    Guten Morgen Mona,

    du hast die Stimmung gut erkannt. Dein und Sendezeits Nachfühlen zusammengenommern geben den Gefühlszustand wunderbar wieder.
    Freut mich sehr, dass dir meine Nachtwache gefällt.

    Danke auch an dich.

    Lieben Gruß

    Jaz

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