1. #1
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    Der letzte Schritt

    .

    Den letzten Schritt, ich werd' ihn heute wagen
    und steig hinab in modrig feuchte Grüfte,
    kein Arm umfaßt jetzt führend meine Hüfte,
    in Einsamkeit will ich der Welt entsagen.

    Noch einmal träume ich von alten Tagen:
    Wie lockten mich die frühlingsfrischen Düfte,
    des Sommers Sonne, herbstlich kalte Lüfte,
    auch dunkle Winter hab ich gern ertragen.

    Zur Nachtmusik zertanzte ich oft Schuhe,
    der Takt der Zeit erfüllte mich mit Leben,
    jetzt bin ich müde, sehne mich nach Ruhe.

    Ich habe viel von dieser Welt gesehen,
    und nahm nicht nur, ich suchte auch zu geben,
    nun laßt mich still und friedvoll heute gehen.
    .
    .
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  2. #2
    DerKleinePrinz* Guest

    Oh

    Hallo Nina

    Was mir zuerst durch den Kopf ging beim Lesen deiner Zeilen war:

    Da schlendert man gemütlich durch den Gedichtegarten und aufeinmal stolpert man über dieses zarte und traurige Gedichtlein, und man bleibt hängen und kann nicht ohne ein paar liebe Worte dazulassen vorbeigehen.

    Was ich damit sagen möchte ist, dass mich deine Zeilen berühren, sie gehen mir Nahe, dass schaffen nicht sehr viele Gedichte.
    Zwar ist dein Sonett nachdenklich, aber in T%D hätte sich dafür auch ein Platz gefunden, ich denke nicht, dass es noch trauriger geht.

    Die Handlung des Werkes bezieht sich meiner Meinung nach auf eine ältere Frau, welche bevor sie stirbt nocheinmal auf ihr Leben zurückblickt. Leider stirbt sie nicht glücklich, sondern einsam und verlassen.
    Natürlich könnte dieses Gedicht auch von einer Frau handeln, welche Suizid gefährtet ist, allerdings ziehe ich die Variante mit der alten Dame vor.

    Liebe Grüße sendet dir
    Der Kleine Prinz
    Geändert von DerKleinePrinz* (25.09.2008 um 02:37 Uhr)

  3. #3
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    Hey Prinzkleiner,

    so traurig ist es gar nicht, wenn Du genauer hinschaust Deine Version der "alten Dame" halte ich für die zutreffende, und zwar eine, die das Leben in vollen Zügen mitgenommen hat und sich - nun sattgesehen und ausgetanzt - gerne zurückzieht. Es ist nicht einmal wehmütig

    Liebe Grüße an Dich
    Nina
    .
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  4. #4
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    @linespur
    Hallo Line
    Dein kleines Wehmütiges, gefällt mir. Hast du dich an ein Sonett herangewagt? Irgendwie denke ich könnte es eins sein, bei den unterschiedlichen Sonettarten die es da gibt.

    Den letzten Schritt, ich werd' ihn heute wagen
    xXxXxXxXxXx
    und steig hinab in modrig feuchte Grüfte,
    xXxXxXxXxXx
    kein Arm umfaßt jetzt führend meine Hüfte,
    xXxXxXxXxXx
    in Einsamkeit will ich der Welt entsagen.
    xXxXxXxXxXx

    Noch einmal träume ich von alten Tagen:
    xXxXxXxXxXx(hier habe ich am Anfang echt Probleme gehabt, ich wollt immer das „mal“ betonen
    Wie lockten mich die frühlingsfrischen Düfte,
    xXxXxXxXxXx
    des Sommers Sonne, herbstlich kalte Lüfte,
    xXxXxXxXxXx
    auch dunkle Winter hab ich gern ertragen.
    xXxXxXxXxXx

    Zur Nachtmusik zertanzte ich oft Schuhe,
    xXxXxXxXxXx( habe hier Probleme mit „oft“
    der Takt der Zeit erfüllte mich mit Leben,
    xXxXxXxXxXx
    jetzt bin ich müde, sehne mich nach Ruhe.
    xXxXxXxXxXx(Ich weis nicht so recht, besser: ermüdet bin ich, (jetzt) sehne mich
    Ich habe viel von dieser Welt gesehen,
    xXxXxXxXxXx
    und nahm nicht nur, ich suchte auch zu geben,
    xXxXxXxXxXx(hier würde ich wenigstens ein „schweres“ Wort einbringen (stark betontes)
    nun laßt mich still und friedvoll heute gehen.
    xXxXxXxXxXx
    Beifall, für dein Sonett, ich drücke mich zur Zeit sehr tapfer, die Sonette irgendwie anzufassen.
    Als Beifall für das Sonett und für die leicht melancholische Phantasie, die ich sehr gut verstehen konnte. Danke, bis später.
    .

  5. #5
    ReinART Guest
    Hallo Linespur
    mich berührt es nicht sehr arg. Empfinde es auch nicht als sehr traurig. Es ist wie Du erklärst, ein normaler abschied mit Blick zurück. Thats Life.
    Mir tuen die vielen üfte weh! Zumal sie ja auch nur in eine Gruft hinabsteigen wird.
    Die Hüfte schmerzt mich am meisten. Ist ein für mich zu harter Ausdruck. Gruft- Luft etc. Das könnte besser kommen. Bei einer alten Frau denke ich auch nicht so an die Hüfte- eher Hüftgelenk ...
    Nun ja, die Geschmäcker sind verschieden
    Im großen und Ganzen verfehlt es aber nicht seine Wirkung auf mich
    Lieben Gruß
    reinhard

  6. #6
    DerKleinePrinz* Guest
    Huhu ich nochmal....
    Also ich finde es schon sehr traurig, dass sie gerne in den Tod geht kommt für mich nicht rüber. Hier der Beweis^^:
    kein Arm umfaßt jetzt führend meine Hüfte,
    in Einsamkeit will ich der Welt entsagen
    Also wenn das nicht traurig ist weiß ich nicht...
    Naja, jeder empfindet das anders, ich bin vllt. zu sentimental

    Liebe Grüße
    Der Kleine Prinz

  7. #7
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    Hallo horstgrosse,

    zu den Betonungsschwierigkeiten: Für mich wäre es selbstverständlich, dass ich einmal, zweimal, dreimal grundsätzlich auf dem Zahlwort betone; diesbezüglich kann ich Dein Problem an der Stelle nicht ganz nachvollziehen. Beim "oft" fällt mir das dann schon leichter. Letztendlich ist es die Rhythmik insgesamt mir selbst nicht ganz geheuer; der Wortaufbau ist simpel gehalten und die vielen Einsilber machen es nicht unbedingt selbstverständlich - das kann man besser machen.
    Ich habe an anderer Stelle aus gegebenen Anlaß einen "Selbstverriß" zu diesem Werk geschrieben, und die Probleme zur Metrik insbesondere zur ersten Zeile hervorgestellt; es mir also durchaus bewussst, das hier manches nicht unbedingt gelungen für ein Sonett ist. (Die Metrik ist wahrscheinlich noch das kleinste Übel.)
    Insofern bin ich dankbar, dass Du mich so glimpflich davon kommen ließest, zwinker.

    Vielen Dank für Deine Rückmeldung.


    Hallo ReinART,

    auch mit Deiner Stellungnahme kann ich gut in Einklang sein - insbesondere die Hüfte ist wohl ein reines Reimretten. Lassen wir es bei dem kurzen Statement, ja

    Auch Dir lieben Gruß
    Nina

    @Prinzkleiner: Das haben wir ja gestern abend schon besprochen, lächel*

    Halt die Öhrchen steif und auf bald
    Nina
    .
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  8. #8
    zuckerschnäuzchen ist offline DroElfteEdeLyrikProstiStuTante
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    Hallo Nina,

    ich kann mich mit Horstgrosses aufzeichnung der metrik betreffend anfreunden.
    Die metrischen Schwachstellen vernehme ich nicht bewusst, ich sehe jambische Pentameter bzw fünfhebige Jamben mit gesenkten Kadenzen, sie sind durchgängig, was sich auf das phonetische Klangbild auswirkt. Wenn man es aber genauer betrachtet, hat Horstgrosse schon recht wenn er sagt, das einmal auf der letzteren Silbe betont wird. das ist aber keine technische Voraussetzung.

    Die Zahlenworte einmal, zweimal, dreimal fügen sich ins gegebene Versmas gut ein, das liegt wohl daran das es augenscheinlich Gleichbetonte sind und sich in der Betonung daher nicht viel nehmen. Allerdings ist die länge einer Silbe ausschlaggebend für ihre Betonungsweise. Die Vokale ei' und a~ wirken phonetisch und einzeln betrachtet gleich ganz anders, das "ei" ist kurz, das "a" ist lang gesprochen.
    an horstgrosses namen kann man das gut darstellen

    Horst-gro-sse xXx die Vokale sind die gleichen, aber die länge der Vokale zieht das "gro" ins Hauptaugenmerk.

    "einmal" passt sich in
    xXxXxXxXx ein wie auch in XxXxXxXxX
    ohne Probleme ein, das Wort ist variabel denke ich


    zitat: Noch einmal träume ich von alten Tagen

    Erscheint mir der Klang des "a" zwar lang, aber das liegt an der akzentuierten Betonung. Es wirkt recht passiv durch den melancholischen Unterton des Gesamttextes und nimmt sich für mich zurück, womit eine Betonung im jambischem Versmas meiner Meinung nach kein Problem darstellt.
    Und da nie zwei Gleichbetonte aufeinander folgen (spondäus) und "träume" eine Betonung auf "Träu" setzt, wird automatisch die akzentuiert unbetonte zuvor gesenkt. :noch EINmal TRÄUme ICH

    Es fügt sich ins Sprachbild.
    glg pringles
    Geändert von zuckerschnäuzchen (26.09.2008 um 19:32 Uhr)

  9. #9
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    Liebe Nina,

    ein schön komisches Stück, habe mir ein paar Gedichte von Dir angesehen. Natürlich habe ich keine Ahnung. Aber diese Stück ist so lieb untief, dass ich in Anbetracht Deiner anderen Dichte nur lächeln kann. Was sagen will: Ich nehme Dich hier nicht ernst, das passt nicht. Ich hoffe, Du gehst den angedichteten Weg nicht, wäre schade um Deine Sprache. Überlass das einer Goetheline, die Du doch nicht bist.

    Herzlichst
    Meikel

  10. #10
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    Hallo Nina!

    Hier haben sich schon ein paar kritische Stimmen erhoben so, dass hoffentlich nicht nochmal ein Selbstverriss nötig wird.
    Zur Metrik und zur Sprachgestaltung wurde schon eingegangen, daher werde ich allein auf Inhalt und Wirkung eingehen.

    Dein Gedicht fängt mich ein und fesselt mich.

    Das Leben ist ein Abenteuer, welches mit jedem Schritt neue Herausforderungen für uns bereit hält.

    Du sagst, das Gedicht soll nicht traurig machen. Ich glaube, dass es dennoch so interpretiert wird liegt an den verschiedenen Einstellungen der Leser zum Sterben und zum Tod.
    Gerade, wenn man sich keine (intensiveren) Gedanken zum Tod machen möchte, kann dies in unserer Gesellschaft auch schnell befremdlich werden.

    "Modrig feuchte Grüfte" hören sich einfach ungemütlich an. Sie erinnern mich an Erzählungen über Vampire, nächtliche Spaziergänge über einen Friedhof. Ich kannn verstehen, dass hierbei nicht jeder direkt ein positives Bild vor Augen hat.
    Auch das "hinab" steigen kann möglicherweise als Abstieg in die Hölle statt dem Aufstieg in den Himmel interpretiert werden, auch wenn du das hier, nur auf das unter die Erde begeben beziehst.

    Die Vorstellung in Einsamkeit aus dem Leben zu gehen wird wohl am meisten den Menschen, die sehr am Leben hängen, Angst machen. Gerade der letzte Schritt ist der Schritt , den kein anderer Mensch mit uns machen kann. Ansonsten sucht jeder Mensch jedoch immer auch nach Anerkennung, Gemeinschaft und Liebe.

    Das Resümee des lyrischen Ich zeigt, dass es auf ein erfülltes und glückliches Leben zurückblicken kann. Es hat vieles getan und erlebt,aber auch gesehen, dass das Leben endlich ist. Auch wenn man dies nur an dem Beispiel zertanzter Schuhe sehen kann, denke ich, dass man das durchaus übertragen kann.

    Zum Abschluss wünscht sich ds lyrische Ich jedoch Ruhe, da der Tanz durch das Leben doch ein anstrengender Akt aus nehmen und geben war.

    Es scheint, als würde das lyrische Ich im letzten Vers all die Menschen um sich herum anflehen, es gehen zu lassen.

    Es fällt verständlicherweise schwer einen geliebten Menschen gehen zu lassen, aber der Tod an sich ist nichts Schlimmes.

    Ich glaube, man kann jedem wünschen, dass er diese Worte, die du uns auf so berührende Weise geschenkt hast, vor jenem letzten Schritt denkt oder ausspricht.

    Liebe Grüße,
    Sternstaub

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