1. #1
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    Vortrag von Prometheus

    Hallo werte Poeten und Poetinnen,

    da wir derzeit klassische Gedichte im Deutschunterricht vortragen müssen, habe ich mir Prometheus von Johann Wolfgang von Goethe ausgesucht.
    Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ihr mir Tipps geben könntet, wie man dieses Gedicht am besten vorträgt bezüglich Betonung etc.
    Habe leider nicht viel Erfahrung mit solchen Dingen.

    Hier der Gedichtstext. Leider kenne ich die Copyright Bestimmungen nicht, sollte das Gedicht also geschützt sein, oder noch nicht alt genug, dann löscht es einfach.

    I

    Bedecke deinen Himmel, Zeus,
    Mit Wolkendunst!
    Und übe, Knaben gleich,
    Der Diesteln köpft,
    An Eichen Dich und Bergeshöhn!
    Musst mir meine Erde
    Doch lassen stehn,
    Und meine Hütte,
    Die du nicht gebaut,
    Und meinen Herd,
    Um dessen Glut
    Du mich beneidest.

    II

    Ich kenne nichts Ärmer's
    Unter der Sonn' als euch Götter.
    Ihr nähret kümmerlich
    Von Opfersteuern
    Und Gebetshauch
    Eure Majestät
    Und darbtet, wären
    Nicht Kinder und Bettler
    Hoffnungsvolle Toren.

    III

    Da ich ein Kind war,
    Nicht wusst', wo aus, wo ein,
    Kehrte mein verirrtes Aug'
    Zur Sonne, als wenn drüber wär'
    Ein Ohr, zu hören meine Klage,
    Ein Herz wie meins,
    Sich des Bedrängten zu erbarmen.

    IV

    Wer half mir wider
    Der Titanen Übermut?
    Wer rettete vom Tode mich,
    Von Sklaverei?
    Hast du's nicht alles selbst vollendet,
    Heilig glühend Herz?
    Und glühtest, jung und gut,
    Betrogen, Rettungsdank
    Dem Schlafenden dadroben?

    V

    Ich dich ehren? Wofür?
    Hast du die Schmerzen gelindert
    Je des Beladenen?
    Hast du die Tränen gestillet
    Je des Geängsteten?

    VI

    Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
    Die allmächtige Zeit
    Und das ewige Schicksal,
    Meine Herrn und deine?

    VII

    Wähntest du etwa,
    Ich sollte das Leben hassen,
    In Wüsten fliehn,
    Weil nicht alle Knabenmorgen-
    Blütenträume reiften?

    VIII

    Hier sitz' ich, forme Menschen
    Nach meinem Bilde,
    Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
    Zu leiden, weinen,
    Genießen und zu freuen sich,
    Und dein nicht zu achten,
    Wie ich.

  2. #2
    Hallo Markus,

    ich hab mal bei google geschaut: Es gibt kostenlose Downloads, so dass Du Dir anhören könntest, wie andere Sprecher diesen Text vortragen. Die Qualität dieser Lesungen kann ich von hier aus nicht beurteilen, da ich von diesem Rechner die entsprechenden Seiten nicht bekomme
    Ansonsten schlage ich vor, machst Du mal einen Selbstversuch und stellst uns das Ergebnis der Aufnahme zur Verfügung, dann können wir konkrete Tipps geben. Dritte Variante: Ich schreib mir nen Wolf, was man bei diesem Text meiner Meinung nach alles beachten sollte aufgrund inhaltlicher/geschichtlicher/gesellschaftlicher Aspekte. Ich hoffe, dass Du mich darum aber nicht bitten wirst

    Gruß
    Nina
    .
    .

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    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  3. #3
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    Hallo Markus,
    du hast eine geschickte Wahl getroffen. Wohl kaum ein anderer Text lässt sich so effektvoll vortragen, wie dieser. Lies vielleicht erst einmal, was du bei Wiki über Prometheus findest. Ich stelle mir den gefesselten Prometheus vor, der voller Trotz und Verachtung den mächtigeren Zeus mit Schmähungen überhäuft, dabei aber auch voll Stolz auf seine Erschaffung des Menschen und auf sein Feuer. Den Vortrag würde ich im Wechsel gestalten: mal lut fluchend, mal verächtlich knurrend, mal leise hauchend, je nach Inhalt. Wie gesagt, der Prometheus deklamiert sich nahezu von sebst. Ich habe es vielmals getan, mal in Gedanken, mal laut. nur so für mich.
    Viele Grüße,
    P.

  4. #4
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    Eine Aufnahme machen ist schwierig, da ich leider kein Mikrofon o.ä. Aufnahmegerätschaften habe. Na ja aber die Tipps sind schonmal ganz gut, hat mir definitiv geholfen.
    Ich schildere einfach mal, wie ich mir den Vortrag Strophe für Strophe gedacht habe. Könnt mich ja gerne verbessern

    Strophe 1: Klagend mit leichter Arroganz/Polemik
    Strophe 2: Polemisch, abfällig
    Strophe 3: Klagend, melancholisch
    Strophe 4: Erzürnt
    Strophe 5: Respektlos, ebenfalls erzürnt
    Strophe 6: Stolz
    Strophe 7: Da bin ich mir nicht so sicher, würde aber klagend nehmen
    Strophe 8: Arrogant und voller Stolz

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