Thema: Ouvertüre

  1. #1
    Jazemel Guest

    Ouvertüre

    Ouvertüre


    Der Arbeit vortäuschenden Atem vergeudend,
    wohne ich vom Fenster aus dem Gespräch des Regens bei.
    Erbarme mich des trostlosen Berufs des Regenschirms
    und trage den Mantel wie einen Fingerhut.

    Verwende Gräser als Geleit des Laubes
    und berichte von den Mängeln im Pflaster.
    Danke dem, der mich versehentlich begrüßt
    und erwidere das Winken der Augenbraue.

    Begreife, dass meine Ängste mir ähneln,
    (sie brauchen Zeit, um Freunde zu werden).
    Lege die Dachziegel des Feuers wieder auf
    und lasse die Musik sich selbst finden.




    ~*~

  2. #2
    Registriert seit
    Apr 2008
    Beiträge
    271
    hi jazemel,
    gefällt mir soweit gut. Du schreibst meiner meinung nach von einem menschen, der probleme mit sich selbst hat. Genauer, einen pessimisten, der den Blick für das wesentliche verloren hat und nur "von den mängeln im Pflaster"berichtet.
    Doch erkennt er sein problem, ein erster schritt. Ob sich etwas verändert, liegt ganz an ihm allein, denn es scheint, als sei er ein Einsiedler; zumindest scheint er sich so zu fühlen. (Er lebt in einer Entfremdung).
    Einzig den vorletzten vers finde ich etwas deplaziert; jener von mir angenommene sinn ließe sich nicht problemfrei mit dem rest vereinbaren. Was meinst du damit genau? Ich könnte mir vorstellen, dass du damit ausdrücken willst, das lyrische bedecke sein halb offenes "dach" nun wieder mit ziegeln und verschließt sich erneut vor der welt, da es sich unfähig fühlt, mit ihr vertrauter umzugehen. Doch würde eigentlich genau das gegenteil sinn machen, siehe überschrift. es wäre das der beginn des zu ende Bauens seines Hauses, seines Lebens. Denn ohne Dach ist ein Haus in gewissem sinne lediglich eine Ouvertüre, oder nicht?
    Also, so weit, gern gelesen,

    gruß eric
    Der Schall meiner Träume durchbricht Diamant.
    Dort wo das Laub tanzt, wird auch immer ein Feuer brennen.
    Mein neustes Werk: Sie waren Brüder...

    Andere Gedichte:
    Erebos zeigt sich...der schwarze Mantel
    Mit den Gezeiten leben, Du trauerschwang´res Stroh
    Was ihr unbedingt lesen müsst:
    Adieu, leichter Tod von Stimulanzia

  3. #3
    ReinART Guest
    Hallo Jazemel
    wie schon vormals verkündet: es gibt Gedichte, die sich nur über das Herz zu erschließen vermögen- und Herzen schlagen nun bekanntermaßen unterschiedlich- schlagen sollten sie aber, da sonst was drum herum ist, nicht leben kann .
    Ich kenne ja nun einige Deiner Gedichte und Du machst es mir nicht leicht
    Habe versucht, mit dem Kopf die einzelnen Bausteine zusammenzufügen. Bekomme das Haus nicht zum Stehen. Es ist einfach nur die Stimmung, die mir das Gedicht vermittelt: Einsam, trostlos; Angst haben, vor Menschen, die einem zu nahe kommen und sie wollen es auch nicht-Du da hinter dem Fenster...mit Regenschirm und dem zu kleinen Mantel???
    Das was fest sein sollte, das Pflaster, ist brüchig und Du gibst Dich dem empfindsamen, zerbrechlichen, Deinen Emotionen hin (den Gräsern) .
    Dann der Schluss: Dachziegels des Feuers ( Schallplatten mit konservierter Musik????) (Mach es mir nicht so schwer...), deren Schwingungen Dich
    berühren, Dich zu deinen Ängsten führen und so die Ouvertüre für eine neue Symphonie in Deinem Leben sein können. (Wobei meine direkte Anrede immer das LyI sein soll)
    Warum tue ich mir das an, da sowieso alles wohl anders gemeint ist
    Gefällt mir trotzdem sehr gut
    Grüße Dich
    reinhard

  4. #4
    Jazemel Guest
    Hallo Eric und Reinhard,

    zuerst vielen Dank für eure Mühe und die Gedanken, die ihr euch Beide gemacht habt. Mit euren Interpretationen liegt ihr beide auf eure Art dicht dran, nur die Dachziegel scheinen zu kryptisch zu sein.

    Nun zur Erklärung:
    Es geht um einen Menschen der, durch seine Ängste (Phobien) und das Ankämpfen dagegen, isoliert und müde ist, aber (sich) nicht aufgibt, (aus sich) hinaus geht.
    Der Schim wird geschnappt und der Mantel dient als Schutzhülle (Fingerhut).
    Danach das Schwanken zwischen Ängsten ( Mängel im Pflaster) und aufkeimender Zuversicht (Laub und nicht Blumen, da die Zuversicht oder das Mut fassen erst zaghaft beginnen. Die Gräser deuten das Zerbrechliche dabei an.) Zudem kommen vorsichtige Versuche auf, wieder mit der Umwelt in Kontakt zu treten. Das Kopfnicken eines Fremden wird erwidert (der Dank) und sogar einen Schritt weitergegangen indem das freundliche Zucken der Braue auf ebensolche Art erwidert wird.
    In der dritte Strophe beginnt dann eigentlich die Ouvertüre, der Anfang (oder Neubeginn). Das Annehmen der Ängste, als auch das Annehmen der eigenen Persönlickeit mit allen Schwächen (Ängsten).

    Und die verständnissperrigen Dachziegel, die Feurigen, stehen für neue Gedankengänge (zündende Gedankengänge, Lebensfunke/wille), die weiterführen, auf denen das LI aufbauen kann (das Haus weiter bauen ).
    Neue, erfrischende Gedanken = frisch gebrannte Dachziegel. Dachziegel des Feuers stehen hier für mich auch für lebensbejahende Gedanken, da Feuer für mich etwas sehr Lebendiges ist. Die Musik steht für das ebenfalls lebensbejahende Gefühl dazu - Mut fassen, Neubeginn, Anfang.

    Ich hoffe, ich konnte ausreichend entwirren was verwirrte und danke euch Beiden, fürs Nachfragen und Kommentieren.

    Grüße

    Jazemel

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