Thema: Atemlos

  1. #1
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    Atemlos

    - wegen Verletzung meines Copyright gelöscht, entschuldigt -
    Geändert von Jan Máximil (09.01.2009 um 14:39 Uhr)
    Die schönsten Melodien sind die, die nur das Herz hören kann.

    Selbstdegradierter Kommentator.

  2. #2
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    Ich hätte so ein Gedicht bei dem Titel nicht erwartet; heißt: Warum gibst du so einem Gedicht so einen Titel? Der lockt nicht, sondern schreckt eher ab - zumindest mich. Warum ich dein Gedicht trotzdem angeklickt hab'...du hattest noch keinen Kommentar. Jedes Gedicht hat wenigstens einen verdient, finde ich.

    Diffus verräumte Bilder, Staub,
    Der sichtlich an dir zehrt,
    Und setzt du dich, Gedankenraub –
    Erinnerung, die ewig währt
    In Stoff und deinen Händen.
    Die erste Strophe ist schon fast am kryptischsten für mich, oder: leicht verwirrend, weil ich immer wieder beim Gedankenraub und der Erinnerung stolpere, inhaltlich. Spricht das lyr Ich den Gedankenraub an? Wenn nicht, dann solltest du kein Komma dahinter setzen; eindeutig finde ich es jetzt nicht, oder ich seh' es nicht genauer. Ich würde ein Gedicht nicht so verwirrend anfangen; ich zumindest bin gleich irritiert und würde die erste Strophe am liebsten nochmal lesen, um sicherzugehen, dass ich weiß, was ich ungefähr lese.
    Fühlst das Sterben, dich erlahmen,
    Da muss das erste Komma nicht sein, oder willst du eine Sprechpause haben?
    Dass dann die dritte Strophe nicht das lyr Du anspricht, sondern wieder beschreibend wird, verwirrt auf's Neue. Da denke ich zuallerst an einen Tippfehler und du wolltest schreiben: Ersticke in verbrauchter Luft!
    "Stillseinsfernen" gefällt mir...- die Sterne sind mir aber etwas zu kitschig. So ein Gedicht braucht keine Sterne.
    Zerbrochen, blasses Bild in Hand,
    Klingt ein bisschen ungewöhnlich.
    Die Tränen brennen in der Wand –
    Ach wärst du nie gekommen.
    Das schönste Bild im ganzen Gedicht, schöner "Schluss".
    In der Wand brennende Tränen ist recht originell.

    Liest sich übrigens sehr flüssig metrisch, aber stocken musste ich, wie gesagt, trotzdem hier und da, und hier und dort.
    Die Reime sind nun nicht besonders, aber darauf gucke ich nicht so oft. Mir fallen dafür gerne Wörter auf, die ich nicht so gern lese wie "Sterne", die stören mich in Gedichten gerne mal, hier hättest du dramatisch nicht so "übertreiben" müssen, sag ich mal.
    Was ich aber loben muss,...du kamst mit dem Schluss vom Kryptischen weg, sodass der wenigstens "sitzen" konnte, wenn man vorher nicht schon zu tief im kryptischen Moor versunken ist. Nichts gegen Kryptik, mir wird's ständig vorgeworfen, aber davon löse ich mich gerade; man sollte es nicht übertreiben. Na gut, so kryptisch war deins auch wieder nicht - könnte falsch herüber kommen.

    Bis dann,
    das Steinchen
    Geändert von Zangan (09.10.2008 um 17:55 Uhr)
    Weisheit bedeutet, keine Angst und keine Absicht zu haben.

  3. #3
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    Hallo Zangan!
    Danke für die ausführliche Aufmerksamkeit!
    Als Titel wähle ich grundsätzlich Wörter, die auf den Inhalt nicht passen - dass man dazu verurteilt ist, "Blickfängertitel" zu ersinnen, nur um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, finde ich traurig. Und so bedaure ich es zwar, dass der ein oder andere deshalb einfach weiterklickt, aber ich hasche nicht verzweifelt nach Lesern. Dass du - trotz des Titels - mein Gedicht gelesen hast, freut mich dafür umso mehr
    Die erste Strophe beginnt schon etwas kryptisch, ja, aber im Verlauf des Gedichts wird Ort und Zeit, denke ich, allmählich klar: Zurück in der Vergangenheit, im alten Haus?, alte Bilder, Staub (das Vergangene, das an ihm zehrt und ihm "Die Gedanken raubt"). Erinnerung in Stoff und deinen Händen - das alte Kleidungsstück eines verlorenen Menschen, mit dem das angesprochene Du zusammen dort gelebt hat?
    Strophe 2, Vers 3: Hier habe ich eine Ellipse verwendet; "Fühlst das Sterben, (fühlst) dich erlahmen".
    Zu den Sternen: selbstverständlich - es ist kitschig, übertrieben romantisch; gesagt sein muss hier jedoch, dass der Sprecher des Gedichtes über das "Lyrische Du" ein wenig den Kopf schüttelt und ihm vorwirft, die Vergangenheit, das, was war, nicht loslassen zu wollen. Das LD klammert sich noch immer verzweifelt an Dinge, die noch glänzen (die Vergangenheit), die aber im selben Maße unerreichbar sind (genau eben wie Sterne). Daher sind die Sterne keineswegs romantisch gemeint, sondern zeigen lediglich die utopischen, kläglichen Versuche des LD, die Vergangenheit zurückzuholen. (Der Stoff, die Bilder, der vergang´ne Duft... - alles Versuche, in die Vergangenheit zu tauchen und Erlösung darin zu finden; doch verliert sich das LD eher darin - "zu oft in Blick genommen"). Es lassen sich aber auch Ansätze dafür finden, dass das LD gekommen ist, um mit der Vergangenheit abzuschließen; es scheint ihm sehr schwer zu fallen, entkommt der überwältigenden Erinnerung nicht; "Kaltmetall aus goldnen Rahmen" (schlichtweg sind es Nägel - das LD nimmt Bilder von der Wand); aber es verliert sich wieder in diesen Bildern und Schmerz, sodass es besser gewesen wäre, gar nicht gekommen zu sein...

    Ich mags gerne etwas kryptisch Schreibe nicht immer so, aber vorzugsweise.
    Danke noch einmal, dass du es gelesen hast
    Grüße,
    Jan
    Die schönsten Melodien sind die, die nur das Herz hören kann.

    Selbstdegradierter Kommentator.

  4. #4
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    hi, lieber jan,
    fang ich mal an.

    Zitat Zitat von Jan Máximil
    Diffus verräumte Bilder, Staub,
    Der sichtlich an dir zehrt, grammatikalisch unvollständig . Was ist nun mit dem staub un den bildern?
    Und setzt du dich, Gedankenraub –
    Erinnerung, die ewig währt
    In Stoff und deinen Händen.

    Und an den Wänden ziehest du
    Das Kaltmetall aus goldnen Rahmen,
    Fühlst das Sterben dich erlahmen; komma weg
    Tiefer Kerben Winterruh´.
    Und immerzu in Herz und deiner Seele. Bezug?

    Ersticken in verbrauchter Luft, ??? Grammatik?
    Doch du, du krallst nach Sternen,
    Und saugst den längst vergang´nen Duft
    Aus tiefsten Stillseinsfernen.

    Zerbrochen, blasses Bild in Hand, ?? grammatik
    Zu oft in Blick genommen,
    Die Tränen brennen in der Wand –
    Ach wärst du nie gekommen.
    ich höre hier mal auf. Inhaltlich ist es nicht unbedingt unklar, doch bist du hier meines erachtens auf sprachliche irrwege abgekommen. Du verbiegst alles aufs gröbste, sry, für meinen geschmack ein nicht gelungenes gedicht.
    Eine kryptische schriftweise käme einem solchen gedicht vl zu gute, doch für mich ist es keine. Viel eher sehe ich eine sprachliche baustelle.

    nimms mir nicht übel,
    gruß, eric
    Der Schall meiner Träume durchbricht Diamant.
    Dort wo das Laub tanzt, wird auch immer ein Feuer brennen.
    Mein neustes Werk: Sie waren Brüder...

    Andere Gedichte:
    Erebos zeigt sich...der schwarze Mantel
    Mit den Gezeiten leben, Du trauerschwang´res Stroh
    Was ihr unbedingt lesen müsst:
    Adieu, leichter Tod von Stimulanzia

  5. #5
    ReinART Guest
    Lieber Jan
    wie ich Dir schon schrieb, habe ich persönlich Probleme mit Gedichten, die so sehr getragen daherkommen. Mir fehlt da so etwas die Freude am Schreiben. Du hast viel lockerere Gedichte geschrieben. Ich habe den Eindruck, dass Du Dich auf Krampf bemühst, einen Klassizismus heraufzubeschwören, der aber, so unterstelle ich mal, Deinem Alter nicht entspricht. Dies ist keine Beleidigung!! Es ist eine Aufforderung, mal frech, fromm fröhlich und frei zu fühlen und zu dichten. Du brauchst keine Vorbilder. Hast so gutes Potential!!!! . Es muss nicht ganz so theatralisch zugehen. Aber wie gesagt: das ist mein Geschmack.
    Was ich inhaltlich nicht auf die Reihe bekomme ist:
    Und setzt du dich, Gedankenraub –
    Erinnerung, die ewig währt
    In Stoff und deinen Händen.

    Heißt das, dass alles von diesen Erinnerungen verklebt wird? Ist hier nicht der Gedankenraub der agierende, auf den sich die Hände beziehen? Hat er welche?
    Oder setzt sich die Erinnerung in Stoff und Deine Hände?
    Nochmals: Du kannst wunderbare Bilder dichten, die mir aber etwas zu pastös und schwer sind und von der Wand abzufallen drohen.
    Liebe Grüße
    reinhard
    Geändert von ReinART (10.10.2008 um 09:14 Uhr)

  6. #6
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    Lieber Reinhard!
    Vermutlich hast du Recht damit, dass ich zu sehr nach Stilvielfalt suche und dabei meinen ganz eigenen vernachlässige. Ich probiere immer wieder dies und das - und dadurch wird alles eben genau dazu: nur dies und nur das, nichts Besonderes.
    Zur Erklärung: Das LD hält den Stoff in Händen und damit die Erinnerung, die ewig währt.
    Sobald sich das LD hinsetzt, raubt ihm die Bewegungslosigkeit, die scheinbare Ruhe sämtliche Gedanken.

    Ich werde deinen Rat beherzigen, lieber Reinhard, und wieder mehr mein Inneres als Vorlage nehmen und weniger meinen bloßen Verstand, der krampfhaft konstruiert und modelliert.
    Vielleicht liest du dir meinen letzten Prosa-Text durch ("Bild einer Lebenslüge")- ich glaube, das geht mehr nach mir. Sind sehr viele lyrische Elemente drin.
    Würde mich riesig freuen!
    Liebe Grüße,
    Jan
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