1. #1
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    Das Ahornblatt

    Als still von seinem Ast es bricht
    und somit keinen Halt mehr hat,
    schwebt sanft herab ein Ahornblatt
    im herbstlich goldnen Sonnenlicht.

    Gefasst von zarter Mädchenhand,
    ins Märchenbuch gelegt zum Pressen,
    und, Gott sei Dank, auch nicht vergessen,
    womit das Blatt Beachtung fand.

    Statt damals im Kompost zu enden,
    legt ein sie´s ins Herbarium,
    die nunmehr junge Frau hält stumm
    und lächelnd es in ihren Händen.
    Geändert von Galapapa (15.10.2008 um 15:58 Uhr)

  2. #2
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    hi, galapapa,
    ein stimmiges, nettes gedicht ist dir hier gelungen.
    Einzig das wort "kompost" in vers 1 s3 empfinde ich als einen metrischen rülpser.
    Um das versmaß und shcließlich den rhythmus einzuhalten, müsste man es als trochäus betonen (Xx). Doch dieses wort steht aber für einen jambus( xX ).

    an der formulierung "auf etwas obenauf liegen" stör ich mich auch arg. Grammatikalisch gesehen ist sie schlecht, doch vielleicht beherrbergt die formulierung auch eine veraltete struktur. Ich jedoch würde sagen, dass es : "einer Sache obenauf liegen" heißen müsste.

    gern gelesen,
    gruß,eric
    Der Schall meiner Träume durchbricht Diamant.
    Dort wo das Laub tanzt, wird auch immer ein Feuer brennen.
    Mein neustes Werk: Sie waren Brüder...

    Andere Gedichte:
    Erebos zeigt sich...der schwarze Mantel
    Mit den Gezeiten leben, Du trauerschwang´res Stroh
    Was ihr unbedingt lesen müsst:
    Adieu, leichter Tod von Stimulanzia

  3. #3
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    Hallo Eric,
    danke für Deine Kritik und natürlich fürs Lob!
    Ganz einfache Erklärung für den metrischen Rülpser: im süddeutschen Sprachraum ist Kompost tatsächlich Xx-betont. Alle anderen werden da aber unweigerlich mit komPOST darüberstolpern. Muß geändert werden, danken für den Hinweis!
    Leider würde dann die Korrektur "Anstatt dem Kompost obenauf" nur den Grammatikfehler beseitigen. (Das "auf" habe ich nur wegen der Metrik eingefügt.)
    Leider nehme ich manchmal Grammatikfehler in Kauf, um "Rülpser" auszubügeln.
    Nochmals danke und herzlichen Gruß!
    Karl-Heinz (Galapapa)
    (inzwischen geändert!)
    Geändert von Galapapa (12.10.2008 um 11:27 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Karl-Heinz,

    prinzipiell (Du kennst mich ja nun schon ein bißchen, lächel) gefällen mir die Zeilen auch; insbesondere, wie hier der Gang der Jahre mit Leichtigkeit aufgezeigt wird, welche auch noch die Vergänglichkeit ein wenig aufzuhalten vermag.
    Woran ich mich störe:
    Nachdem von seinem Ast es bricht
    Nachdem zeigt eindeutig, dass das Brechen bereits in der Vergangenheit stehen muss; ist im Deutschen zwangsläufig so und somit hätte es "brach" gefordert. Das ist jetzt fies, weil ich ausgerechnet am Reimwort rummäkel, aber vielleicht fällt Dir trotzdem eine Lösung ein?
    ...von zarter Mädchenhand,
    ins Märchenbuch...
    Da ist mir zu viel Niedliches in Folge, wobei ich das Märchenbuch favorisiere; muss die Mädchenhand denn unbedingt auch noch zart sein?
    und so das Blatt Beachtung fand
    Klar, hier stört mich zum einen die Inversion, zum anderen kann ich mich inhaltlich aber auch nicht anfreunden; ist es nicht Natur des Blätterpressens, dass man sie erst einmal "vergessen" muss, ob des langwierigen Prozesses? Abgesehen davon ist es wohl persönliche Erinnerung, da ich in der Tat solche Dinge oft schon zufällig entdeckte, schmunzel.

    In der letzten Strophe finde ich nicht ganz so gelungen, das Blatt erst fest einzukleben, um dann die junge Frau es in Händen halten zu lassen; leg es doch einfach hinein?

    Ich freu mich immer, etwas von Dir zu finden, so auch diesesmal! Nimm Du mir wie stets bitte meine Pfennigfuchserei nicht krumm.

    Liebe Grüße
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  5. #5
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    Hi Galapapa,
    was soll ich da groß sagen, ein wirklich tolles Gedicht.
    Meiner Meinung nach total stimmig, schöne Reime, welche
    eine herbstlich rotbraunwarme Stimmung erzeugen.
    "Gebt mir einen Ahornblatthaufen und ich suhle mich darin"
    Musste jedoch erst mal googln was Herbarium heist, aber so
    hab ich schon wieder dazu gelernt.
    Wie gesagt, gern gelesen.
    Gruß, Rod
    .
    © Rod Wima

  6. #6
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    Hallo Linespur,
    in der Tat kenne ich Dich schon so gut, um stolz zu sein auf Dein Lob, das ich natürlich nicht überhört habe.
    Ich hab´s im Schnellgang (5 Minuten) geändert. Hoffentlich in Deinem Sinn.
    Die zarte Mädchenhand und das dazu passenden Märchenbuch darfst Du mir aber nicht wegnehmen. Bin einfach hoffnunglos romantisch verdorben.
    Ganz lieben Dank und ebensolchen Gruß!
    Karl-Heinz (Galapapa)

  7. #7
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    Hallo Rod Wima,
    ganz lieben Dank für Dein Lob! Das wird mich zu neuen Taten anstacheln.
    Als ich meinen Kofferraum öffnete, ist mir ein Ahornblatt hineingeschwebt.
    Das hat mich zu den Zeilen inspiriert, mit denen ich die Stimmung, die das Blatt in mir erzeugt hat, wiedergeben wollte.
    Ich bin ganz stolz, daß Du das empfunden hast!
    Herzlichen Gruß!
    Karl-Heinz (Galapapa)

  8. #8
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    Hallo Erich,
    danke für die schöne Bewertung!
    Was hältst Du von:

    Statt damals im Kompost zu enden,
    legte sie´s ins Herbarium.
    Die heute junge Frau hält stumm
    und lächelnd es in ihren Händen.

    ?
    Herzlichen Gruß!
    GP

  9. #9
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    Hallo Erich,
    vielleicht ist das eine Lösung:
    "Statt damals im Kompost zu enden,
    legt ein sie´s ins Herbarium...."
    Nochmals danke und leiben Gruß!
    GP

  10. #10
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    Hallo Ferdi,
    danke für Deine ausführliche Bewertung! Du hast Dir wirklich Mühe gemacht, das empfinde ich als Kompliment, wenngleich ich nicht mit allem einverstanden bin:
    So habe ich ein Problem mit dem "Übermaß an Worten". Natürlich kann man eine Sache zerreden oder um den heißen Brei herumreden, aber gerae diesbezüglich fand ich das Ahornblatt eigentlich relativ gelungen.
    Natürlich darf man nicht vergessen, daß ich ein blutiger Laie und hoffnungsloser Anfänger bin, jedoch als solcher arbeite ich ohne Regeln und aus dem Bauch heraus. Das Schöne an der Lyrik ist für mich das "Kleiden" einer Aussage oder einer Beschreibung in angenehme und malende Worte.
    Dennoch ist das "Gerüst", das Du mir geliefert hast, eine wichtige und dankenswerte Anregung: ich werde künftig ein Gedicht, das ich schreiben will, mit so einem Gerüst, der nackten Grundaussage vorbereiten.
    Ich möchte einmal einen gewagten Vergleich riskieren: eine hübsche Frau ohne Kleider ist eine Sache; ich finde diese Frau in ansprechenden Kleidern aber viel interessanter....
    Ich gebe Dir recht, Worte wie somit, womit, nunmehr... gehören eigentlich nicht in ein lyrisches Gedicht. Diese Ausdrücke waren jedoch bewußt gewählt, weil ich dem Gedicht mit einer ganz bestimmten Ausdrucksweise einen heiteren Ausdruck geben wollte. War ein Experiment, das mir eigenlich gefallen hat. Muß aber natürlich nicht jedem gefallen. Ich sehe das ein wenig wie die "Sonntagskleidung" bzw. die "Arbeitskleidung" eines Gedichtes.
    Ganz arg unglücklich bin ich über einen offensichtlichen Trend in der Lyrik, schöne Worte, wie sanft oder zart in eine Abgedroschenheitsecke zu drängen.
    Ich bin der unmaßgeblichen Meinung, daß man auf solche Worte nicht einfach verzichten kann! In einem Gedicht das gleiche Wort mehrmals zu verwenden, halte ich allerdings auch für sehr unschön.
    Was machen wir denn ohne Worte, wie Liebe, Zärtlichkeit, Glück...?
    Was schön ist, wird natürlich auch oft benutzt, gedacht, angeschaut, geschrieben, gelesen...., muß deshalb aber doch nicht schlecht sein.
    Den Gedanken des "vom Reim her gedachten (gemachten) Gedichtes" hat Herder ja einst schon dem Großmeister Goethe zu bedenken gegeben.
    Hier muß ich Dir unumwunden recht geben! Es ist jedoch, so empfinde ich als Anfänger, ausgesprochen schwierig, diesen Spagat, wie Du sagst, "beide Seiten der Medaille sichtbar zu machen", zu bewerkstelligen.
    Um zum Schluß zu kommen, ein letzter Versuch:

    Es schwebt herab ein Ahornblatt
    im herbstlich goldnen Sonnenlicht.
    Ein Mädchen es gefangen hat,
    mit einem lachenden Gesicht.

    Ins Märchenbuch gelegt zum Pressen,
    wars Blatt für lange Zeit vergessen.

    Nach Jahren erst, als junge Frau,
    fand sie es bei den Mädchensachen.
    In ihrem Antlitz stand genau
    das gleiche frohe Kinderlachen.

    Ist nicht mehr ganz mein Gedicht, gefällt mir aber auch so gut, und es sind immerhin 4 Zeilen weniger mit sogar etwas mehr Aussage.
    Nochmals herzlichen Dank für Deine Mühe. Würde mich freuen, wenn`s Dir jetzt besser gefällt.
    Mit herzlichem Gruß!
    Karl-Heinz (Galapapa)

  11. #11
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    Hallo Ferdi,
    danke für Deine Erläuterung!
    Da stimme ich Dir auf jeden Fall zu: es kommt darauf an, wie man ein Wort einsetzt. Es können natürlich immer auch Redewendungen oder Ausdrücke entstehen, die, ständig wieder benutzt, abgedroschen und farblos wirken.
    Beispiele wären: "zart besaitet" oder "sanft entschlafen" oder "sanfte Brise"...
    Aber ist das auch so bei "...schwebt sanft herab ein Ahornblatt"?
    "Gefasst von weicher (feiner, glatter, dünner) Mädchenhand" ist auch keine ideale Lösung.
    Denk jetzt bitte nicht:"Mein Gott, der Simpel hat´s immer noch nicht verstanden!" Natürlich weiß ich, was Du meinst, und ich gebe Dir ja auch recht, aber es fällt mir nicht leicht....
    Lieben Dank nochmal und herzlichen Gruß!
    Karl-heinz (Galapapa)

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