Das Warten

Der Sommer und der halbe Herbst, sie sind vergangen,
der goldgeprägte, farbstrahlende Oktober sagt bald:“Ade“
Plötzlich ist mit seinen oftmals trüben Tagen,
der November da und es riecht nach Schnee.

Der Erde Früchte liegen in Kellern und in Kammern,
oder der Gegenwert in Geld ist für mich da,
er liegt bereit.
Ich hoff’, damit die Zeit zu überstehen,
bis die Sonne mit mehr Licht und Wärme,
die Äcker wieder vorbereitet für eine neue Saat,
und eine neue Wachstumszeit.
Doch das ist jetzt für mich noch nicht zu sehen,

Jetzt lebe ich die Zeit des winterlichen Wartens.
Die Natur sie schlummert ein, legt sich zur Ruh’.
Im Sommer standen Tür und Fenster offen,
Jetzt wähl’ ich mir ein warmes Kleid und schließe beide zu.

Die Tage und Nächte werden eben kürzer, kälter.
Die Sehnsucht nach einem Quell der Wärme fängt mich ein.
Darum erkämpfe ich mir einen Platz am Ofen und ich hoffe,
der Winter möge nicht so streng und lange sein.

Die Wandervögel sind längst alle fortgezogen.
Die hier geblieben sind, sie suchen Schutz vor Kälte und vor Frost.
Oft liegen dicke, weiße Nebel auf den die Wiesen und den Auen,
wie eine weiche Decke, wie ein sanfter Trost.

Der erste Schnee, er fällt herab in weißen, flockigen Kristallen
Lang dauert’s nicht, dann hüllt er alles ein,
als wollt’ er sagen, unter meinem Schutz gewähr’ ich allen
ein Bett, um auszuruhen, um für das nächste Jahr bereit zu sein.

Ich versuche die dunkle Zeit zu überstehen,
Ich zünde mir die Kerzen des Adventes an.
Mir geben die goldenen Lichter Hoffnung und ich kann darin sehen,
warum die Menschen sich die frohe, warme Weihnachtsbotschaft schufen.
Warum Sie jedes Jahr erneut verlangend nach der Jesushoffnung rufen,
Sie zeigt die neuen Chancen auf, die nun zu nutzen sind.
Es gibt für mich jetzt einen neuen Anfang.
Das Symbol dafür: Ein neugeborenes Kind

Jetzt dauert es nur noch eine paar Tage, der Kalender zeigt es dann:
Das Neue Jahr bricht an. Es steht schon vor der Tür
Es kam auf Pferdeschlittenkufen, mit lautem Knallen
und mit frohen Festen, als Winterspass der Neujahrsnacht zu mir.

Jetzt deckt der Schnee mit dicken, pulverigen Schichten,
die Natur ganz, wie mit weißer Watte zu.
Herrlich ist die kalte Pracht für eine junge Kinderwelt
es ist, als hätte sie dieses tolle Spielzeug
bei Frau Holle ausschließlich nur für sich allein bestellt.
Schüttelt sie die Kissen, alle Kinder wissen, es ist so weit
Schneemänner mit roten Wurzelnasen und mit Tannenzapfenaugen,
sind im Nu in allen Größen von flinken Kinderhänden hergestellt
und bei Schneeballschlachten höre ich unseren Nachwuchs schrei’n:
„Na, warte Sepp, jetzt bis du dran, gleich seifen wir dich ein!“
und dabei ertönt gar laut ihr Lachen und ihr Fröhlichsein.

Ich trete vor die Tür und schaue in die Ferne.
Die Loipen, vor meinem Haus,
ich kann sie etwa so wie Richtungsweiser sehen.
Sie gleichen Weichen, ja sie sind wie Achsen,
die sich zu verschieben scheinen.
Mir ist, als würden sie mich sofort in eine neue Richtung drehen.
Ich weiß, ich kann, gleich ihnen, in die Weite,
in eine neue Lebensreife wachsen
und durch schöne, heitere, sonnenwarme Tage geh’n.

Dann währt die Helligkeit, die ich ersehne, wieder länger.
Die Sonnenstrahlen heizen endlich wieder kräftig auf.
Ich seh’s, Eiszapfen schmelzen ja.
Dann durchflutet mich an einem klaren, schönen, lauen Tag
das Gefühl gar mächtig:
Bald ist es ja soweit, das Warten ist vorbei, der Frühling da.