1. #1
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    Der Herbst und Ich

    Der Herbst und Ich

    Der Teufelsgeiger spielt in Moll,
    als ich im welken Laubwerk stehe
    und langsam mit ihm windwärts wehe,
    so kreiselnd und geheimnisvoll.

    Und bronzen spielt in mir der Herbst,
    lässt Wandervögel in mir ziehen,
    vor meinem Winter südwärts fliehen.
    Ach Herbst, ich lieb's, wie Du mich färbst

    und mir die lange Wäsche reichst,
    auf dass "Lebwohl" ich sagen lerne,
    im Dämmerlicht mit der Laterne,
    wenn du um meine Wangen streichst.

    Nun blick ich über meinen See,
    der müd noch Sommerlieder summert,
    bevor auch er hinüber schlummert
    und friert und deckt sich zu mit Schnee.
    Geändert von Woitek (30.07.2009 um 13:17 Uhr)

  2. #2
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    hi, woitek,
    sehr schön finde ich dein gedicht. Auch mir gefällt der Herbst, das bunte Laub, das er mitbringt. Du verflechtest hier Sehnsucht und Schönheit der Jahreszeit miteinander, das gefällt mir.

    einzig zwei dinge stören mich.

    s 3, v4: auf dass ich’s „Lebwohl“ sagen lerne, ... da stockts schon richtig
    wie wärs mit: auf dass ich auch den Abschied lerne? fällt mir grad so spontan.

    s4. v2. Mit dem Neologismus "summern" kann ich mich nicht anfreunden. Aber wenn er dir gefällt, so lass ihn stehen.

    gerne gelesen,
    gruß, eric
    Der Schall meiner Träume durchbricht Diamant.
    Dort wo das Laub tanzt, wird auch immer ein Feuer brennen.
    Mein neustes Werk: Sie waren Brüder...

    Andere Gedichte:
    Erebos zeigt sich...der schwarze Mantel
    Mit den Gezeiten leben, Du trauerschwang´res Stroh
    Was ihr unbedingt lesen müsst:
    Adieu, leichter Tod von Stimulanzia

  3. #3
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    Hallo Erik,

    inzwischen zeigt sich ja der Herbst von seiner eher unangenehmen Seité. Ich möchte dir herzlich fürs Lesen und Kommentieren danken und freue mich sehr, dass er dir gefällt. "Lebwohl" würde ich gerne im Text belassen, weil es dermaßen spät im Text kommt, dass geneigter Leser es auf der ersten Silbe betonen darf, auch das "summern" gefällt mir jetzt aus einigem Abstand immer noch und so möchte ich auch auf es nicht verzichten. Trotz alledem danke ich dir aber für deine Vorschläge.

    Gruß
    Woitek

  4. #4
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    Hallo woitek,

    bin erst vor kurzem hier gelandet und finde vieles sehr aufregend. Dein
    "Herbst und ich" hat mich sehr angesprochen.
    Mein Lieblingsgedicht über den Herbst ist von Mörike.
    Ein eigenes stelle ich -mutig wie ich manchmal bin -jetzt auch ins Netz.

    lg

    marabu

  5. #5
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    Hallo marabu,

    mal sehen, ob du immer noch hier bist und ob du immer noch vieles aufregend hier findest. Es freut mich, dass ich dich mit meinem Text ansprechen konnte. Ich hoffe, dass dein eingestelltes Herbstgedicht regen Anklang gefunden hat.

    Hallo N.,

    danke, danke, danke für deine überschwänglichen Worte zu meinem eher altertümlichen Werk Reimlyrik. So eine Statistik würde mich auch interessieren, ich würde aber darauf tippen, dass der Frühling da den Herbst leicht überragen würde.

    Ich danke euch fürs Lesen und eure Kommis.

    Gruß
    Woiwoi

  6. #6
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    Hallo Woitek,

    Ein wunderbares Gedicht, der Rhythmus fließt nur so. Nur über das" Lebwohl"
    bin ich etwas gestolpert. Es ist vielleicht etwas blasphemisch in so einem Stück etwas zu verändern, aber wie wäre es mit: "dass Lebewohl ich sagen lerne ".

    Peer Dorst

  7. #7
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    Hallo Peer Dorst,

    nun ist schon bald Frühling, darum muss ich mich eilen dir noch für deinen Kommi zu diesem Herbstgedicht zu danken. Ich werde da nichts weiter ändern, weil ich nach wie vor mit der Lebwohl-Stelle keine Probleme habe.

    Gruß
    Woiwoi

  8. #8
    ReinART Guest
    Hallo Woitek
    die Wahl deiner Worte lassen das Gedicht in sehnsuchtsvollen, herbstlichen Tönen klingen. Da gibt es nichts zu sagen als: ein durch und durch gelungenes Gedicht!!!
    Alles Gute
    reinhard
    Geändert von ReinART (08.03.2009 um 09:55 Uhr)

  9. #9
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    Hallo Woitek:

    Ach das ist schön... Ein Herbstgedicht im Frühling zu lesen!

    Da hast du wirklich ein sehr interessantes Gedicht geschrieben, es hat mich gleich beim ersten mal Lesen gefesselt!

    Liebe Grüße,

    Smoertin

  10. #10
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    Hallo,

    auch euch Beiden meinen lieben Dank für Lesen dieses Textes und auch für eure Kommentare. Ja, nun scheint mir der Herbst fürs erste endgültig abgehakt.

    Gruß
    Woiwoi

  11. #11
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    Hallo Woitek,

    dein ‚Herbst und Ich’ spricht auch mich positiv an.
    Die Bilder gefallen mir sehr gut in ihrer Doppeldeutigkeit, die ich so verstehe:

    Ich denke, dass es in diesem Gedicht um die Auseinandersetzung des lyrischen Ichs mit dem ‚Herbst des Lebens’ geht. (Jedenfalls interpretiere ich es so

    > Der Teufelsgeiger spielt in Moll,
    als ich im welken Laubwerk stehe
    und langsam mit ihm windwärts wehe,
    so kreiselnd und geheimnisvoll.

    Der Teufelsgeiger steht für die Lebenszeit, die endlich ist. Ein Musikstück in ‚Moll’ wird eher als traurig empfunden. Das LI steht nicht mehr in der Blüte (welkes Laub). Es muss der naturgegebenen (Wind)Richtung folgen.

    > Und bronzen spielt in mir der Herbst,
    lässt Wandervögel in mir ziehen,
    vor meinem Winter südwärts fliehen.
    Ach Herbst, ich liebs, wie Du mich färbst

    Die gedankliche Flucht in vergangene Zeiten. Träumerisch.
    Ein Wegdenken des Endes.

    > und mir die lange Wäsche reichst,
    auf dass ich’s „Lebwohl“ sagen lerne,
    im Dämmerlicht mit der Laterne,
    wenn du um meine Wangen schleichst.

    Sehr sehr schön!
    Sich Abfinden können mit dem Blick aufs Lebensende. Versöhnlich damit sein.

    > Nun blick ich über meinen See, der müd noch Sommerlieder summert,
    bevor auch er hinüber schlummert
    und friert und deckt sich zu mit Schnee.

    Gelebtes, vergangenes Leben, an das sich wehmütig erinnert wird. Noch ein bisschen aufflackernde (Sommer)Kraft, der nicht mehr standzuhalten ist.
    Und das nahende Lebensende.

    Gefällt mir.

    Lieben Gruß
    Trilulla

  12. #12
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    Hallo Trilulla,

    herzlichen Dank für deine Interpretation dieses Textes. Ja, nun ist ja auch bald wieder Herbst - wie die Zeit rinnt...

    Gruß
    Woiwoi

  13. #13
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    Hallo Woitek,

    ein stimmungsvolles Gedicht über den Herbst mit schönen Metaphern drin. Da bekommt man Lust, den hektischen Sommer hinter sich zu lassen, alles ein bisschen ruhiger anzugehen und den Herbst in seinem bunten Kleid zu bewundern.

    Ich finde dieses Gedicht sehr schön.

    Trotzdem habe ich ein paar Anmerkungen.

    Ach Herbst, ich liebs, wie Du mich färbst

    Hier würde ich ein Apostroph einfügen: "ich lieb's".

    auf dass ich’s „Lebwohl“ sagen lerne

    finde ich, wie die Kommentatoren vor mir, nicht so gut, denn hier stimmt die Betonung nicht. Wie Peer würde auch ich vorschlagen, stattdessen zu schreiben:

    auf dass "Lebwohl" ich sagen lerne

    wenn du um meine Wangen schleichst.

    Hier würde ich "streichst" passender finden.

    Gern gelesen und froh, dass es wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist.

    Lieben Gruß
    Halbe Frau
    Geändert von Halbe Frau (15.07.2009 um 19:20 Uhr)
    El sueño va sobre el tiempo
    Flotando como un velero
    Nadie puede abrir semillas
    En el corazón del sueño

    Camarón de la Isla

  14. #14
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    Hallo halbe Frau,

    habe nun die Verbesserungen umgesetzt.
    Danke fürs Lesen und den Kommentar.

    Grüße
    Woiwoi

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