Thema: Siegesfeuer

  1. #1
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    Siegesfeuer

    Siegesfeuer


    Die Geburt des nächsten Phönixkindes
    setzt endlich ein; mit freiem Denken
    erlebt es neues Zeitgeschehen
    - Götter lenken, dirigieren.

    Der Held, er leidet laut im Kaukasus.
    Federfluch erteilt ihm die Lektion
    blutiger Olympierperversion.
    „Dem Mensch, ein freier Flammenkuss…


    Und in stillem Widerstand entflieht es
    den ewig schmalen Horizonten;
    verhallt durch Säle, läuft in Stimmen,
    schwebt durch surreale Welten.

    …oh, Zeus! Du bist kein Gott! Bloß selbstgerecht.
    Dein so falscher Stolz und Größenwahn
    weckten Phönixfeuer und Titan.
    Ich bleib nicht länger dir ein Knecht!“


    Schnell erwacht durch Klagen des Prometheus
    versteht es, weicht den Kräften Morpheus`,
    - entgleitet so Natur und Schicksal -
    findet seinen wahren Meister.
    Finaler Tod der Phönixseele,
    er führt in sein Elysium und

    entfesselt Götterfeind vom kalten Stein.
    Dank entfacht die Silberfackelzungen
    – Adlerlieder aus den lahmen Lungen,
    sie hallen durch den Blutgusshain:
    „Siegreich über dich und Albatros
    trotzen wir Olymp und Tartaros!“



    © Jennifer Botzki und Benjamin Stadler
    - Gedichtsdarwinist im Ruhestand -


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  2. #2
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    Hallo Benne,

    das ist schon eindrucksvoll, wie Euch hier ein Duett gelungen ist - bereits metrisch werden die Kontrapunkte derart gekonnt und durchgängig gehalten, dass es wirklich Spass macht. Das ist etwas, was eigentlich auf eine Bühne gehört, wahrlich eher, als der eigentliche battle.

    Bildlich ist es mir freilich ein wenig überfrachtet, überladen; das muss Euch klar sein, wenn ihr derart viele Götter-, Sagen und Fabelgestalten mit einem ordentlichen Klacks Politik vermischt auf dann doch so wenige Zeilen quetscht, *zwinker*. Letztendlich möchte jedes einzelne Bild gedanklich weitergeführt werden und zumindest einen Leser wie mich lasst Ihr auf freier Strecke aufgrund mangelnder Kondition untergehen.

    Letztendlich hat der positive Ausklang mich denn auch verwundert (und verstehe es nicht falsch, ich bin ja durchaus positiv überrascht!). Aber irgendwie ist ein Phönixkind, das Einkehr im Elysium hält, mir als Bild nicht ganz eingängig. Die Abschlußstrophe erinnert mich bezüglich Wirkungskraft ein wenig an die "Ode für die Freude" und könnte ähnlich euphorsich gesungen werden, lächel. Ich hoffe, das wird postitiv augenommen!

    Kurz und knapp - auf bald
    Nina
    .
    .

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  3. #3
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    Hallo linespur,

    so jetzt äußer ich mich erstmal, Benne wird auch noch was dazu sagen. Dann klär ich das nämlich erstmal mit dem Phönixkind,war ja mein Teil :P Danke für deinen Kommentar, hab mich echt gefreut =)

    ...auch weil du den Punkt in der Metrik erkannt hast Wir wollten den Phönix und Prometheus von Anfang an als verschiedene Personen darstellen.

    Dass es dir zu überladen ist kann ich verstehen, ich denke da ist von uns beiden keiner besser wie der andere, beide schreiben wir oft zu überladen und zu kryptisch :P Anspruchsvoll ist es auf jedenfall, schon allein der Wechsel zwischen den Figuren ist gewöhnungsbedürftig, aber ich denke wenn man es nicht zum ersten Mal liest ist es machbar.

    Das Elysium ist für das Phönixkind vor allem ein Ort des Wohlfühlens, der Freiheit und eine Welt ohne die Götter, die über es herrschen wollen. Vlt könntest du mir erklären was du an dem Bild unstimmig/nicht so gut findest?

    Mehr will ich jetzt vorerst mal nicht aufklären, wie gesagt Benne meldet sich noch.
    Danke für die Komplimente und
    liebe Grüße,
    Noblesse

  4. #4
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    Tadaaa, da bin ich auch schon

    Herzlichsten Dank für deinen sehr positiven Kommentar zu Siegesfeuer. Zunächst muss ich dich darüber aufklären, dass dieses Gedicht mit der "Battlegeschichte" (Hust) nichts zutun hat, sondern danach entstand. Genauer gesagt hatte Noblesse die eigentliche Grundidee zu diesem Text gehabt, ich kam dann nur parasitärerweise dazu. Den Plan, ein Gemeinschaftswerk zu schreiben, hatten wir schon sehr lange geschmiedet - scheiterte aber an meinem künstlerischen Burnout.

    Dass es sich um Phönix und Prometheus drehen wird, war eigentlich schon vorher klar gewesen. Ich möchte jetzt nicht zu weit ausholen oder gar vorausgreifen, um das noch genauer zu erklären. Die Verknüpfung beider Gestalten ist das Feuer selbst.
    Der Phönix wird aus der Asche des Feuers wiedergeboren, während Prometheus den Menschen das Feuer im Sinne der Aufklärung und Nächstenliebe brachte. Und beide Protagnositen hatten in ihrer mythologischen Bedeutung mehr gemeinsam, als uns vielleicht klar ist. Diverse Aspekte dessen wollten wir mit unserem Gedicht aufgreifen.

    Natürlich stecken gewisse politische und auch zwischenmenschliche Konflikte in Siegesfeuer. Daher wurde die Masse an Informationen, die wir zum Ausdruck bringen wollten, wohl doch ein kleines bisschen zu viel *smile* aber wir wollten dann aber auch keinen seitenlangen Sermon daraus werden lassen, sondern zu einem (wie du so schön sagtest) "euphorischen" Ende kommen.

    Prometheus' finaler Sieg gegen die Götter durch die Hilfe des Phönix;
    und Phönix' finaler Frieden durch die Erweckung durch den Feuerträger.


    Wenn du noch mehr Fragen haben solltest, immer her damit


    Mit freundlichen Grüßen,
    -Poesielos-

    (auf dem Sprung...^^)
    Geändert von Poesielos (13.10.2008 um 15:30 Uhr)
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  5. #5
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    Hallo Noblesse,

    auch nur ganz kurz, weil ich meinerseits auf dem Sprung bin:
    Der Phönix steht eng verbunden mit dem Zeichen der Auferstehung/Wiederkehr, während das Elysium (wäre griechisch nicht Elysion korrekter?) dem Paradies und somit einem Stückchen Ewigkeit gleichzusetzen wäre. Dadurch, dass der Phönix in die Ewigkeit eingeht, beraubt ihr ihm seiner Grundsätzlichkeit, nämlich der Aufersteheung und das überraschte mich - stimmig im Text ist es natürlich hinterlegt "Finaler Tod der Phönixseele".
    Nun muss ich zugeben, dass das Phönixbild für mich persönlich auch gar nicht so postiv belegt ist, wie es wohl sein sollte - erinnern mich diese Wiedergeburten von jeher doch in gewisserweise an Sisyphos... damit sollte ich mich über diese Wendung also eigentlich freuen

    @auch Benne: Natürlich verdient der Text eine intensivere Auseinandersetzung mit seiner/seinen Deutungsebenen, die ich Euch bislang schuldig blieb, einfach weil das eine Menge Zeit kosten wird. Ich hoffe, ich hole es nach - lohnend wird es sicherlich! Vorerst wollte ich aber zumindest ein Kurz-Statement als positives Feedback dalassen; auch das ist manchmal ja wichtig *zwinker*

    Liebe Grüße an Euch
    Nina
    .
    .

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  6. #6
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    Nochmal Hi,

    ach ich denke wir freuen uns über jedes Feedback, und wenn es dann noch positiv dem Text gegenüber ist, dann natürlich umso mehr*g*

    Zu Elysium: ich denke es ist beides möglich, aber mir persönlich gefällt Elysium besser, es klingt in meinen Ohren einfach schöner.

    Tja, manche finden diese Wiederkehr toll und wünschen sich sowas vielleicht auch für sich selbst, aber ewig wiederkehrend...naja, ich weiß ja nicht. Das Elysium ist hier eine doppelte Erlösung, einerseits von den Göttern und andererseits eben von diesen unendlichen Leben in denen der Phönix "gefangen" ist.

    Liebe Grüße,
    Noblesse

  7. #7
    Sneaky Guest
    Hallo,

    was mich an diesem Text verwundert ist die letzte Strophe:

    Adlerlieder aus lahmen Lungen? singt da Prometheus, um in der Sage zu bleiben, auf den Adler Spottlieder? lahme Lungen ist seltsam formuliert, da der Adler ja an der Leber gefressen hat, eine Anspielung auf die lange Fesselung?

    Blutgusshain ist wenns denn auf den Kaukasus gemünzt ist sehr verniedlichend? Hain ist doch eher ein verniedlichendes Wort? Auch wenn der Blutguss davor steht.

    Und der Albatros riecht stark nach Reimzwang, König der Meere wär ja Poseidon und nicht Zeus.

    Mich stört dieser Vogel am allermeisten. Er wirkt auf mich wie ein Fremdkörper.

    oh, Zeus! Du bist kein Gott! Bloß selbstgerecht.
    Dein so falscher Stolz und Größenwahn
    weckten Phönixfeuer und Titan.
    Ich bleib nicht länger dir ein Knecht!“

    Diese Strophe erscheint mir von der Reihenfolge her seltsam. Der erste Kursivteil spricht ja schon davon, dass Prometheus am Kaukasus hängt. Ihn (?) dann noch sagen zu lassen: "Zeus, ich bin nicht länger dir ein Knecht" scheint mir in dieser Abfolge nicht notwendig. Ihn das Feuer stehlen zu lassen, und dann dieses "Bedecke deinen Himmel" einzubauen, wäre mir logischer. Ich habs aber nur aus dem Legendenblickwickel gelesen.

    Gruß

    Sneaky

  8. #8
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    Hallo Sneaky!

    Auch dein Kommentar freut mich und ich werde erneut versuchen, es etwas verständlicher/anschaulicher zu erklären.
    Man sollte auf keinen Fall versuchen dieses Gedicht vollständig unter dem Aspekt der Prometheussage zu sehen, weil das die eigentliche Intention von Jennifer und mir meilenweit verfehlen wird.

    Die Trennung zwischen kursiv und normal soll die Unterscheidung bringen zwischen der Geschichte des Phönix und des Prometheus. Diese laufen in den Strophen 1-4 noch parallel, während die Geschichte ab Strophe 5 bis zum Ende verschmilzt.

    Die Adlerlieder sind missverständlich, wenn man wie gesagt sich zu sehr auf die eigentliche Sage konzentriert. Hier soll der Adler das Sinnbild für Freiheit darstellen, welche Prometheus erreicht, wenn der Phönix ihn vom Felsen im Kaukasus entfesselt. Und es ist auch nicht Herakles, der hier dem Götterfluch hilft, wie es in der eigentlichen Sage ist. Die Lungen sind wirklich nur unter dem Aspekt gemeint, dass Prometheus nach so langer Folter noch immer gewisse physische Nachwirkungen zeigt.

    Den Hain sah ich zwar nicht wirklich verniedlichend, sondern unter der Bedeutung "Ort, wo eine Gottheit verehrt wird". Aber möglicherweise ist es tatsächlich ein schwacher Ausdruck für die Folter, die Prometheus erleiden musste.

    Der Albatros - da kannst du mir gerne Reimzwang vorwerfen, aber ich (ich hatte die Promtheus-Strophen geschrieben) habe mir bei diesem Vogel schon etwas gedacht. Erneut ein Nein, nichts im Bezug auf die Prometheussage.
    Albatrosse wurden gerne als "Wegweiser" beschrieben, besonders für Seemansleute, die nach Schiffbrüchen verzweifelt nach Land suchten.
    In meinem Text steht er somit für die Göttersympathisanten des Olymps und auf Erden, die den Menschen - falsche - Wege aufzeigen wollten.
    Du meinst es zwar kritisch, aber für Prometheus ist eben dieser Albatros auch ein Fremdkörper, ein Feind

    Ich gebe zu, dass ich ein begeisterter Fan von Goethe's Prometheus bin und nur zu gerne, die Passage mit dem bedeckten Himmel einfügen wollte. Erschien mir dann aber eindeutig zu "geklaut" und wenig kreativ. Diese Strophe ist nicht umsonst in fast zentraler Position des Gesamtwerkes. Es ist die Anklage des Prometheus, der seine Befreiung durch den Phönix erwartet.


    Noch Fragen? Gerne, ich beantworte sie gern


    Mit freundlichen Grüßen,
    -Poesielos-
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  9. #9
    Sneaky Guest
    Hallo poesielos,

    danke für die weitergehende Erläuterung. Du siehst also den Albatros als falschen Psychopompos? Ich kenn ihn halt aus der anderen Ecke, als Glücksbringer, wie ihn Coleridge beschrieben hat. Da hab ich eurem Text wohl wieder meinen Filter draufgedrückt und in Verbindung mit dem Tartaros hats dann aus meinen Untiefen "Reimzwang" gequakt.

    Die zentrale Klage ist schon stichhaltig, aber versuchs mal aus Sicht eines angeketteten zu sehen, an dem der Adler frisst. Warum da noch sagen, "Ich bin nicht dein Knecht" obwohl er es eben in dem Sinne noch ist, dass Zeus sein Mütchen an ihm kühlt? Ich will euch jetzt nichts aufschwatzen aber, so in dem Sinne "mein Geist ist frei, sit auch mein Fleisch noch Knecht" wäre - rein im Hinblick auf die Legende - für mich stimmiger gewesen. Aber du hast ja schon gesagt, es geht von der alten Legende weg, die wäre zu wenig.

    "Puritanergruß"

    Sneaky

  10. #10
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    Hallo Sneaky,

    gar kein Thema. Hier sieht aber ganz schön, dass Interpretation eben von gewissen Grundkenntnissen abhängig sind. So wie es wirkt, hast du in gewissen Dingen sogar einen weitaus höheren Horizont als ich

    Ich habe die Prometheus weniger unter dem "gefesselten und klagenden Gestraften" gesehen, sondern eher als den "rebellischen Götterfluch" der seinerseits nach der Befreiung nicht auf Rache sinnt, sondern "genießen" will. Dies ist für Prometheus selbst auch ein doppelter Sieg.
    Denn er lässt sich nicht auf die Ebene der Götter stellen, denn die Strafe Zeus' war nur ein Racheakt. Warum sollte Prometheus dann so doof sein, es dem gleichzutun, den er seither verachtet.
    Ich sage auch nicht, dass deine Sichtweise falsch ist - ganz im Gegenteil, sie beruht ja auf einem Wissen über die Sage, die meine Kenntnisse sogar zu übertrumphen scheint. Aber ich habe meine Prometheus-Passage eben aus einem anderen Blickwinkel und einer anderen Intention geschrieben.


    Mit freundlichen Grüßen,
    -Poesielos-
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