1. #1
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    Question Suizidale Ballade

    Suizidale Ballade

    Nur mit Kenntnis dieses Witzes,
    der sarkastisch ist, ja ganz unmöglich ,
    ist das nachstehend zu Lesende
    vielleicht einigermaßen,
    wenn überhaupt erträglich.
    Mir wurde bang und bänger,
    darum wurde dieses Stück ein wenig länger.

    Der Witz:
    Zwei Männer treffen sich, sagt der
    Erste zum Zweiten:
    „Warum trägst du denn ein Brot in der Hand, das sieht vielleicht komisch aus.“
    Sagt der Zweite:
    „Ich gehe mich jetzt umbringen. Ich werfe mich vor einen Zug“.
    Sagt der Erste:
    Wenn Du doch sowieso sterben willst, brauchst du doch kein Brot mehr!
    Sagt der Zweite:
    Das hast du zwar recht.
    Aber wenn ich da auf den Gleisen liege und er Zug hat die üblichen Verspätungen,
    glaubst du denn, ich will verhungern?

    Kein Witz:
    In den letzten Monaten fuhr ich des öfteren mit der Eisenbahn.
    Ich hatte die Termine gut geplant, doch ich kam erheblich später an.
    Durch:
    - Steckensperrungen,
    - Zugumleitungen,
    - Verzögerungen, dazu erhielt ich:
    - Erklärungen und
    - Lautsprecherankündigungen auf dem Bahnsteig:
    „Auf Grund eines Personenschadens und der damit verbundenen
    kriminalistisch, notwendigen
    - Ermittelungen,
    fällt der Zug zwischen A und B heute leider ersatzlos aus.
    Das ist höhere Gewalt. Wir bitten um das Verständnis .
    Nutzen sie die
    - Verbindungen
    anderer Züge von A nach B, auch den ICE.
    Es entstehen Ihnen dadurch keine weiteren
    - Verpflichtungen, wir bemühen uns um
    - Erleichterungen“.


    Bei Fahrten mit dem Zug, wurde mir in 12 von 50 Fahrten,
    das obige Erschwernispäckchen überreicht,
    Das hatte mich gefühlsmäßig stark aufgeweicht.
    Ich wurde neugierig nach den ersten beiden Malen,
    und fragte ironisch bei einer Zugbegleitung an:
    „Hatte da etwa wieder einmal einer keine gültigen Zugfahrkarten?
    Oder vielleicht vergessen zu bezahlen?"
    Der Begleiter schüttelte den Kopf.
    Also, das war’s wohl nicht,
    denn sein Gesicht verlor das Lachen,
    eine Traurigkeit begann sich darin breit zu machen,
    Was ich vernahm, schockierte mich,
    ja es war der pure Schreck an sich,
    denn ich bekam zur Antwort:
    „Da hat sich wieder einmal einer vor den Zug geworfen,
    der wollt nicht mehr!“
    Diese Form des Selbstmords bedarf wohl keiner besonderen Erklärung.
    Weil der Mensch, der sich da umbringt ja hofft,
    dass die Methode eben eine todsich’re wär’.
    Das hat er recht. Es ist ein zuverlässiger Krückstock
    für das Hinübergehen in eine andere Dimension..
    Die Art sich umzubringen hat offensichtlich Tradition,
    Das Gute daran ist, man kennt sie schon.
    Unter den von den Auswirkungen gestressten Reisegästen,
    gab es hier und da, in einem resignierten, einem leisen Ton,
    eine kleine, mehr als dürfig gehaltene,
    betretene Diskussion.

    In mir lief folgendes Gedankenmuster ab:
    Da wählt mal wieder einer eine feine
    Reisemöglichkeit hinein ins Grab,
    ihm sei’s gegönnt.
    Doch was läuft davor und auch danach,
    bei den direkt Betroffenen eventuell so alles ab:
    - Beim Lokführer,
    der nicht mehr bremsen
    - bei dem geschockten Fahrgast,
    der’s nicht verstehen
    - bei dem Freitodwähler,
    der’s nicht mehr sagen kann.



    1.Der Zugführer

    Was ist mit dem geschockten Führer dieser Loks,
    Heute fahren die Züge schneller,
    weil mit Strom und Diesel, statt mit Koks.
    Was da, bei der Geschwindigkeit
    von einem Menschen übrigbleibt,
    der sich so entleibt, sieht wahrscheinlich
    meist wenig appetitlich aus, viel weniger,
    als wär’ er ganz geblieben
    und sanft entschlafen im Kreise seiner Lieben..
    Da sammelt man die Reste auf,
    die den Bremsweg schmücken.
    Da kann er sich nicht drücken.
    Dann muß er, trotzdem er notgebremst hat,
    auf die Gleise raus.
    Was helfen ihm da Urlaub oder Psychologen?
    Vergessen wird er einen solchen Vorfall nie.
    Manch einer davon wird nicht wieder
    in den Führerstand des Zuges steigen,
    denn davor, dass es noch mal passiert,
    davor hat er eine irre Angst und wie.
    Ganz unberührt bleibt davon einer selten.
    Wenn man es rechnet, sind das laut Statistik ,
    3 Personen täglich, das ist fast kaum erträglich
    Grob gerechnet, sind ca. 1000 Zugführer jährlich,
    von diesen Selbstvernichtungen anderer betroffen.
    Da bleibt wohl überwiegend
    nur der Innendienst für diesen Menschen offen
    und ich höre die anonyme Bahnsteigstimme sagen:
    „Der Zug fällt aus, wegen Mangel an Personal.
    Wir bitten um ihr Verständnis“ Schon wieder mal.
    Jetzt weiß ich wenigstens den Grund dafür.

    2. Der Fahrgast
    Eine nette jungen Frau , namens Sweet-Angelika
    Der ging es wirklich furchtbar nah.
    Der Zug in dem sie fuhr, hielt an,
    setzt ein Stück rückwärts
    Die Ansage klang monoton
    und wie von Auswärts:
    „Da liegt eine Leiche auf den Schienen.
    Wir bitten die Verzögerung, die Ihnen
    entsteht zu entschuldigen“!
    Da lag er dann, der Mann, nebenan
    auf den Schienen, auf dem Gleisen.
    Angelikas Zug fuhr wieder an.
    Noch näher an die Leich' heran
    und langsam dran vorbei.
    Sein Erdenhaus,
    sagte Sweet-Angelika,
    sah noch recht manierlich aus.
    Da war noch alles an ihm dran.
    Das es das gibt? Nicht zersiebt?
    Das ist eher ungewöhnlich oder dieser Mann,
    hat sich fürchterlich vertan.
    Er lag auf dem falschen Gleis,
    beim Warten auf die Eisenbahn,
    die, auf Grund eines weiteren Personenschadens
    heute, diesbezüglich umgeleitet, gar nicht kam.
    Bei der Untersuchung der Leiche
    stellte man dann fest:
    Er hatte keinerlei Verletzung.
    Ich vermute mal den Rest.
    Er ist gestorben, glaube ich,
    einfach am Schreck
    Der Zug, er donnerte heran,
    fuhr an ihm vorbei, dann war er weg,
    hat ihn nicht mitgenommen.
    Trotzdem hat er sein Ziel erreicht.
    Er ist ja umgekommen, nur nicht nach Plan.

    3. Meine Meinung:

    Ich frage mich jedoch:
    Warum wählt ein Mensch denn überhaupt
    das vorzeitige Weltverlassen, auf diese
    oder eine andere Art? Ich wurde still.
    Die Gedanken, die mir dazu kommen,
    sind schwer. und bedeuten viel.
    Ich frage mich:
    Warum gibt es für Menschen keine Hoffnung mehr?
    Wer fragt den Lebensmüden.
    denn frühzeitig nach seinen Gründen,
    warum kann er keine Ziele für sich finden,
    die bewirken, dass sein Leben
    hier auf Erden ihn noch freud?
    Warum ist hier für ihn nicht lebenswert?
    Christliche Kirchenfürsten haben doktrinär befohlen::
    „Selbstentleibung, das ist eine Sünde“,
    und dazu unmissverständlich und unverhohlen,
    gesagt eindeutig: „No“!
    Selbst wenn der Mensch nicht mehr beeinflussbare,
    grauenhafte Schmerzen am seinem Körper
    und an seiner Seele hat.
    Wo ist die Hilfe, also wo?
    Wo ist denn außer Beten sollen
    und ein paar warmen Pfarrerworten,
    denn eine wirkliche Hilfe, durch die Kirchen da?
    Die Kirchenvertreter psalmodieren ohne Ende, Allerorten:
    Christus habe schließlich auch gelitten!
    Und empfehlen:
    "Hör’ nicht auf zu bitten, ja erhöhe Deine Plagen
    noch durch die Qualen einer Geißelung.
    Tu’ das in religiöser Geistentrückung.
    Wenn du das praktiziert, bist du ihm wirklich nah“.
    Ich denke, Jesus hat den Menschen
    nur gezeigt, wie es ist, zu leiden,
    doch das Leiden abgenommen hat er den Menschen nicht.
    Die Erde bietet genügend Möglichkeiten
    für Frrau und Mann Schmerzen zu ertragen
    oder sie zu verhindern, wenn es geht.
    Zum kleinen Unterschied kann man die Kirchen
    zwar befragen,
    doch eine Antwort gibt' wahrscheinlich nicht..
    Dann gäb’ sie aus der Hand den Grund
    für ihr oft so grausam praktiziertes Religionsgericht.
    Bei Katholiken fängt es mit der Beichte an.

    4. Die Würde und die Selbstbestimmung
    Da schreit man diesen Menschen an:
    „Sei doch gefälligst ruhig, du bist ja krank,
    wenn du dir den Tod wünschst.
    denn nur eins ist wirklich wichtig,
    du hast hier auf dieser Welt zu bleiben,
    selbst wenn Du es nicht willst.
    Dein eigenes Wollen kannst du dir
    in den Schornstein schreiben.
    Wo kämen wir denn da hin, wenn den Freitod wählen
    ein jeder so einfach tun wollte, also lass es bleiben.
    Mit solchen Wünschen gehörst Du in die Klapse!
    Also, tu, was wir Dir sagen, sonst weisen wir dich ein.
    Das wird sowieso das Beste für Dich sein.
    Wir wissen ganz genau, du willst doch leben.........
    Denn ein Facharzt hat’s dem Richter gerade eben
    schwarz auf weiß bestätigt,
    das ein Mensch, der sein Ende selber bestimmen will,
    auf keinen Fall mehr weiß, was er da tut.
    Das so ein Gesunder denkt, ist einfach schlicht „unmöglich“.

    Der Arzt beruft sich auf Hippokrates Das sei ihm Verpflichtung.
    Er hätte das Leben zu erhalten, in jedem Fall, um jeden Preis.
    Für ihn gibt es nur diese eine Richtung
    und das ist auch die Basis unserer Gesetze.
    Der antike Heiler wird es ja wohl wissen müssen.
    Den kann man jedoch leider nicht mehr fragen,
    Mir wird bang.
    Keiner will zu Tode kommen? Will leben, unendlich lang?
    Will der Mensch, was seinen Tod betrifft,
    wirklich nie was wissen?
    „Ja,ja“, es nickt der Richter und der Arzt,
    als wäre das ein sanftes Ruhekissen für ihr Gewisssen,
    „Das stimmt, wer etwas anderes fühlt ,
    der fühlt verkehrt, ja der ist krank.“
    Jetzt entsteht in mir der Zorn!
    Alle über einen Kamm geschoren. Ja!
    Wie bequem!
    Alle krank? Ja!
    Ein Gesunder kann so fühlen? Nein!
    Da gibt es keine Ausnahmen? ja!
    Wie angenehm!
    Ob Hippokrates von einem Leiden je gehört hat,
    mit Namen Lebensqualitäts- und Lebenszielvernichtung.
    Der Heiler der Antike hätte gewiss eine anderen Weg bestimmt,
    hätte er auch nur ahnen können,
    welche Richtung seine Botschaft in unseren Zeiten nimmt.
    Er hätt mit Sicherheit den Tod nicht ausgeklammert.
    Denn er gehört zum Leben, wie das Brot zum Korn.
    Etwas stimmt in unserer Gesellschaft nicht
    und ich beginne mit meinen Überlegungen
    etwas anders und trotzdem ganz von vorn.

    Was man dem Menschen an erster Stelle
    zugestehen sollte,
    ist die Würde der Selbstbestimmung
    seines auserwählten Seins.
    Dieses Recht, von den alten Griechen
    hochgeschätzt und hoch gehalten.
    Ich kann meine Würde jedoch,
    aus den vorgenannten Gründen
    einfach nicht mehr zu spüren,
    nicht mehr finden.
    Aber genauer hingesehen,
    wir haben ein Gesetzt,
    das mir dieses sogar garantiert,
    kaum zu glauben, doch wir haben eins.
    Das Grundgesetzt der BRD Artikel 1, sagt es mir zu,
    vorausgesetzt, dies Recht der Selbstbestimmung
    gehört zu meiner Würde.
    Jetzt fang’ ich an zu zweifeln.
    Die Rechtsprechung, die wir haben,
    lässt im Falle eines Freitodwunsches,
    eben die Eigenverantwortlichkeit
    für sich selber nicht mehr zu.
    Justitia trägt eine Augenbinde, dann hat sie Ruh'
    und macht vor der Verantwortung,
    die Sie nicht übernimmt die Augen zu.

    Ich halte ich das für die bequeme Behauptung der Gesellschaft.
    Ausschließlich der Lebensmüde täte etwas Schlechtes. Ungerechtes!
    Hilfen in das Totenreich zu gehen, bekommt er von ihr nie.
    Oder seh’ ich das vielleicht verkehrt? Was denken Sie?
    In unserem Staat ist, das Suizid für sich wählen,
    nur etwas perverses, eindeutig krankes.
    Die Aktionen einen Menschen
    das Ende seines Lebens selber zu bestimmen,
    endlich dem Tod die Hand zu reichen,
    sind spektalikulär.
    Die aufzuzählen füllt nur leere Blätter und nicht mehr.
    Wer gehen will, der tut das auch.
    Ihn zurückzuhalten, das schafft kein Gesetz
    und keine Religion.
    Die Eisenbahn ist jedenfalls, bis es was besseres gibt,
    Ein Erste Klasse Spezialvehikel
    zum Übergang in eine andere Dimension.
    Es gäb’ ja was, jedoch das zu beschreiben, ist Revolution.
    Wer etwas dazu von mir hören will,
    oder mir etwas dazu sagen muss,
    ja der erreicht mich schon.
    Wenn viele andere mit mir der gleichen Meinung sind,
    das es richtig ist, was ich da geschrieben habe,
    dann lege ich sie offen, diese schöne Illusion.
    Ich weiß es jedoch und das weiß ich nur für mich!
    Auch wenn mir das Gesetz mein Selbstbestimmungsrecht
    verweigert, wenn ich wirklich gehen will, dann gehe ich.
    Doch das geschieht dann unbemerkt und still.
    Wer mich daran hindern will,
    ja den verklag’ ich dann,
    bis zur Verfassungsklage, wenn ich noch kann
    und gehe die Lösung des Problemchens
    eben noch mal, jedoch jetzt anders
    und von vorne an.
    Ich frage um das Transportvehikel
    Zug wohl nur in einer aussichtslosen Lage an,
    der hat mir viel zu viel Verspätung, weil umgeleitet,
    Grund: Personenschaden,
    da war vorher wohl noch ein anderer vor mir dran
    und da läg’ ich dann auf einem falschen Gleis
    und warte mich zu Tode auf den Zug,
    vor den ich mich dann werfen kann.
    Das ist echt frustrierend und ich hab was gegen Schreck.
    Ich glaub, ich nehme mir lieber zur Sicherheit
    ne’ Käsestulle mit und einen Scheck,
    wer weiß, was da noch kommen kann.
    Vielleicht muß man ja demnächst bezahlen,
    für eine Himmelfahrt durch einer Eisenbahn.
    Aber was mache ich mir Sorgen,
    ich hab' ja eine Bahncard.
    Ich spare gerne, wo ich sparen kann.

    ]
    Geändert von Magdalene Helk (15.10.2008 um 03:29 Uhr) Grund: eine Reimzeile stimmt nicht

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