1. #1
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    Klagelos: Anklage

    Du Sprache, bist ortlos geworden.
    Vielleicht hattest Du auch nie
    ein Haus; doch die Worte
    waren Dir Schutz genug.

    Dann hast Du auch sie verlassen.

    Vertriebene, die Du nach Eintracht
    den Menschen die Zwietracht gabst,
    weil sie zu ehren Dich vergaßen.

    Dein Nein zur Befreiung.
    Nun schweigt die Welt Dein Schweigen aus.

    Zu schwer geriet Dir das Entsetzliche:
    Die Menschen Dich zum Schwerte
    zum großen Krieg missbrauchten.

    Und die Juden kleinmachten mit Dir –
    und Schlimmeres:
    Nun schweigt die Welt.

    Du hattest nach Orten gesucht.
    Auch auf deutschen Zungen:
    Dein Nein – zur Befreiung.

    Du hattest nach Orten gesucht
    In Deiner Obdachlosigkeit
    auch auf Deutscher Zunge.

    Ich rufe Dich nicht zurück.
    Nicht in das Land,
    wo Sie Dir stahlen Dein Haus
    Du wortlos geworden bist.
    Kaum ein Nein.

    Ich frage nicht, wohin
    es Dich verschlug, Sprache.

    Und Dein Nein,

    über die schutzlosen Jas hinweg.
    Du sollst Deines Friedens mächtig sein –
    inmitten der Ohnmacht unserer Worte.
    Geändert von der_mohr (13.10.2008 um 22:49 Uhr)

  2. #2
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    Hallo der_mohr,

    zwei Stellen in deinem Text werde der Sprache wahrscheinlich auch nicht so sehr gefallen, weil du mit unschön klingenden und unnötigen Inversionen dort arbeitest.

    Die Menschen Dich zum Schwerte
    zum großen Krieg missbrauchten.


    Die Menschen missbrauchten Dich zum Schwerte
    und zum großen Krieg

    wo Sie Dir stahlen Dein Haus

    wo sie Dir dein Haus stahlen.

    Gruß
    Woitek

  3. #3
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    Inversionen? Sorry, kenne ich nicht. Wenn Du ein nachgestelltes (gelöscht wollend: ", vielleicht besitzanzeigendes") Fürwort meinst... Ja, das meine ich ernst. Und ich glaube, das darf man nutzen, wenn das Bild es gebietet.

    Gruß

    mohrle
    Geändert von der_mohr (19.10.2008 um 10:06 Uhr)

  4. #4
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    Nein, Inversionen sind Umstellungen, die vom grammatischen Normalssatzbau abweichen. (Wir nennen das auch den Yoda-Style ) Das ist beim Reimen in metrisch gebundenen Versen manchmal notwendeig, doch ein guter Dichter sollte es so häufig, wie möglich vermeiden. Viele Anfänger denken allerdings irrtümlich, dass es besonders schön und artifiziell klänge, wenn man schriebe: z.B. "wo sie dir stahlen dein Haus"; doch glaube mir, das ist nicht so und das wird dir jeder der sich länger als einen Nachmittag mit Lyrik beschäftigt hat auch bestätigen.

  5. #5
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    Lieber Woitek,

    schon wieder etwas gelernt... Danke. Die Sache mit dem Nachmittag war meines Erachtens zu viel der Sprache...

    Liebe Grüße

    mohr

  6. #6
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    Ja, stimmt, der Nachmittag ... ach weißt du, ich bin manchmal, vor allem am frühen Sonntagmorgen ein kleiner Cenodoxus

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