1. #1
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    So nett geschüttelt

    (ein letztes mal)

    Heut schreibt doch wirklich jeder Wicht Sonette.
    Doch allen, die das Forum laufend sichten,
    und harren dabei, Rotwein saufend, lichten
    Momenten, sag ich, dass ich nicht so wette.

    Das Wort zu schmieden zu der harten Kette,
    und das Gefasel zähmen, nur mit Dichten
    versüßen, wie ein Lied in Dur: Mit nichten
    gelingt's, selbst wenn man bessre Karten hätte.

    Auch ich sitz da, mit Füßen stampfend. Doppeln
    soll ich drei Reime, in die Zelle quälen.
    (Die Vielgeschmähten werden still mir winken.)

    Muss mehr, aus allen Poren dampfend stoppeln,
    dass Verse auch aus meiner Quelle zählen.
    Sie tun es nicht? Nanu, das will mir stinken.

  2. #2
    Eddigeh Guest
    Ach lieber parlevio

    Zitat Zitat von parlevio
    (ein letztes mal)
    Dat sagense alle.
    Ich hoffe sehr...


    ...du bleibst dir untreu!!!

    Du Meister des Enjambents,
    da harre ich nun Rotwein saufend auf eine Angemessene Antwort und es kommt mir nur: Bravo! bravissimo!
    Man sieht, du spielst in einer anderen Humor-Liga und ich kann nachvollziehen, dass du dich hier schwer tust. Der Lusteffekt stellt sich erst beim zweiten, dritten Lesen richtig ein, und der "Schöpfer" darf Li ruhig mal anerkennend auf die Schultern klopfen. Kein Grund zum Stampfen.

    Gelesen und herzhaft gelacht

    LG eddigeh

  3. #3
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    Gut gesonettet. Hut ab, parlevio. Las, saß und lachte sachte.

    W.
    Keine Signatur ist auch eine. Die andere wurde gelöscht.

  4. #4
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    Lieber Parlevio,

    schütteln kann ich nicht, schon gar nicht so hervorragend wie Du. Ich dachte beim Lesen an mein Uraltsonett, das ich Dir nicht vorenthalten möchte:

    Die arme Poetin

    „Komm her, oh Muse, führe meine Feder.
    Erkennst du nicht, wie traurig ich hier sitze?
    Verkennst du gar, dass jämmerlich ich schwitze?
    Mir fällt der Kopf gleich polternd aufs Katheder“.

    „Oh Dichterwurm, es gibt hier nichts zu machen.
    Bemüh dich drum, du wirst es selber richten.
    Was mußt du unbedingt Sonette dichten?
    Schreib deine Mundart, bring damit zum Lachen“.

    Hat Erató, die Spröde, mich verlassen?
    Wer wird mir nun mein tumbes Hirn erhellen,
    soll ich alleine mich durch Zwänge winden?

    Oh nein, ich werd die Muse drum nicht hassen.
    Trainieren muß ich meine grauen Zellen,
    mit Freuden weiter mich ums Versmaß schinden.


    Ein Sonett zu schütteln, stelle ich mir unendlich schwer vor; Du hast das meisterhaft hingekriegt. Ich lüpfe meinen Schlangenhut mit riesengroßer Anerkennung vor Deiner Kunst!
    Begeisterte Abendgrüße,
    Medusa.
    Geändert von Medusa (26.10.2008 um 20:51 Uhr)

  5. #5
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    Lieber Parlevio,

    Wahnsinn, ein geschütteltes Sonnett! Das muß man Dir erst einmal nachmachen.

    Das Wort zu schmieden zu der harten Kette,
    und das Gefasel zähmen, nur mit Dichten


    Genauso wird`s gewesen sein. wie lange sitzt man an so etwas?
    Herzlichen Glückwunsch,

    Klatschmohn
    ©Klatschmohn
    Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus. Alexander v. Humboldt

  6. #6
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    Hallo Eddi, alter Freund,
    ersteinmal herzlichen Dank. Eine andere Liga? Ich weiß nicht, vielleicht was den Stil betrifft und sicherlich die Resonaz. Diesbezüglich bin ich allenfalls ein Geheimtipp. Ich habe ja früher schon mal meine Taktik zum Auffinden von Schüttelreimen dargelegt. Das führt zu einem Gemisch aus Substantiven, Adjektiven und Verben, das man ohne Wortverdrehung nicht in eine vernünftige Reihenfolge bringt, wohl aber mit Enjambements. Daher deren Häufigkeit. Sie bringen aber auch eine gewisse Dynamik in das Gedicht. Wenn man dieses Stilmittel nicht überstrapaziert, ist es OK.

    Hallo Klatschmohn,
    so lange habe ich eigentlich nicht gebraucht. Es ist viel Routine dabei. Viel lieber wäre es mir, wenn mir einmal vier wirklich poetische Zeilen gelingen würden. Aber vielen Dank für deine Botschaft.

    Ach Medusa, liebe Weggefährtin,
    danke,dass du da bist. Sicher, das Ding habe ich einigermaßen hingekriegt. Aber auch dein Beitrag ist nicht von Pappe. Formal total sauber und inhaltlich treffsicher. Ein gewisser Ferdi hat hier einmal geäußert, dass die Thematisierung des Sonettschreibens in Sonettform ein alter Hut ist. Dem würde ich im Prinzip zustimmen, aber deines ist doch so genau auf deine Situation zugeschnitten, das es verdient, sich im Licht der Öffentlichkeit zu sonnen. Ich selbst habe noch mehrere solche Dinger in der Schublade, dort sollen sie auch bleiben.

    Hallo Walther,
    natürlich sind die gut geschüttelt aber das bedeutet noch lange nicht: viel beachtet. Naja, du kennst ja das Problem. Nichts desto weniger: Schön, dass du vorbeigeschaut hast.

    Nochmals,
    herzlichen Dank und liebe Grüße an alle.

  7. #7
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    hallo lieber parlevio,
    ich finde, es bestätigt sich hier einmal mehr, dass mathematik und sprachkunst-
    handwerk nahe beieinander liegen, bravo!
    und das ganze hat auch inhaltlich noch hand und fuß!!
    liebe grüße
    norbert

  8. #8
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    Hallo Niwlam,
    bedankt habe ich mich noch nicht für deine schönen Verse, weil ich, wie gesagt, abgetaucht bin.
    Danke auch Norbert für die Blumen.
    Mathematik beschäftigt mich zur Zeit mehr, als Verse zu schmieden. Sie hat auch mindestens so viel mit Ästhetik zu tun.
    Da mal wieder geschüttelt wird, nehme ich aber die Gelegenheit wahr, kurz aufzutauchen. Außerdem möchte ich ein aktuelles Thema loswerden.
    Liebe Grüße,
    P.

  9. #9
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    Wow, klasse Fleissarbeit - dies insbesondere, da die Schüttelei der Story keinen Abbruch tut!

    Gruss

    J.
    Oh lodernd Feuer! (Nero in Quo vadis)

  10. #10
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    Hallo parlevio,

    in meiner Flüchtigkeit und Eile habe ich sehr spät Deinen "Quotenhit" entdeckt - er ist es zu Recht. Eine phantastische Leistung. Die Mathematik gehört wohl dazu, ich glaube, daß Musik und Dichtung - wohl auch die Malerei - immer (mehr oder weniger) verwandt mit Mathematik und Geometrie sind und ähnlichen Gesetzen gehorchen. Proportion, Schwingungsverhältnisse ... was weiß ich. Aber das haben ja schon die alten Griechen festgestellt.

    Dank und kräftiges Händeschütteln
    Oswald
    .
    Glück ist nicht das, was du suchst,
    sondern etwas, was du mit offenen Augen entdeckst.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Ich habe kein Werkverzeichnis anzubieten,
    aber ein Besuch auf meiner Home-Page
    würde mich freuen, auch ein Blick auf
    meine Bücher im Berenkamp-Verlag

  11. #11
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    Lieber Oswald,
    danke für die Blumen. Das Mathematik und Kreativität auf künstlerischen Gebieten gut zusammenleben, ist den meisten Mathematikern klar, und die meisten Nicht-Mathematiker glauben eher das Gegenteil. Darum freut mich deine Einlassung besonders.
    Lieber Jote,
    danke auch dir. Fleißarbeit? Nun ja, vielleicht auch ein bisschen.
    Herzlichst,
    P.

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