Thema: Schlusspunkt

  1. #1
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    Schlusspunkt

    Ich hab gesagt, was ich zu sagen hatte.
    Ich schrieb es auf, und wer denn will, der lese.
    Man sei mir deshalb bitte auch nicht böse,
    Wenn fortan ich zu schweigen mir gestatte.

    Wie manch Gedicht ist mit der Zeit entstanden…
    Was tun, wenns mich; wenns meinen Stift erfasst;
    Wenn Mensch und Weltheit mit Geschichten prasst,
    Die, um sich zu verdichten, zu mir fanden?

    So endets nun, und wenn es an der Zeit ist,
    Stell´n sich bestimmt noch ein´ge Zeile ein,
    Denn ich möcht kein Sonnett auf meinem Stein.

    -Und nicht, weil er vielleicht zu wenig breit ist-
    Jedoch knappes Verslein zum Geleit ist
    Genug; das soll das Allerletze sein.



    ____________________________________

    zur erheiterung und verständlichkeit der kommentare hier noch die erste version der terzinen: (prost!))

    So endets nun, und wenn es an der Zeit ist,
    Stell´n sich bestimmt noch ein´ge Zeile ein.
    (Und nicht, weil er vielleicht zu wenig breit ist)

    Ich möchte kein Sonett auf meinem Stein.
    Ein knappes Viererverslein zum Geleit ist
    Genug; das soll das Allerletze sein.
    Geändert von leporello (01.11.2008 um 19:50 Uhr)

  2. #2
    Eddigeh Guest
    Lieber Lepi,

    da solltest du unbedingt noch an den Terzetten basteln. Das kriegt beim Erstlesen etwas unfreiwillig Komisches. Vielleicht liegts bei mir auch daran, dass ich nur komisch kann, aber sag ehrlich. Wenn da steht:

    So endets nun, und wenn es an der Zeit ist,
    Stell´n sich bestimmt noch ein´ge Zeile ein.
    (Und nicht, weil er vielleicht zu wenig breit ist)

    was denkt der Leser denn da spontan? " Na, dann soller doch vorsichtshalber noch einen heben."

    Aber sonst; Das hat was. Könnte ich mir für meinen Grabstein auch gut vorstellen. Einen lustigen Vierzeiler, bei dem die Nachfahren sich noch 30 Jahre später fragen. "Na, wie war der denn drauf?"

    LG eddigeh

  3. #3
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    ach du schreck.
    ich habs ja wahrlich auch mehrmals gelesen und gedreht; auf diese leseart bin ich nie gekommen,
    verstehe aber -grad jetzt im laufe des fortgeschrittenen feierabends- ganz gut, was du meinst.
    da werd ich dann wohl nochmals... mal sehen.
    amüsiert euch zwischenzeitlich
    dankeschön.
    gruass lepi

  4. #4
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    Guten Morgen leporello,

    Auch bei mir kam der in () gesetze Satz wie bei meinem Vorredner rüber..

    Die erste Strophe gefällt mir am allerbesten, die könnt ich mir sogar auf meinem Grabstein vorstellen... aber weit, weit, weit... weg von mir... jedoch weiß man ja nie wanns einem bestimmt ist..

    Ich glaube wer wirklich aus Freude, wenn nicht sogar aus Liebe,schreibt, dem wird man den Stift erst nehmen können, wenn er leise anklopft der Tot....
    Einen Schlusspunkt mitten im Leben zu setzen.. könnt ich z.B. nicht.

    Sehr gerne gelesen,
    behutsame Grüße, Behutsalem
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  5. #5
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    auch du, behutsalem...

    deshalb stellt mans ja ein.
    dankeschön. ich lass mir noch unmissverständlicheres einfallen.
    übrigens hab ich mir die sprechende figur auch alt vorgestellt, also wirklich gegen schluss.
    gruass lepi

  6. #6
    Total Blackout Guest
    Hi Ho,

    Ich hab gesagt, was ich zu sagen hatte.
    Ich schrieb es auf, und wer denn will, der lese.
    Man sei mir deshalb bitte auch nicht böse,
    Wenn fortan ich zu schweigen mir gestatte.

    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx

    Wie manch Gedicht ist mit der Zeit entstanden…
    Was tun, wenns mich; wenns meinen Stift erfasst;
    Wenn Mensch und Weltheit mit Geschichten prasst,
    Die, um sich zu verdichten, zu mir fanden?

    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx

    So endets nun, und wenn es an der Zeit ist,
    Stell´n sich bestimmt noch ein´ge Zeile ein.
    (Und nicht, weil er vielleicht zu wenig breit ist)

    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx

    Ich möchte kein Sonett auf meinem Stein.
    Ein knappes Viererverslein zum Geleit ist
    Genug; das soll das Allerletze sein.

    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX

    Also um mal die Worte sprechen zu lassen; Inhaltlich sagt mir dein Werk zu, auch die an sich Thematisierung eines Schlusspunktes wirkt zu den anderen Themen derzeitig erfrischend.
    Was mich allerdings stört, ist, dass Form und Inhalt nicht zusammen passen. Grundsätzlich hast du kein Sonett geschrieben, da das strenge Reimschema nicht verfolgt wurde, es nicht wie ein Klanggedicht wirkt. In die Terzetten verwendest du oft das Wort "ist" am Versende, was sich wiederum auch nicht flüssig lesen lässt, da eigentlich am Versende einsilbige Worte betont werden. So müsste man streng genommen beispielsweise den Vers:

    "Ein knappes Viererverslein zum Geleit ist"
    xXxXxXxXxxX

    betonen, was augenscheinlich vielleicht Unfug sein möge, sich beim Lesen aber als Stolperstelle in meinen Augen entpuppt.
    In den Quartetten ist das Metrum fließend, aber ein Sonettklang kommt dennoch nicht zustande, da eben von der klassischen Form abgewichen wurden ist.

    Mag sein, dass ein wenig kleinlich ist, was ich hier anspreche, doch beim Sonett, sollte dies ruhig so sein.

    LG TBO

  7. #7
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    hallo TBO und erich.
    so, endlich:
    vielen dank für eure ausführlichkeiten.

    ja, es ist je nach schablone kein sonett, wie es dieser und jener schrieb
    ich behaupt jetzt einfach mal, dass die form schon dermassen durchgespielt wurde, dass es aufgrund der 5hebigen 4433 strophen doch viel eher ein sonett denn was anderes ist
    das mit dem "ist" kann man strenggenommen so sehen, in der praxis, und im bemühen, die zeilen eben doch flüssig zu lesen, meine ich, dass es doch funktioniert. allenfalls etwas zirkeln muss man im falle eines enjambements, wenn es zwei mal unbetont (zeilenende a und auftakt zeile b) ist.
    ich finds ja auch gut, dass du dich für die erhaltung der reinen form einsetzt, wie gesagt, ich meine schon viele andere variationen gelesen zu haben, sodass ich jetzt nicht sagen könnte, ein abab 4zeiler wäre klingender als ein abba; aber ich werd mich wieder mal etwas ungucken.

    @erich:
    ? der mensch prasst. mit diesem und jenem. aber es kommt nicht drauafan, mit was und wieviel; er prasst. nicht?
    aber der plural der zeile, die zeilen ist schlich ein pfusch, danke.
    der abstand hinter der missverständlichen zeile ist durch das muster des sonetts gegeben. aber ich muss wohl tatsächlich die reimstruktur der 3 terzinen umbauen, damit erst der stein kommt, und es klar ist, auf was sich die breite-zeile bezieht.
    danke für den tip.

    a liaba gruass lepi

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