1. #1
    Registriert seit
    Feb 2007
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    3.980

    Gedanken bei Sturm und Wind (Fingerübung)

    Gedanken bei Sturm und Wind (Fingerübung)

    Ich liebe sie nicht, den Sturm, den Regen,
    wenn aus Wolken rinnt tieftraurige Flut,
    uns Dunkles bringt mit wildem Mut,
    sich rauhe Stürme auf allen Wegen
    kreisend und zausend treiben mit Wut.
    Schau her, es tanzen die Blätter, im
    wildwütenden Brüllen peitschenden Tobens
    und brausend zeigt sich der göttliche Grimm.
    Hier rasen Mächte, Kräfte erprobend,
    zeigt sich die Stärke. Menschen, sie klagen.
    Alles wird nicht am Regen verzagen,
    denn die Welt, sie dürstet nach Nass,
    sie bleibt nicht länger traurig und blass.
    Blumen erblühn, die Gräser strahlen.
    Fern der Trockenheiten Qualen
    und der brütend heißen Sonn
    wächst es fröhlich, voll Glücke und Wonn.
    Alles reckt sich, streckt sich hinauf,
    so nimmt die Natur erneut ihren Lauf.
    Sie bringt hervor die schönsten Farben,
    mit Düften aus Bächen, Wäldern und Wiesen,
    der Bergalm, dem Getier, den Garben.
    Aus des Himmels grauen Verliesen,
    durch des Nebels wabernd Verweilen
    und der Seen kräuselnder Pracht
    wehen Schönheit und Duft zur Nacht.
    Staune, schau, wenn sich Wolken zerteilen
    in der letzten und wildesten Bö,
    wenn sie taumeln, flüchten, eilen
    in ferne, kaum ahnbare göttliche Höh.
    Ja, wenn die ersten Sonnenstrahlen
    vergolden Wiese, Berg und Land,
    Katze und Kater sich wohlig aalen,
    Vogelsang klinget vom Waldesrand,
    wirst Du, oh Mensch, in Liebe harren,
    hier, denn die Götter niemals narren.
    Halt ein, erfreu Dich jetzt und heut.
    Das hat noch keinen wirklich gereut!

  2. #2
    Registriert seit
    Oct 2005
    Beiträge
    6.312
    Liebe Medusa,


    Zuerst muss ich dich fragen, wieso Fingerübung?
    Mir scheint, du hast dich an ein Werk eines alten Meisters angelehnt?
    Vielleicht wegen des Versmaßes? Es wechseln sich fast alle Reimformen ab,
    das macht das Lesen ungewöhnlich.
    Ich mag deine Idee, die Worte ein wenig in Reime zu zwängen, wie z.B. Sonn - Wonn;
    das haben die alten Meister auch zuweilen gemacht.

    Natürlich ist auch der Zeilenblock gewöhnungsbedürftig.
    Normalerweise würde ich zur Unterteilung in Strophen raten.
    Aber du wirst dir sicher etwas dabei gedacht haben.
    Verrätst du mir, was?

    Ja, wenn die ersten Sonnenstrahlen
    vergolden Wiese, Berg und Land,
    Katze und Kater sich wohlig ahlen,
    Vogelsang klinget vom Waldesrand,
    wirst Du, oh Mensch, in Liebe harren
    hier, denn die Götter niemals narren.
    Halt ein, erfreu Dich jetzt und heut.
    Dieser Abschmitt gefällt mir am besten, lässt er doch ein ganz lebendiges Geschenen
    vor meinem geistigen Auge entstehen.

    Gern und staunend gelesen.
    Lieben Gruß,
    katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  3. #3
    Registriert seit
    Feb 2007
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    3.980
    Liebe Supikatzi,
    Du bist meiner Vorlage auf der Spur, nicht wahr? Die hat nämlich keine Strophenform, was mir auch nicht wirklich gefällt!
    Das Versmaß hat mich, ebenso wie Dich, ziemlich verwirrt und ich bin mir sicher, das Original würde hier durchfallen!
    Ich freue mich sehr, dass Du meinem Text etwas Lebendiges abgewinnen konntest. Ich gestehe, mir hat die "Fingerübung" viel Spaß gemacht.
    Herzliche Abendgrüße,
    Medusa.

  4. #4
    Registriert seit
    Jul 2007
    Beiträge
    1.366
    Liebe Medusa,

    Deine Fingerübungen haben eine ganz ungewöhnliche Form, ich kann mich da Katzi anschließen. Etwas schwierig waren sie für mich schon zu lesen, weil Du das Gedicht nicht in einzelne Verse eingeteilt hast.
    Was ist das für ein Reimschema? Sehr ungewöhnlich, aber ich halte mich mal zurück, nachher ist es etwas, was ich noch nicht kenne oder kann. (Hexameter oder so etwas.?????????)
    Ja, dies Gedicht habe ich im Übrigen schon einmal kommentiert, könnte da jetzt vielleicht noch mehr dazu sagen, ein Geheimnis steckt darin, das Schema sollte für belesene Menschen doch vielleicht geläufig sein, aber mehr sag ich nicht dazu.

    So beschränke ich mich auf den Inhalt.
    Du beschreibst ein Unwetter, das sich fürchterlich austobt, aber gleichzeitig endlich wieder die Erde tränkt und neues Leben ermöglicht.
    Die Sonne kehrt wieder und Mensch und Tier können sich wieder freuen.

    Ein feines Sommergedenkgedicht, gerade jetzt, wo der Herbst sich immer weiter ausdehnt.

    Liebe Grüße,
    Klatschmohn
    ©Klatschmohn
    Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus. Alexander v. Humboldt

  5. #5
    Registriert seit
    Feb 2007
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    3.980
    Liebe Klatschmohn,
    vielen lieben Dank für Deine Überlegungen.
    Es ist in der Tat durch die fehlenden Absätze sehr schwer zu lesen. Mein "Original" hat sie aber nicht, so dass ich nicht weiß, wo sie hingehören könnten.
    Versmaß? Ach, meine Liebe, da ist alles drin und nichts stimmt so richtig!
    Tja, auf das "Geheimnis" kommt hier wohl keiner; eigentlich sehr schade, wo ich doch sooooo dicht dran bin, nicht wahr? Warten wir mal ab.....
    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  6. #6
    Registriert seit
    Feb 2006
    Ort
    Im Herzen des Vogtlandes
    Beiträge
    5.466
    @Medusa

    Hallo Medusa, Fingerübungen? Ist es ein spontanes schreiben, um Finger und Geist auf „Schnelles“ einzustellen? Ein interner Test ob du noch so „frisch“ wie früher bist? So in diese Richtung würde ich es drücken, nein schieben natürlich. Es könnte ein Urtext sein, wo man sich später die guten Brocken herauspickt, für ein Sonett (Ja 10 Silben sind vorhanden) Oder hast du auf Zeit geschrieben? Um zu testen wie Gut du noch bist, du merkst, der Beisatz: „Fingerübungen“ arbeitet in mir. Zurück.
    Ja ich kann Katzis und Klatschis Anregungen folgen, finde aber, gemessen an deinen Leistungen, hier keinen „Ausrutscher“. Es wird einen Sinn geben, warum du diesen Text nicht in Verse gestopft hast und das Reimschema gemischt hast. Zurück.
    Ja nicht schlecht, habe es eben inhaltlich überflogen. Wobei mir die letzten 4 Zeilen doch so was wie „Notzeilen“ aussehen, was wiederrum meinen Verdacht bestärkt, Schreiben in einer festgelegten Zeit. Eben ganz fix. Zurück.
    Ja, ich hoffe du kannst mit meinen Zeilen leben, ansonsten weis ich doch ganz genau, das du Gut bist.
    Nein der Text ist nicht schlecht, nur eben nicht Medusa-strukturiert, oder ein Erstlings-Text?
    Ich denke, ich komme heut nicht drauf, aber es wird seine Gründe haben. Bis später.

  7. #7
    Registriert seit
    Oct 2005
    Beiträge
    6.312
    Liebe Medusa,
    Tja, auf das "Geheimnis" kommt hier wohl keiner; eigentlich sehr schade, wo ich doch sooooo dicht dran bin,
    nicht wahr? Warten wir mal ab...
    Ein bisschen kommt es mir vor wie Goethes Osterspaziergang von der Form her und auch von der Zeilengestaltung...?

    Ich hab jetzt grad mal noch gegoogelt und finde mich (wahrscheinlich) bestätigt

    Lieben Gruß,
    katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  8. #8
    Registriert seit
    Feb 2007
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    3.980
    Guten Morgen Horstgrosse,

    nein, es ist kein "typisches" Medusa-Gedicht, das heißt, ich habs natürlich geschrieben, aber ich habe mich hinsichtlich Melodie und Versmaß ganz eng an ein bekanntes Werk aus der klassischen Dichtung gehalten. Darum scheint Dir das Versmaß, mit Recht, nicht wirklich zu meinem Oevre zu passen. Für mich ist es trotzdem eines meiner wichtigsten Gedichte.

    Es ist dies meine zweite "Fingerübung, ich "kupfere" ganz gerne, denn es zeigt mir deutlich die Möglichkeiten, die Musikalität und die Magie der Sprache. Ich nenne es "Fingerübung", vielleicht sollte ich es besser als "Hirnakrobatik" bezeichnen - es macht jede Menge Arbeit; von "schnell" kann keine Rede sein! Ich halte es sogar für viel schwieriger als ein eigenes Gedicht zu schreiben.

    Meine "Vorlage" steht hintereinander, vielleicht hat sie in anderen Büchern Strophenform, aber auch in meinem Schulbuch stand sie "in einem Stück".

    Ich danke Dir herzlich für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine Überlegungen, vielleicht fällt Dir das Original noch ein?

    Viele liebe Grüße,
    Medusa.



    Huuuuuch?

    And the winner is... SUPIKATZI!

    Guten Morgen!

    Neugierig wie ein Kätzchen schleichst Du zu Google und wirst fündig! Gratulation!
    Und, was hälst Du von meiner "Überarbeitung? Ich glaub, ich habs ganz gut hingekriegt.
    Ich schicke Dir herzliche und dankbare Grüße,
    Medusa.
    Geändert von Medusa (03.11.2008 um 09:59 Uhr)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Uninspirierte Fingerübung
    Von ubaldvoneberode im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 29.07.2015, 00:58
  2. Fingerübung
    Von ubaldvoneberode im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 03.03.2014, 21:32
  3. dreieckiger mond deine gedanken an wind
    Von Woitek im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 21.09.2010, 15:20
  4. Wind, Sturm und Seele
    Von PoetoftheFools im Forum Natur und Jahreszeiten
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 11.10.2009, 23:15
  5. Gedanken im Wind
    Von CORAZON im Forum Archiv
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 19.10.2002, 22:14

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden