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    Die Tränen des Thanatos

    Die Tränen des Thanatos

    Der Sage nach lebt Hypnos Bruder dort,
    wo einst die Nacht dem Tag entgegen trat.
    Im fahlen Zwielicht liegt der öde Ort,
    an dem er plant die nächste Tat.

    Verdammte leiden in dem Schattenreich,
    in dem sein Vater Tartaros regiert.
    Der Sünder strenger Fürst verflucht ihn gleich,
    als ihm die Nacht den Todesgott gebiert.

    Allein ist Thanatos seit langer Zeit,
    der stets ein scharfes Messer bei sich trägt.
    Die Menschen schickt er in die Dunkelheit
    des Hades. Einsamkeit hat ihn geprägt.

    Und liebt der Todesgott ein junges Weib,
    wie einst am weißen Strand von Mykonos,
    wo zärtlich küsste er den warmen Leib,
    da will sie auch sein Vater Tartaros.

    So schnitt er ihr die schwarze Locke ab
    geschwind, wie er es immer schon getan.
    Den Körper legte er ins kühle Grab,
    allein den Schatten wies er traurig an:

    "Du mußt nun gehen in den Höllengrund
    Dort herrscht mein Vater seit Beginn der Zeit
    Ich tat ihm meine erste Liebe kund,
    mein erstes Glück erregte seinen Neid.

    Das Leben nahm Dir, der Dich weinend liebt.
    Die Tränen schenkt Dir, der das Licht nicht sieht,
    der Deine Leiche in den Armen wiegt,
    und dessen Trauer vor der Sonne flieht.

    Ich gebe Dir zum Abschied auf den Weg,
    ein Gift das Götter in den Hades schickt
    und das ich nun in tote Hände leg,
    auf das es meinen Vaterhass entzückt.

    So gib dem Alten Herrn im Höllengrund,
    das Gift als letzten Gruß von seinem Sohn,
    und streu es schnell in seinen off'nen Schlund.
    Im Schlaf, als Deiner Unschuld Liebeslohn."

    Es weinte Thanatos der diese Worte sprach
    und seiner Liebe Schatten in den Hades warf
    und diese hielt den Schwur, den sie nie brach
    als Tartaros sie nahm, er war so scharf,

    vergiftet ihn die schöne Schattenbraut.
    Die Schmerzensschreie hallten grauenhaft,
    als Tartaros verstarb da schrie er laut:
    „Verfluchte, die ihr lebt in meiner Haft,

    entflieht und lebt fortan im Bann der Nacht.“
    So flohen all die Schatten von dem Ort,
    an dem sie litten unter seiner Macht.
    und nannten sich nach einem alten Wort,

    ...die Kinder der Nacht.

    Geändert von demon17 (09.11.2008 um 08:30 Uhr)
    O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt, und wenn die Begeisterung hin ist, steht er da wie ein missratener Sohn, den der Vater aus dem Hause stieß, und betrachtet die ärmlichen Pfennige, die ihm das Mitleid auf den Weg gab.
    Friedrich Hölderlin

    Dead Poems
    Höllenlyrik

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