Thema: Der Grabstein

  1. #1
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    Der Grabstein

    Unter alten Sandsteinmauern
    dicht von Hecken eingesäumt,
    stehen Steine, überdauern,
    goldbeschriftet und verträumt.
    Und sie stehen,
    und sie sehen
    Menschen still und einsam trauern.

    Keiner, den sie hier bewachen,
    ist jemals zurückgekommen.
    Keiner hat von seinen Sachen
    einmal etwas mitgenommen.
    Keiner nennt,
    niemand kennt,
    welche Reise jene machen.

    Stein, wo sind sie hingegangen?
    In ein seelenloses Nichts?
    Konnten sie vielleicht gelangen
    in das Paradies des Lichts?
    Oder hat
    doch anstatt
    göttlich´ Liebe sie gefangen?
    Geändert von Galapapa (06.11.2008 um 22:00 Uhr)

  2. #2
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    Servus Galapapa!

    Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, jedes mal wenn ich zum Grab meiner Grossmutter gehe, zwei Kerzen mitzunehmen. Eine für ihr Grab und eine für ein Grab an der nie ein Licht brennt. Ich gehe gerne durch Friedhöfe, die Stille die ich dort vorfinde lässt mich innerlich ruhig werden.
    Deine Zeilen gefallen mir gerade deshalb so gut, weil du genauso wie ich die Augen offen hältst und gesehenes, wies scheint nicht einfach beiseite legst, sondern dir auch darüber Gedanken machst.

    Dein Werk brauch vom Inhalt her für mich keinerlei Erklärung.
    Es sagt so viel aus und mir gefällt wie immer deine Wortwahl, dein ineinanderfließen lassen von Gedanken und Erlebten.

    Sehr gerne gelesen,
    liebe Grüße, Line
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  3. #3
    Sneaky Guest
    Hallo galapapa,

    das hat Stimmung, die mir gefällt.

    Zwei Vorschläge hätt ich:
    Hinter alten Sandsteinmauern
    dicht von Heckengrün umsäumt,
    ist`s, dass graue Steine dauern,
    goldbeschriftet und verträumt.
    Und sie stehen,
    und sie sehen
    Menschen still und einsam trauern.

    würde die Inversion entschärfen, ginge aber nur auf Kosten einer Elision. Alternativ könntest du auch das "graue" der Steine weglassen und "ist`s dass Steine überdauern" nehmen.

    Für S2
    Keiner, den sie hier bewachen vermeidet die Wiederholung des "welchen/welche"

    Hab ich gern gelesen.

    Gruß

    Sneaky

  4. #4
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    Hallo Behutsalem,
    danke für Deine Bewertung!
    Ich hatte das Glück, jahrelang die Gräber meiner Eltern und z.T. auch der Großeltern bepflanzen und pflegen zu dürfen. Ich möchte die Zeit, die ich dort verbracht habe und die Wertschätzung, die so meinen verstorbenen Angehörigen geben konnte, nicht missen.
    Einen lieben Gruß nach Österreich!
    Karl-Heinz (Galapapa)

  5. #5
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    Hallo Sneaky,
    vielen Dank für Deine gute Bewertung.
    Was Deine Vorschläge angeht, so finde ich sie sehr gut! Ich habe jetzt zwar eine etwas andere Lösung gefunden, aber Du hattest völlig recht. War ein wenig schlampig gemacht.
    Das "welche", mit dem ich auch nicht so glücklich war, ist auch weg.
    Lieben Dank für die Tips und herzliche Grüße!
    Galapapa

  6. #6
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    Wen man deine Worte liest, hat man ein "kleines" Bild vor Augen, was einen alten Friedhof betrifft.
    Ich selber bin "ein Freund" alter Friedhöfe und spühre dort wärend meiner menschlichen Zeit, die Seelen all der Menschen die dort liegen, kann aber auch daran liegen, das auf solchen Gedenkstätten ja sehr viele Tiere unterwegs sind und das es genau diese Nähe ist, die ich wohl in diesem Moment spühre.
    Aber ich gehe davon aus, das du und die Freunde deiner Worte wissen was ich meine.
    LG

  7. #7
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    Hallo jopageri,
    auch ich spüre etwas, wenn ich mich auf einem Friedhof aufhalte, aber das ist mehr Achtung und Respekt vor den Orten, wo die Gebeine der Verstorbenen liegen, also vor Orten, die diesen Menschen, die sie mal waren,
    geweiht und gewidmet sind.
    Ich glaube, daß ich immer dann Kontakt zu den Seelen habe, wenn ich an sie denke. In unseren Gedanken leben die Gegangenen weiter...
    Herzlichen Gruß!
    Galapapa

  8. #8
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    Hallo Galapapa

    Finde , für mich , dass es keiner Änderung bedarf , vorallem nicht am Anfang ,
    denn der hat etwas , was man nicht schaffen kann , es ist einfach .
    Gefällt mir aussergewöhnlich , bitte um Mehr !!!!!

    ein beeindruckter
    Huby69
    Ein Gedicht ist nur solange gut , bis man weiß von wem es ist !
    Karl Kraus (1874-1936)


    Was bisher von mir kahm !

    Noch ohne Titel
    Was macht der Mensch
    Erlöst
    Gib Mir
    Nicht immer
    Warum danach
    Was macht der Mensch
    Am Horizont
    ALTLASTEN ?
    Neue Form
    REZESSION

  9. #9
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    Lieber Galapapa
    Wieder ein wunderschönes Gedicht.Habe selbst einige Lieben die dort
    die ewige Ruhe gefunden haben.Und auch von uns hat niemand etwas mitgenommen.
    Viele liebe Grüße
    ReMo

  10. #10
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    Hallo huby69,
    danke für die gute Bewertung!
    Hab nur ein klein wenig verändert, weil es so tatsächlich besser ist.
    Um deinem Wunsch nach "mehr" nachzukommen, hab ich grad wieder einen Text übermittelt (Begegnung).
    Würde mich freuen, wenn der Dir auch gefällt.
    Herzlichen Gruß!
    Galapapa

  11. #11
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    Hallo ReMo,
    lieben Dank für Deine Bewertung und das Lob!
    Ich glaube übrigens, daß es gar nicht wichtig ist, nichts mitnehmen zu können.
    Viel wichtiger ist, was wir zurücklassen! Und das kann uns nicht egal sein, denn in den Gedanken unserer Nachkommen und ehemaligen Freunde leben wir lange weiter.
    Herzlichen Gruß!
    Galapapa

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