Thema: Das Schafott

  1. #1
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    Das Schafott

    Zwischen schwarzen Tannenbäumen,
    tief im Wald, vom Dorf weit fort
    und getränkt mit Schreckensträumen,
    gibt es einen düstren Ort,
    der hat grausig eng verbunden,
    tiefes Leid mit Hohn und Spott.
    Hab ihn heut erneut gefunden.
    Alle nennen ihn "Schafott".

    Früh am Morgen, fast noch Nacht,
    auf der Karre festgebunden,
    hat man sie hierher gebracht,
    durch die Folter blutgeschunden.
    Dann, ein letzter Blick ins Tal,
    flehend noch ein Gnadeschrei.
    Nach Sekunden Höllenqual
    quillt das Blut, es ist vorbei...

    Heute steh ich auf dem Felsen,
    wo dies alles einst geschah,
    wo vor Gram die Steine schmelzen,
    hoch am Hang, dem Abgrund nah.
    Abertausend wunde Seelen
    sehe ich im Geiste schweben.
    Wehgeschrei aus stummen Kehlen,
    ausgeraubt an Leib und Leben.

  2. #2
    Sneaky Guest
    Hallo Galapapa,


    ich hab Mühe mit dem Text, nicht wegen der Thematik oder Reime/Metrik. Das läuft rund für mich. Mich irritiert die Szenerie. Das Lyrich sagt "tief im Wald vom Dorf weit weg". Die Richtstätten waren doch eher Hügel und nicht so weit außerhalb, es sollte ja auch der "Volksbelustigung" dienen. Das wäre kaum möglich gewesen, weit draußen im Wald.

    In S2 sprichst du dann vom "Blick ins Tal", in S 3 ist es dann ein "Richtfelsen" auf dem das Lyrich steht. Das wirkt durcheinander.

    Das "blutgeschunden" find ich auch gewöhnungsbedürftig, ich nehme an, damit ist "bis aufs Blut geschunden" gemeint?

    Das solltest du dir nochmals unter die Lupe nehmen.

    Gruß

    Sneaky

  3. #3
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    Hallo Sneaky,
    danke für Deine gute Bewertung und Kritik.
    Es tut mir leid, wenn ich Dich mit der Szenerie etwas verwirrt habe.
    Jedoch, es gibt ganz unterschiedliche "Ausführungen" jener früheren Orte des Grauens, und der Platz mitten im Wald existiert tatsächlich, also fernab vom Ort, wobei ich nicht sagen kann, wie in jener Zeit die Bewaldung ausgesehen hat.
    Die Regel war dies natürlich nicht, aber gerade das macht ja auch den "Reiz" der beschriebenen Szenerie aus.
    Du solltest es einfach auf Dich wirken lassen, so war es auch gedacht.
    Mit herzlichem Gruß!
    Galapapa

  4. #4
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    Hi Galapapa

    Welch Ehre , dass Du mich mit der vierten Strophe bedacht hast !

    Zu den Einwänden von Sneaky möcht ich nur sagen , das ein Ort Schafott heißen könnte , ohne eines zu sein .
    Es gibt auch Kamine in den Bergen , ohne das jemand dort einheizt !

    Thematik : wieder mal ungewöhnlich , deshalb interessant !
    Umsetzung : kommt nahe an das was ich beim Grabstein meinte , ist aber natürlich subjektiv !

    Letzte Zeile in der 3. Strophe : bin ich nicht ganz einverstanden
    Vorschlag : "ausgehöhlte Leiber beben !"

    Hoffe auf weitere "Versuche "

    Hubert
    Ein Gedicht ist nur solange gut , bis man weiß von wem es ist !
    Karl Kraus (1874-1936)


    Was bisher von mir kahm !

    Noch ohne Titel
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  5. #5
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    Hallo Hubert,
    Danke für Deine Antwort!
    Und natürlich auch für die Unterstützung. Dazu möchte ich noch hinzufügen, daß bei meinem Wohnort ein ehemaliger Hinrichtungort auf dem sog. "Galgenberg" liegt; vom alten Ortskern mind. 2 Kilometer entfernt in einem Kiefernwald. Im übrigen ist ein Schafott nicht unbedingt nur eine Bezeichnung für eine Stätte, an der geköpft wurde. Ich weiß, daß an dem beschreibenen Schafott auch lange zeit sog. Hexen verbrannt wurden.
    Für Deinen Vorschlag danke ich Dir. Sei aber bitte nicht böse, wenn ich den Text so lasse, wie ursprünglich gemacht.
    Ich habe mir bei der Aussage "ausgeraubt an Leib und Leben" folgendes gedacht:
    ausgeraubt heißt doch soviel wie "alles weggenommen" oder "vollständig weggenommen". Genau das aber wollte ich mit der Zeile sagen; man hat ihnen den Körper und das Leben weggenommen. Deswegen der Begriff ausgeraubt.
    Ich hoffe, Du kannst Dich damit anfreunden.
    Nochmals danke für Deine Bewertung und einen herzlichen Gruß an Dich!
    Karl-Heinz

  6. #6
    Sneaky Guest
    Hallo Galapapa,

    möglicherweise habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich versuchs noch mal.

    Die Örtlichkeit ist tief im Wald (S1), dieses tief im Wald wird in S2 zu einer Örtlichkeit, von der man aus in das Tal blicken kann? Welches Tal, frag ich mich da? Bisher war davon keine Rede. Es hieß eben nur "tief im Wald". In S3 wird es dann ein "Fels". Wie habe ich mir also die Szenerie vorzustellen? Ich versuch ja in dem Gedicht mitzugehen. Ein kahler Felsenhügel/eine Felsenzacke mitten im Wald, zu der die Bevölkerung hinaufsteigt?

    Was mich auch gestört hat, war das "Dorf". Historisch gesehen hatten die wenigsten Dörfer die hohe Gerichtsbarkeit. Die lag bei den größeren Städten oder beim Grundherren, jedenfalls in einer größeren Einheit als das Dorf, das in S1 skizziert wird.

    Das zusammengenommen lässt mich nicht mitgehen im Text, auch trotz deines Vorschlags "es auf mich wirken zu lassen". Wenn das für mich möglich gewesen wäre, hätte ich mich nicht an der Schilderung gestoßen.

    Gruß

    Sneaky

  7. #7
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    Hi Galapapa

    Ob ich mich damit anfreunden kann , ist nicht relevant !
    Es ist und bleibt ja Deines , und das mit Recht , wie gesagt ist ja subjektiv !

    @ Sneaky

    Wer sagt , dass man eine Gerichtsbarkeit braucht , um aus einem Ort einen solch beschriebenen zu machen ?
    Bin da ganz bei Galapapa .
    Wenn man sich so das finsterste Mittelalter ansieht ...........

    Grüße
    Hubert
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  8. #8
    Sneaky Guest
    @huby


    "Wer sagt , dass man eine Gerichtsbarkeit braucht , um aus einem Ort einen solch beschriebenen zu machen ?"

    Galapapa hats gesagt. Er sagte es sei ein ehemaliger Hinrichtungsort. Den gabs aber auch im finstersten Mittelalter nicht ohne den damaligen rechtlichen Hintergrund. Und damit mein ich jetzt das, was Galapapa auch geschildert hat: Folter, Hinausfahren auf dem Schinderkarren etc.

    Gruß

    Sneaky

    sry für das Abgleiten ins Off-Topic, Galapapa

  9. #9
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    Hallo Sneaky,
    jetzt muß ich aber doch nochmals ein paar erklärende Worte abgeben: also, der besagte Ort ist tatsächlich in der Nähe einer Stadt, wobei ich allerdings nicht weiß, ob diese damals Stadtrechte besaß. Ein Dorf ist es geworden, weil die Stadt nicht in die Metrik gepasst hätte und der "Ort" schien mir auch nicht passend. Das Schafott befindet sich auf einer Anhöhe am Rand eines Steilhanges, der in ein tief eigeschnittenes Flußtal führt. Der Fels ist ein natürlicher, großer Felsbrocken, der, bearbeitet oder natürlich, eine Art Plattform darstellt. Von dort kann man über die Tannenwipfel hinweg ins Tal hinabblicken. So jedenfalls habe ich diesen grauenhaften Ort, den ich nur als Kind einmal gesehen habe, in Erinnerung.
    Ich hoffe, Du kannst Dir jetzt diese Stätte besser vorstellen.
    Und: der Ort heißt wirklich noch heute Schafott und es gibt ein Datum für die letzte Hexenverbrennung an eben dieser Stelle, die danach nicht mehr als Hinrichtungsort genutzt wurde.
    Natürlich vermischen sich in der Beschreibung im Gedicht auch Tatsachen und Phantasie, der Hintergrund aber ist authentisch. Das Schafott ist übrigens tatsächlich ca.2 Kilometer von der Stadt entfernt.
    Sagst Du mir, ob Dir das geholfen hat und ob Du Dir die Szenerie jetzt vorstellen kannst?
    Ich kann Dich übrigens jetzt verstehen: auch wenn das Ganze reine Phantasie gewesen wäre, hätte Dich gestört, daß die beschreibenen Gegebenheiten nicht mit der damaligen und überlieferten Wirklichkeit zusammenpassen, so wie ein Traktor, der vor einer Herde Dinosaurier vorbeifährt.
    Einen herzlichen Gruß aus dem dunklen Schwarzwald!
    Galapapa

  10. #10
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    Hallo Hubert,
    zu Deinem Verständnis: ich hatte angenommen, daß Du Dich an dem Begriff "ausrauben" gestört hast. Ich fand ihn deshalb gut, weil er, zwar etwas unpassend, aber doch die Aussage schön überspitzt: wirklich alles weggenommen....
    Aber, ich glaube, wir haben uns verstanden.
    Bis zum nächsten Versuch. Ich will den Grabstein noch topen!
    Herzlichen Gruß!
    Karl-Heinz

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