Thema: Maria hilf!

  1. #1
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    Maria hilf!

    Mir ist so weh, so wehe!
    Als ob die Welt ein Sturmtief groß,
    darin mein Seel ein Blättlein bloß,
    das nimmer Ruhe fände.

    Mir ist so traut, so traurig.
    Der Tag ein Moloch, ohne Ziel,
    zu wenig Licht und doch zu viel,
    zu grell um ihn zu lieben.

    Mir ist so bang, so bange!
    Wie wenn die Nacht ein Untier wär,
    vor dem mein Herz verzagte, schwer,
    vor lauter Angst und Zittern.

    Ich bin so müd, so müde.
    Nach allem Sorgen, allem Gram
    erblickt mein Auge, fast mit Scham,
    die Ähnlichkeit – oh Eitelkeit! –

    zum hohen Ton von Rilke.

  2. #2
    Eddigeh Guest
    Den Siegmund Freud, erfreute
    es ihn, wie Bub an Mutters Brust?
    Ja, läs’ er deine Zeilen just
    um Forscherdrang zu stillen?

    "Welch ein Talent. Talente
    wie dieses, gab es selten nur.
    Wie rein, so rein auf Rainers Spur
    Die Couch! Um Gottes Willen!"

    Lieber Tiemo,

    mich wundert, warum hier niemand angebissen hat. Mich hat dein Stück echt begeistert. Wie schön du hier den Möchtegern-Romantiker gegeben hast, ist einsame Klasse. Die furchtbare, in wunderschöne Lyrik gepackte Erkenntnis, doch nur ein eitler Kopist zu sein, ist 1a Satire pur.

    Das Stück gehört nach ganz oben.

    Übrigens; nach Durchsicht deiner anderen Werke finde ich: Gereimtes steht dir mindestens genau so gut.

    LG Eddigeh
    Geändert von Eddigeh (27.11.2008 um 11:23 Uhr)

  3. #3
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    Thx!!!

    Wow!, das ist ungelogen die überschwänglichste Kritik, die ich auf der schönen Seite hier jemals bekommen habe. Hast meinen Tag gerettet damit, vielen vielen Dank.

    Den Gleichklang "Rainer - reiner" wollt ich auch noch unbedingt irgendwo einbauen, dann wäre sein schöner Dreifach-Name komplett im Text widergespiegelt. Hab's aber ums Verrecken nicht hingekriegt...tja, da zeigen sich eben ganz deutlich die eigenen Grenzen

    Aber egal, um so schöner ist es, in den Werken von jenen zu schwelgen, denen wir nacheifern, die wirklich von der Muse geküßt sind. Wie eben zum Beispiel Rilke, in dessen gesammelten Gedichten ich zur Zeit nicht nur lese, sondern förmlich lebe - 800 Seiten, fast jede zum Verlieben.

  4. #4
    Eddigeh Guest
    Ehre, wem Ehre gebührt, lieber Tiemo,

    Rilke zu lesen ist sicher schon ein Genuss, ihn zu leben,etwas ganz Besonderes. Da muss ich leider als Kulturbanause passen. Noch schöner, als ihn zu lesen, ist es aber, sich vorlesen zu lassen.
    Wenn du Otto Sander Rilke rezitieren hörst, möchtes vielleicht auch du lieber zuhören. Für mch ein ganz besonderer Genuss.

    Wer jetzt kein Haus hat...

    LG eddigeh

  5. #5
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    Lieber Tiemo
    Ich muss zugeben drei Strophen habe ich gebraucht, ehe ich die Satire kapiert habe. (Zum Glück sind es ja vier!)
    Anfangs dachte ich, ist es denn die richtige Rubrik.
    Der Titel ebenfalls sehr gelungene Satire.
    Ganz schön frech, verliebt in Rilke, du betest ihn an, schwelgst in den 800 Seiten und machst dich über ihn lustig tse, tse, tse!

    Liebe Grüße vom Herbstblatt

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