Thema: Aspiranten

  1. #1
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    Aspiranten

    N'Abend,

    mal eine Frage an diejenigen, die sich ein wenig mit Sprachwissenschaft auskennen. Im Indogermanischen gab es ja noch Aspiranten, diese gibt es - so eine Aussage, die ich wahrgenommen habe - heute im Deutschen nicht mehr. Jedoch sprechen wir ja z.B. bei Tor durchaus noch das behauchte T.

    Aber, so jetzt mein Rückschluss, hat das wohl keine Auswirkung mehr auf die Einteilung als eigenständiges Phonem?! Wird es jedoch trotz allem noch als Phon hier dem Phonem /t/ zugeschrieben und eigenständig transkribiert?

    Danke schonmal,
    Flo
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    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

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  2. #2
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    Nee, das ist nicht wirklich behaucht, das hört sich anders an, glaub mir.

    Der Eindruck, dass es behaucht ist, kommt da wohl eher vom Umstand, dass man ja doch einen gewissen Luftausstoss beim artikulieren hat. Vor der ersten Lautverschiebung hatten wir ja auch ein behauchtes dh, kein th. Wenn ich mich recht entsinne, gibt es auch immer noch Zweifel, ob ein Tenues asp. überhaupt im indogermanischen existiert hat.

    Somit, nein. Es gibt keine eigenständige Transkription, mir würde jetzt auch kein t einfallen, bei dem diese anscheinende Behauchung nicht vorkommt (zumindest wenn ein Vokal folgt).

    LG
    gott

  3. #3
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    N'Abend gott,

    ich hab jetzt eben noch einmal in Busch/Stenschke "Germanistische Linguistik" nachgeschaut, und er führt das sogar in der Transkription folgendermaßen aus:

    Tat [tha:th] (Beide h allerdings hochgestellt).

    Mit ein wenig recherchieren habe ich jetzt aber doch noch gefunden, dass die Aspiraten im Deutschen nicht distinktiv sind. Sprich liegt hier wohl die Ungenauigkeit darin, dass uns in Mediävistik vermittelt wurde, dass die Aspiration wegfällt, aber es eben eher so ist, dass sie - wenn wir davon ausgehen es gab im indogermanischen die Aspiration der Tenues - einfach redundant geworden sind.

    Gruß,
    Flo
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  4. #4
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    In der Mediävistik hätte der Tenues eh nichts zu suchen - denn es können sich ja höchstens noch bei den Medien Überreste gefunden haben (und da haben sie es auch).

    Dass im Deutschen tatsächlich irgendwer mit th transkribiert ist mir noch nie untergekommen. Ich schau mir das Buch bei Gelegenheit mal an.

    LG
    gott

  5. #5
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    Bzgl. der Mediävistik werde ich einfach noch mal die Dozentin drauf ansprechen. Der Tenues hat ja im Zuge der Lautverschiebung hin zu den Frikativen durchaus etwas damit zu tun, oder habe ich dich da grade falsch verstanden?

    Und bei der Transkription kann es durchaus sein, dass es nur in dem Abschnitt der Aspiration extra so transkribiert wurde, was dann aber imo angermerkt werden sollte. (Ich gehe davon aus, dass es so ist, weil die sonstige Transkribtion mit meinem/deinem Verständnis davon übereinstimmt). Aber ich könnte den Prof. Dr. Albert Busch einfach die Tage mal drauf ansprechen, falls es sich ergibt.

    Flo
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  6. #6
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    Ja, die Tenues haben sich verschoben, aber die waren ja nicht behaucht. Na, wenn der Busch bei Euch lehrt, mach das. Ansonsten hätte ich auch noch ein zwei Profs aus der Sprachgeschichte und Indogermanistik, die ich hier fragen könnte.

  7. #7
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    Gut, nur eine Frage noch zu den Tenues, die gab es doch aber auch als asp. Plosive? Sprich es gab, wenn ich das mal vereinfacht aufzeichen darf:

    p/ph, t/th, k/kh, welche sich zu f, d und g verschoben haben. Weil wenn das nicht so ist, dann stimmen meine Aufzeichnungen nicht, was ein wenig kontraproduktiv für die darauf aufbauenden Sachen wäre.

    Flo
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  8. #8
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    Eigentlich geht man davon aus, dass die Tenues unbehaucht waren. Aber da streiten sich die Indogermanisten (!), denn wie gesagt - wenns die gab, dann weitaus früher und hat wahrscheinlich schon im Protogermanischen keine Rolle mehr gespielt.

    Ich glaub, es war Vennemann, der an das Ganze typologisch rangegangen ist und Grimm widersprochen hat - aber das haben wir nicht so eingehend behandelt, weil es doch eher eine nicht wirklich durchgesetzte Meinung ist.

    Für weiterführendes müsste ich noch mal meine Aufzeichnungen bemühen, da mein Fachgebiet erst mit dem Althochdeutschen beginnt.

  9. #9
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    Gut, dann ist das also mal wieder eine Sache der Uneinigkeit und wir haben es in dem Fall so gelernt. Aber ist recht interessant, werd mich da mal ein wenig weitergehend informieren. Danke soweit erstmal.

    LG
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